Gryfice

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Gryfice
Wappen von Gryfice
Gryfice (Polen)
Gryfice
Gryfice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Gryfice
Fläche: 12,00 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 15° 12′ O53.91611111111115.199722222222Koordinaten: 53° 54′ 58″ N, 15° 11′ 59″ O
Höhe: 18 m n.p.m
Einwohner: 16.898
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 72-300 bis 72-302
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Woiwodschaftsstraße (DW) 105: Świerzno–Gryfice-Rzesznikowo
DW 109: PłotyTrzebiatówMrzeżyno
DW 110: Lędzin-Cerkwica-Gryfice
Schienenweg: Polnische Staatsbahn (PKP)-Linie 402: Koszalin-Kołobrzeg↔Płoty-Goleniów
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 51 Ortschaften
31 Schulzenämter
Fläche: 261,30 km²
Einwohner: 24.012
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 92 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3205023
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Andrzej Szczygieł
Adresse: pl. Zwycięstwa 37
72-300 Gryfice
Webpräsenz: www.gryfice.com.pl

Gryfice (deutsch Greifenberg in Pommern) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist Kreisstadt des Powiats Gryficki und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern, im Osten der Woiwodschaft Westpommern am Fluss Rega. Die Ostseeküste ist 28 Kilometer entfernt.

Im Powiat Gryficki befinden sich einige populäre Badeorte, darunter Pobierowo (Poberow), Rewal (Rewahl), Niechorze (Seebad Horst) und Mrzeżyno (Deep).

Die nächste größere Stadt ist Kołobrzeg (Kolberg), 48 Kilometer in nordöstlicher Richtung. Zur Woiwodschaftshauptstadt Stettin sind es auf der Straße etwa 90 Kilometer.

Stadt Gryfice[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Greifenberg auf der Lubinschen Karte von 1618.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts herrschten in Pommern die Greifenherzöge Barnim I. und Wartislaw III. Sie riefen zu Stärkung ihres Herrschaftsgebiets Deutsche ins Land, Barnim siedelte vornehmlich Deutsche in den östlichen Gebieten an, während Wartislaw in dem von ihm beherrschten westlichen Bereich holländische und dänische Siedler anwarb. Beide Herzöge wetteiferten ab 1234 mit der Gründung von Städten. Zu Wartislaws Stadtgründungen gehören unter anderem Greifswald, Demmin und Kolberg. Erst zwei Jahre vor seinem Tod stellte er 1262 eine Stadtgründungsurkunde nach lübischem Recht für eine am Mittellauf des Flusses Rega gelegene Siedlung aus, der er 100 Hufen Land überließ. Der künftige Statthalter Jakob von Trebetow bekam davon 20 Hufen und den Auftrag, die Stadtgründung voranzutreiben. Dies alles geschah, ohne dass für die zukünftige Stadt ein Name festgelegt wurde. Erst nach dem Tode von Wartislaw verlieh dessen Erbe Barnim I. der Stadt den Namen Griphenberch.

St.-Mariä-Himmelfahrt-Kirche
Gryfice aus der Vogelperspektive
Der Pulverturm

Nach der Verleihung des Rechts der freien Schifffahrt auf der Rega gelangte die Stadt schnell zu Wohlstand. Der Handel blühte weiter auf, nachdem 1365 der Beitritt zur Hanse erfolgte. Greifenberg umgab sich mit einer Stadtmauer, durchbrochen von drei Toren, von denen das Hohe und das Steintor noch heute erhalten sind. Ende des 13. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der dreischiffigen Backsteinkirche St. Marien begonnen. In einer Urkunde aus dem Jahr 1386 wird eine Lateinschule in Greifenberg erwähnt, die zu den ältesten in Pommern gezählt wird. Im 15. Jahrhundert gab es mehrfach Streitigkeiten mit dem nördlich gelegenen Treptow, das versuchte, von den auf der Rega fahrenden Greifenberger Schiffen Zoll einzufordern. Der Konflikt eskalierte, als Treptow 1449 versuchte, den Fluss für alle aus Süden kommenden Schiffe zu sperren.

