Guara (Steckschwert)

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Skizze von F.E. Paris (1841) zeigt eine Konstruktion eines Balsa Floßes mit gesenkten und gehobenen guara

guara (Steckschwerter) dienen, in Verbindung mit einem Segel, der Steuerung von hochseetüchtigen Flößen aus Peru und Ecuador. Ohne Segel haben guara weder eine Funktion noch eine Wirkung. Die Kunst, sämtliche Richtungs- und Wendemanöver ausführen zu können, auch gegen den Wind zu kreuzen, wurde von peruanischen Küstenindianern entwickelt.

Anwendung[Bearbeiten]

Für die Steuerung ausschlaggebend ist das richtige Wechselspiel zwischen der Behandlung des Segels und dem Heben und Senken der guara vorn und achtern.

Verbreitung[Bearbeiten]

Außerhalb Südamerikas sind guara, sowie das Wissen, dass ein Floß perfekt gesteuert werden kann, unbekannt. In einigen Museen werden guara mit der falschen Bezeichnung als "Zeremonialspaten", "Steuerruder" oder "Spezialform eines Paddels" ausgestellt. guara sind die am häufigsten vorkommenden, hölzernen Artefakte in vorspanischen Gräbern an der peruanischen Küste.

Beschaffenheit[Bearbeiten]

Die guara sind rechteckige Bretter ohne Stiel. Sie bestehen aus Hartholz, meistens aus dem peruanischen Algarrobo-Holz. Die normale Länge beträgt 1,75 bis 2 m, die Breite 10 bis 25 cm. Es gibt aber auch größere, 3 bis 3,5 m lang und bis zu 50 cm breit, diese wurden vor allem in Ecuador gefunden. Am oberen Ende befindet sich eine Art Knopf oder Griff.

Kunst[Bearbeiten]

In der Regel sind sie roh gearbeitet, es gibt aber auch künstlerisch gestaltete sowie sorgfältig dekorierte Stücke. Die schönsten gibt es im Pisco-, Paracas-, Ica-Gebiet im Süden des mittleren Küstenabschnittes von Peru. Verzierte guara aus dem Chimu-Gebiet an der Nordküste weisen oft eine Freiplastik oberhalb des Griffes auf. z. B. einen Vogel oder eine Tierfigur. Die schönsten Paracas-guara haben Griffe mit geschnitzten und bemalten Vögeln, Fischen, Menschen oder symbolischen Schmuck in zwei oder drei Reihen übereinander. In der obersten Reihe stehen manchmal sechs oder acht Männer nebeneinander, die sich an den Händen halten.

Einige wenige, sehr kunstvolle Stücke waren wohl rein zeremonielle Würdezeichen, doch hätten alle ihren praktischen Zweck erfüllen können. Die Schnitzereien behindern niemals die Handhabung, sie beschränken sich immer auf das Griffende. Der restliche Teil eines guara ist glatt, so das es leicht gehoben und gesenkt werden kann.

Wiederentdeckung[Bearbeiten]

1953 gelang es dem Archäologen Emilio Estrada (Ecuador), E.K. Reed (USA), Arne Skjølsvold (Norwegen) und Thor Heyerdahl (Norwegen) vor der Bucht von Playas in Guayaquil (Ecuador), bei praktischen Versuchen, die vergessene Kunst der Floßsteuerung wieder zu entdecken.

Quellen[Bearbeiten]

  • Indianer und Alt-Asiaten im Pazifik. Das Abenteuer einer Theorie, Thor Heyerdahl, Wollzeilen, Wien 1966.
  • La navegacion maritima en el antiguo Peru con éfasis en Tucume y el Valle de Lambayeque. University Press, Lima 1996 (englisch-spanisch)
  • American indians in the Pacific. The theory behind the Kon-Tiki expedition. Allen & Unwin, London 1952.
  • Kon-Tiki. Ullstein, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-548-36261-3.
  • Wege übers Meer. Völkerwanderungen in der Frühzeit. Goldmann, München 1990, ISBN 3-442-08977-8.
  • Zwischen den Kontinenten. Archäologische Abenteuer. Heyne, München 1978, ISBN 3-453-00892-8.

Weblinks[Bearbeiten]