GROM

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Dieser Artikel befasst sich mit der polnischen Spezialeinheit GROM. Für weitere Bedeutungen siehe Grom (Begriffsklärung).
Abzeichen der GROM

Die GROMGrupa Reagowania Operacyjno-Manewrowego (Reaktionsgruppe für operative Manöver, Grom heißt im Polnischen wörtlich Donner) – ist eine 1990 vom damaligen Oberstleutnant Sławomir Petelicki gegründete polnische Spezialeinheit. Sie ist Teil des Heeres, allerdings können sich auch Soldaten der Marine und der Luftwaffe bewerben. Eingesetzt wird die GROM sowohl zur Terrorismusbekämpfung als auch bei militärischen Operationen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Vorläufer

In den frühen 1970er- und 1980er-Jahren gab es in der polnischen Armee einige Spezialkräfte, die allerdings hauptsächlich in puren Militärtaktiken (wie Sabotage, Unterbrechung der feindlichen Kommunikation oder ähnliche) oder hauptsächlich in Terrorismusbekämpfung ausgebildet waren.

Nachdem 1982 die polnische Botschaft in Bern durch militante Mitglieder der Polnischen Revolutionären Heimatarmee besetzt wurde, schlug der polnische General Edwin Rozłubirski der Armeeführung vor, eine geheime Einheit zur Abwehr und Bekämpfung von terroristischen und anderen unkonventionellen Gefahren neu zu bilden. Der Vorschlag Rozłubirskis stieß jedoch innerhalb der Führungsriege der polnischen Volksarmee auf Ablehnung.

Erst 1990 kam es zu einer erneuten Diskussion, nachdem zwei polnische Diplomaten in Beirut erschossen worden waren. Daraufhin entsandte die polnische Regierung ein Kommando unter dem Befehl von Oberstleutnant Sławomir Petelicki, um die Sicherheit der polnischen Botschaft zu gewährleisten.

[Bearbeiten] Aufstellung

Angehörige der GROM bei der Operation Iraqi Freedom
Angehörige der GROM-Einheit während der ersten Phase der Invasion im Irak, Umm Qasr im März 2003

Nach seiner Rückkehr nach Polen präsentierte Petelicki dem polnischen Verteidigungsministerium seine Idee von einer militärischen Sondereinheit, die für Sondereinsätze zum Schutz polnischer Staatsbürger speziell im Ausland ausgebildet sein sollte, um zukünftigen Gefahrensituationen wie denen im Libanon besser begegnen zu können.

Petelickis Ideen wurden vom Verteidigungsministerium begrüßt, so dass bereits am 8. Juli des gleichen Jahres die Grupa Reagowania Operacyjno-Manewrowego (deutsch: Reaktionsgruppe für operative Manöver) als Einheit mit der internen Bezeichnung JW 2305 ins Leben gerufen wurde.

Die GROM war bis 2007 dem polnischen Verteidigungsminister direkt unterstellt. Jetzt wird sie innerhalb der neuen Spezialeinheiten (Dowództwo Wojsk Specjalnych) geführt. Die Heimatkaserne befindet sich in Rembertów, einem östlichen Stadtteil Warschaus. Die Führungsstruktur ist stark an die der britischen Special Air Service (SAS) und der US-amerikanischen Delta Force angelehnt, die bei der Ausbildung der ersten Einheitsangehörigen einen nicht unbedeutenden Beitrag leisteten. Seit ihrer Aufstellung besteht die Einheit ausnahmslos aus Berufssoldaten. Genaue Informationen bezüglich Mannstärke und Organisationsstrukturen unterliegen der militärischen Geheimhaltung.

[Bearbeiten] Öffentlich bekannte Zwischenfälle

Am 13. Mai 2002 starb ein Soldat der Einheit während eines Manövers in der Danziger Bucht. Durch einen plötzlichen Wetterumschwung trieb er nach einem Fallschirmsprung in Küstennähe auf das offene Meer. Rettungsmannschaften waren nicht rechtzeitig am Ort und konnten nur noch den Leichnam des Soldaten bergen.

[Bearbeiten] Öffentlich bekannte Einsätze

[Bearbeiten] Auftrag

1. CT (eng. Counterterrorism) – Anti-Terror, also die tatsächliche Bekämpfung von Terroristen. Der Begriff umfasst sowohl eine unmittelbare militärische Antwort auf terroristische Bedrohungen als auch Operationen, bei denen Polizeikräfte überfordert wären (Beispiel: Besetzung der iranischen Botschaft 1980 in London – Operation Nimrod). Dies umfasst auch die Befreiung von Geiseln.

2. PR (eng. Personal Recovery) – darunter fallen unter anderem Combat Search and Rescue sowie die Evakuierung von Botschaftspersonal aus bedrohlichen Situationen.

3. SR (eng. Special Reconnaissance) – Sonderaufklärung. Darunter versteht man die Informationsgewinnung im Hinterland des Feindes, insbesondere militärischer Informationen wie beispielsweise die Ortung bewaffneter Einheiten des Feindes oder die Gewinnung von Informationen über gegnerische Bewaffnung und Mannstärke. SR umfasst zudem die Bewertung eigener Offensivaktionen aus nächster Nähe, wie zum Beispiel von Artillerie- und Luftangriffen.