1658 brach ein verheerender Stadtbrand aus, dem auch die Marienkirche zum Opfer fiel. Ihr Wiederaufbau dauerte zehn Jahre. Zu dieser Zeit befand sich Greifenberg als Ergebnis des Westfälischen Friedens bereits unter der Herrschaft Brandenburgs und war verwaltungsmäßig in den Greifenberger Kreis eingegliedert worden. Während des 18. Jahrhunderts dehnte sich die Stadt durch die Errichtung der Camminer und Triglaffer Vorstadt aus, und es kam zu Umschichtungen der Erwerbsquellen. War bisher der Seehandel dominant gewesen, wurde er allmählich durch die Leinenweberei verdrängt, mit der die Stadt sich später einen guten Namen machte.

Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1818 wurde Greifenberg Kreisstadt des Landkreises Greifenberg. Im Rahmen einer Stadterweiterung entstand die Greifenberger Neustadt. Zu dieser Zeit lebten etwa 5.000 Menschen in der Stadt. 1852 erhielt die Stadt ein Gymnasium, das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium.[2] 1882 erfolgte der Anschluss an die Bahnlinie AltdammKolberg, und am 1. Juli 1896 wurde die Greifenberger Kleinbahn, eine Schmalspurbahn, eröffnet. Dadurch mit bedingt siedelten sich neue Industriebetriebe wie Zucker-, Ofen- und Tonwarenfabriken an. 1939 wurde durch die letzte deutsche Volkszählung eine Einwohnerzahl von 10.805 ermittelt.

Als am Ende des Zweiten Weltkrieges die sowjetischen Truppen die Stadt eroberten, fiel die Innenstadt einem Großbrand zum Opfer, und am Ende der Kampfhandlungen war Greifenberg zu etwa 40 Prozent zerstört. Die Stadt wurde nach Kriegsende unter polnische Verwaltung gestellt, und es begann die Zuwanderung von Polen und Ukrainern, die vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Die verbliebenen deutschen Bürger wurden aus ihren Häusern gedrängt, und es begann ihre Vertreibung, die 1946 abgeschlossen war. Die Stadt Greifenberg wurde in Gryfice umbenannt.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1791: 2.016, davon 19 Juden[3]
  • 1900: 6.477[4]
  • 1925: 8.230, überwiegend Evangelische (110 Katholiken, 80 Israeliten, 630 Sonstige)[5]
  • 1971: ca. 13.000[6]
  • 2005: ca. 16.900[7]

Museen und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sakralgebäude[Bearbeiten]

  • Die katholische St.-Marien-Kirche wurde Ende des 13. Jahrhunderts im Stil der Backsteingotik errichtet und in der Folgezeit mehrmals umgebaut. Der Turm mit welscher Haube stammt aus dem 15. Jahrhundert.
  • Die St.-Georgs-Kapelle wurde um 1500 im backsteingotischen Stil als Krankenhauskapelle erbaut und wird heute als Friedhofskapelle genutzt.
  • Die heutige (seit 1954) orthodoxe Kirche der Heiligen Mutter Gottes wurde von 1911 bis 1913 im neugotischen Stil als St.-Johannes-Kirche für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Preußen erbaut.

Stadtbefestigung[Bearbeiten]

Von der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 13./14. Jahrhundert sind Fragmente mit dem Hohen Track, dem Steintor und dem Pulverturm erhalten.

Museen[Bearbeiten]

Das beim Bahnhof gelegene Schmalspurbahnmuseum Gryfice zeigt Ausstellungsstücke zur Geschichte der Kleinbahnen in Pommern.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Friedrich George Born (1757–1807), deutscher Jurist, Erster Bürgermeister von Greifenberg und städtischer Landrat von 1791 bis 1807
  • Walter Goehtz (1878–1946), deutscher Verwaltungsbeamter, Bürgermeister von Greifenberg von 1911 bis 1935

Gmina Gryfice[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Gryfice umfasst eine Fläche von 261,30 km² und nimmt damit 25,7 % der Fläche des Powiat Gryficki (Kreis Greifenberg) ein. Mit mehr als 23.500 Einwohnern ist sie die zwölftgrößte Gemeinde in der - 114 Gemeinden umfassenden - Woiwodschaft Westpommern.

