Guillermo del Toro

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Guillermo del Toro (2010).

Guillermo del Toro Gómez (* 9. Oktober 1964 in Guadalajara) ist ein mexikanischer Regisseur, Filmproduzent, Schriftsteller und Drehbuchautor.

Für viele seiner Filme übernahm er die Produktion und verfasste zu seinen persönlicheren Projekten auch das Drehbuch. Der Regisseur nennt sich selbst bibliophil, laut eigenen Aussagen hat er sein erstes Buch im Alter von vier Jahren gekauft.[1]

Er arbeitet regelmäßig mit den Schauspielern Doug Jones, Ron Perlman, Luke Goss und Federico Luppi sowie dem Kameramann Guillermo Navarro, der für Pans Labyrinth einen Oscar für die beste Kameraarbeit gewonnen hat, zusammen.

Leben[Bearbeiten]

Bevor er eigene Filme drehte, studierte del Toro an einer Filmschule, die er nach eigenem Bekunden selbst mitbegründete. Dort lernte er die Grundlagen des Regieführens und Drehbuchschreibens, was ihn bis heute prägt. So arbeitet er zu jeder Figur in seinen Filmen eine umfangreiche Biografie aus, die er der Figurenkonzeption zugrunde legt und den Schauspielern zugänglich macht. Weitere Elemente, auf die er in Interviews und Audiokommentaren regelmäßig verweist, sind seine Vorliebe für Elemente aus Märchen, speziell den Märchen-Illustrationen von Kay Nielsen und Arthur Rackham, welche er in Filmen sowohl beim Konstruieren des Drehbuchs als auch im Produktions-Design verwendet, sowie eine Vorliebe für monochromen Farbeinsatz. Das charakteristische Bernsteingelb, das in Cronos von den Straßenlaternen ausgeht, findet sich prominent eingesetzt auch in The Devil’s Backbone, Blade II, Hellboy (beide Teile) sowie Pans Labyrinth wieder.[2] Zahnradmotivik prägt die Ausstattung sowohl von Cronos als auch von Hellboy, Pans Labyrinth und Hellboy II. Als sein erster Film Cronos zunächst nicht finanzierbar schien, gründete del Toro seine eigene Spezialeffektfirma, um zu beweisen, dass sein Konzept umsetzbar war. Er arbeitete einige Jahre lang als Maskenbildner.[3]

Seinen Durchbruch als Regisseur hatte del Toro 1993 mit seinem Debüt-Horrorfilm Cronos, für den er u. a. einen goldenen Ariel gewann und mit dem Mercedes-Benz Award ausgezeichnet wurde. Seine erste Hollywood-Produktion war 1997 Mimic – Angriff der Killerinsekten. Mit diesem Film erklärte er sich nur halb zufrieden – die Interventionen des Studios hatten ihn stark eingeschränkt.[4][5]

Der erste seiner Filme, mit dem er gänzlich einverstanden war, ist The Devil’s Backbone. Der Film spielt in einem Waisenhaus im Jahr 1939. Del Toro sieht in Pans Labyrinth einen Schwesterfilm zu The Devil’s Backbone.

Mit Blade II führte del Toro das Franchise der Blade-Comicverfilmungen fort. Der Film wurde in vielfacher Weise als Experimentierfeld für Hellboy genutzt. So arbeitete hier auch erstmals Mike Mignola am Design mit.

Bis zu diesem Zeitpunkt ließen sich seine Filme in zwei Gruppen aufteilen: Persönliche Projekte, die eine Mischung aus Kunst- und Horrorfilm darstellen, und eher kommerzielle Projekte, die weitere persönliche Projekte ermöglichten. Mit diesem Schema brach Hellboy. Das Drehbuch hierzu hatte del Toro zehn Jahre lang erfolglos zu finanzieren versucht und konnte es schließlich 2004 weitgehend kompromisslos mit seiner Wunschbesetzung (Ron Perlman als Hellboy) in die Kinos bringen. Hierfür arbeitete er eng mit dem Autor und Zeichner Mike Mignola zusammen, um den ästhetischen und inhaltlichen Ausdruck der Comic-Vorlage filmisch umzusetzen. Der Film bildet den Auftakt zu einer geplanten Trilogie.

