Gulag

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Gulag bezeichnet ein umfassendes Repressionssystem in der Sowjetunion. Es bestand aus Zwangsarbeitslagern, Straflagern, Gefängnissen und Verbannungs­orten. Sie dienten der Unterdrückung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit und der Internierung von Kriegsgefangenen. Das Lagersystem stellte ein wesentliches Element der stalinschen Herrschaft dar.

Das Akronym Gulag bzw. GULag steht für russisch Главное управление лагерей (abgekürzt ГУЛаг) oder offiziell auch Главное управление исправительно-трудовых лагерей и колоний, transkribiert Glawnoje uprawlenije isprawitelno-trudowych lagerej i kolonij anhören?/i, übersetzt „Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager“.

Die Mehrheit der Wissenschaftler kommt zu dem Ergebnis, dass die sowjetischen Arbeitslager – im Unterschied zu den deutschen Vernichtungslagern – nicht mit dem Ziel der planmäßigen Ermordung errichtet wurden; die hohen Todeszahlen sind auf die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen zurückzuführen und wurden von Lenins und in gesteigertem Umfang von Stalins Regime billigend in Kauf genommen.[1]

Karte des Gulag-Systems
Zwangsarbeit im Gulag

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Wachturm des „Projekts 503“ im Plan Stalins, eine Eisenbahnstrecke durch die Taiga bauen zu lassen, die den Norden Sibiriens erschließen sollte. Etwa eine Flugstunde von Turuchansk (65° 51' N, 88° 04' O) am nördlichen Polarkreis entfernt.

Zaristisches Lagersystem[Bearbeiten]

Schon die russischen Zaren hatten politische Gefangene und wirkliche sowie vermeintliche Verbrecher nach Sibirien verbannt (Katorga). So wurden zum Beispiel Lenin von 1897 bis 1900 und Stalin von 1913 bis 1917 in das damalige Gouvernement Jenisseisk (heute in etwa Region Krasnojarsk) verbannt. In den zaristischen Straflagern sollen in den 1830er Jahren 8.000 Menschen festgehalten worden sein, in den 1870er Jahren 20.000 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu 30.000 Menschen.

Lager nach der Oktoberrevolution und im Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Die Sowjetregierung unter Lenin richtete mit Beginn des Russischen Bürgerkriegs 1918 Konzentrationslager für „Klassenfeinde“, politische Gegner, bestimmte soziale Gruppen und gewöhnliche Kriminelle ein. Im Erlass Über den Roten Terror hieß es 1918, Klassenfeinde sollten „in Konzentrationslagern isoliert werden“.[2] Diese Lager wurden nach Ende des Bürgerkriegs aufgelöst. Für die verbliebenen Gefangenen und neu hinzugekommene, so die Aufständischen von Kronstadt, stellte sich die Frage der weiteren Unterbringung. 1923 überließ die Sowjetregierung der GPU dafür die Solowezki-Inseln, fünf Inseln im Weißen Meer nahe Archangelsk und richtete dort Lager ein. Von den Machthabern eingeführt wurde der Begriff „Besserung durch Arbeit“. Es wurde allerdings unterschieden zwischen Besserungsarbeit für Häftlinge aus der Arbeiterklasse und Zwangsarbeit für „Konterrevolutionäre“ und „Klassenfeinde“ zur Erniedrigung und Bestrafung.

„Der Grundsatz der Besserung und Umerziehung“ und freizügigere Strafvollzugsbedingungen galten nicht für politische Häftlinge.[3] Stettner bezeichnet es darüber hinaus als falsch, der „kommunistischen Terminologie und Propaganda zu folgen und die Betrachtung … auf Besserungsarbeit zu konzentrieren.“ Es sei vielmehr „festzuhalten, daß von den ersten Wochen der Herrschaft der Bolschewiki an Gefangenenzwangsarbeit der politisch Mißliebigen üblich war“.

Lagersystem unter Stalin[Bearbeiten]

Bis 1925 wurden in den Lagern kleinere, unproduktive Arbeiten verrichtet, ab 1926 ging die GPU zum Prinzip der Selbstkostendeckung der Arbeitslager über. Die Häftlinge wurden zunächst zum Holzeinschlag verwendet – Holz war zu dieser Zeit ein Hauptexportartikel der Sowjetunion. Der Politikwechsel ab 1928 – Industrialisierung, Zwangskollektivierung und ab 1929 Entkulakisierung – führte zu einem wesentlich größeren Häftlingsaufkommen.

Stalin forderte 1929 eine effizientere Nutzung der Arbeitskraft von Häftlingen in den Arbeitslagern, die fortan offiziell als „Besserungsarbeitslager“ bezeichnet wurden. Die Lagerreformen der Jahre 1928/1929, speziell das Dekret vom 26. Juni 1929, waren die Geburtsstunde des eigentlichen Gulags. Häftlinge mit einem Strafmaß von über drei Jahren sollten generell in Lagern untergebracht werden und dort Arbeiten verrichten.

