Gruppenführer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Taktisches Zeichen „Gruppenführer“[1]

Der Gruppenführer (GrpFhr, Grf, GrFü, GF, GrpFü oder GruFü) ist eine Funktion und Qualifikation (Ausbildungslehrgang) von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben für eine Person, die eine Gruppe leitet, anleitet, führt oder befehligt. Der Gruppenführer trägt in der Regel die Verantwortung für seine Gruppe.

In der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung wird eine Führungskraft vorrangig als Gruppenleiter bezeichnet.

Militär[Bearbeiten]

Bundeswehr[Bearbeiten]

In der Bundeswehr ist Gruppenführer (GrpFhr) sowohl Funktionsbezeichnung, auch Ausbildungs- und Tätigkeitsbefähigung (ATB), oder die Dienststellungsbezeichnung für Teileinheitsführer.

Als Teileinheitsführer ist der Gruppenführer für die Führung von 8 bis 12 Soldaten im Gefecht verantwortlich. Er ist kein Disziplinarvorgesetzter. Die Gruppenführerposten füllen hier meist Dienstgrade aus wie:

Aus gegebenem Anlass, beispielsweise bei Ausfall des originären Gruppenführers, wird diese Funktion auch von Mannschaftsdienstgraden übernommen.

NVA[Bearbeiten]

In den Teilstreitkräften (TSK) den NVA und den Grenztruppen der DDR war der Gruppenführer (GF) Teileinheitsführer für die Führung von 8 bis 12 Mannschaftsdienstgrade oder Soldaten höherer Dienstgrade der gleichen Dienstgradgruppe, wie beispielsweise Off.-Schüler/GF an den Offiziershochschulen der DDR, in der Ausbildung, im Tagesdienst oder im Gefecht. Sie trugen in der Regel Dienstgrade von Unteroffizier bis Unterfeldwebel oder vergleichbare Dienstgrade entsprechend der Truppengattung oder TSK. Sie waren keine Disziplinarvorgesetzten, hatten aber Befugnisse Bestrafungen, wie beispielsweise Dienstverrichtung außer der Reihe, auszusprechen.

Nationalsozialistische Organisationen[Bearbeiten]

In mehreren nationalsozialistischen Organisationen wurde Gruppenführer zur Bezeichnung der höchsten (Generals-)Dienstränge verwandt:

Feuerwehr[Bearbeiten]

Taktisches Zeichen „Gruppenführer“ der Feuerwehr[1]

Der Gruppenführer in der Feuerwehr befehligt die taktische Einheit „Gruppe“, bestehend aus Maschinist, Melder, Angriffstruppführer und -mann, Wassertruppführer und -mann sowie Schlauchtruppführer und -mann.[2]

Der Gruppenführer

  • erkundet die Lage
  • bestimmt die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe
  • gibt den Einsatzbefehl – (Wasserentnahmestelle, Lage des Verteilers) Einheit, Auftrag, Mittel, Ziel und Weg
  • ist während des Einsatzes an keinen festen Platz gebunden
  • hat die Fürsorgepflicht für seine Gruppe
  • kann Einsätze mit Personal bis zur Stärke einer Gruppe selbstständig leiten[2][3]

Gruppenführer sind bei der Berufsfeuerwehr erfahrene Beamte des mittleren feuerwehrtechnischen Dienstes (Hauptbrandmeister/Brandinspektor). Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist der erreichbare Dienstgrad vom Bundesland abhängig, in Nordrhein-Westfalen Brandmeister i.A. sind sie mindestens Löschmeister; in Hessen beispielsweise Oberlöschmeister. Zudem muss eine entsprechende Ausbildung beim jeweiligen Institut der Feuerwehr bzw. Schule absolviert werden; in NRW bzw. Hessen etwa der FIII-Lehrgang.


Gruppenführer einer Freiwilligen Feuerwehr mit blauer Kennzeichnungsweste

Einsatzkräfte mit der Qualifikation zum Gruppenführer erkennt man im Einsatz an einem roten Balken auf jeder Helmseite[4]. Diese Kennzeichnung signalisiert ausschließlich die Befähigung zum Ausüben der Funktion "Gruppenführer". Es können daher in einer Gruppe durchaus mehrere Einsatzkräfte mit dieser Kennzeichnung vorhanden sein. Pro Einheit kann jedoch immer nur eine Person die tatsächliche Führungsfunktion des Gruppenführers übernehmen. Eventuell weitere vorhandene Einsatzkräfte mit Gruppenführerqualifikation übernehmen dann normale Mannschaftsaufgaben. Der tatsächliche Einheitsführer wird daher zunehmend zusätzlich mit einer Kennzeichnungsweste (blau oder rot) kenntlich gemacht.[5][6] Alternativ werden in einigen Bundesländern veränderliche Funktionsabzeichen getragen, für Gruppenführer ein 10 mm schmales, umlaufendes schwarzes Band am Helm.

