Gro Harlem Brundtland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gro Harlem Brundtland (2009)

Gro Harlem Brundtland (* 20. April 1939 in Bærum) ist eine norwegische Politikerin und war dreimal Ministerpräsidentin (1981, 1986−1989 und 1990−1996). Als erste Frau war sie von 1981 bis 1992 Vorsitzende der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (Ap).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Brundtland wurde als Tochter des Medizinprofessors und Ministers Gudmund Harlem (1917–1988) und der schwedischstämmigen Inga Brynolf (* 1918) geboren. Ihre Schwester Hanne Harlem (* 1964) wurde ebenfalls Ministerin. Gro Harlem studierte Medizin an der Universität Oslo und schloss 1963 mit dem Staatsexamen ab. Bis 1965 studierte sie Public Health an der Harvard University. Anschließend praktizierte sie in Norwegen einige Jahre als Ärztin.

1960 heiratete sie den Politologen Arne Olav Brundtland (* 1936), mit dem sie vier Kinder hat.

Brundtland engagierte sich schon früh in der Jugendorganisation der Arbeiderpartiet, der Arbeidernes Ungdomsfylking, AUF. Zwischen 1974 und 1979 war sie norwegische Umweltministerin. Am 4. Februar 1981 wurde sie als erste Frau Ministerpräsidentin, ihre Regierung scheiterte allerdings schon im Oktober desselben Jahres.

Sie hatte den Vorsitz der World Commission on Environment and Development (dt. auch kurz: Brundtland-Kommission) der Vereinten Nationen inne und entwickelte dort ein weitgefasstes politisches Konzept für nachhaltige Entwicklung. Der als Brundtland-Bericht bekannte Abschlussbericht mit dem Titel Our Common Future (Unsere gemeinsame Zukunft) wurde im April 1987 veröffentlicht.

Gro Harlem Brundtland (1989)

Zwischen dem 9. Mai 1986 und dem 16. Oktober 1989 (dieses Kabinett wurde international bekannt dafür, dass von 18 Ministerposten acht mit Frauen besetzt waren) sowie dem 3. November 1990 und dem 25. Oktober 1996 war Brundtland erneut norwegische Ministerpräsidentin. 1996 folgte ihr Thorbjørn Jagland im Amt. Von ihrem Amt als Vorsitzende der Arbeiderpartiet trat sie 1992 zurück.

Im Mai 1998 wurde sie zur Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewählt. Nach der regulären fünfjährigen Amtszeit wurde sie am 21. Juli 2003 von Jong-wook Lee abgelöst. Brundtland wurde 2003 von der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift Scientific American zum Policy Leader of the Year erklärt, weil sie eine weltweite Kampagne gegen die Viruskrankheit SARS koordiniert hatte. Danach bekam sie einen Lehrauftrag an der Harvard University als Health Policy Fellow.

Im Mai 2007 wurde Brundtland gemeinsam mit Chiles vormaligem Staatspräsidenten Ricardo Lagos und Südkoreas späterem Premierminister Han Seung-soo von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Sonderbeauftragten für den Klimawandel berufen.[1]

Sie ist auch Gründungsmitglied der 2007 ins Leben gerufenen Global Elders. Dort engagiert sie sich u.a. gegen Kinderheirat.

Brundtland unterstützt die Global-Zero-Bewegung, welche die weltweite Abschaffung aller Nuklearwaffen anstrebt.[2]

Den Terroranschlägen in Norwegen am 22. Juli 2011 sollte auch Brundtland zum Opfer fallen, sie blieb jedoch unversehrt, weil sie den Tatort Utøya kurz zuvor verlassen hatte.[3]

Trivia[Bearbeiten]

In dem Oscar-nominierten norwegischen Spielfilm Elling nach der Romanvorlage von Ingvar Ambjørnsen erweist sich die Hauptfigur als glühender Verehrer der „Landesmutter“ Brundtland.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1988 Indira Gandhi Peace Prize der indischen Regierung
  • 1991 Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN)
  • 1994 Karlspreis der Stadt Aachen
  • 2002 Four Freedoms Award, in der Kategorie Freiheit von Not
  • 2013 ging der Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises an "die Initiatorin des globalen Nachhaltigkeitsdialoges Dr. Gro Harlem Brundtland."
  • 2014 Tang Prize für Nachhaltige Entwicklung

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Secretary-General Appoints Three New Special Envoys on Climate Change Pressemitteilung der UNO vom 1. Mai 2007
  2. Global Zero: Movement Leaders: Gro Brundtland. Abgerufen am 28. April 2013.
  3. Attentäter wollte auch Brundtland ermorden Focus online, 25. Juli 2011, abgerufen am 29. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger

Odvar Nordli
Kåre Willoch
Jan P. Syse
Ministerpräsidentin von Norwegen
1981
1986–1989
1990–1996

Kåre Willoch
Jan P. Syse
Thorbjørn Jagland