Unter Stalin wurde das System straff durchorganisiert und stetig erweitert. Dies galt auch für das Strafmaß. Zur Zeit Stalins waren Strafen meist durch die Zahl fünf teilbar. Die Haftdauer betrug daher oft 5, 10, 15 usw. Jahre. Pläne, zusätzlich oder alternativ zu den Lagern bis zu zwei Millionen Menschen in „Sondersiedlungen“ zu deportieren, um bisher unerschlossene Gebiete zu nutzen, wurden nach der Tragödie von Nasino 1933 wieder aufgegeben und dafür das Gulag-System massiv ausgebaut. In den folgenden Jahren weitete sich das Lagersystem räumlich aus, bis es schließlich in allen Teilen der Sowjetunion anzutreffen war. Auch die Arbeitskraft der Häftlinge wurde immer weitläufiger eingesetzt. Zum Beispiel sollte Igarka durch eine 1.300 Kilometer lange Polareisenbahn erschlossen werden. Projekt Nr. 501 am Ob und Projekt Nr. 503 am Jenissei sollten sich zur Magistrale verbinden. Es wurden 100.000 bis 120.000 Menschen, hauptsächlich Gulag-Insassen, dazu eingesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch deutsche Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter nach Sibirien transportiert. Aber auch aus vielen anderen Ländern und Regionen kamen die Häftlinge, so dass in den Lagern viele Nationen vertreten waren. Seit 1948 unterstanden auch die Speziallager in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands, beziehungsweise der DDR, der Lager-Hauptverwaltung Gulag des Moskauer Innenministeriums.[4]

Opfer[Bearbeiten]

Gefangene

In den Lagern der Sowjetzeit waren zeitweise bis zu 2,5 Millionen Menschen inhaftiert. Viele Urteile kamen ohne ordentliches Gerichtsverfahren zustande. Besonders aber die Einführung des Artikels 58 seit dem Jahr 1927 bewirkte eine große Zahl von Verhaftungen.[5] Der Artikel 58 beinhaltete Paragraphen wie „Terrorismus“, „Propaganda oder politische Agitation“, „organisatorische Tätigkeit“, machte aus Recht ein „Instrument der Herrschaft und wurde je nach den augenblicklichen politischen Forderungen der Partei angewandt“ (Kotek, Rigoulot). Bis 1956 wurde etwa die Hälfte aller Fälle – wenn überhaupt – dann in einem farcenhaften Scheinprozess durch das OSO („Sonderkollegium des NKWD“), einem außergerichtlichen Organ, in Abwesenheit des Angeschuldigten und hinter verschlossenen Türen verhandelt, ohne dass das Urteil jemals mitgeteilt wurde.[6]

Die Gesamtzahl der Menschen, die in der Sowjetunion zwischen dem Ende der 1920er und der Mitte der 1950er Jahre in einem Lager oder in einer Kolonie gefangengehalten wurden, lag jedoch weitaus höher und wird von der jüngeren Forschung mit etwa 18 bis 20 Millionen angegeben.[7]

Die durchschnittliche jährliche Sterberate im Lagersystem wurde in der Forschung jahrzehntelang debattiert. Sie ist bisher nicht abschließend ermittelt. Verschiedene Forscher kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. So reichen die Schätzungen von 2,5 bis 30 %, schreibt Gunnar Heinsohn. Für die Lager Kolyma und Workuta gibt es noch höhere Schätzungen. Dort sollen bis zu 50 % der Häftlinge umgekommen sein. Rummel, der frühere Zahlen nach unten korrigierte, rechnet für die gesamte sowjetische Ära von 1918 bis 1991 mit 39 Millionen Gulag-Toten.[8][9] Heinsohn erwähnt, dass von den drei Millionen deutschen Kriegsgefangenen, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in speziellen Kriegsgefangenenlagern interniert waren, die nicht zu dem dem Gulag unterstellten System der „Besserungsarbeitslager“ gehörten, nach fünf Jahren bereits eine Million verstorben waren. Alexander Solschenizyn macht folgende Angaben zu den Opferzahlen: „Die Zahl der Häftlinge, die im Laufe von 35 Jahren (bis 1953) den Archipel passierten oder dort starben, beträgt schätzungsweise vierzig bis fünfzig Millionen (eine vorsichtige Schätzung, denn das ist nur das Drei- oder Vierfache der durchschnittlichen Bevölkerung des GULAG, im Krieg starben jedoch täglich ein Prozent weg) […].“[10]

In seinem 1994 erschienenen Buch kritisierte Bacon sowjetische bzw. russische Forscher, die in ihren frühesten Publikationen (Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre) Archivmaterialien in wissenschaftlich unhaltbarer Weise veröffentlicht hätten, ganze Häftlingskategorien seien weggelassen worden (Bacon, Gulag). Bacon selbst gibt für 1937 die Zahl von 31 Toten pro 1000 Gefangenen an, für 1938 spricht er von 91, für 1939 von 38, 1941 von 67 (dreimal höher als die Sterberate im Landesdurchschnitt), 1942 von 176 (siebenmal höher als Landesdurchschnitt), 1943 von 170, 1944 von 92, 1945 von 61 (siebenmal höher als Landesdurchschnitt). In ihrem 1993 erschienenen Artikel zitierte die Forschergruppe Getty/Rittersporn/Zemskov Archivdaten, nach denen im Zeitraum von 1934 bis 1953 1.053.929 Menschen in den Lagern starben. Todesfälle in Kolonien und Gefängnissen sind in dieser Zahl nicht enthalten.[11]

