Gryfino

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Gryfino
Wappen von Gryfino
Gryfino (Polen)
Gryfino
Gryfino
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Gryfino
Gmina: Gryfino
Fläche: 10,00 km²
Geographische Lage: 53° 15′ N, 14° 29′ O53.25222222222214.488055555556Koordinaten: 53° 15′ 8″ N, 14° 29′ 17″ O
Einwohner: 21.578
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 74-100
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 31 StettinSłubice
DW 120 Gryfino ↔ Kobylanka
Schienenweg: PKP-Linie 273: Stettin ↔ Breslau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 42 Ortschaften
28 Schulzenämter
Fläche: 254,00 km²
Einwohner: 32.147
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206043
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Henryk Piłat
Adresse: ul. 1 Maja 16
74-100 Gryfino
Webpräsenz: www.gryfino.pl

Gryfino (deutsch Greifenhagen, niederdeutsch Gripenhagen) ist die Kreisstadt des polnischen Powiats Gryfiński mit etwa 20.000 Einwohnern und Amtssitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in der Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im äußersten Westen der Woiwodschaft Westpommern in Hinterpommern an der Odra Wschodnia (Reglitz), dem östlichen Mündungsarm der Oder. Sie gehört zum Einzugsgebiet von Stettin, dessen Zentrum in knapp 20 Kilometern in nördlicher Richtung zu erreichen ist. Gryfino liegt an der Bahnlinie Stettin-Küstrin. Zum drei Kilometer entfernten deutschen Nachbarort Mescherin gibt es einen Grenzübergang, der auch mit Kraftfahrzeugen passiert werden kann.

Gryfino von Deutschland aus gesehen

Geschichte[Bearbeiten]

Greifenhagen südlich von Stettin und nordwestlich von Pyritz auf einer Landkarte von 1905.

Schon im 12. Jahrhundert lag nördlich des späteren Greifenhagen eine wendische Fischersiedlung mit der für diese Orte üblichen Bezeichnung Wiek. Der Herzog Barnim I. von Pommern, genannt der Städtegründer, überließ 1254 einem Unternehmer 200 Hufen Land zur Gründung der Stadt Greifenhagen, der er am 1. März 1254 das Magdeburgisch-Stettiner Stadtrecht verlieh. Gleichzeitig verbot er den Zuzug der Wieker Einwohner. Zum Schultheißen ernannte er seinen Lokator Rudolf von Bertekow. Um der Stadt eine wirtschaftliche Grundlage zu geben, hatte Barnim bereits ein Jahr zuvor dem Nachbarort Woltin das Marktrecht zugunsten Greifenhagens entzogen. Später mussten auch Fiddichow und Wollin ihre Marktrechte an die neue Stadt abtreten. Zusätzlich erhielt Greifenhagen 1280 das Recht der freien Schifffahrt auf allen pommerschen Gewässern. Um den Handel nach Westen ausdehnen zu können, wurden 1306 ein Brückenzug über beide Oderarme und ein hochwassersicherer Steindamm errichtet. Für beide Verkehrswege erhob die Stadt Zoll, der ihr erheblichen Reichtum einbrachte. Ein Teil der Einnahmen wurde 1312 für den Ankauf der Ortschaft Wiek verwendet, und ein Jahr später umgab sich die Stadt mit einer Befestigungsmauer. 1339 ernannte Pommernherzog Otto I. Greifenhagen zur herzoglichen Münzstätte, was auf die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt schließen lässt.

Greifenhagen 1615
Die Stadt Gryfino (Greifenhagen) nach Eilhard Lubinus, 1618

Erhebliche Rückschläge brachten 1530 ein Stadtbrand, dem fast alle Häuser zum Opfer fielen, eine Pestepidemie, an der die Hälfte der Einwohner starb, und die Zerstörung der Oderbrücken durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg mit sich. Als Ergebnis dieses Krieges wurde Greifenhagen bis 1720 ein Teil von Schwedisch-Pommern. Lediglich von 1677 bis 1679 konnte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm die Stadt besetzen. Erst mit dem Stockholmer Frieden von 1720 kam Greifenhagen endgültig zu Preußen. Im Jahr 1780 richtete eine Überschwemmung schwere Schäden an.

