Gruner + Jahr

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Gruner + Jahr AG & Co KG
Gruner+Jahr-Logo.svg
Rechtsform AG & Co. KG
Gründung 1965
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Julia Jäkel,
Vorstandsvorsitzende
Thomas Rabe,
Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 11.585 (31. Dez. 2012)[1]
Umsatz 2,218 Mrd. (2012)[1]
Branche Medien, Verlagswesen
Website www.guj.de
Verlagsgebäude (fotografiert vom Turm der Hauptkirche Sankt Michaelis)
Verlagsgebäude am Baumwall in Hamburg von der Elbseite
Verlagsgebäude von der Michelseite

Die Gruner + Jahr AG & Co. KG (G+J) ist Europas zweitgrößtes Druck- und Verlagshaus. Der Unternehmenssitz ist am Baumwall in Hamburg. Sie ist Teil des internationalen Medienkonzerns Bertelsmann.

Geschichte[Bearbeiten]

1965 schlossen sich die Verleger John Jahr sr. und Gerd Bucerius mit dem Druckereibesitzer Richard Gruner zur Gruner + Jahr GmbH & Co. KG zusammen.

1969 verließ Richard Gruner das Unternehmen und Reinhard Mohn von Bertelsmann stieg mit 25 % bei dem Verlag ein. Die weiteren Jahre waren von Expansion durch Zukäufe (Verlag Kindler & Schiermeier) und Beteiligungen (Spiegel Verlag, Motor Presse-Verlag) geprägt. Auch die Besitzerstruktur änderte sich: 1976 hielt die Bertelsmann AG 74,9 %, die restlichen 25,1 % verblieben bei der Familie Jahr. Nach dem Rückzug von John Jahr sr. aus dem aktiven Verlagsgeschäft war sein Sohn John Jahr jr. von 1971 bis 2000 Mitglied des Vorstands der Gruner + Jahr AG. Von 2000 bis 2008 war die Tochter von John Jahr sr., Angelika Jahr-Stilcken, journalistisches Vorstandsmitglied der Gruner + Jahr AG.

1978 begann Gruner + Jahr als erster Verlag Deutschlands, Zukäufe im europäischen und internationalen Ausland zu tätigen. In den nächsten zwanzig Jahren wurden sowohl Verlage in Frankreich, den USA und Spanien übernommen als auch neue Zeitschriften in Deutschland veröffentlicht (Impulse, Gala, u. Ä.).

1995 startete Gruner + Jahr mit geo.de, stern.de und pm-magazin.de die ersten Internetangebote. In den folgenden Jahren kamen die Suchmaschinen Fireball und Paperball, der Freemail-Dienst Firemail und Firecard hinzu, Betreiberin war die Tochterfirma Gruner + Jahr Electronic Media Service GmbH.[2] Diese Dienste wurden in den Jahren 1999 und 2000 unter dem Namen FIREBALL Netsearch GmbH von Lycos Europe übernommen.[3]

Im Herbst 2003 startete Gruner + Jahr eine Innovationsoffensive, in deren Verlauf das G+J-Portfolio bis Ende 2007 weltweit um ca. 60 neue Titel anwuchs.

2006 läutete Gruner + Jahr unter dem Motto „Expand your Brand“ (EyB) einen Transformationsprozess des Unternehmens ein. EyB stellte die Entwicklung der G+J-Marken in den Fokus unternehmerischen und verlegerischen Handelns. Im Zuge des EyB-Prozesses wurden zudem Akquisitionen getätigt, die die Marken des G+J-Portfolios ergänzen. Hierzu zählten der Entertainment Media Verlag, Deutschlands führender Special-Interest-Verlag im Themenfeld Unterhaltung (Kino, Film, Video/DVD, Musik und Spiele), sowie die Unternehmen xx-well.com (Ernährungsberatung) und Chefkoch.de.

Im März 2010 genehmigten die russischen Kartellbehörden die Übernahme der russischen G+J-Tochter durch Axel Springer Russia. Hierzu gehören russische Ausgaben der Titelfamilie Geo (Geo, Geo Lenok, Geo Traveller) und die Gala Biografia, die unter demselben Titel in Lizenz weitergeführt werden, sowie die entsprechenden Internet-Portale.[4]

Daten und Fakten[Bearbeiten]

Gruner + Jahr erreicht mit seinen rund 500 Medienaktivitäten, Magazinen und digitalen Angeboten Leser und Nutzer in 30 Ländern, neben Deutschland unter anderem in Polen, Spanien, Frankreich, Indien und der Volksrepublik China. Der Verlag hat 10.819 Mitarbeiter (Stand: 31. Dezember 2013) und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von 2,07 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss nach Zinsen und Steuern betrug 81 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2012 hatte der Verlag noch 11.585 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von 2,22 Milliarden Euro erwirtschaftet, das Geschäftsjahr allerdings mit einem Jahresfehlbetrag von -11 Millionen Euro beendet.[5]