Seit Ende der 1990er Jahre ist ein großer Teil der erhaltenen Archivbestände des Gulags nicht nur in Moskau, sondern (als Mikrofilme) auch in Bibliotheken in München, London, Cambridge/Massachusetts, Stanford und Chicago verfügbar. Diese frei zugänglichen Dokumente umfassen umfangreiche und detaillierte Häftlings- und Sterbestatistiken für das gesamte Lagersystem während des Zeitraums des Stalinismus und darüber hinaus. Zahlreiche Dokumente, die Sterbedaten enthalten, sind zudem seither in Quelleneditionen publiziert worden. So findet sich beispielsweise bei Kokurin/Petrov eine Aktennotiz des Gulags aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, nach der im System der Lager und Kolonien im Zeitraum zwischen 1930 und 1956 1.606.748 Menschen gestorben sind. Diese Zahl, in der Sterbefälle in Kolonien ab einschließlich 1935 enthalten sind, ist konsistent mit den von Getty/Rittersporn/Zemskov präsentierten Daten.[12] Etwa 900.000 dieser Todesfälle fallen dabei in die Jahre 1941–1945. Jedoch sind noch immer nicht alle ehemaligen sowjetischen Archivbestände freigegeben.

Solche Zahlen beinhalten allerdings weder Opfer von Exekutionen außerhalb (und innerhalb) der Lager, zum Beispiel während des Roten Terrors oder des Großen Terrors, noch Todesfälle auf Transporten, gleichfalls nicht Opfer von Spätfolgen des Lageraufenthaltes.

Die Menschen in den Lagern starben an permanenter Unterernährung, Erfrierungen, harten Strafen (Strafisolator, Strafbaracke, Strafkompanien, Einzelstrafen wie Entzug des Essens oder der Kleidung im Winter), Erschöpfung durch Überarbeitung, Krankheiten durch Fehlen von Hygiene und medizinischer Versorgung.

Neben den Todesopfern und den Inhaftierten selbst muss man auch die Angehörigen der Inhaftierten als Opfer bezeichnen, die Ehegatten, die Kinder und übrige Familienmitglieder. Die Regierungen nahmen bewusst in Kauf, dass die Familien in größte Not geworfen wurden. Es sollte damit eine größere Breitenwirkung des offiziellen Terrors erreicht werden.

Arbeitskraftausnutzung[Bearbeiten]

Goldmine in einem Arbeitslager des Dalstroi an der Kolyma

Die Nutzung der Arbeitskraft hatte bei Gründung des sowjetischen Lagersystems unter Lenin noch keine Rolle gespielt. In diesen ersten Jahren dienten die Lager primär der Konzentration und Isolation der „Klassenfeinde“ und führten demgemäß im offiziellen Sprachgebrauch der Sowjetregierung die Bezeichnung „Konzentrationslager“.

Ab Mitte der Zwanziger Jahre war die effiziente Nutzung der Arbeitskraft der Gefangenen ein Hauptmotiv bei der Gestaltung des Lagersystems. Dazu kam es jedoch nur selten. Zum Beispiel war die Methode, den Weißmeer-Ostsee-Kanal im Winter von hungernden und frierenden Häftlingen mit Spitzhacke, Schaufel und Spaten ausheben zu lassen, wirtschaftlich ineffizient. Eine Ausnahme waren einige besondere Lager für Wissenschaftler, die Scharaschka.[13]

Nach offizieller Auflösung des Gulags ca. 1960 wurden weiterhin zahlreiche Arbeitslager betrieben. Bis ca. 1990 wurden diese „Besserungsarbeitskolonien“ im Wirtschaftsplan als Produktionseinheiten eingeplant.

Alltag[Bearbeiten]

Pritsche in einem ehemaligen Lagerpunkt des Projektes 503 in Nordsibirien

Die unmenschlichen Lebensbedingungen führten zum Tod vieler Hunderttausender Häftlinge. Die Häftlingsmortalität lag bis in die 1950er Jahre hinein deutlich über der der übrigen sowjetischen Gesellschaft. Am höchsten war sie allerdings während der Kriegsjahre 1942 und 1943, als infolge von extremer Verknappung der Versorgung und einer noch rücksichtsloseren Ausnutzung der Häftlingsarbeiter jeweils fast ein Viertel aller Lagerinsassen starb. Die Lebensbedingungen, aber auch die Ineffizienz der Lager wurden an einem Einzelschicksal beispielhaft beschrieben in Solschenizyns Novelle Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, die nach Widerständen während der Tauwetter-Periode in der sowjetischen Literaturzeitschrift Nowy Mir erschien. Noch drastischer sind Bücher Warlam Schalamows über die Lager an der Kolyma. Einen Eindruck von den Zuständen in einem solchen Lager kann man sich auch in der Gedenkstätte Perm-36 in der Region Perm verschaffen, die sich zum Ziel gesetzt hat, dieses ehemalige Lager in seiner ursprünglichen Form als Zeitzeugnis zu erhalten.

