Gufidaun

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Blick auf Gufidaun mit Koburg und Schloss Summersberg
Blick auf Gufidaun

Gufidaun (italienisch: Gudon, lateinisch cubitum, althochdeutsch Cubidunes) ist ein Dorf mit 500 Einwohnern in der Gemeinde Klausen in Südtirol (Italien).

Es liegt im Eisacktal über der Stadt Klausen auf 734 m Meereshöhe. Gufidaun wurde erstmals in einer aus dem Jahr 950 datierten Urkunde, des Freisinger Bischofs Lantpert erwähnt. Dort wird der Name „Cubidunes“ verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Gufidaun war bereits 2000 Jahre vor Christi Geburt besiedelt. Zunächst wurde Gufidaun von Rätern und Römern besiedelt, wie Funde von Südtiroler Archäologen beim Josef-Telfner-Haus, beim Dorfmuseum und nahe Aichholz zeigen. Um das 6. Jahrhundert nach Christus ließen sich neben der romanischen Bevölkerung auch Bayern in Gufidaun nieder.

In Gufidaun bestanden schon im Mittelalter zwei herrschaftliche Ansitze: Die Koburg und Schloss Summersberg. Ab 1220 gab es hier ein Hochgericht, das nicht nur für die Rechtsprechung, sondern auch für die politische Verwaltung zuständig war. Die Gerichte blieben oft jahrzehntelang im Besitz ein und derselben Adelsfamilie, in Gufidaun waren dies 150 Jahre lang die Grafen Thun und von 1619 bis 1828 die Grafen Wolkenstein-Trostburg.

Gufidaun erlangte im 16. Jahrhundert große Wichtigkeit. So wurden Jakob Hutter, der Begründer der heute nach Nordamerika ausgewanderten Hutterer, und seine schwangere Frau Katharina im Gericht von Gufidaun gefangen genommen. Während die Schlossherrin seiner Frau zur Flucht verhalf, wurde Jakob Hutter vor dem Goldenen Dachl in Innsbruck auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche zum Heiligen Martin wurde 1455 vom Bischof Nicolaus Cusanus geweiht, jedoch wurde sie schon 1280 erwähnt. Der Freskenschmuck stammt aus dem 15. Jahrhundert: Barbarazyklus (Brixner Werkstatt), Koburger Kapelle (1465, Maler Ambrosius Gander), Marientod (Westfassade, um 1430), Christophorus (Turmfassade) und ein sitzende Madonna (1460, Leonhard Scherhauff).

1678 vom Archigrammaticus Johann Paul Schenk erbaut, gilt der Turmwirt als das „Geschichtsschreiberhaus“. Sowohl an der Außenfassade, als auch an der Innenfassade befinden sich Malereien aus dem 19. und frühem 20. Jahrhundert. Heute ist der Turmwirt ein Gasthaus. Der Ansitz „Hohenhaus“ war vom 17. bis zum 19. Jahrhundert Gerichtssitz im Eisacktal, bis Villnöß und Gröden. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es vom damaligen Landeshauptmann Caspar Paris Wolkenstein ausgebaut. Heute ist es eine Bibliothek und beherbergt auch den „Schatzkasten Erde“, Gufidauns Archäologie-Museum.

1329 wurde vom Gerichtsherrn Georg von Villanders das mittelalterliche Schloss Summersberg in Gufidaun gebaut. Der Name des Schlosses geht auf das Geschlecht der Summersberger zurück, das erstmals 1202 erwähnt wurde. Der Tiroler Sagenforscher Ignaz Vinzenz Zingerle erwarb das Schloss 1880. Heute befindet es sich im Privatbesitz der Familie Zingerle.

Die Koburg, die im 14. Jahrhundert noch im Besitz der Herren von Gufidaun war, musste wiederrenoviert werden, da sie 1571 bei einem Brand zerstört worden war. Die Koburg besitzt kulthistorisch wichtige Wandmalereien und bis 1818 war sie im Besitz der Familie von Mayrhofen. 1883 erwarb sie aber Professor Tobias von Wildauer. Heute ist die Burg im Privatbesitz.

Das Dorfmuseum befindet sich im „Pfleghaus“, das wegen seines Besitzers Josef Kröss auch „Krösshaus“ genannt wird. Das Dorfmuseum gibt einen Einblick in das Leben und der Kultur der bäuerlichen Bevölkerung in Südtirol.

Heute stellt der Tourismus in Gufidaun eine wichtige Einnahmequelle dar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gufidaun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.64861111111111.601388888889Koordinaten: 46° 39′ N, 11° 36′ O