Grund-Schwalheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.4138888888898.9027777777778129Koordinaten: 50° 24′ 50″ N, 8° 54′ 10″ O

Grund-Schwalheim
Gemeinde Echzell
Höhe: 129 m ü. NHN
Einwohner: 27 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 61209
Vorwahl: 06008

Grund-Schwalheim ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Echzell im Wetteraukreis, Hessen.

Grund-Schwalheim liegt direkt an der Horloff nördlich von Echzell in der Wetterau. Durch den Ort führt die Bundesstraße 455. Südlich am Ort vorbei verläuft die Bundesautobahn 45.

Geschichte[Bearbeiten]

Zwischen 780 und 817 wurde Grund-Schwalheim als Suabileheim erstmals in einer Urkunde erwähnt.[1] Der Name lässt sich wie bei Schwalheim, Sualeheim,[2] an der Wetter auf mhd. "swal" = Schwall, schwellendes Wasser beziehen.[3] In beiden Orten sind Mineralbrunnen bis heute vorhanden.[4] Der Tradent Ruther ist ebenso in Rodheim bei Hungen und in Dauernheim nachweisbar.[5]

Seit 1215 war der Hof Grund-Schwalheim mit Mühle im Besitz des Augustinerchorherrenstiftes Schiffenberg[6] Am 13. November 1318 wurden Hof und Mühle den Rittern von Elkershausen verpfändet.[7] Weil es um die klösterliche Disziplin schlecht bestellt war, wurde das Kanonikerstift Schiffenberg 1323 durch den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg aufgelöst.

Besitzungen des Frauenklosters Zelle (Schiffenberg) blieben erhalten. Sie betrafen besonders die Mühle, nämlich Weide- und Holzrechte des Müllers. Rechte bestanden auf Lieferung des "Mel"- und "Grundbaums" aus dem Markwald Berstadt. Noch in der Ordnung des Markwaldes Berstadt von 1716 hatten die Grund-Schwalheimer Müller alle vier Jahre Anspruch auf das Holz für das Mahlwerk, die sogenannte "Schaufelbuche".[8]. Voraussetzung war, dass die Förster des Markwaldes und die Berstädter Bürgermeister dies erlaubten.

Im Besitz der Kommende Schiffenberg[Bearbeiten]

