Grosser Kurfürst (Schiff, 1899)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Großer Kurfürst
Die ehemalige Großer Kurfürst als US-Truppentransporter Aeolus

Die ehemalige Großer Kurfürst als US-Truppentransporter Aeolus

p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichspostamtsflagge) Deutsches Reich
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
andere Schiffsnamen
  • Aeolus
  • City of Los Angeles
Schiffstyp Passagierschiff
Heimathafen Bremen
Eigner Norddeutscher Lloyd
Reederei Norddeutscher Lloyd
Bauwerft Schichau-Werke, Danzig
Stapellauf 2. Dezember 1899
Verbleib ab 1937 in Japan abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
177,05 m (Lüa)
Breite 18,99 m
Tiefgang max. 10,9 m
Vermessung 13.183 BRT
 
Besatzung 273
Maschine
Maschine 2 Vierfachexpansions-Dampfmaschinen
Maschinen-
leistung
9.000 PS (6.619 kW)
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Propeller 2
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 12.400 tdw
Zugelassene Passagierzahl im Dienst des NDL:
I. Klasse:144
II. Klasse: 282
Zwischendeck: 2373

Der Reichspostdampfer Grosser Kurfürst des Norddeutschen Lloyd (NDL), der 1899 bei Schichau in Danzig von Stapel lief, war das größte für die Reichspostdampferlinien gebaute Schiff. Es handelte sich um eine vergrößerte Ausgabe der Barbarossa-Klasse. Der NDL wollte mit diesem Schiff auf der Linie nach Australien für die Passagiere attraktiver werden.

1917 in den USA beschlagnahmt, wurde das Schiff bis 1932 unter amerikanischer Flagge eingesetzt.

Einsatz für den NDL[Bearbeiten]

Die Grosser Kurfürst startete am 5. Mai 1900 ihre Jungfernreise nach New York.

Am 7. November begann ihre erste Fahrt im Reichspostdampferdienst nach Australien. Sie war zu diesem Zeitpunkt das größte nach Australien eingesetzte Passagierschiff und blieb es bis 1913, als der Blue Funnel-Liner Ulysses (14.449 BRT) zum Einsatz kam. Allerdings führte die Grosser Kurfürst in 13 Jahren nur 9 Rundreisen nach Australien durch. Die letzte Rundreise startete am 7. Januar 1912 in Bremerhaven.

Daneben wurde das Schiff auf der Linie nach New York eingesetzt. 1910 ist sie vermutlich auch auf der Mittelmeerlinie Genua – New York zum Einsatz gekommen.

Dazu führte sie etliche Kreuzfahrten durch. So fuhr sie am 8. März 1904 aus New York in den Orient, um unter anderem 800 amerikanischen Sonntagsschullehrern die Teilnahme an einem Konvent in Jerusalem zu ermöglichen. Vom 27. Juni bis 25. Juli 1908 führte sie eine Polarfahrt[1] durch, die im Juni 1910 und vom 18. Juli bis 16. August 1911 wiederholt wurde. Vom 11. Februar bis zum 24. April 1909 machte die Grosser Kurfürst eine 72-tägige Orientfahrt von New York und am 20. Februar 1913 die erste vierwöchige Westindienkreuzfahrt des NDL ebenfalls aus New York.

Am 9. Oktober 1913 war die Grosser Kurfürst unter Kapitän Spangenberg an einer der größten Rettungsaktionen im Atlantik beteiligt, als sie als eines der ersten Schiffe das im Orkan brennend treibende Auswandererschiff Volturno erreichte und es ihren freiwilligen Bootsbesatzungen gelang, 105 Menschen zu retten. 1914 wurde die Grosser Kurfürst in New York aufgelegt.

Kriegs- und Nachkriegsverwendung[Bearbeiten]

Als die USA in den Krieg eintraten, wurden das Schiff beschlagnahmt, und von der US Navy (wie die meisten deutschen Schiffe erst unter dem eigenen Namen) als USS Grosser Kurfürst in Dienst gestellt. Noch während der Herrichtung und Reparatur für den Einsatz als Truppentransporter erfolgte die Umbenennung in Aeolus (ID-3005). Sie brachte ab dem 26. November 1917 auf acht Reisen von Hoboken (New Jersey) nach Saint-Nazaire oder Brest 24.770 Soldaten nach Frankreich und nach dem Waffenstillstand in sieben Reisen 27.098 Männer zurück in die USA. Zur letzten Reise verließ Aeolus Brest am 26. August und erreichte New York am 5. September 1919.[2]

Von der US Navy außer Dienst gestellt, wurde sie bis zum 20. November 1920 in Baltimore für 3 Millionen Dollar überholt und von der Munson Line[3] nach Südamerika zu den La Plata-Häfen in Einsatz gebracht. Ob sie beim Umbau auch Turbinen erhielt, ist ungeklärt.

Im August 1922 wurde sie an die Los Angeles Steamship Company[4] verkauft und nahm am 11. September 1922 als City of Los Angeles[5] den Dienst von Los Angeles nach Honolulu auf.
Die Los Angeles Steamship Company kaufte zwei weitere Halbschwestern. Die ehemalige Friedrich der Große geriet auf ihrer ersten Fahrt als City of Honolulu in Brand und musste am 17. Oktober 1922 versenkt werden. Am 4. Juni 1927 erfolgte die erste Fahrt der ehemaligen Princess Alice als City of Honolulu (II) mit Fracht und Touristen nach Hawaii, wo sie bis Mai 1930 in Dienst blieb.
Im Januar 1931 wurde die City of Los Angeles[6] zum Test eines Postnachtfluges genutzt, als eine Ford Trimotor von Glendale aus dem Schiff nachflog und einen Sack mit 12.527 Briefen an Deck warf.
Im August 1932 wurde das Schiff in San Diego aufgelegt. Anfang 1937 wurde die ehemalige Grosser Kurfürst nach Japan zum Abwracken verkauft. Sie kam am 29. April 1937 in Osaka an.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt. Band 2: Expansion auf allen Meeren 1890 bis 1900. Ernst Kabel Verlag, Hamburg 1987, ISBN 3-8225-0038-0 (Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums 19).
  • Arnold Kludas: Die Seeschiffe des Norddeutschen Lloyd. Band 1: 1857 bis 1919. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1991, ISBN 3-7822-0524-3.
  • Christine Reinke-Kunze: Geschichte der Reichs-Post-Dampfer. Verbindung zwischen den Kontinenten 1886–1914. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1994, ISBN 3-7822-0618-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grosser Kurfürst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bild im Polarbereich
  2. Aeolus im US-Dienst
  3. Munson Line in der englischsprachigen Wikipedia
  4. Geschichte der Los Angeles Steamship und Einsatz ehemals deutscher Schiffe
  5. Artikel zur City of Los Angeles mit Bild im Hawaii-Dienst
  6. Bild der City of Los Angeles