Guardian of Scotland

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Die Träger des Titels Guardian of Scotland (zu deutsch: Wächter Schottlands) übten im Königreich Schottland zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert die Regentschaft aus. Dieser nicht dauerhafte und nicht erbliche Titel wurde erstmals während der Herrschaft des noch minderjährigen Alexander III. geschaffen und sollte in den folgenden Jahrhunderten immer wieder in Erscheinung treten. Zumeist war die Minderjährigkeit des Königs oder der Königin der Anlass für die erneute Auflegung des Titels, teilweise geschah dies auch aufgrund deren Abwesenheit oder schwerer Erkrankung. Während insbesondere zu Beginn oftmals eine ganze Gruppe von Männern die Regentschaft ausübten, war in späterer Zeit meist nur eine Person Guardian of Scotland. Von den über fünfzig Trägern des Titels waren vier Frauen, alle jeweils die Mutter des Throninhabers bzw. der Throninhaberin.

Auch wenn ein Guardian of Scotland eigentlich im Sinne des Herrschers regieren sollte, konnte dies nicht verhindern, dass immer wieder Inhaber des Titels ihre Macht nutzten, eigene Interessen in innerschottischen Machtkämpfen durchzusetzen. In der Geschichte des Titels gelang es aber nur zwei Guardians, Robert the Bruce und Robert the Stewart, später tatsächlich die Königswürde an sich zu reißen. Einer der einflussreichsten Guardians war wohl Robert Stewart, 1. Duke of Albany, der das Amt unter drei Königen (Robert II., Robert III., James I.), vier Mal innehatte und es insgesamt 22 Jahre ausübte. Die kürzeste Amtszeit hatte Domhnall II., Earl of Mar, der nur neun Tage nach seiner Ernennung in der Schlacht von Dupplin Moor fiel.

Bei aller Instrumentalisierung in innerschottischen Auseinandersetzungen, leistete der Titel des Guardian of Scotland als institutionalisierte Ersatzregentschaft einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der schottischen Krone in den häufigen Phasen der königlichen Regierungsunfähigkeit in Schottland. Nach der Herrschaft von James VI., dem ersten schottischen König der auch England in Personalunion regierte, wurde der Titel nicht mehr vergeben.

Liste der Guardians of Scotland[Bearbeiten]

Unter Alexander III. (1249 – 1261)[Bearbeiten]

Alexander III. wurde mit sieben Jahren zum schottischen König gekrönt. Während der Zeit seiner Minderjährigkeit übten jeweils mehrere Männer in zwei miteinander rivalisierende Gruppen die Regentschaft aus.

Unter Margarete (1286 – 1290) und während des Ersten Interregnums (1290 – 1292)[Bearbeiten]

Nach dem plötzlichen Tod Alexanders III. wurde seine Enkelin Margarete als einzige lebende Nachkommin 1286 mit drei Jahren zur Königin von Schottland gekrönt. Sie starb mit sieben Jahren an einer Krankheit. Während ihrer Minderjährigkeit und in der nachfolgenden Vakanz des Throns übte zunächst ein Kollegium, anschließend für ein Jahr Bryan FitzAlan alleine als Guardian of Scotland die Regentschaft aus.

In einem in Altfranzösisch verfassten Schreiben des Schottischen Parlaments von 1290 in Birgham, dass den Vertrag von Salisbury bestätigt, werden folgende Personen als Guardians of Scotland genannt:

„[...] Guillaume de Seint Andreu et Robert de Glasgu evesques, Johan Comyn et James Seneschal de Escoce, gardeins du reaume de Escoce [...]“

„[...] William von St Andrew und Robert von Glasgow Bischöfe, John Comyn und James Seneschall von Schottland, Wächter des Königreichs von Schottland [...]“

Schottisches Parlament, 1290

Während des Zweiten Interregnums (1296 – 1306)[Bearbeiten]

Unter Robert the Bruce (1316 – 1317)[Bearbeiten]

Für den Zeitraum seiner Abwesenheit aufgrund des Irland-Feldzugs benannte Robert the Bruce einen Guardian of Scotland.

Unter David II. (1329 – 1341, 1347 – 1357)[Bearbeiten]

Während der Jahre der Minderjährigkeit und bis zur Rückkehr David II. aus dem französischen Exil (1329-41), sowie später während der Gefangenschaft des Königs in England (1347-57) regierten eine Reihe von Guardians. Während der Zeit der Unmündigkeit geschah dies mit Billigung, später gegen den Willen des Königs.

Unter Robert II. (1388 – 1390)[Bearbeiten]

Im hohen Alter wurde Robert II. senil und konnte die Regierungsgeschäfte nicht mehr ausüben.

Unter Robert III. (1390 – 1406)[Bearbeiten]

Robert III. wurde vermutlich 1387 durch den Tritt eines Pferdes schwer verletzt und war in der Folge teilweise gelähmt. Aufgrund seines Gebrechens wurden während seiner Regierungszeit Regenten ernannt.

  • Robert Stewart, Duke of Albany (1390 – 1399; 1402 – 1406)
  • David Stewart, Duke of Rothesay (1399 – 1402), wurde von Robert Stewart entmachtet und verhungerte in der Gefangenschaft

Unter James I. (1406 – 1424)[Bearbeiten]

James I. fiel bereits vor seiner Thronfolge in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1424 zurückkehrte. Während dieser Zeit regierten nacheinander zwei Guardians Schottland gegen den Willen des Königs.

