Groove (Musik)
Der aus dem US-amerikanischen Englischen ins Deutsche übernommene Begriff Groove bedeutet zweierlei:
- Zum einen bezeichnet er eine für ein Musikstück typische Rhythmusfigur oder ein rhythmisch-metrisches Grundmodell oder -muster. Man unterscheidet unter anderem verschiedene Taktarten und innerhalb dieser binäre und ternäre Grooves sowie die Verteilung der Betonungen. Swing ist beispielsweise charakterisiert durch den Viervierteltakt und das sich wiederholende Muster einer Viertelnote, einer Triolenviertel und einer Triolenachtel. Der Song „Take Five“ ist im Fünfvierteltakt und durch das markante Muster Triolenviertel, Viertel, Triolenachtel, Viertel, Viertel, Viertel und der Betonung auf 1 und 4 beinahe zu identifizieren.
- Zweitens bezeichnet „Groove“ das Spiel und Zusammenspiel von Musikern im Microtimingbereich. So klingt ein „laid back“-gespielter Viervierteltakt anders, als wenn er gerade gespielt wird.[1]
- Laien verstehen unter dem Groove eines Stückes ein bestimmtes Gefühl, das durch Rhythmus, Spannung und Tempo des Musikstücks erzeugt wird.
Groove ist das Empfinden eines fließenden bzw. schwingenden Rhythmus' eines Musikstücks, das im Zusammenspiel einer Band hauptsächlich durch die Rhythmusgruppe (Schlagzeug, E-Bass oder Kontrabass, Gitarre und Keyboards gespielt) erzeugt wird und zum Mitwippen, Bewegen und Tanzen animiert. Groove findet man in der modernen Unterhaltungsmusik besonders in jenen Stilrichtungen, die ihre Wurzeln in der afro-amerikanischen Musik haben (z.B. Rhythm and Blues, Funk, Jazz, Soul, Salsa, Rock, Pop und Hip-Hop). Einige Musikbeflissene nennen das Konzept des Groove einen subjektiven und schwer fassbaren Begriff; unter erfahrenen Musikern allerdings besteht ein gemeinsames, intuitives und praxisbasiertes Verständnis und Empfinden für den Begriff Groove.
Der Terminus entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist vom Bild der immer gleichbleibenden Ackerfurche abgeleitet (engl. groove = „Furche“, „Rille“, „Spur“), die dem Bauern die Marschrichtung vorgibt. Auch die Schallplattenrillen heißen im Englischen „grooves“. Der „Groove“ ist beim Rhythmus das, was bei der Melodie Riff genannt wird, zieht sich aber im Gegensatz zum Riff durch das ganze Musikstück. Beides fällt unter den Oberbegriff des Ostinato (Italienisch, abgeleitet vom Lateinischen obstinatus, hartnäckig, eigensinnig) – eine sich ständig wiederholende musikalische Phrase.
Der Groove gibt ein rhythmisches, oft synkopisches Grundmuster vor, das in der Folge variiert werden kann und gegen das die übrigen Musiker anspielen. Dieses Spannungsverhältnis verleiht dem Groove einen besonderen Reiz. Ein Groove wirkt auf die Zuhörer unbewusst psychomotorisch stimulierend. Besondere Bedeutung hat der Groove daher in Stilen der Tanzmusik wie Funk oder Disco. Ein gutes Beispiel ist die Musik James Browns der frühen 70er Jahre.
Ein bekanntes Beispiel, wie der Groove sich auch im weißen Mainstream-Pop durchsetzte, ist der Popsong „Take a Chance On Me“ von ABBA. Während Agnetha und Frida die Melodiestimmen singen, skandieren Benny und Björn den Groove „Take a chance take a chance take a take a chan chance“.
„Im Groove sein“ ist einerseits Ausdruck für Übereinstimmung im Handeln mehrerer Menschen, z.B. dem Zusammenspiel mehrerer Musiker, andererseits die Bezeichnung für ein Glücksgefühl, das durch psychomotorische Stimulation wie beim Tanzen ausgelöst wird aber auch einfach die Wahrnehmung des Flusses eines Musikstücks.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Klingmann, Heinrich (2010): Academic Grooves, in: PopScriptum. The Groove Issue, Schriftenreihe herausgegeben vom Forschungszentrum Populäre Musik der Humboldt-Universität zu Berlin, Nr. 11, 26 Seiten (pdf; 240 kB)
- Transcript-Verlag