Das gesamte Gemeindegebiet wird von der Rega (Rega) in Süd-Nord-Richtung durchzogen, die hier zahlreiche Nebenflüsse (u. a. Mołstowa (Molstow), Lubieszowa (Lübsow-Bach), Gardominka (Kardeminer Bach)) aufnimmt.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gmina Gryfice gehören 51 Ortschaften, die in die Stadt Gryfice sowie in 31 Ortsteile untergliedert sind:

Übrige Ortschaften:

  • Borzyszewo (Friedrichswill), Brodniki (Gramhusen), Grębocin (Adolfshof), Grochów (Gruchow), Jabłonowo, Kowalewo, Krakowice (Karlshof), Lubin, Lubków (Sprengelberg), Mierzyn, Niekładź (Neklatz), Podłęcze (Rüchelsruh), Popiele (Chausseehaus), Raduń (Radduhn), Rzęsin (Rensin), Skowrony (Lerche), Sokołów (Dankelmannshof), Wołczyno (Völzin), Zacisze (Ruhleben) und Zagórcze (Eleonorenhof).

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Im Gebiet der Gmina Gryfice treffen drei Woiwodschaftsstraßen (DW) aufeinander, die die Stadt- und Landgemeinde in alle Richtungen mit den Nachbarregionen verbinden:

Die DW 109 stellt dabei die wichtigsten Verbindungen her zur Landesstraße 6 (Stettin - Danzig, ehemalige deutsche Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) bei Płoty (Plathe) einerseits, und zur Ostseebäderküste andrerseits.

Schienen[Bearbeiten]

Der Kleinbahnhof in Gryfice (Greifenberg)

Innerhalb der Gemeinde Gryfice verläuft die Linie 402 der Polnischen Staatsbahn (PKP) Koszalin (Köslin) - Kołobrzeg (Kolberg) - Trzebiatów (Treptow a.d. Rega) - Gryfice - Płoty (Plathe) - Goleniów (Gollnow) mit drei Stationen: Baszewice (Batzwitz), Gryfice und Górzyca Reska (Görke a.d. Rega).

Durch das gesamte Gemeindegebiet führte seit 1896 das Bahnnetz der Greifenberger Kleinbahn mit Stationen in Gryfice (Kleinbahnhof), Popiele (Chausseehaus), Rybokarty (Ribbekardt), Wilczkowo (Völschenhagen) und Niedźwiedziska (Medewitz). In der Stadt Greifenberg (Gryfice) begegneten sich die Strecken:

  • Greifenberg - Horst (Niechorze) - Treptow a.d. Rega (Trzebiatów),
  • Greifenberg - Dummadel (Tapadły) - Treptow a.d. Rega,
  • Greifenberg - Gülzow (Golczewo) - Kantreck (Łożnica) - Stepenitz (Stepnica).

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Riemann: Geschichte der Stadt Greifenberg in Pommern - Eine Gedächtnisschrift zum Sechshundertjährigen Jubiläum der Stadt. Toepler, Greifenberg i. P. 1862, 279 Seiten, online. (Bis ca. 1860 reichende ausführliche Stadtchronik.)
  • Martin Wehrmann: Geschichte von Land und Stadt Greifenberg. Weichert, Hamburg 1988, ISBN 3-926033-01-0 (unveränderter Nachdruck der Erstauflage Greifenberg 1927).
  • Unser Pommerland, Jg. 18, H. 7-8: Stadt und Kreis Greifenberg.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 165-179 (Volltext). (Stadtchronik mit zahlreichen Quellenangaben.)
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 567-729 (Volltext).
  • Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 496-498 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gryfice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Das höhere Schulwesen in Preußen - Historisch-statistische Darstellung. Im Auftrage des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten herausgegeben von L. Wiese. Wiegandt und Grieben, Berlin 1864, S. 146-147, online.
  3. Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  4. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, 8. Band, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1907, S. 272.
  5. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, 7. Band, Leipzig 1930, S. 603.
  6. Meyers enzyklopädisches Lexikon. 9. Auflage, 10. Band, Bibliographisches Institut, Mannheim Wien Zürich 1974, S. 734.
  7. Brockhaus - Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage, Band 11, Leipzig Mannheim 2006, S. 536.
  8. http://www.gryfice.eu