  • Robert Stewart, Duke of Albany (1406 – 1420), starb eines natürlichen Todes
  • Murdoch Stewart, Duke of Albany (1420 – 1424), wurde 1425 auf Befehl James I. hingerichtet

Unter James II. (1437 – 1452)[Bearbeiten]

James II. wurde bereits mit sieben Jahren zum König gekrönt. Bis zwei Jahre nach Erreichen der Volljährigkeit regierten eine ganze Reihe von Guardians Schottland, wobei dies ab 1439 ohne sein Einverständnis geschah und nicht lückenlos geklärt ist, wer tatsächlich zu welchem Zeitpunkt den Titel trug.

  • Joan Beaufort, Königin von Schottland (1437 – 1439), Mutter von James II., wurde 1439 kurzzeitig inhaftiert und entmachtet
  • Archibald Douglas, Earl of Douglas (1437 – 1439), starb 1439 an einer Krankheit
  • James Douglas, Earl of Douglas (1439 – 1443), starb 1443 vermutlich eines natürlichen Todes; Titelinhaberschaft unklar
  • Alexander Livingston of Callendar (1439 – 1449), beherbergte James II. in seinem Haus und wurde von William Douglas entmachtet; Titelinhaberschaft unklar
  • William Chrichton, Lord Crichton (1439 – 1445?, möglicherweise 1449 – 1452), wurde um 1445 zunächst entmachtet gewann ab 1449 wieder Einfluss; Titelinhaberschaft unklar
  • William Douglas, Earl of Douglas (1443 – 1452), wurde von James II. ermordet, Titelinhaberschaft unklar

Unter James III. (1460 – 1469)[Bearbeiten]

James III. war bei seiner Krönung noch Minderjährig, so dass zunächst seine Mutter mit einem Ko-Regenten und später eine Reihe von Guardians die Herrschaft bis zu seiner Volljährigkeit ausübten. Erst die beiden letzten Guardians aus dem Hause Boyd scheinen gegen James III. Willen regiert zu haben und wurden von ihm nach Erreichen seiner Volljährigkeit entmachtet.

  • Maria von Geldern, Königin von Schottland (1460 – 1463), Mutter von James III., starb 1463
  • James Kennedy, Bischof von St Andrews (1460 – 1465)
  • Robert Fleming, Lord Fleming (1465 – 1466?), auf Betreiben von Robert Boyd per Parlamentsbeschluss entmachtet
  • Gilbert Kennedy, Lord Kennedy (1465 – 1466?), auf Betreiben von Robert Boyd per Parlamentsbeschluss entmachtet
  • Robert Boyd, Lord Boyd (1466 – 1469), von James III. entmachtet
  • Alexander Boyd (1466 – 1469), von James III. entmachtet

Unter James IV. (1488 – 1493)[Bearbeiten]

Nach der gewaltsamen Entmachtung von James III. wurde sein Sohn mit nur 15 Jahren als James IV. neuer König. Während der Zeit seiner Minderjährigkeit übten zwei Guardians die Regentschaft aus.

Unter James V. (1515 – 1528)[Bearbeiten]

James V. war bei seiner Krönung erst 17 Monate alt und wurde zwischen den drei Guardians in wechselnden Koalitionen als Faustpfand für die Regentschaft genutzt.

  • Margaret Tudor, Königin von Schottland (1513 – 1515, 1524 – 1528), Mutter von James V., musste die Regentschaft nach der Heirat mit Archibald Douglas abgeben, wurde später erneut eingesetzt und befreite James V. aus der Gefangenschaft
  • John Stewart, Duke of Albany (1515 – 1524)
  • Archibald Douglas, Earl of Angus (1525 – 1528), erzwang die Mitregentschaft und hielt James V. bis 1528 gefangen

Unter Mary Stuart (1542 – 1560)[Bearbeiten]

Mary Stuart wurde im Alter von fünf Tagen zur Königin von Schottland gekrönt, wuchs aber von frühester Kindheit an in Frankreich auf. Während ihrer Minderjährigkeit und bis zu ihrer Rückkehr nach Schottland 1560 übten nacheinander zwei Guardians die Regentschaft aus:

Unter James VI. (1567 – 1582)[Bearbeiten]

James VI. wurde im Alter von einem Jahr zum schottischen König gekrönt. Während der Zeit seiner Minderjährigkeit übten insgesamt fünf Guardians die Regentschaft aus:

Esmé Stewart war der letzte Guardian of Scotland. Ab 1603 wurden Schottland und England in Personalunion regiert und gingen 1707 schließlich durch den Act of Union 1707 im Königreich Großbritannien auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Barrow, S.189.
  2. Die Regentschaftszeit endete nach der Rückkehr von David II. nach Schottland.
  3. Die Regentschaft begann mit der Gefangennahme von David II. durch die Engländer und wurde auf dessen Betreiben aus der Gefangenschaft heraus vom Schottischen Parlament schließlich annulliert.

Literatur[Bearbeiten]

  • G. W. S. Barrow, Robert Bruce and the community of the realm of Scotland. Edinburgh University Press: Edinburgh 2004. ISBN 9780748620227. Online-Ausgabe
  • Howard de Walden (Hrsg.), Thomas Evelyn Scott-Ellis Baron (Hrsg.), Some feudal lords and their seals, MCCCJ. De Walden Library: London 1904. Online-Ausgabe (PDF; 17,0 MB)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]