Klassenkampf[Bearbeiten]

In den Straflagern gab es eine fein abgestufte Rangordnung, in der die Kriminellen als „klassen-nah“ oder auch „sozial-nah“ und die politischen Häftlinge (oder wen man dafür hielt) als „klassen-fremd“ oder auch „sozial-fremd“ galten. So wurden wichtige Posten, wie etwa Barackenälteste, Verwalter, Buchhalter, aber auch Köche, Brotschneider, Automechaniker, Vorarbeiter in den Arbeitsbrigaden und sogar die Erzieher-Posten oft mit kriminellen Häftlingen besetzt. Die „Politischen“ mussten dagegen zum Beispiel als Erdarbeiter, als Landarbeiter, im Holzschlag, in Steinbrüchen sowie in der Ziegelbrennerei arbeiten.

Dieses System hielt sich bis Anfang der 1950er Jahre, als Stalin sich entschloss, die Ideologie von der „sozialen Verwandtschaft“ fallenzulassen. Nun wurden die kriminellen Häftlinge in eigens für sie gebauten Spezialgefängnissen untergebracht, wo sie in Einzelzellen keine Gelegenheit mehr zum Stehlen oder Rauben finden sollten.

Widerstand[Bearbeiten]

Ein beachtlicher Teil der Häftlinge im Gulag setzte sich gegen die menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern zur Wehr. Zu den unterschiedlichen Formen des Widerstands gehörten sowohl alltägliche Überlebenstechniken und individuelle Strategien zur Wahrung der menschlichen Würde, als auch Flucht, Hungerstreik, Beschwerden, Arbeitsverweigerung, Selbstverstümmelung und Diebstahl von Nahrungsmitteln. Ebenso kam es zu offener Auflehnung in Form großer Häftlingsaufstände.

Das Bestehen im harten Lageralltag wurde wesentlich von der inneren Einstellung und dem Überlebenswillen eines Häftlings beeinflusst. Für die Überlebenschancen war es wichtig, nicht in Apathie zu verfallen, die Selbstachtung zu erhalten und ständig wiederkehrende Depressionen zu überwinden. Zu den alltäglichen Überlebenstechniken gehörte beispielsweise die Manipulation der Arbeitsleistung, mit deren Hilfe die Häftlinge die zumeist überhöht angesetzten Arbeitsnormen erfüllen und die daran gekoppelte Verpflegungsration sichern konnten.

Nach dem Tod Stalins im März 1953 kam es zu einer Reihe von Häftlingsaufständen, die den Höhepunkt des Widerstandes bildeten und das Lagersystem nachhaltig erschütterten. Die Gefangenen hatten nach dem Tod des Diktators auf eine schnelle Veränderung ihrer Situation gehofft. Tatsächlich kam es zu umfangreichen Entlassungen, von denen jedoch als politisch eingestufte Gefangene in der Regel ausgenommen waren. Die anfängliche Hoffnung schlug daher bald in Ernüchterung und Frustration um. Wesentlichen Einfluss auf den sich formierenden kollektiven Widerstand hatte die veränderte Zusammensetzung der Häftlinge in der Nachkriegszeit. Die neuen Häftlinge setzten sich größtenteils aus heimkehrenden Soldaten der Sowjetarmee, Kriegsgefangenen und Partisanen, die gegen das Sowjetsystem gekämpft hatten, zusammen. Im Unterschied zu vorherigen Häftlingsgruppen verfügten diese über militärische Erfahrungen und traten daher wesentlich selbstbewusster, mutiger und entschlossener auf.

Zu den größten und am genausten überlieferten Erhebungen gehören die Häftlingsaufstände von Norilsk (Mai–August 1953), Workuta (Juli–August 1953)[14][15] und Karaganda (Mai–Juni 1954), an denen jeweils mehrere tausend Häftlinge beteiligt waren. Alle drei Revolten wiesen einen hohen Organisationsgrad auf und ähnelten sich sowohl in Form und Verlauf als auch in den Forderungen der Häftlinge und der Reaktion der Behörden. Im Gegensatz zu früheren Protesten verlangten die Häftlinge erstmals nicht nur Haftverbesserungen, sondern konkret auch ihre Freilassung. Dabei beriefen sie sich auf die sowjetische Verfassung und demonstrierten bewusst loyales Verhalten gegenüber der Regierung. Infolge der wochenlangen Arbeitsniederlegung kam es zu spürbaren Produktionsausfällen mit Auswirkungen auf die sowjetische Gesamtwirtschaft, wodurch die Lageradministration zu Zugeständnissen gezwungen war. Den späteren Verbesserungen der Arbeits- und Haftbedingungen ging jedoch in allen Fällen die militärische Niederschlagung der Aufstände voraus.[16]

Neuorganisation[Bearbeiten]

Die Neuorganisation des Lagersystems wurde durch die unmittelbar nach Stalins Tod 1953 erlassene Amnestie eingeleitet, die allerdings nur „unpolitische“ Häftlinge betraf. Die Freilassung politischer Häftlinge setzte ein Jahr später ein. Ende der 1950er Jahre wurde das letzte Lager aufgelöst. 1961 kam es unter Chruschtschow zu einer Neuorganisation des Lagerwesens, auch zur Zeit Chruschtschows und Breschnews kam es immer wieder zu politischen Verhaftungen, wenngleich bei weitem nicht mehr im Umfang wie zuvor. Beendet wurde diese Art politischer Verfolgungen erst unter Gorbatschow.