Nach der Auflösung des Kanonikerstiftes Schiffenberg gelangte am 14. August 1323 der Deutsche Orden in Besitz des Hofes Grund-Schwalheim.[9] Die Güter wurden der Deutschordensballei Hessen übertragen. Der Grund-Schwalheimer Hof gelangte so in Besitz des Deutschen Ritterordens am 14. August des Jahres 1323.[10] Der Hof wurde nun in Landsiedelrecht weitergegeben. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Leihe nach „lantsidel recht“ in die Wetterau von geistlichen Grundherren bevorzugt. [11] Man verlieh das Land oder den Hof auf eine bestimmte Zeit, dies tat man bewusst im Gegensatz zur Erbleihe. Im 14. Jahrhundert bevorzugte man wieder die Erblichkeit der Pachtgüter. Vorteile waren, dass man sich nicht um neue Pächter bemühen brauchte und keine Entschädigungen für Investitionen des Pächters leisten musste. Die „Fortsetzung des Vertragsverhältnisses entwickelte allmählich ein Gewohnheitsrecht,.“ [12] Die erneute Übergabe bedurfte der formalen Bestätigung. Johann Wais hatte 1333 einen Vertrag mit dem Haus Schiffenberg abgeschlossen. „Johannes genat Weise ritter von Echzile und Irmingarth myn eliche bettevrauwe" empfingen den 23.4.1333 „... an hus, an howe, an eckern, an veldin, an weldin, an wysin, an wazzere und weide allene deme rechte, herschaft und nucze, wy man das genennen mag... das da heyzit Schiffinburg hob genant Swalheim bie Berstad" zu Landsiedelrecht vom Deutschorden Marburg.[13] Als Jahreszins waren 60 Malter Korn Wetzlarer Maß zwischen Maria Himmelfahrt und Mariae Geburt an das Kl. Schiffenberg zu liefern.[14] Der Hof Grund-Schwalheim lieferte als einziger in die Zentrale, die Schiffenberger Kommende. Die Ordensherren verboten dem Johann Waise ausdrücklich, den unbefestigten Ort in einen burgähnlichen Bau zu verwandeln.[15] Johann Wais Sohn löste diesen Vertrag von 1333 nach 35 Jahren wieder auf „alse von des habis wegen zu Swalheym, den unser vadir unde wir von in gehaid han zu lantsiddelme rechte.“[16] Grundherrliche Eigenwirtschaft blieb auch, nachdem die Zeitpacht gegen Zins eingeführt war, bestehen.. Am 2. September 1386 legten die Deutschordensherren fest, dass der Pächter den Hof verlassen müsse, falls sie „... den selbin hof virkoufhin odir selbir mit erin brudern besecsen und buwen wollten.“[17] 1339 am 29.1., fand eine Schlichtung zwischen dem Ritter Craft Groppen von Beldersheim und dem Kloster Schiffenberg und den Deutschherren wegen des Hofes und der Mühle zu „Grinten-Swalheim“ statt. [18] Craft Groppe und seinen Nachkommen wurde die Nutzung der gemeinen Weide und des Eichenwaldes zugestanden. Zugleich sollte er aus dem Hof acht Kühe, zwanzig Schweine, zwei Pferde und zwei Esel erhalten. Als die Niederlassung Schiffenberg am 30.9.1372[19] von der Kommende Marburg ein Darlehen in Höhe von 300 fl. bekam, musste sie den Hof als Sicherheit stellen. Marburg hatte nun die Verfügungsgewalt über ihn. Meist verpachtete Marburg den Hof auf zwölf Jahre. Die Abgabestelle wurde von Schiffenberg nach Friedberg verlagert. Am städtischen Handelsplatz bessere waren Preise für Getreide zu erzielen. 1416 wurde festgelegt, dass die Fruchtpachtabgaben des Schwalheimer Hofes nach Berstadt gebracht wurden und von da weiter nach Münzenberg oder Lich.[20] Auch Land- oder Baubesserungen gehörten zu den Leih- und Pachtbedingungen. Bei größeren Baumaßnahmen, mussten vorher Absprachen getroffen werden: „... auch ist beredt, das wir ... ane huse oder an hoffe oder siner zugehorunge keinen buwe dun sollen ane wissen ... eyns compthurs zu Marpurg.“[21] Ein Besserungsvertrag bezüglich der Gebäude in Grund-Schwalheim ist vom 21.11.1468 überliefert. Der Hof wurde damals um weitere zwölf Jahre weiter verpachtet. Zuerst sollte bei einer Besichtigung des Hofes durch die Deutschordensbrüder aus Marburg bestimmt werden, welche Neubauten bzw. bauwerkserhaltenden Maßnahmen notwendig wären. Bei möglichen Bauarbeiten würde der Orden Bauholz liefern oder kaufen und auch die Zimmerleute bezahlen. Fuhr- und sonstige Kosten fielen an die Pächter. Nach den Baumaßnahmen wurde der Wert neu taxiert und es war Aufgabe des Pächters, am Ende des Vertrages diesen Wert zu erhalten. Leih- und Pachtbedingungen eines Landsiedellehens konnten bei einer Neuverpachtung geändert werden, aber nicht während der Pachtzeit. Die zeitliche Frist der Landsiedelverträge für den Schwalheimer Hof schwankt zwischen 6, 9 und 12 Jahren, entsprechend auch die Höhe des Getreidezinses zwischen 26 und 34 Malter pro Jahr. Zusätzliche Bedingungen konnten in den Pachtvertrag aufgenommen werden. 1333 schickte der Pächter zusätzlich zehn Schweine für das Ordenshaus auf dem Schiffenberg zur Eichelmast in die Pachtwälder. Die Kosten für die Verpflegung der Schweinehirten, Knechte des Klosters, übernahm der Pächter. Außerdem musste er eine Zeitlang das Schiffenberger Vieh auf dem Pachtland weiden lassen und auf dem Hof halten. Im Winter 1356/57 hatte der Pächter sechs Schweine und sechs Kühe der Kommende auf dem Hofe zu versorgen.[22]Hagel oder here“, wurden als Minderungsgründe im Pachtvertrag 1468 anerkannt. Die Ordensherren sollten „uff das selbe jare mit nur halden und von nur nehmen als ander lehin hern in der gegent von iren lantseddeln thun worden nach des landes gewonheit.“ 1593 wurde das Mühlengebäude durch den Erbbeständer Beck erneuert.[23] Im Dreißigjährigen Krieg gab man den Hof zeitweilig auf. 1629 erfolgte ein Vergleich zwischen dem Deutschen Orden und dem Müller Hans Crafft zu Grund-Schwalheim über Weiderechte. Nach 1643 wurden die Abgaben für die Pächter auf ein Minimum gesetzt. Unwetter und Kriegszeiten konnten also die Abgaben mindern. 1649 wurde der Schwalheimer Hof von vier Hofleuten wieder bewirtschaftet, die zwei Jahre abgabenfrei bleiben sollten, dafür aber „die verfallene Gebeuw“ wieder reparieren mussten. Allerdings blieb nur die Familie Eichelmann als Pächter konstant auf dem Hof. Die Erträge so stark an, dass diese Familie 1693 den Mainzer Hof in Berstadt erwerben konnte und sich auch um einen Erbpachtvertrag für die Berstädter Mühle bemühte.

