Gruppe (Mathematik)
In der Mathematik ist eine Gruppe eine Menge von Elementen zusammen mit einer Operation, die zwei Elemente der Menge zu einem dritten Element der gleichen Menge zusammenfasst und dabei noch drei weitere Bedingungen, die Gruppenaxiome, erfüllt. Eine der bekanntesten Gruppen ist die Menge der ganzen Zahlen zusammen mit der Addition. Das mathematische Teilgebiet, das sich der Erforschung der Gruppenstruktur widmet, wird Gruppentheorie genannt. Es ist ein Teilgebiet der Algebra.
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Einführendes Beispiel [Bearbeiten]
Eine der bekanntesten Gruppen ist die Menge der ganzen Zahlen
, die üblicherweise mit
bezeichnet wird.
Die Menge der ganzen Zahlen zusammen mit der Addition erfüllt einige grundlegende Eigenschaften:
- Für zwei ganze Zahlen
und
ist die Summe
wieder eine ganze Zahl. Würde man hingegen zwei ganze Zahlen miteinander dividieren, so wäre das Ergebnis zu meist eine rationale Zahl und keine ganze Zahl mehr. Da dies bei der Addition nicht passieren kann, sagt man, dass die ganzen Zahlen unter der Addition abgeschlossen sind. - Für alle ganzen Zahlen
,
und
gilt die Gleichheit
-
.
- In Worten ausgedrückt heißt dies, es ist egal, ob man zuerst
und
oder
und
addiert, das Ergebnis ist das gleiche. Diese Eigenschaft wird Assoziativgesetz genannt.
- Ist
wieder eine ganze Zahl, dann gilt
-
.
- Die Addition mit null verändert also die Ausgangszahl nicht. Daher nennt man Null das neutrale Element.
- Für jede ganze Zahl
existiert eine ganze Zahl
, so dass
gilt. Das heißt zu jeder ganzen Zahl
existiert eine ganze Zahl
, so dass ihre Summe null ergibt. Die Zahl
heißt in diesem Fall das inverse Element von
und wird mit
notiert.
Diese vier Eigenschaften der Menge der ganzen Zahlen zusammen mit ihrer Addition werden in der Definition der Gruppe für andere Mengen, auf der es eine passende Operation gibt, verallgemeinert.
Definition [Bearbeiten]
Gruppe [Bearbeiten]
Eine Gruppe ist ein Paar
bestehend aus einer Menge
und einer zweistelligen Verknüpfung
auf
. Das heißt, durch
wird die Abbildung
beschrieben. Erfüllt die Verknüpfung die folgenden Axiome, dann wird
Gruppe genannt:[1]
- Assoziativität: Für alle Gruppenelemente
,
und
gilt: 
- Es gibt ein neutrales Element
, mit dem für alle Gruppenelemente
gilt:
. - Zu jedem Gruppenelement
existiert ein inverses Element
mit
.
Äquivalente Charakterisierung [Bearbeiten]
Die Gruppenaxiome können formal abgeschwächt werden, indem man die Axiome für das neutrale und das inverse Element folgendermaßen ersetzt:
Es gibt ein linksneutrales Element
, so dass gilt:
- Für alle Gruppenelemente
gilt: 
- Zu jedem
existiert ein linksinverses Element
mit
.
Diese formal schwächere Definition ist äquivalent zu der ursprünglichen Definition.[2]
Abelsche Gruppe [Bearbeiten]
Eine Gruppe
heißt abelsch oder kommutativ, wenn zusätzlich das folgende Axiom erfüllt ist:
- Kommutativität: Für alle Gruppenelemente
und
gilt
.
Andernfalls, d. h., wenn es Gruppenelemente
gibt, für die
ist, heißt die Gruppe
nicht-abelsch (oder nicht-kommutativ).
Anmerkungen zur Notation [Bearbeiten]
Häufig wird für die Verknüpfung
das Symbol
benutzt, man spricht dann von einer multiplikativ geschriebenen Gruppe. Das neutrale Element heißt dann Einselement und wird auch durch
symbolisiert. Wie auch bei der gewöhnlichen Multiplikation üblich, kann in vielen Situationen der Malpunkt weggelassen werden. Für Verknüpfungen von mehreren Elementen wird dann auch das Produktzeichen verwendet. Für
wird die
-fache Verknüpfung eines Gruppenelements
mit sich selbst als Potenz
geschrieben und man definiert
sowie
.
Die Gruppeneigenschaften lassen sich auch additiv notieren, indem für die Verknüpfung
das Symbol
benutzt wird. Das neutrale Element heißt dann Nullelement und wird durch
symbolisiert. Das zum Gruppenelement
inverse Element wird in einer additiv geschriebenen Gruppe nicht durch
, sondern durch
symbolisiert. Eine
-fache Summe
wird hier mit
bezeichnet und man setzt
sowie
. Eine abelsche Gruppe kann auf diese Weise als Modul über dem Ring der ganzen Zahlen
aufgefasst werden. Üblich ist die additive Schreibweise nur bei abelschen Gruppen, während nicht abelsche oder beliebige Gruppen zumeist multiplikativ geschrieben werden.[3]
Ist die Verknüpfung aus dem Zusammenhang klar, so schreibt man für die Gruppe häufig nur
.
Beispiele [Bearbeiten]
Im Folgenden werden einige Beispiele von Gruppen aufgeführt. So werden Gruppen von Zahlen, eine Gruppe mit genau einem Element und Beispiele von zyklischen Gruppen angeführt. Weitere Beispiele zu Gruppen finden sich in der Liste kleiner Gruppen.
Mengen von Zahlen [Bearbeiten]
- Die Menge der ganzen Zahlen zusammen mit der Addition bildet eine (abelsche) Gruppe. Zusammen mit der Multiplikation ist die Menge der ganzen Zahlen allerdings keine Gruppe.
