Gummistiefel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Klassische Gummistiefel
... oder modisch verspielt, meist aus PVC
Gummistiefel in der praktischen Anwendung im Baugewerbe

Gummistiefel (norddeutsch auch: Galoschen oder Kaloschen[1]) sind waden- bis kniehohe, wasserdichte Stiefel mit relativ weitem Schaftrohr, die ursprünglich aus Gummi, heute auch aus thermoplastischen Kunststoffen hergestellt werden.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Gummischuhwerk allgemein zählt nicht zu den Gummistiefeln. So gehören beispielsweise Reitstiefel aus Gummi und Watstiefel wohl noch unter schuhtechnischen Gesichtspunkten zu den Gummistiefeln, werden aber allgemeinsprachlich als Reitstiefel oder Gummireitstiefel, beziehungsweise Watstiefel und nicht als Gummistiefel bezeichnet. Wathosen und Galoschen (Überschuhe aus Gummi) sind auch schuhtechnisch gesehen keine Gummistiefel mehr.

Material[Bearbeiten]

Hochwertigere Gummistiefel werden auch heute noch aus echten Naturkautschuk- bzw. Gummimischungen mit hohen Gummianteilen hergestellt, da manche gummispezifischen Materialeigenschaften von Kunststoffen nur bedingt erreicht werden können. Gummistiefel auf Naturkautschuk-Basis sind zwar (farbabhängig) etwas anfälliger gegenüber UV-Strahlung und bestimmten Chemikalien, verändern aber bei üblichen Temperaturschwankungen nicht die wesentliche Eigenschaft der Flexibilität und Zähigkeit. Insgesamt sind sie erheblich elastischer als Stiefel aus Kunststoffen (fast immer PVC, selten andere, beispielsweise thermoplastisches Polyurethan). Auch bieten hochwertige Gummistiefel Sohlen aus anderem Material und weitere Ausstattungsdetails wie Schnürungen, Ausziehhilfen u. a. m.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits die Urbevölkerung Südamerikas stellte eine primitive Art von Gummistiefeln her durch Tränken von Stoffen bzw. Stoffschuhen in Pflanzensaft. Dadurch kam es zu einer begrenzten Vernetzung der Latexsubstanz und zugleich wurde eine gewisse Haltbarkeit erreicht.

In Europa fanden wasserfeste Stiefel (und andere Kleidungsstücke) auf Gummibasis zunächst kein großes Interesse. Bei großer Hitze klebten die Stiefel zu sehr und bei Kälte waren sie spröde. Erst als 1840 Charles Goodyear zufällig entdeckte, dass plastischer Kautschuk, mit Schwefel und Ruß vermischt und durch Erhitzung vulkanisiert, dauerhaft elastisch und nicht mehr klebend wird, fanden Gummiprodukte und somit auch Gummistiefel ihren Absatz. Vorher war z. B. die Landbevölkerung bei ihren Arbeiten auf Hof und Feld weitgehend auf Holzschuhe angewiesen. Auch bei Soldaten der britischen Armee im Stellungskrieg in Flandern fanden Gummistiefel ab 1915 große Nachfrage (Gräben bei Regen).

Der Amerikaner Hiram Hutchinson erwarb von Charles Goodyear eine Lizenz zur Fabrikation von Gummistiefeln. 1853 gründete er in Frankreich eine Fabrik zur Herstellung von Gummistiefeln, da er im damals überwiegend ländlichen Europa einen guten Absatzmarkt sah. Er verkaufte sein Produkt unter dem Markennamen A l'Aigle (Adler) als Tribut an das amerikanische Wappentier. Die Firma Hutchinson existiert bis heute. Der Markenname wurde im Laufe der Jahre zu AIGLE verkürzt. Die Firma mit Hauptsitz in Frankreich produziert noch immer hochwertige Gummistiefel für Beruf und Freizeit.

Henry Lee Norris zog im Jahr 1855 von Amerika nach Schottland, ebenfalls mit dem Ziel, eine Fabrik für Gummistiefel zu gründen. Ein Jahr später nahm die North British Rubber Company in Edinburgh ihren Betrieb auf. Rund 100 Jahre später, im Winter 1955, präsentierte die Firma einen damals neuartigen, grünen Gummistiefel, der heute als Original Hunter Boot bekannt ist (Hunter ist Hoflieferant des britischen Königshauses).

Im Jahr 1927 hatte der Franzose M. Claude Chamot ebenfalls die Idee, Gummistiefel zu produzieren. Er wählte als Markenname Le Chameau (das Kamel) in Anspielung auf den Spitznamen, den er als Kind hatte. Auch diese Firma stellt bis heute hochwertige Gummistiefel her.

Etwa zur gleichen Zeit begannen auch andere Firmen in Europa mit der Herstellung von Gummistiefeln, beispielsweise Phoenix AG in Hamburg und Semperit in Österreich. Beide Firmen existieren noch heute, haben die Produktion von Gummistiefeln inzwischen jedoch eingestellt und sich auf technische Gummiprodukte für die Industrie spezialisiert. Zu den beiden traditionsreichsten deutschen Herstellern von Gummistiefeln zählen Elbit in Wittenberg und Romika mit Stammsitz in Trier.