Als Preußen 1815/1818 seine Verwaltung neu ordnete, wurde die Stadt Verwaltungssitz des Landkreises Greifenhagen im Regierungsbezirk Stettin der Provinz Pommern. Diese Verwaltungsgliederung blieb bis 1945 bestehen.

Mit der Stettiner und der Bahner Vorstadt entstanden neue Stadtteile, und 1857 gaben zwei Holzbrücken wieder den Weg zum westlichen Oderufer frei. Der 1877 erfolgte Eisenbahnanschluss sowie die Eröffnung des Großschifffahrtsweges Berlin–Stettin im Jahre 1904 ließen die Greifenhagener Wirtschaft expandieren. Vor allem die 1873 gegründete Dampfschiffreederei, die den Güterverkehr zwischen Schwedt und Stettin übernommen hatte, profitierte von der neuen Wasserstraße. Aber auch industrielle Betriebe, wie insbesondere der Lebensmittelherstellung und chemische Werke siedelten sich an. 1913 wurden die hölzernen Oderbrücken durch eine Stahlkonstruktion ersetzt.

Zur letzten deutschen Volkszählung von 1939 lebten 9.855 Menschen in der Stadt. Die meisten flohen Anfang 1945 vor der anrückenden sowjetischen Front. Im Kampf um die Eroberung Greifenhagens durch die Rote Armee, der vom 8. bis 21. März andauerte, wurde die Innenstadt völlig zerstört. Nachdem die deutsche Stadt Greifenhagen 1945 unter polnische Verwaltung gestellt worden war, wurde sie in Gryfino umbenannt. Die noch verbliebenen Deutschen wurden durch den polnischen Staat auf der Grundlage der sogenannten Bierut-Dekrete enteignet und ausgewiesen, soweit sie nicht vereinzelt die polnische Staatsangehörigkeit annahmen. Das Stadtgebiet wurde mit polnischen Bürgern neu besiedelt.

Gryfino wurde in die damalige Woiwodschaft Stettin eingegliedert und wurde Kreisstadt. 1975 verlor Gryfino seinen Rang als Kreishauptstadt und wurde zum Sitz einer Stadt- und Landgemeinde. 1999 erhielt sie den Status der Kreishauptstadt zurück.

Stadttor

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die katholische Pfarrkirche Mariä Geburt (Kościół p.w. Narodzenia NMP) war vor dem Zweiten Weltkrieg die evangelische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Der Bau wurde um 1250 aus Feldsteinen begonnen, um dann backsteingotisch vollendet zu werden. Viele (Außen-)details der Kirche wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts neugotisch überformt. Der barocke, zweifach durchbrochene Turmhelm wurde erst 1938 aufgesetzt und ersetzte den bisherigen Nadelhelm. Im Innern blieben neben dem neugotischen Orgelprospekt und dem Hauptaltar – dessen Altarblatt Maria, Königin von Polen nach 1945 aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten in die Kirche fand – zwei Renaissancekunstdenkmäler erhalten: Das Chorgestühl aus dem 16. Jahrhundert sowie die aufwendig renovierte Kanzel von 1605.
  • Das Sankt-Georgs-Tor (poln. Brama Bańska, also Bahner Tor) ist ein Torturm mit Resten der Stadtmauer. Es wurde um 1300 erbaut, der Unterbau aus Feldsteinen, die oberen Geschosse im Stil der Backsteingotik.
  • Krummer Wald. Ein Wald aus gekrümmten Kiefern, Naturdenkmal.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der größte Arbeitgeber in der Stadt ist ein kohlebetriebenes Elektrizitätswerk, das Kraftwerk Dolna Odra. Seit 1990 investiert auch ausländisches Kapital beim Aufbau der Industrie in der Stadt, z. B. die deutschen Firmen Fliegel-Textil-Service, die eine große Wäscherei betreibt, und Jürging Naturdärme, die Därme zur Wurstherstellung produziert.