- Die Menge der rationalen Zahlen
beziehungsweise die Menge der reellen Zahlen
ist zusammen mit der Addition eine Gruppe. Zusammen mit der Multiplikation sind die Mengen
und
ebenfalls Gruppen.
Die triviale Gruppe [Bearbeiten]
Die Menge, die nur ein Element
hat, kann als Gruppe aufgefasst werden. Da jede Gruppe ein neutrales Element hat, muss genau dieses eine Element dann als das neutrale Element aufgefasst werden. Dann gilt also
. Mittels dieser Gleichheit, können auch die restlichen Gruppenaxiome bewiesen werden. Die Gruppe mit genau einem Element wird die triviale Gruppe genannt.
Zyklische Gruppen [Bearbeiten]
Eine zyklische Gruppe ist eine Gruppe, deren Elemente als Potenz eines ihrer Elemente dargestellt werden können. Unter Verwendung der multiplikativen Notation lauten die Elemente einer zyklischen Gruppe
,
wobei
meint und
das neutrale Element der Gruppe bezeichnet. Das Element
wird Erzeuger oder Primitivwurzel der Gruppe genannt. In additiver Notation ist ein Element eine Primitivwurzel, wenn die Elemente der Gruppe durch
dargestellt werden können.
Beispielsweise ist die im ersten Abschnitt betrachtete additive Gruppe der ganzen Zahlen eine zyklische Gruppe mit der Primitivwurzel
. Diese Gruppe hat unendlich viele Elemente. Im Gegensatz dazu hat die multiplikative Gruppe der n-ten komplexen Einheitswurzeln endlich viele Elemente. Diese Gruppe besteht aus allen komplexen Zahlen
, die die Gleichung
erfüllen. Diese Gruppe kann als Eckpunkte eines regulären Polygons visualisiert werden. Für
ist dies in der Grafik auf der rechten Seite geschehen. Die Gruppenoperation ist die Multiplikation der komplexen Zahlen. Im rechten Bild entspricht also die Multiplikation mit
der Drehung des Polygons im Gegenuhrzeigersinn um
.
Zyklische Gruppen haben die Eigenschaft durch die Anzahl ihrer Elemente eindeutig bestimmt zu sein. Das heißt zwei zyklische Gruppen mit jeweils
Elementen sind isomorph, es kann also ein Gruppenisomorphismus zwischen diesen beiden Gruppen gefunden werden. Insbesondere sind also alle zyklischen Gruppen mit unendlich vielen Elementen äquivalent zur zyklischen Gruppe
der ganzen Zahlen.
Grundlegende Eigenschaften einer Gruppe [Bearbeiten]
- Das neutrale Element einer Gruppe ist eindeutig bestimmt. Sind nämlich
und
neutrale Elemente, dann muss
sein, da
neutral ist, und
, da
neutral ist. Somit folgt
. - Es gilt die Kürzungsregel: Aus
oder
mit den Gruppenelementen
folgt jeweils
.[4] Dies sieht man durch
.
- Daraus ergibt sich, dass die Verknüpfungstafel einer (endlichen) Gruppe ein Lateinisches Quadrat ist, bei dem in jeder Zeile und in jeder Spalte jedes Gruppenelement genau einmal vorkommt.
- Die Gleichung
ist stets eindeutig lösbar und die Lösung ist
. Ebenso hat
die eindeutige Lösung
. - Das zu einem Gruppenelement
inverse Element
ist eindeutig bestimmt. Wenn
und
beide invers zu
sind dann folgt:
- Es gilt
und
. - Für alle Elemente gilt
. Dies folgt aus der Gleichungskette
-
.
- Somit ist
zu
invers.
Gruppenhomomorphismus [Bearbeiten]
Gruppenhomomorphismen sind Abbildungen, die die Gruppenstruktur erhalten. Eine Abbildung
zwischen zwei Gruppen
und
heißt Gruppenhomomorphismus[5] oder kurz Homomorphismus, falls die Gleichung
für alle Elemente
gilt. Ist die Abbildung
zusätzlich bijektiv, so heißt sie Gruppenisomorphismus. In diesem Fall nennt man die Gruppen
und
isomorph zueinander.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Siegfried Bosch Algebra, 6. Auflage 2006, Springer-Verlag, ISBN 3-540-40388-4, S. 11.
- ↑ Siegfried Bosch: Lineare Algebra. 3. Auflage. Springer-Lehrbuch, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-29884-3, S. 14.
- ↑ Siegfried Bosch Algebra, 6. Auflage 2006, Springer-Verlag, ISBN 3-540-40388-4, S. 11–12.
- ↑ Gerd Fischer: Lehrbuch der Algebra. 1. Auflage. Vieweg, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8348-0226-2, S. 6.
- ↑ Siegfried Bosch Algebra, 6. Auflage 2006, Springer-Verlag, ISBN 3-540-40388-4, S. 13.
ist die
wieder eine ganze Zahl. Würde man hingegen zwei ganze Zahlen miteinander
gilt die Gleichheit
.
.
gilt. Das heißt zu jeder ganzen Zahl 
gilt:
.
mit
.
.
.
beziehungsweise die Menge der
ist zusammen mit der Addition eine Gruppe. Zusammen mit der Multiplikation sind die Mengen
und
ebenfalls Gruppen.
,

neutrale Elemente, dann muss
sein, da
, da
.
oder
mit den Gruppenelementen
folgt jeweils
.
.
ist stets eindeutig lösbar und die Lösung ist
. Ebenso hat
die eindeutige Lösung
.
und
beide invers zu 
und
.
. Dies folgt aus der Gleichungskette
.
zu
invers.