Rezeption[Bearbeiten]

Inland[Bearbeiten]

In der Sowjetunion selbst verherrlichten Autoren das Lagersystem in der Frühphase der Stalinzeit. Das bedeutendste Beispiel ist das von einem Kollektiv von 35 Autoren unter der Leitung von Gorki im Jahre 1934 publizierte Buch mit dem Titel Der Stalin-Kanal vom Weißmeer zur Ostsee: Baugeschichte 1931–1934, das allerdings 1937 verboten wurde. Ein Mitautor war der in Ungnade gefallene ehemalige NKWD-Chef Jagoda. Gleichfalls 1934 veröffentlichte der Dramatiker Nikolai Fjodorowitsch Pogodin das Stück Aristokraten (russisch: Aristokraty, deutsche Übersetzung 1946), das die Umerziehung durch Zwangsarbeit am Weißmeer-Kanal propagierte. Ab Mitte der 1930er Jahre unterlag das Thema dagegen einer zunehmenden Geheimhaltung.

Die ersten kritischen Literaturwerke zum Gulag erschienen in der Sowjetunion während der Tauwetter-Periode. Das Herausragendste aus dieser Zeit dürfte Solschenizyns Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch sein. In der Ära Breschnew wurden bei Autoren wie Tschingis Aitmatow oder Juri Trifonow zwar einzelne Passagen zum Gulag der Stalin-Ära geduldet, eine Gesamtdarstellung war jedoch ebenso tabu wie die Erwähnung der aktuellen Lage im Gulag von Chruschtschow bis in die Gegenwart. Daher erschienen Werke über den Gulag im Samisdat und Tamisdat. In diesem Zusammenhang sind Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma zu nennen, an denen der Autor von 1954 bis 1973 gearbeitet hatte und die in russischer Sprache erstmals 1978 in London erschienen; zwischen 2007 und 2010 erschien der Erzählzyklus auch auf Deutsch.

Das bedeutendste Werk dieser Literatur jedoch war Alexander Solschenizyns Werk Der Archipel Gulag (in Paris 1973 bis 1975 im Tamisdat erschienen). Es führte dazu, dass das Wort Gulag in vielen Sprachen zur Bezeichnung für das politische Repressionssystem der Sowjetunion mit Lagern, Gefängnissen und Verbannungsorten wurde.

Solschenizyns Buch wirkte vor allem in Westeuropa und auch in den USA sehr stark, enthüllte es doch schlagartig das bisher im Ostblock konsequent verdeckte Unterdrückungssystem, das auch im gesamten Westen, aus Rücksicht gegenüber den Ostblockländern und um das Idealbild des Sozialismus nicht zu beschädigen, in den meisten Medien und Publikationen kaum behandelt wurde. Solschenizyn liefert darin eine sehr materialreiche literarische und doch wirklichkeitsgetreue Aufarbeitung des Systems der politischen Verfolgungen, Verhaftungen, Untersuchungsgefängnisse, der Verhöre, der Folter, der Verurteilungen und des Systems von Zwangsarbeitslagern und Straflagern mit ihren unmenschlichen, durch Hunger, Kälte, Überanstrengung, unhygienische Zustände, Krankheiten und mangelnde medizinische Versorgung geprägten Lebensbedingungen.

Mit der Perestroika wurde diese früher verbotene Literatur auch nach und nach der russischen Bevölkerung zugänglich – Solschenizyns Archipel Gulag wurde allerdings erst 1989 freigegeben. Inzwischen gibt es eine stetig wachsende Anzahl an historischen Publikationen, die nach und nach das ganze Ausmaß von etwa 70 Jahren Gulag aufdecken, besonders nach der Öffnung der sowjetischen Staatsarchive.

Auch viele andere Schriftsteller schufen den Stalinschen Repressionen und dem Gulag gewidmete Werke. Von Jewrossinija Kersnowskaja erschienen Erinnerungen mit eigenen Bildern, die in mehreren Sprachen veröffentlicht wurden. Aus der weißrussischen Literatur sind Pawel Prudnikau mit Gedichten wie Taimyr und Jeder zweite und dem Erzählungsband Jenseits des Stacheldrahtes zu nennen sowie Larissa Genijusch mit dem Erinnerungsbuch Die Beichte.

Analog zu der in den Kirchen des Westens diskutierten Theologie nach Auschwitz, wird in der Russisch-Orthodoxen Kirche eine „Theologie nach dem Gulag“ diskutiert.[17]

Ausland[Bearbeiten]

Ähnlich wie die Hungerkatastrophe in der Ukraine (Holodomor) und die Moskauer Prozesse wurde die Existenz des sowjetischen Lagersystems im Ausland zunächst nur eher zurückhaltend wahrgenommen und kommentiert. Eine Wende trat ein, als zu Beginn des Kalten Krieges der Prozess Krawtschenko und Zeitzeugen wie Margarete Buber-Neumann oder Alexander Weißberg-Cybulski kontroversielle Aufmerksamkeit erregten.

Spuren des Terrors in der Sprache[Bearbeiten]

Das Wort Gulag (ГУЛАГ) war im Russischen ein Akronym, es wird heute noch gebraucht in der Bedeutung „Hauptverwaltung der Lager“. Für einzelne Lager oder die Lager insgesamt ist bis heute der Euphemismus „die Zone“ (russisch: зона) gebräuchlich – dies umfasst auch die lagerartigen Strafanstalten des heutigen Russlands. Doch auch in Russland hat der Terminus Gulag eine Ausweitung erfahren: In neueren Web-Publikationen wird er polemisch gebraucht als Bezeichnung für das gesamte gegenwärtige Lagersystem.

Die Inhaftierten heißen in Russland umgangssprachlich – von den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis heute – sek (зек), Plural seki (зеки). Diese Bezeichnung ist gleichfalls ein Akronym abgeleitet von „inhaftierter Kanalsoldat“ (russisch: sakljutschonyj kanaloarmejez, заключенный каналоармеец); dies war die stalinistische Bezeichnung für Zwangsarbeiter, die in den dreißiger Jahren den Weißmeer-Ostsee-Kanal erbauen mussten.

Im Deutschen oder Englischen steht der Terminus Gulag – angeregt durch Solschenizyns Buch Der Archipel Gulag – für die Gesamtheit der in der Sowjetunion existierenden Lager, Gefängnisse und Verbannungsorte für politische Inhaftierte. Zunehmend wird er im Deutschen und Englischen auch allgemein gebraucht für Orte, an denen Häftlinge aus politischen oder weltanschaulichen Gründen inhaftiert werden, oder noch allgemeiner für Haftanstalten, an denen unmenschliche Bedingungen herrschen. So bezeichnet die Wochenzeitung Die Zeit chinesische Arbeitslager als Bambus-Gulag, der amerikanische Buchautor Marc Dow nennt sein Buch über Gefängnisse für illegale Immigranten American Gulag und Amnesty International spricht davon, dass „Guantanamo (…) das Gulag unser Tage geworden“ ist.

Sowjet-Terminologie der Straflager-Behörden[Bearbeiten]

Die für die Verwaltung des Lagersystems zuständigen Behörden trugen während der Sowjetzeiten folgende Bezeichnungen – nach dem Gedankenstrich folgt jeweils das russische Original:

  • 193000000: Verwaltung der Lager der OGPU – Управление лагерями ОГПУ (OGPU; eine Gliederung der Staatspolizei; Nachfolgerin der Tscheka)
  • 1930–1933: Hauptverwaltung der Lager der OGPU – Главное управление (ГУ) лагерями ОГПУ
  • 1933–1934: Hauptverwaltung der Lager und Arbeitssiedlungen der OGPU – ГУ лагерей и трудовых поселений ОГПУ
  • 193400000: Hauptverwaltung der Lager und Arbeitssiedlungen des NKWD – ГУ лагерей и трудовых поселений НКВД СССР (NKWD; das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten der UdSSR)
  • 1934–1938: Hauptverwaltung der Lager, Arbeitssiedlungen und Gefängnisse des NKWD der UdSSR – ГУ лагерей, трудовых поселений и мест заключения НКВД СССР
  • 1938–1939: Hauptverwaltung der Arbeitsbesserungslager und Arbeitssiedlungen des NKWD der UdSSR – ГУ ИТЛ (исправительно-трудовых лагерей) и трудовых поселений НКВД СССР
  • 1938–1946: Hauptverwaltung der Arbeitsbesserungslager und Kolonien des NKWD der UdSSR – ГУ ИТЛ и колоний НКВД СССР
  • 1946–1953: Hauptverwaltung der Arbeitsbesserungslager und Kolonien des MWD der UdSSR – ГУ ИТЛ и колоний МВД СССР (MWD; das Ministerium für innere Angelegenheiten der UdSSR - 1946 wurden die Volkskommissariate in Ministerien umbenannt)
  • 1953–1954: Hauptverwaltung der Arbeitsbesserungslager und Kolonien des MJu der UdSSR – ГУ ИТЛ и колоний МЮ СССР (MJu; das Ministerium für Justiz der UdSSR)
  • 1954–1956: Hauptverwaltung der Arbeitsbesserungslager und Kolonien des MWD der UdSSR – ГУ ИТЛ и колоний МВД СССР
  • 1956–1959: Hauptverwaltung der Arbeitsbesserungskolonien des MWD der UdSSR – ГУ исправительно-трудовых колоний МВД СССР (ГУИТК)
  • 1959–1991: Hauptverwaltung der Gefängnisse des MWD der UdSSR – ГУ мест заключения МВД СССР (ГУМЗ)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Fachliteratur und Quelleneditionen

  • Anne Applebaum: Der Gulag. Siedler, Berlin 2003, ISBN 3-88680-642-1.
  • I. W. Dobrowolski (Hrsg.): Schwarzbuch Gulag. Die sowjetischen Konzentrationslager. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002, ISBN 3-7020-0975-2.
  • Gerhard Armanski: Gulag – Hinterhöfe des Stalinismus. In: Mihran Dabag, Kristin Platt: Genozid und Moderne. Band 1, Leske und Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-1822-8.
  • Dittmar Dahlmann, Gerhard Hirschfeld (Hrsg.): Lager, Zwangsarbeit, Vertreibung und Deportation. Klartext Verlag, Essen 1999, ISBN 3-88474-747-9.
  • David J. Dallin, Boris Nicolaewski: Arbeiter oder Ausgebeutete? Das System der Arbeitslager in Sowjet-Russland. Die Neue Zeitung, München 1948.
  • Simon Ertz: Zwangsarbeit im stalinistischen Lagersystem: Eine Untersuchung der Methoden, Strategien und Ziele ihrer Ausnutzung am Beispiel Norilsk, 1935–1953. Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 978-3-428-11863-2.
  • Gerhard Fittkau: Mein dreiunddreissigstes Jahr. Verlag Wort und Werk, Sankt Augustin 1978, ISBN 3-8050-0067-7.
  • Paul Gregory, Valery Lazarev (Hrsg.): The Economics of Forced Labor: The Soviet Gulag. Hoover Institution Press, Stanford 2003, ISBN 978-0-8179-3942-7.
  • Tibor Frank: Widerstand im Gulag. Überlebensstrategien und aktiver Protest in sowjetischen Straflagern 1923–1960. Tectum Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2326-6.
  • Wladislaw Hedeler, Meinhard Stark: Das Grab in der Steppe. Leben im Gulag: Die Geschichte eines sowjetischen „Besserungsarbeitslagers“ 1930–1950. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-76376-1.
  • Galina M. Ivanova: Labor Camp Socialism: The Gulag in the Soviet Totalitarian System. M.E. Sharpe, Armonk, NY/London 2000, ISBN 0-7656-0426-4.
  • Andrzej J. Kaminski: Konzentrationslager 1896 bis heute. Eine Analyse. Kohlhammer 1982, ISBN 3-17-007252-8; dito Serie Piper 1990, ISBN 3-492-10954-3.
  • Tomasz Kizny: GULAG. Der Gulag in Bildern. Hamburger Edition HIS, Hamburg 2004, ISBN 3-930908-97-2.
  • W. P. Koslow u. a. (Hrsg.): Istorija stalinskogo Gulaga: konez 1920–ch – perwaja polowina 1950–ch godow; sobranie dokumentow w 7 tomach (7 Bände). ROSSPEN, Moskau 2004, ISBN 5-8243-0604-4.
  • Oleg Witaljewitsch Chlewnjuk: The History of the Gulag: From Collectivization to the Great Terror. Yale University Press, New Haven 2004, ISBN 0-300-09284-9.
  • Volkhard Knigge, Irina Scherbakowa (Hrsg.) Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956. Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1050-6.
  • A. I. Kokurin, N. W. Petrow (Hrsg.): GULAG (Glawnoe Uprawlenie Lagerej): 1918–1960. In: Rossija. XX wek. Dokumenty. Materik, Moskau 2000, ISBN 5-85646-046-4.
  • Jacques Rossi: The Gulag Handbook. A Historical Dictionary of Soviet Penitentiary Institutions and Terms Related to the Forced Labour Camps, With a Preface by Alain Besancon, Overseas Publications Interchange Ltd, London 1987
  • Жак Росси: Справочник по ГУЛАГу. М.: Просвет, 1991, Ч. 1., 269 стр. (Преступление и наказание в мировой практике). Russische Übersetzung des oben genannten englischen Originals von Jacques Rossi.
  • Michail B. Smirnow (Hrsg.): Das System der Besserungsarbeitslager in der Sowjetunion 1923–1960: Ein Handbuch. Schletzer, Berlin 2003, ISBN 3-921539-72-2.
  • Ralf Stettner: Archipel GULag: Stalins Zwangslager. Terrorinstrument und Wirtschaftsgigant. Schöningh, Paderborn u. a. 1996, ISBN 3-506-78754-3.
  • Meinhard Stark: Frauen im Gulag. Hanser, München 2003, ISBN 3-446-20286-2.
  • Nina Kamm (Hrsg.): Weggesperrt. Frauen im Gulag. Erinnerungen. Karl-Dietz-Verlag Berlin, 2009, ISBN 978-3-320-02185-6.
  • Nicolas Werth: Die Insel der Kannibalen: Stalins vergessener Gulag. Siedler, München 2006, ISBN 978-3-88680-853-3.
  • Nicolas Werth: Ein Staat gegen sein Volk: Gewalt, Unterdrückung und Terror in der Sowjetunion. In: Stéphane Courtois u. a. (Hrsg.): Das Schwarzbuch des Kommunismus. Piper, München 1998, ISBN 978-3-492-04664-0, S. 45–295.

Allgemeine Literatur

  • Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde. Rowohlt rororo, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-22338-4.
  • Rudolph Joseph Rummel: Demozid – der befohlene Tod. LIT-Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8258-3469-7.
  • Joel Kotek, Pierre Rigoulot: Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung. Propyläen 2001, (Le siècle des camps, Éditions Lattès 2000), ISBN 3-549-07143-4.
  • Julius Margolin: Überleben ist alles. Aufzeichnungen aus sowjetischen Lagern. München 1965 (zuerst französisch; Jules Margoline: La condition inhumaine. Cinq ans dans les camps de concentration soviétiques. Paris 1949).
  • Julius Margolin: Reise in das Land der Lager. Suhrkamp Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42406-3.
  • Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag – Versuch einer künstlerischen Bewältigung. Scherz 1973.
  • Hans Schafranek, Robert Streibel (Hrsg.): Strategie des Überlebens. Häftlingsgesellschaften in KZ und GULag. Picus-Verlag, Wien 1996, ISBN 3-85452-401-3.
  • Warlam Schalamow: Durch den Schnee. Erzählungen aus Kolyma. Band 1, Matthes & Seitz, Berlin 2007, ISBN 978-3-88221-600-4.
  • Warlam Schalamow: Linkes Ufer. Erzählungen aus Kolyma. Band 2, Matthes & Seitz, Berlin 2008, ISBN 978-3-88221-601-1.
  • Warlam Schalamow: Künstler der Schaufel. Erzählungen aus Kolyma. Band 3, Matthes & Seitz, Berlin 2010, ISBN 978-3-88221-602-8.
  • Ante Ciliga: Im Land der verwirrenden Lüge. Die Buchmacherei, Berlin 2010, ISBN 978-3-00031-468-1.
  • Bastian Wielenga: Gulag. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Band 5, Argument-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-88619-435-3, Sp. 1994–1104.

Deutsche im Gulag

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Gulag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Gulag – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Hildermeier: Die Sowjetunion 1917–1991 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 31), 2. Auflage. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58327-4, S. 44 f., 127–131.
  2. Beschluß des Rates der Volkskommissare über den Roten Terror, 5. September 1918 (PDF; 18 kB)
  3. Ralf Stettner: Der Besserungsarbeitsgedanke und die Strafvollzugssysteme der zwanziger Jahre. In: Ralf Stettner: Archipel GULag. Schöningh, Paderborn u. a. 1996, ISBN 3-506-78754-3.
  4. Bodo Ritscher Das Speziallager Nr. 2 1945–1950. Katalog zur ständigen historischen Ausstellung. Wallstein Verlag, Göttingen 1999, ISBN 3-89244-284-3.
  5. Ralf Stettner: Archipel GULag. Schöningh, Paderborn u. a. 1996, ISBN 3-506-78754-3, S. 99–101.
  6. Joel Kotek, Pierre Rigoulot: Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung. Propyläen, 2001, ISBN 3-549-07143-4, S. 157–159. Original: Le siècle des camps, Éditions Lattès, 2000.
  7. S. bspw. Galina M. Ivanova: Labor Camp Socialism: The Gulag in the Soviet Totalitarian System. M.E. Sharpe, Armonk, NY/London 2000, S. 188.
  8. Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde. Rowohlt rororo, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-22338-4, S. 157.
  9. Rudolph Joseph Rummel: Demozid – der befohlene Tod. LIT-Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8258-3469-7.
  10. Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag. Vom Verfasser autorisierte überarbeitete und gekürzte Ausgabe in einem Band. 3. Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-596-18423-1, S. 334. Im Folgenden macht Solschenizyn eine Angabe zu den Überlebenden der Lager: „In der Tat ist ja von jenen, über die einst die Verhaftung hereingebrochen war (wir wollen ausschließlich von den Achtundfünfzigern [den 'politischen' Gefangenen] sprechen), schwerlich ein Fünftel, ’s wär schön, wenn ein Achtel, in den Genuß der Haftentlassung gekommen.“ (a.a.O, S. 481)
  11. J. Arch Getty, Gabor T. Rittersporn, Viktor N. Zemskov: Victims of the Soviet Penal System in the Pre-War Years: A First Approach on the Basis of Archival Evidence. The American Historical Review, 98/4 (1993), S. 1017–1049, hier S. 1024.
  12. Kokurin, S. 441 f., Getty/Rittersporn/Zemskov, S. 1024, 1048–1049
  13. Alexander Issajewitsch Solschenizyn: Der erste Kreis der Hölle. Fischer, Frankfurt am Main 1968.
  14. siehe auch Bericht von John H. Noble
  15. DLF-feature: Ein Amerikaner in Sibirien; Wie John Noble den Gulag überlebte pdf
  16. Tibor Frank: Widerstand im Gulag. Überlebensstrategien und aktiver Protest in sowjetischen Straflagern 1923–1960. Tectum Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2326-6.
  17. Gregor Benewitsch: Die jüdische Frage in der Russisch-Orthodoxen Kirche (auf engl. The Jewish Question In The Russian Orthodox Church, auf deutsch Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3, Schlußfolgerung)