1809 wurde des Deutschritterorden durch Napoleon Bonaparte aufgelöst. Der Hof ging in den Besitz des Großherzogtums Hessen über.

Am 31. Dezember 1970 wurde Grund-Schwalheim in die Gemeinde Echzell eingegliedert.[24]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mayer zu Ermgassen, Cod. Eberhardi 2, S. 208 Auszug 114. (Datierung über: Stengel, UB Kloster Fulda, S. 435 Nr. 331, Vorbemerkung.)
  2. TAF 25
  3. Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, S. 688, Stichwort Schwall, 1967.
  4. Steen, Jürgen, Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Meorwingerreichs, Ffm 1979 = Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XIV, S. 161, 182.
  5. Steen, S. 183
  6. Wyss, A. Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen, 1. Bd. 1207-1299, 2. Bd. 1300-1359, ND 1965, hier: 1. Bd. Nr. 1345
  7. Wyss, A., Urkunden Deutschordens-Ballei, 3. Bd. 1328-1440, Nr. 1439
  8. Rieß, Eugen; Roth, Willy, Berstadt. Zeiten und Menschen, Bd. 1, Rockenberg, darin: Vom Klostergut zum selbständigen Ort: Grundschwalheim, S. 208-218.
  9. Wyss, 2, Nr. 447.
  10. Wyss 2, Nr. 447
  11. Thieme, H., Zum hessischen Landsiedelrecht, in: Festschrift Alfred Schultze, 1934, S. 207 - 250; S. 224, 227 – 231
  12. Braasch-Schwersmann., S. 118, Anm. 15
  13. Wyss, Urkundenbuch der Deutschordenballei Hessen, Bd. 2, Nr. 582, S.423 - 425, gedruckt bei Lennep, G, Abhandlung von der Leyhe zu Landsiedel-Recht, 1769, Cod. prob. 44 Nr. 12, vgl. grundlegend Ursula Braasch-Schwersmann, Das Deutschordenshaus Marburg; Schilp, FUB 2, Nr. 242
  14. Wyss 2, Nr. 582, 1333 April 23, , vgl. Braasch-Schwersmann, S. 99 f
  15. Wyss 2, Nr. 582, vgl. Braasch-Schwersmann, S. 107 f
  16. Wyss 3, Nr. 1087, 1368 Juni 15, vgl. Braasch-Schwersmann, S. 119
  17. Wyss 3, Nr. 1205
  18. Wyss 2, S. 178
  19. Wyss 3, Nr. 1125
  20. vgl. Braasch-Schwersmann, S. 103
  21. zit. nach Braasch-Schwersmann, S. 110
  22. Braasch-Schwersmann, S. 113
  23. vgl. hierzu und im Folgenden, Rieß, Eugen; Roth, Willy, Berstadt, Bd. 1, S. 213 f
  24.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352.

Weblinks[Bearbeiten]