Mit Pans Labyrinth verfilmte del Toro 2006 wieder eines seiner Originaldrehbücher. Die Geschichte eines Mädchens, das sich vor den Schrecken des Post-Bürgerkrieg-Spaniens von 1944 in eine märchenhafte Traumwelt flüchtet, illustriert wiederum del Toros humanistische Sicht auf den Krieg. Der Film enthält inhaltliche, dramaturgische und stilistische Parallelen zu The Devil’s Backbone: Beide Filme spielen in Spanien unter dem Einfluss des faschistischen Regimes und des Bürgerkriegs, beide Male wird die Handlung aus Perspektive eines Kindes erzählt und beide Male werden zentrale übernatürliche Handlungselemente metaphorisch eingesetzt. Im Audiokommentar des Films weist er darauf hin, dass der Film fünf Jahre nach The Devil’s Backbone gedreht wurde − in dieser Zeit habe sich die Welt und seine Sicht auf das Thema Krieg durch die Folgen des 11. September 2001 stark verändert, was im Film deutlich werde, dessen Handlung ebenfalls fünf Jahre nach derjenigen von The Devil’s Backbone spielt.

Am 28. Juni 2008 hatte Hellboy – Die goldene Armee, die Fortsetzung des Hellboy-Films von 2004, Premiere in den USA.[6]

Am 24. April 2008 wurde er als Regisseur der Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Der Hobbit bestätigt.[7] Zu seinen Ansichten zu Stil und Absicht der beiden Filme, die 2012 und 2013 ins Kino kommen sollen, äußerte er sich mehrfach in Interviews.[8][9] Ende Mai 2010 gab Guillermo del Toro bekannt, dass er wegen wiederholter zeitlicher Verschiebungen seitens des Studios MGM, die finanzielle Probleme haben, die Regie abgibt. Dies tat er, um seine anderen Filmprojekte nicht zu gefährden. Del Toro werde aber noch weiter an den Drehbüchern arbeiten, gemeinsam mit Philippa Boyens, Fran Walsh und Peter Jackson.[10]

Seit vielen Jahren versucht del Toro, H. P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns zu verfilmen.[11] Nach seinem Rücktritt von der Regie von Der Hobbit arbeitete er einige Monate lang mit James Cameron, der den Film produzieren sollte. Die Finanzierung durch Universal Pictures scheiterte Anfang 2011, da man verlangte, den Film für eine Altersfreigabe ab 13 Jahren (PG-13) zu drehen, was del Toro ablehnte.[12] Im Mai 2012 gab del Toro an, dass Ähnlichkeiten zu Ridley Scotts Film Prometheus es unwahrscheinlich machen würden, dass er sein Projekt einer Lovecraft-Verfilmung in absehbarer Zeit weiter verfolgen würde.[13]

Im Herbst 2009 wurde bekannt, dass del Toro zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt die Regie in der Verfilmung von Drood, einem Horror-Roman von Dan Simmons, übernehmen wird.

Im James-Bond-Film Ein Quantum Trost hat del Toro einen Cameo-Auftritt als Soldat.[14]

Seinen ersten Roman verfasste del Toro gemeinsam mit dem Bestseller-Autor Chuck Hogan. Der Vampir-Roman mit dem Titel Die Saat erschien im September 2009 in Deutschland.[15] Es ist der erste Teil einer Trilogie; die weiteren Bände tragen die Titel Das Blut (Orig. The Fall; erschienen im September 2010[16]) und Die Nacht (Orig. The Night Eternal).

2010 wurde bekanntgegeben, dass Del Toro einen Vertrag mit THQ abgeschlossen hat, um ein Videospiel zu verwirklichen.[17] Das Projekt heißt inSane[18] und ist von den Werken H. P. Lovecrafts inspiriert. Das Horrorspiel sollte 2013 erscheinen und wurde von dem Studio Volition entwickelt. Nachdem es lange Zeit still um das Projekt geblieben war, gab THQ Anfang August 2012 bekannt, dass die Entwicklungsarbeiten an inSane eingestellt und alle Rechte an der Marke wieder an Guillermo del Toro übergeben wurden.[19] Im Mai 2012 präsentierte er die Re-releases der Alfred-Hitchcock-Filme Der unsichtbare Dritte (16. Mai), Frenzy (8. Mai), Im Schatten des Zweifels (15. Mai) und Berüchtigt (7. Mai)[20] im Rahmen des Toronto International Film Festivals.[21]

2012 übernahm del Toro die Regie im Science-Fiction-Film Pacific Rim, der nach einem Drehbuch von Travis Beacham entstand.