Der Verlag gehört zu 74,9 % der Bertelsmann AG und zu 25,1 % der Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Nach dem Tod von John und Alexander im Jahr 2006 halten nunmehr deren jeweils drei Kinder deren Anteile. Die beiden noch lebenden Kinder von John Jahr, Angelika Jahr-Stilcken und Michael Jahr, haben ihre Anteile bereits an ihre Kinder übertragen bzw. sie beteiligt. Vorstandsvorsitzender war von 2009 bis 2012 Bernd Buchholz. Von September 2012 bis April 2013 gab es drei gleichberechtigte Vorstände, keinen Vorsitzenden mehr. Seit April ist Julia Jäkel alleinige Vorstandsvorsitzende. Den Aufsichtsratsvorsitz hat der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Thomas Rabe, inne.

Weitere Unternehmensbereiche[Bearbeiten]

In Deutschland ist Gruner + Jahr außerdem am Dresdner Druck- und Verlagshaus (u. a. Sächsische Zeitung (60 %)), an der Motor Presse Stuttgart (u. a. Auto, Motor und Sport (56,5 %)), an der Financial Times Deutschland (100 %), am Spiegel Verlag (25,5 %), an xx-well.com (100 %), Chefkoch.de (100 %), Ligatus GmbH (100 %) und an der Henri-Nannen-Schule (95 %) beteiligt.

Zu den wichtigsten Auslandsbeteiligungen gehören die Brown Printing Company (USA – 100 %), Groupe Prisma Media in Gennevilliers (zweitgrößter Zeitschriftenverlag Frankreichs – 100 %), die österreichische NEWS-Gruppe (News, Profil, Woman, First – 56 %), G+J/Mondadori (Italien, Mailand – 50 %) sowie Anteile am chinesischen BODA Publishing in Peking (48 %).

Im Herbst 2011 veräußerte Gruner + Jahr seine Anteile in Höhe von 37,45 % am Tiefdruck-Joint-Venture Prinovis an Arvato.[6]

Im März 2013 hat sich Gruner + Jahr Digital eine Mehrheitsbeteiligung an Tausendkind, einem Online-Shop für Baby- und Kinderartikel, gesichert. Damit treibt das Unternehmen weiter die Digitalisierung seines Kerngeschäfts voran.[7]

Außerdem liegt der Vertrieb der Wochenzeitschrift "Die Zeit" beim Verlag Gruner + Jahr Die Zeit.

Publikationen in Deutschland (Auswahl)[Bearbeiten]

Laut dem Jahresbericht von 2007 hält G+J weltweit im Magazingeschäft über 300 Titel. Eine Auswahl von Publikationen in Deutschland sind unter anderen die Zeitschriften- und Zeitungstitel:

Eingestellte Publikationen

Eingestellte Internetportale

Henri-Nannen-Preis[Bearbeiten]

Das Verlagshaus Gruner + Jahr stiftete im Jahr 2005 gemeinsam mit dem Stern den Henri-Nannen-Preis. Der Wettbewerbspreis zeichnet die journalistischen Bestleistungen (Print und Online) des jeweiligen Vorjahres aus. Ziel ist es, den Qualitätsjournalismus im deutschsprachigen Raum zu fördern und gleichzeitig das Andenken des Stern-Gründers Henri Nannen lebendig zu halten.[8]

Der Medienpreis wurde erstmals am 20. Mai 2005 verliehen, die Preisverleihung fand in den Jahren bis 2012 jährlich im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg statt. In den Jahren 2013 und 2014 wurde der Preis auf Kampnagel verliehen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolf Schneider: Die Gruner-+-Jahr-Story. Ein Stück deutsche Pressegeschichte. Piper, München/Zürich 2000, ISBN 3-492-04265-1.
  •  Otto Steidle, Uwe Kiessler: Verlagshaus Gruner + Jahr Hamburg. Oktagon, München/Stuttgart 1991, ISBN 3-927-78915-1 (zu der Architektur des Baumwall-Komplexes).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gruner + Jahr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b G+J Jahresbericht 2012 (PDF; 8,0 MB). S. 81 ff.
  2. G+J Privacy Policy, abgerufen am 10. März 2014
  3. Fireball wird Lycos-Teil, abgerufen am 10. März 2014
  4. Axel Springer darf russische G+J-Titel kaufen, Horizont.net, 22. März 2010
  5. G+J: Pressemitteilung, 27. März 2014
  6. http://www.guj.de/index2.php4?/de/presse/pressemappen/jpk2012.php4
  7. [1] Pressemeldung von Gruner + Jahr vom 4. April 2013.
  8. Die Initiatoren (Version vom 24. Januar 2009 im Internet Archive)

53.5459.9791666666667Koordinaten: 53° 32′ 42″ N, 9° 58′ 45″ O