Schulwesen[Bearbeiten]

In der Stadt bestehen:

  • fünf Kindergärten;
  • vier Grundschulen, davon drei gewöhnliche und eine Spezialgrundschule;
  • ein Mittelschulen (7. bis 9. Klasse);
  • zwei Gymnasien

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Andreas Müller (1630–1694), deutscher Orientalist, Propst von St.Nikolai in Berlin
  • Theodor Pauli (1648–1716), deutscher Rechtswissenschaftler, Professor an der Universität Königsberg
  • Christian Kelch (1657–1710), deutsch-baltischer Theologe und Chronist
  • Hildegard Voigt (1856–1936), deutsche Schriftstellerin
  • Ernst Bruno Bourwieg (1865–1944), deutscher Politiker (DVP), Landrat des Landkreises Siegen
  • Fritz Radefeldt (1872–1942), deutscher Großkaufmann, Eigentümer des Kaufhauses Radefeldt
  • Curt Hoffmann (1897–1961), deutscher Politiker (FDP), Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitbegründer der Pommerschen Landsmannschaft
  • Johannes Sprenger (1905–1974), Todesopfer an der Berliner Mauer
  • Manfred Hinze (* 1933), deutscher Leichtathlet
  • Henryk Sawka (* 1958), polnischer Zeichner, Satiriker und Illustrator

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gmina Gryfino[Bearbeiten]

Die Gesamtfläche der Stadt- und Landgemeinde Gryfino umfasst 254 km². Die Grenzen der Gemeinde haben die Länge von 111 km, davon sind 24,5 km Wasserlinie, unter ihnen bilden 2200 m die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen.

Zur Gemeinde gehören neben dem gleichnamigen Hauptort, der Stadt Gryfino, 28 Ortschaften von dörflichem Charakter:

  • Bartkowo (Bartikow)
  • Borzym (Borin)
  • Chlebowo (Klebow)
  • Chwarstnica (Klein Schönfeld)
  • Czepino (Wintersfelde)
  • Daleszewo (Ferdinandstein)
  • Dołgie (Langenhagen)
  • Drzenin (Neuhaus)
  • Gardno (Garden)
  • Krajnik (Buddenbrock)
  • Krzypnica (Kranzfelde)
  • Mielenko Gryfiński (Klein Möllen)
  • Nowe Czarnowo (Neu Zarnow)
  • Parsówek
  • Pniewo (Bremerheide)
  • Radziszewo (Retzowsfelde)
  • Sobiemyśl (Frankenberg)
  • Sobieradz (Woltersdorf)
  • Stare Brynki (Brünken)
  • Steklno (Stecklin)
  • Steklinko (Bayershöhe)
  • Wełtyń (Woltin)
  • Wirów (Wierow)
  • Włodkowice (Wilhelmshöhe)
  • Wysoka Gryfińska (Wittstock)
  • Żabnica (Mönchskappe)
  • Żórawie (Kronheide)
  • Żórawki (Kronstein)

Andere Ortschaften sind: Ciosna (Dorotheenhof), Dębce (Eichwerder), Gajki (Uhlenhorst), Łubnica (Bienenwerder), Nowe Brynki (Neu Brünken), Osuch, Pastuszka (Viehhof), Raczki, Szczawno (Vogelsang), Śremsko, Wirówek (Wierower Mühle) und Zaborze (Schulzendorf)

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 180-186 (Volltext).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 223-288 (Volltext)
  • Unser Pommerland, Jg. 17, H. 3: Greifenhagen.
  • Leopold Andrzej Kemmling (Bearb.): Greifenhagen auf alten Fotos. Von der Urgeschichte bis 1945. Biblioteka Publiczna w Gryinie, Gryfino 2004, 83 S. ISBN 83-89260-42-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gryfino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.