4. DA (eng. Direct Action) – unmittelbare Aktionen. Darunter fällt die Vorbereitung von Hinterhalten und die Eroberung oder Bekämpfung von bestimmten Zielen am Boden oder in der Luft. Dazu kommt die direkte Bekämpfung oder Sabotage von Kommandozentralen, Luftwaffenbasen, Kriegshäfen, Fernmeldeeinrichtungen oder zentrale Einrichtungen der Energieversorgung. Hauptziele sind gezielte Schläge gegen wichtige Elemente der Infrastruktur und die Verwirrung des Feindes.

5. MS (eng. Military Support) – militärischer Unterstützung, Ausbildung von verbündeten und eigenen Einheiten in Friedenszeiten. Unterstützung und Beratung von Verbündeten in Kriegs- und Krisensituationen.

6. UW (eng. Unconventional Warfare) – unkonventionelle Kriegsführung, beispielsweise Durchbrüche zu eigenen eingeschlossenen Einheiten sowie Guerillakriegsführung.

7. CSAR (eng. Combat Search and Rescue) – Durchführung von Rettungsaktionen, zum Beispiel Bergung abgeschossener Flugzeugbesatzungen im Feindgebiet.

[Bearbeiten] Organisation

Die GROM besteht aus etwa 300 Berufssoldaten, darunter befinden sich auch einige Frauen in der Verhandlungsgruppe. Genaue Informationen bezüglich Mannstärke und Organisationsstrukturen unterliegen der militärischen Geheimhaltung. Bekannt ist jedoch, dass eine Einsatzgruppe in der Regel aus vier Soldaten besteht, von denen jeder einzelne zwei autonome Sonderaufgaben übernehmen kann.

[Bearbeiten] Führung

[Bearbeiten] Rekrutierung und Ausbildung

Die Aufnahmeanforderungen der GROM orientieren sich in erster Linie an denen der britischen SAS. Jeder Bewerber muss sich vor seinem Beitrittsgesuch darüber im Klaren sein, dass er an keinem einmaligen Wettkampf teilnimmt, sondern den ersten einfachen Schritt in Richtung einer mehrjährigen, äußerst anspruchsvollen und gefährlichen Arbeit macht.

Seit im Jahr 1990 mit der Rekrutierung begonnen wurde, kommen Bewerbungskandidaten hauptsächlich aus den Reihen anderer Fallschirmjäger- und Spezialeinheiten der polnischen Streitkräfte. Dies sind beispielsweise das 1 Samodzielny Batalion Szturmowy (jetzt 1 Pułk Specjalny Komandosów) aus Lubliniec, die Grupy Specjalne Płetwonurków „Formoza“ (jetzt MJDS) und andere. Ferner werden neben Kandidaten aus den Spezialkräften von Polizei oder Grenzschutz auch Zivilisten, zum Beispiel mit Hochschulabschluss, zur Bewerbung zugelassen.

Zu Beginn der Rekrutierung muss jeder Kandidat ein Motivationsschreiben einreichen. Aus den 300 bis 400 jährlich eingereichten Bewerbungen wird im ersten Schritt ein nicht unerheblicher Teil aussortiert. Nach einer ersten Auswahl werden die Bewerber zu psychischen und physischen Tests eingeladen. Die Tests bestehen unter anderem aus einem 100-m-Sprint und einem 3000-m-Lauf, Schwimm- und Tauchdistanzen sowie zahlreichen anderen körperlichen Belastungstests. Des Weiteren stehen Orientierungstests und ein sogenannter Gewaltmarsch über mehrere Tage mit bis zu 40 kg Gepäck (vergleichbar mit der Abschlussprüfung des KSK sog. Höllenwoche) auf dem Testprogramm.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung wird besonderer Wert auf die Kampf- und Schießausbildung gelegt, in der nur mit scharfer Munition geschossen wird.

[Bearbeiten] Ausrüstung

HK MK23
HK G36
M249 SAW
PGM Hecate II
Remington 870

[Bearbeiten] Kurzwaffen

[Bearbeiten] Maschinenpistolen

[Bearbeiten] Sturmgewehr

[Bearbeiten] Maschinengewehr

[Bearbeiten] Scharfschützengewehr

[Bearbeiten] Granatwerfer

[Bearbeiten] Flinten

[Bearbeiten] Handgranaten

[Bearbeiten] Militärische Tradition

Die Grom führt die militärische Tradition der Cichociemni fort, einer geheimen polnischen Fallschirmjägereinheit, die während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen operierte, zahlreiche Attentate auf Gestapo- und SS-Offiziere durchführte und am Warschauer Aufstand beteiligt war.

Nach der Gründung der GROM erhielten alle ehemaligen Mitglieder der Cichociemni einen Ehrenkombatantenstatus in der neugegründeten Einheit. Auf dem Kasernengelände in Warschau-Rembertów befindet sich ein Gedenk- und Dokumentationsraum, in dem persönliche Ausrüstungsgegenstände von Mitgliedern der Cichociemni ausgestellt sind.

[Bearbeiten] Partnerschaften mit anderen Spezialeinheiten

[Bearbeiten] Literatur

  • Sören Sünkler: Elite- und Spezialeinheiten Europas. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 3-613-02853-0.
  • Hubert Królikowski: Wojskowa Formacja Specjalna GROM im. Cichociemnych Spadochroniarzy Armii Krajowej. Gdański Dom Wydawniczy, Gdańsk 2002, ISBN 83-909622-3-3.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Charles Beckwith: Delta Force: The Army's Elite Counterterrorist Unit. Avon Books, New York 2000, ISBN 0-380-80939-7.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: GROM – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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