Gruppenführer der Feuerwehr werden in der Katastrophenschutz-Terminologie auch Unterführer genannt.

Die Abkürzung in der Feuerwehr für den Gruppenführer ist "GrFü" nach DIN 14033. In der Praxis wird jedoch meist noch die Abkürzung "GF" aus der mittlerweile nicht mehr gültigen Feuerwehrdienstvorschrift 4 verwendet.

Polizei[Bearbeiten]

Der Gruppenführer bei der Bereitschaftspolizei und in Einsatzzügen der Polizei, hat folgende Aufgaben:

  • führt die Gruppe im taktischen Einsatz und im täglichen Dienst (Streifenführer)
  • setzt die Vorgaben des Zugführers um
  • ordnet Maßnahmen / taktische Formationen an
  • bereitet Einsätze innerhalb seines Aufgabenbereiches vor und nach
  • berät den Zugführer
  • Fortbildungsbeauftragter für den praktischen Dienst
  • unterstützt Mitarbeiter

Die Funktion ist eine vollwertige Führungsaufgabe.

Bei der Bereitschaftspolizei kann man im Allgemeinen zwischen Gruppenführer in der Einsatzhundertschaft, Gruppenführer bei einem Unterstützungskommando (USK) (Bayern), BFE (Beweis- und Festnahmeeinheit) und Gruppenführer in einer Ausbildungseinheit unterscheiden.

Bei der einigen Ländern und noch vereinzelt bei der BPOL wird die Funktion durch Beamte des mittleren Dienstes wahrgenommen. In anderen Bundesländern und auch zukünftig bei der Bundespolizei ist die Führungsfunktion im gehoben Dienst angegliedert. Die Stellendotierung beginnt da bei A9 Polizeikommissar und reicht je nach Behörde bis A11 Polizeihauptkommissar. Üblich ist eine Dotierung A9 / 10. Im mittleren Dienst war die Dotierung A8 / 9 (teilweise mZ); vereinzelt je nach Behörde (Bundesland) sogar bei A7 beginnend (Polizeimeister). Der Gruppenführer gibt laufbahnrechtliche Beurteilungsbeiträge seiner Mitarbeiter an den Beurteiler.

Die taktische Kennzeichnung des Gruppenführers besteht aus zwei waagrechten Punkten am rechten Arm (meist hellgrün oder hellblau) oder zwei waagrechten Punkten auf dem Einsatzhelm (Beispiel für taktische Kennzeichnung am Arm).

Technisches Hilfswerk THW[Bearbeiten]

Der Gruppenführer im THW leitet eine Bergungs- oder Fachgruppe. Ihm unterstehen je nach Art der Gruppe ein oder mehrere Truppführer (in der STAN festgelegt). Der Gruppenführer untersteht dem Zugführer. Der Gruppenführer ist neben der Führung seiner Gruppe auch zuständig für die Ausbildung und die Ausrüstung derselben.

Sonstige Hilfsorganisationen[Bearbeiten]

Die Ausbildung zum Gruppenführer ist in den einzelnen Organisationen geregelt. Gruppenführer kommen als Führungskräfte einer Schnelleinsatzgruppe, als organisatorisches Bindeglied im Vereinsbetrieb, als Einsatzleiter bei kleineren Diensten oder als Gruppenführer im Rahmen des Katastrophenschutzes zum Einsatz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz (Hrsg.): Taktische Zeichen. Vorschlag einer Dienstvorschrift DV 102. Köln 2003 (online als PDF-Version (823 KB) [1] http://www.katastrophenvorsorge.de/pub/publications/DV102-SKK.pdf (Version vom 31. März 2010 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt verfügbar)
    Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz (Hrsg.): Empfehlungen für Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz (Hrsg.): Köln Januar 2012, korrigierte zweite Auflage (online als PDF Version(731 KB)verfügbar)
  2. a b Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 - Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV), Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Februar 2008
  3. Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 - Führung und Leitung im Einsatz, Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV), Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Februar 2008
  4. Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg, Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren - Grundausbildung, Neckar-Verlag, 2005
  5. Führungskräftekennzeichnung Baden-Württemberg, Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg
  6. Verordnung über die kommunalen Feuerwehren, Anlage 8, 1. Mai 2010