Gronau (Bonn)

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50.7183083266977.1228313446045Koordinaten: 50° 43′ 6″ N, 7° 7′ 22″ O

Gronau
Bundesstadt Bonn
Einwohner: 1806 (31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 53113
Vorwahl: 0228
Karte

Lage von Gronau in Bonn

Skyline: Tulpenfeld, Posttower und Langer Eugen

Gronau (auch „die“ Gronau) ist ein Ortsteil der Stadt Bonn am südlichen Rand des Stadtbezirks Bonn. Er gehört heute zum Bundesviertel und ist Standort einiger der markantesten und geschichtsträchtigsten Gebäude Bonns. Der Name Gronau bezeichnete ursprünglich den Norden der heutigen Rheinaue.

Lage[Bearbeiten]

Gronau wird im Osten und Westen durch den Rhein bzw. die linke Rheinstrecke begrenzt, im Süden durch die Bundesautobahn 562/Konrad-Adenauer-Brücke, die entlang der ehemaligen Stadtgrenze zu Bad Godesberg errichtet wurde, und im Norden durch die Weberstraße. Im Nordwesten umfasst der Ortsteil auch einen Teil der Südstadt (über den Ortsteil Südstadt hinausgehend) an, im Westen grenzt er an Kessenich, im Südwesten Dottendorf, im Süden an Friesdorf und im Südosten an Hochkreuz. Der Nordteil der Rheinaue gehört zur Gronau.

Der statistische Bezirk Gronau-Bundesviertel besitzt eine vom Ortsteil Gronau leicht abweichende Abgrenzung. Er umfasst nicht die auf Höhe der Südstadt westlich der Bundesstraße 9 liegenden Bereiche. Der Ortsteil Gronau (auch „die“ Gronau) liegt zu einem großen Teil auf ehemaligem Gemeindegebiet bzw. der heutigen Gemarkung Kessenich.

Geschichte[Bearbeiten]

Villa Hammerschmidt

Der Name Gronau wurde in der Bedeutung „grüne Aue“ erstmals 1322 im Urkundenbuch der Abtei Heisterbach als in loco Groynsowen erwähnt.[2]:2 Im Bereich der heutigen katholischen Kirche St. Winfried am Sträßchensweg ist seit dem 15. Jahrhundert eine Windmühle nachzuweisen, die als Mahlmühle für die umliegenden Ortschaften diente. Diese waren mit ihr durch jeweils eigene Pfade und Gassen verbunden, sodass an der Windmühle Wege aus fünf verschiedenen Richtungen zusammentrafen. 1650 wurde die Mühle geschleift; erhalten blieb bis ins 20. Jahrhundert eine oberirdische Turmruine.[2]:5 An der Landstraße zwischen Bonn und Godesberg an der Abzweigung der zum Rhein führenden heutigen Heussallee (damals Sieghausgasse) befand sich das Siechenhaus von Bonn.[2]:3

Lange Zeit wurde die Gronau überwiegend landwirtschaftlich genutzt. 1901 wurden in den Gronauer Rheinauen ein Bismarckturm und etwas weiter nördlich eine Stadthalle (1944 kriegszerstört und 1953 gesprengt) errichtet. Im Herbst 1906 begann an der späteren Drachenfelsstraße (heute Kurt-Schumacher-Straße) die Errichtung der „Villenkolonie Gronau“, die von den Architekten Julius Rolffs und August Scheidgen auf der Grundlage eines Vertrags mit der Stadt Bonn (Abschluss am 18. August 1906) in unternehmerischer Eigenregie (inkl. Straßenausbau) unter Beteiligung der Bonn-Limpericher-Terrain-Gesellschaft[3] durchgeführt wurde. Die zum Rheinufer hin gelegene Straßenseite durfte dabei nicht bebaut werden.[4][5]

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland wurde, erlebte der Ortsteil ein rasantes Wachstum. Da hier einige repräsentative Gebäude (darunter die Villa Hammerschmidt und das Palais Schaumburg) zur Verfügung standen und gleichzeitig durch die Stadtrandlage viel Platz für Neu- oder (an der Drachenfelsstraße) rückwärtige Erweiterungsbauten vorhanden war, bot sich die Gronau als Teil eines künftigen Regierungsviertels an. In der Folge setzte rege Bautätigkeit ein. Am Rhein entstand das Bundeshaus für den Bundestag, entlang der Bundesstraße 9 nach Bad Godesberg – vom Volksmund „Diplomatenrennbahn“ genannt – unter anderem die britische Botschaft und die Parteizentralen von CDU (Konrad-Adenauer-Haus) und SPD (Erich-Ollenhauer-Haus).