Jahrzehntelang waren Gummistiefel das bevorzugte Schuhwerk bei nassem Wetter, da normale Schuhe meist mit Ledersohlen ausgestattet waren, die bei Regen leicht aufweichen. In den 1980ern kamen Gummistiefel im Freizeit- und Sportbereich jedoch aus der Mode, weil sie durch wasserfeste Schuhe mit Gore-Tex und anderen synthetischen Materialien ersetzt wurden. Erst Ende der 1990er Jahre wurden Gummistiefel, zunächst durch die Country-Mode, wieder modern. Nachdem Anfang der 2000er zahlreiche Prominente bei verschiedenen Events in Gummistiefeln auftraten, wurden diese in den Jahren 2005 bis 2008 zu einem modischen Accessoire, das zunehmend Verbreitung fand. Insbesondere für Frauen bieten gegenwärtig zahlreiche Modelabels farbige und gemusterte Modelle an.

Produktion von Gummistiefeln[Bearbeiten]

Bei der Produktion der wasserdichten Stiefel gibt es verschiedene Methoden:

Produktion in Handarbeit[Bearbeiten]

Bei der traditionellen Herstellung in Handarbeit wird das zugeschnittene tuchartige Naturkautschukmaterial von Hand auf einen Aluminiumleisten aufgebracht und angedrückt. Danach wird der aus bis zu 35 Einzelteilen vorgefertigte Gummistiefel in einem Heißluftofen bei etwa 140 °C vulkanisiert. Durch die Fertigung von Hand ist es auch möglich, verschiedene Gummisorten für Sohle, Brandsohle, Absatz, Verstärkungen und Obermaterial zu verwenden, was einen hohen Tragekomfort ermöglicht. Auch kann dadurch modernste Sportschuhtechnik in den Gummistiefel integriert bzw. modischen und speziellen anatomischen Ansprüchen Rechnung getragen werden. In Handarbeit hergestellte Gummistiefel sind oft teuer.

Halbautomatische Produktion[Bearbeiten]

Eine andere Methode ist die Herstellung in Pressformen. Dabei wird eine geteilte Form verwendet, welche der noch weiche Gummi auf den Leisten presst und nach dem Vulkanisieren geöffnet wird. Die so gefertigten Gummistiefel erkennt man an der sichtbaren Trennfuge der Form, die am fertigen Stiefel wie eine Mittelnaht sichtbar ist. So gefertigte Gummistiefel sind preiswert und dennoch robust und werden überwiegend als Arbeitsstiefel verwendet.

Vollautomatische Produktion[Bearbeiten]

Gummistiefel auf Kunststoffbasis werden weitgehend automatisch im Spritzverfahren hergestellt. Dabei sind große Stückzahlen billig zu realisieren. Der thermoplastische Kunststoff wird heiß mit Druck in die teilbare Form eingespritzt. Nach Abkühlung wird der fertige Stiefel aus der geöffneten Form entnommen. Auch diese Gummistiefel haben eine sichtbare Trennfuge.

Anwendung[Bearbeiten]

Naturkautschuk-Stiefel kommen häufig bei der Jagd zum Einsatz

Gummistiefel sind absolut wasserdicht und haben sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Als Regenschutz und Modeartikel werden sie zu Berufs- und Freizeitkleidung getragen, vor allem dort, wo es auf wasserdichtes und leicht zu reinigendes Schuhwerk ankommt.

Gummistiefel als Fußbekleidung in der nassen Jahreszeit werden, in entsprechend bunt bedruckter Aufmachung auch als modisches Schuhwerk für Damen angeboten. Es gibt Ausführungen mit unterschiedlich hohen Absätzen, in verschiedenen Farben und Stilen, z.B. Westernstiefel.

Außerhalb von Hochgebirgen sind in Mittel- und Nordeuropa Gummistiefel aus Naturkautschuk häufiges Schuhwerk für Jäger. Auch bei Hunde- und Pferdehaltern haben diese oftmals Verbreitung gefunden. Diese zeichnen sich gegenüber PVC-Gummistiefeln durch deutlich höheren Tragekomfort aus. Um eine ganzjährige Nutzung möglich zu machen, gibt es Naturkautschukstiefel auch mit wärmendem Futter aus Neopren oder Outlast.[2]

In der Landwirtschaft, insbesondere in der Nutzviehhaltung, kommen vor allem Gummistiefel aus Polyurethan (PU-Stiefel) zum Einsatz, da diese im Gegensatz zu Naturkautschukstiefeln auch über längere Zeit güllebeständig sind.

Pflege[Bearbeiten]

Gummistiefel sind ausgesprochen pflegeleicht. Grobe Verschmutzungen werden einfach mit Wasser und leichter Seifenlauge abgespült. Die Oberfläche wird mit Glyzerin gepflegt, das man dem Waschwasser beigibt oder unverdünnt einreibt. Glyzerin schützt den Gummi vor Versprödung. Silikonöl frischt die Oberfläche auf und verhindert ebenso das vorzeitige Altern des Gummis, das auf die Einwirkung von UV-Licht und fettartigen Substanzen aus der biologischen Umwelt zurückzuführen ist. (Beispielsweise bestehen fettresistente Stiefel von Metzgern aus Neopren.) Die meisten Markenhersteller haben spezielle Gummipflegemittel im Angebot. Gelagert werden Gummistiefel gereinigt, trocken, lichtgeschützt und kühl.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helge Sternke: Alles über Herrenschuhe. Nicolai Verlag, Berlin, 2006, ISBN 3-89479-252-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gummistiefel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann und Hans-Jürgen Fründt: Kauderwelsch, Plattdüütsch, das echte Norddeutsch. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 1998, ISBN 3-89416-322-4.
  2. Gummis für die Füße, Test der Deutschen Jagd-Zeitung / Norbert Klups

Siehe auch[Bearbeiten]