2013 führte Del Toro Gastregie in der Zeichentrickserie Die Simpsons. Er übernahm hierbei die Gestaltung des Vorspanns der alljährlichen Treehouse of Horror-Episode.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Regisseur
Produzent
  • 2004: Crónicas – Das Monster von Babahoyo (Crónicas)
  • 2008: Cosas insignificantes
  • 2008: Kick It – Zwei wie Feuer und Wasser (Rudo y Cursi)
  • 2009: Rabia – Stille Wut (Rabia)
  • 2010: Biutiful
  • 2010: Julia’s Eyes (Los ojos de Julia)
  • 2010: Don’t Be Afraid of the Dark
Ausführender Produzent
Drehbuchautor
  • 1993: Cronos (La invención de Cronos)
  • 1997: Mimic – Angriff der Killerinsekten (Mimic)
  • 2001: The Devil’s Backbone (El espinazo del diablo)
  • 2004: Hellboy
  • 2006: Pans Labyrinth (El laberinto del fauno)
  • 2008: Hellboy – Die goldene Armee (Hellboy II: The Golden Army)
  • 2010: Don’t Be Afraid of the Dark
  • 2012: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (The Hobbit: An Unexpected Journey)
  • 2013: Pacific Rim
  • 2013: Der Hobbit: Smaugs Einöde (The Hobbit: The Desolation of Smaug)

Werke[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2006: Nominierung für die Palme d'Or für Pans Labyrinth
  • 2007: Nominierung für den Oscar in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ für Pans Labyrinth
  • 2007: Nebula Award in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ für Pans Labyrinth

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Hroß: Engel in Plastiktüten und Teufel ohne Hörner: Die Filme von Guillermo Del Toro. In: Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und Populärer Film. Band 2. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76733-2, S. 123−135.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Del Toro, 18. März 2008
  2. http://deltorofilms.blogspot.com/2008/04/gdt-on-fairy-tales-part-1.html
  3. http://www.deltorofilms.com/forum/viewtopic.php?t=7
  4. http://deltorofilms.com/wp/2007/07/31/films/mimic/mimic-se-dvd-in-the-works
  5. http://deltorofilms.com/wp/2010/11/03/films/mimic/gdt-twitter-qa-with-digital-spy
  6. http://www.imdb.com/title/tt0411477/releaseinfo
  7. http://www.variety.com/VR1117984595.html
  8. http://www.theonering.net/torwp/2008/04/25/28747-guillermo-del-toro-chats-with-torn-about-the-hobbit-films/
  9. http://www.newyorker.com/reporting/2011/02/07/110207fa_fact_zalewski?currentPage=all
  10. Regisseur del Toro steigt aus, 30. Mai 2010
  11. http://www.newyorker.com/reporting/2011/02/07/110207fa_fact_zalewski?currentPage=13
  12. http://www.newyorker.com/online/blogs/newsdesk/2011/03/guillermo-del-toro-madness-has-gone-dark.html
  13. Guillermo del Toro Talks Prometheus and its Relation to At the Mountains of Madness
  14. Zwei Regisseure sind zu Gast bei Bond
  15. http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=311770
  16. http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/359889/september-22-2010/guillermo-del-toro
  17. http://www.videogameszone.de/Video-Game-Awards-Event-120281/News/Insane-erscheint-fuer-PlayStation-3-Xbox-360-und-PC-803856/
  18. http://www.insanegame.com/
  19. IGN DE − Insane: Horror-Spiel von Guillermo del Toro gecancelt. Abgerufen am 7. August 2012.
  20. http://www.fangoria.com/index.php/home/all-news/1-latest-news/6875-guillermo-del-toro-presents-hitchcock-master-class-in-toronto
  21. http://tiff.net/filmsandschedules/tiffbelllightbox/2012/4400001706

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guillermo del Toro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien