Gulbuddin Hekmatyār

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Gulbuddin Hekmatyār (2012)

Gulbuddin Hekmatyār (* 1947 in Imam Saheb, Provinz Kunduz; paschtunisch ‏ګلبدین حکمتیار‎; persisch ‏گلبدین حکمتیار‎) ist ein afghanischer Politiker, der in den 1990er Jahren zweimal Ministerpräsident Afghanistans war. Er ist Sunnit und Angehöriger des Kharoti-Stammes der Ghilzai-Paschtunen.

Leben[Bearbeiten]

Hekmatyar studierte an der Universität Kabul, blieb jedoch ohne Abschluss. Während er zunächst mit der pro-sowjetischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans sympathisierte, wandte er sich später jedoch dem radikalen politischen Islam zu. In den 1970er Jahren wurde Hekmatyār Mitglied der islamistischen Gruppierung Sazmane-i Dschawānān-i Musalmān („Muslimische Jugendbewegung“ oder „Muslimische Bruderschaft“). Ab 1978 bekämpfte er mit Waffengewalt die Regierung Nur Muhammad Taraki, vor allem deren Bildungspolitik. Hekmatyār soll zusammen mit seinen Anhängern mit Motorrädern an Universitäten vorbeigefahren und unverschleierten Studentinnen Säure ins Gesicht geschüttet haben.[1][2][3] Hekmatyār bestreitet diesen Vorwurf; seiner Aussage nach habe er noch nie einer Frau Gewalt angetan.[4]

Widerstand gegen die Sowjets[Bearbeiten]

Im Sowjetisch-Afghanischen Krieg gegen die Sowjets unterstützte der pakistanische Geheimdienst ISI den Widerstand gegen die sowjetische Besatzungsmacht. Hekmatyārs islamistische Gruppierung „Hizb-i Islāmī“ (Partei des Islam, Islamische Partei) gehörte in den 1980er Jahren zu den am stärksten von Pakistan, den USA und Saudi-Arabien finanziell, militärisch und logistisch unterstützten Mudschahedingruppen. 1989 verließ die Sowjetunion Afghanistan.

Wechselnde Rollen nach der sowjetischen Besatzung[Bearbeiten]

Hekmatyār wurde 1993 afghanischer Premierminister. In den Machtkämpfen der 1990er Jahre verlor er sein Amt, konnte es aber 1996 noch einmal für wenige Wochen zurückgewinnen. Nachdem die Taliban 1996 Kabul eroberten, floh er in den Iran. 2001 stellte er sich auf die Seite von Osama bin Laden und 2002 rief er in einer Radioansprache zum Dschihad gegen die USA auf.

Widerstand gegen die USA[Bearbeiten]

Daraufhin wurde er von der iranischen Regierung des Landes verwiesen und kehrte nach Afghanistan zurück. Es wird davon ausgegangen, dass er dort gegen die USA kämpft. Im Jahr 2006 erklärte er in einem veröffentlichten Video, mit der Organisation Al-Qaida kooperieren zu wollen. Laut einem Interview mit dem Spiegel stellt er sich gleichermaßen gegen die Politik der USA und ihrer verbündeten europäischen Mächte, wie seinerzeit gegen die Sowjetunion, aber auch als Sunnit gegen den Iran. Offenbar sammelt er im Osten Afghanistans neue Anhänger für seine Bewegung. Sein heutiger Aufenthaltsort ist unbekannt.

Am 28. September 2008 erhielt das Büro der Agentur Pajhwok Afghan News in Peshawar ein Video zugesandt, in dem Hekmatyār sich dazu bekannte, im August 2008 einen Hinterhalt bei Sarobi gelegt zu haben, bei dem zehn französische Soldaten getötet und 22 verwundet wurden.[5] Er sprach den Angehörigen der gefallenen Milizen seine Anteilnahme aus und verlas die Namen der zehn bei dem Gefecht getöteten Milizionäre. Weiterhin kündigte er den fremden Truppen in Afghanistan an, neue Angriffe vorzunehmen. Er behauptete, dass der Widerstand gegen die „fremden Besatzer“ in der Bevölkerung wachse.

Diese Ankündigung wurde durch die Opferzahlen der westlichen Koalitionstruppen untermauert. Die Zahl der getöteten Soldaten stieg 2009 deutlich an und erreichte 2010 mit 711 getöteten Soldaten ihren Höhepunkt. Im Jahr 2004 waren es noch lediglich 60 Soldaten gewesen. Im Jahr 2011 sank die Zahl der Opfer, allerdings zogen mehrere Länder ihre Truppen 2011 komplett aus Afghanistan ab (Kanada) oder reduzierten die Truppenzahl deutlich. Eine Ausnahme bildet der August 2011, der für die US-Truppen mit 70 gefallenen Soldaten der verlustreichste Monat in Afghanistan überhaupt war. Dies hängt jedoch mit dem Abschuss eines Chinook-Hubschraubers zusammen, bei dem 30 Angehörige einer US-Spezialeinheit ums Leben kamen. Es handelte sich um dieselbe Spezialeinheit, die Osama bin Laden tötete, auch wenn keiner der getöteten Soldaten an der Operation beteiligt war. Es wird teilweise vermutet, dass es sich dabei um einen Hinterhalt handelte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ishtiaq Ahmad: Gulbuddin Hekmatyar: An Afghan Trail from Jihad to Terrorism. Pan-Graphics, Islamabad 2004, ISBN 969-8796-00-2.
  • Michael A. Faerber: Gulbuddin Hekmatyar: Afghanistan’s persistent insurgent. Thesis, Massachusetts Institute of Technology, Dept. of Political Science, 2003.
  • Carol Rose: Gulbadeen Hekmatyar: In Person. Institute of Current World Affairs, Peshawar 1992 (Online, Anmeldung erforderlich).
  • Der Widerstand wächst. In Der Spiegel. Hamburg 2007, 3 (15. Januar), S. 106, ISSN 0038-7452.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aussage von Wahid Mujda, ehemaliges Mitglied der Abteilung der Hezb-e Eslami für politische Beziehungen, in Gulbuddin Hekmatyar: From Holy Warrior to Wanted Terrorist, siehe Weblinks.
  2. Val Moghadam: Revolution, the State, Islam, and Women: Gender Politics in Iran and Afghanistan. Social Text 22 (Spring 1989), S. 40–61, hier S. 51, ISSN 0164-2472.
  3. Charles Hirschkind, Saba Mahmood: Feminism, the Taliban, and Politics of Counter-Insurgency. Anthropological Quarterly 75, 2 (Spring 2002), S. 339–354, hier S. 343, ISSN 0003-5491.
  4. Hörstel: Interview (s. u. Weblinks).
  5. Afghan warlord Hekmatyar claims French ambush (Version vom 4. Oktober 2008 im Internet Archive); AFP-Meldung bei der pakistanischen Daily Times vom 30. September 2008.