Roschtschino (Kaliningrad, Selenogradsk)

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Siedlung
Roschtschino/Grünhoff
Рощино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Selenogradsk
Frühere Namen Grunenhoff (1414),
Grunhof (nach 1542),
Grunenhof (nach 1565),
Grünhof (Nach 1785),
Adlig/Königlich Grünhoff (vor 1900),
Grünhoff (bis 1946)
Bevölkerung 271 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40150
Postleitzahl 238553
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 215 802 011
Geographische Lage
Koordinaten 54° 54′ N, 20° 22′ O54.90666666666720.369166666667Koordinaten: 54° 54′ 24″ N, 20° 22′ 9″ O
Roschtschino (Kaliningrad, Selenogradsk) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Roschtschino (Kaliningrad, Selenogradsk) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Roschtschino (russisch Рощино, deutsch Grünhoff, litauisch Griunhofas) ist ein Ort in der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) innerhalb der Russischen Föderation. Er liegt im Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) und gehört zur Kowrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kowrowo (Nautzau)).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Roschtschino liegt am Südwestrand des früher so genannten Gallwaldes und ist 14 Kilometer von Selenogradsk (Cranz) und 22 Kilometer von Kaliningrad (Königsberg) entfernt. Durch den Ort verläuft die russische Fernstraße A 192, und im Norden grenzt der Ort an den Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring). Roschtschino ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Selenogradsk–Pionerski (Königsberg–Cranz–Neukuhren).

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts weideten in der Nähe eines prußischen Heiligtums im Forst Grünhoff Pferde der Ordensritter. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts teilte man das Samland in zwei Pflegerbezirke ein, deren einer Sitz Grünhoff war (für den westlichen Teil des Samlandes). Die Ordenshochmeister schätzten die Gegend als Jagdrevier. 1414 wurde erstmals ein Gestüt Grunenhoff urkundlich genannt – mit bis zu 130 Tieren. Erst Kurfürst Friedrich Wilhelm I. hob das neben Ragnit (heute russisch: Neman) größte der 13 ostpreußischen Gestüte 1717 auf. Die Pflegerschaften wandelten sich in der Reformationszeit zu Hauptämtern, doch behielt man die Bezeichnung „Pfleger“ bis ins 17. Jahrhundert hinein bei, als sie vom „Burggrafen“ ersetzt wurde.

Am 13. Juni 1874 wurde das damalige Dorf mit Gut namens Grünhoff[2] namensgebender Ort und Sitz eines Amtsbezirks[3], der bis 1945 bestand und zum Landkreis Fischhausen (1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1893 wurde das Dorf Grünhoff (Königlich Grünhoff in Unterscheidung zum Gut Adlig Grünhoff) der Landgemeinde Pokirren (heute nicht mehr existent) eingegliedert. Am 7. Oktober 1910 wurde das Vorwerk Radnicken (heute russisch: Rodniki) mit dem Abbau Kupzau aus dem Gutsbezirk Grünhoff heraus- und zu einem selbständigen Gutsbezirk umgebildet. Die Einwohnerzahl Grünhoffs im gleichen Jahre betrug 343[4].

Am 30. September 1928 schlossen sich der Gutsbezirk Grünhoff, die Landgemeinde Pokirren sowie die zum Amtsbezirk Woytnicken (russisch: Wolodino, nicht mehr existent) zugehörige Landgemeinde Schupöhnen (heute russisch: Schumnoje) zur neuen Landgemeinde Grünhoff zusammen. Die Einwohnerzahl belief sich 1933 auf 513 und betrug 1939 noch 471[5].

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam das nördliche Ostpreußen und mit ihm Grünhoff zur Sowjetunion und erhielt die russische Bezeichnung „Roschtschino“. Im Jahre 1947 wurde der Ort dem neu gebildeten Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) zugeordnet und war von 1947 bis 2006 in den Wischnjowski selski sowjet (Dorfsowjet Wischnjowoje (Wosegau)) eingegliedert. Heute ist Roschtschino aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform[6] eine als „Siedlung“ (russisch: possjolok) qualifizierte Ortschaft innerhalb der Kowrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kowrowo (Nautzau)).

Amtsbezirk Grünhoff (1874–1945)[Bearbeiten]

Mehr als 70 Jahre war Grünhoff Amtsdorf eines Bezirkes, in den mehrere Dörfer eingegliedert waren und der sich 1930 um zwei weitere erweiterte[7]:

Name Russischer Name Bemerkungen
LG Grünhoff (Königlich ~) Roschtschino 1893 in die Landgemeinde Pokirren eingegliedert
GB Grünhoff (Adlig ~) Roschtschino 1928 in die neue Landgemeinde Grünhoff eingegliedert
GB Pokirren 1928 in die neue Landgemeinde Grünhoff eingegliedert
ab 1930: LG Eisseln Beregowoje (vorher Amtsbezirk Pobethen)
ab 1930: LG Michelau Kamenka (vorher Amtsbezirk Michelau)

(LG = Landgemeinde, GB = Gutsbezirk)

Am 1. Januar 1945 gehörten aufgrund der Umstrukturierungen noch die drei Gemeinden Eisseln, Grünhoff und Michelau zum Amtsbezirk Grünhoff.

Schloss Grünhoff[Bearbeiten]

Das Schloss Grünhoff um 1860 (Sammlung Alexander Duncker)

Ursprünglich gab es in Grünhoff[8] ein Ordenshaus, über das jedoch keine Überlieferungen vorliegen. Zwischen 1623 und 1644 wurde ein Jagdschloss erwähnt, das von den Brandenburger Kurfürsten Georg Wilhelm und Friedrich Wilhelm (dem „Großen Kurfürsten“) genutzt wurde.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließ der Brandenburger Kurfürst und preußische Herzog Friedrich III. (späterer König Friedrich I.) in Grünhoff ein Schloss errichten[9]. Den Entwurf lieferte Hofbaumeister Christian Eltester. Es handelte sich um einen heute noch in gutem Zustand erhaltenen zweistöckigen Bau, für den der ovale, mit eingebogenen Wänden aus dem Baukörper herausgeschobene Gartensaal charakteristisch war.

Im Jahre 1815 wurde Grünhoff mit den Vorwerken Radnicken (heute russisch: Rodniki), Kupzau (nicht mehr existent) und Nautzau (Kowrowo) als königliche Schenkung dem General Friedrich Wilhelm Graf Bülow von Dennewitz vermacht. Das Areal umfasste damals 8.700 Morgen, darunter 2.900 Morgen Wald und 700 Morgen Wiesen.

Das Schloss Grünhoff ist eines der wenigen ostpreußischen Schlösser, das den Krieg überdauerte. Der gegenwärtige Zustand (2013) des Gebäudes ist im Sinne eines baulichen Denkmalschutzes verheerend und es ist dringend renovierungsbedürftig.

Kirche[Bearbeiten]

Mehrheitlich war die Bevölkerung Grünhoffs vor 1945 evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel der Dorfkirche Pobethen (heute russisch: Romanowo) eingepfarrt, das zum Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute liegt Roschtschino im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Selenogradsk (Cranz). Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[10] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Schule[Bearbeiten]

In Grünhoff bestand vor 1945 eine Volksschule.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Grünhoff
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Grünhoff
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  5. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  6. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 501 vom 18. Februar 2005, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  7. Rolf Jehke, Amtsbezirk Grünhoff (wie oben)
  8. Geschichte von Roschtschino - Grünhoff bei ostpreussen.net
  9. Heinrich Lange, Das Schloss des Generals Graf Bülow von Dennewitz, 2001
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch)

Weblinks[Bearbeiten]