Südlich des Bundeshauses befanden sich bis in die 1960er-Jahre noch die Sportanlagen für Bonn, bis diese in den Sportpark Nord verlegt und dem Bund zur Bebauung überlassen wurden. Nach und nach entstanden weitere Regierungsbauten, darunter das Bundeskanzleramt und das Abgeordneten-Hochhaus „Langer Eugen“. Mitte der 1970er-Jahre wurden Pläne, weitere Ministerien-Hochhäuser zu errichten, von der Stadt Bonn durch die Schaffung des Landschaftsparks Rheinaue weitgehend vereitelt. Der Lange Eugen wird mittlerweile von den Vereinten Nationen genutzt. Im Bundeshaus und in weiteren benachbarten, ehemaligen Gebäuden des Bundestages befindet sich das Internationale Kongresszentrum Bonn. Die Bezeichnung „World Conference Center Bonn“ (WCC Bonn) löste die bis zum 14. Mai 2007 benutzte Bezeichnung „Internationales Kongresszentrum Bundeshaus Bonn“ (IKBB) ab.

Heute leben im Ortsteil Gronau etwa 1650 Menschen, ein Großteil im so genannten „Johanniterviertel“ im Süden des Ortsteils. Die Zahl der Arbeitsplätze ist ein Vielfaches der Einwohnerzahl. So befinden sich hier die Konzernzentralen von Telekom, Post (Post Tower) und Postbank, die Deutsche Welle, sowie zahlreiche kleinere Unternehmen. Außerdem hat das Bundeskanzleramt seinen Zweitsitz im Palais Schaumburg, ebenso der Bundespräsident in der Villa Hammerschmidt. Im ehemaligen Hauptgebäude des Kanzleramtes ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung untergebracht. Das Tulpenfeld ist Domizil der Bundesnetzagentur geworden und ist noch Standort einer Außenstelle der Bundespressekonferenz. Das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern ist in einer repräsentativen Villa ansässig, die von 1961 bis 1999 die Residenz des ägyptischen Botschafters beherbergte.

Westlich des Bundeshauses soll frühestens bis 2015 eine umfangreiche Erweiterung des internationalen Kongresszentrums (World Conference Center Bonn) entstehen, die die Anzahl der Kongressteilnehmer in Bonn vervielfachen soll.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Im Süden der Gronau liegt das zwischen 1972 und 1978 neu erbaute „Johanniterkrankenhaus“, das verschiedene Fachbereiche abdeckt. Das Vorgängergebäude hatte an gleicher Stelle von 1915 an existiert und war 1955 erweitert worden. Am Rande des Johanniterviertels liegt die katholische Kirche St. Winfried. Das Friedrich-Ebert-Gymnasium mit deutsch-französischem Schulabschluss liegt ebenfalls auf dem Gebiet des Ortsteils Gronau.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gronau (Bonn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. bezieht sich auf den Statistischen Bezirk Gronau-Bundesviertel; Quelle: Bevölkerungsstatistik – Bevölkerung in Bonn – Stichtag: 31.12.2013, Bundesstadt Bonn, Statistikstelle, Februar 2014
  2. a b c Landschaftsverband Rheinland, Amt für Denkmalpflege im Rheinland (Hrsg.); Elke Janßen-Schnabel: Denkmalbereich Regierungsviertel in Bonn, 1998/2000, redaktionelle Überarbeitung am 25. Juli 2013.
  3. Ulrich S. Soénius: Wirtschaftsbürgertum im 19. und frühen 20. Jahrhundert: die Familie Scheidt in Kettwig. 1848–1925. In: Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Band 40, Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, 2000, S. 585.
  4. Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914, Band 3, Katalog 2, Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, S. 285 f.
  5. Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914, Band 1, Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, S. 18. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994)