Gummitwist

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Gummitwist ist die Bezeichnung eines Kinderspiels, bei dem es vor allem auf Geschicklichkeit, Rhythmus und Körperbeherrschung ankommt. Der Name stammt vom dafür benutzten Spielgerät (Hosengummi) und dem Modetanz Twist (von twist (engl., "Drehung", to twist "[zusammen-]drehen"; in der Sportakrobatik: Drehung um die Körperlängenachse beim Springen) für die drehende Bewegung beim Spiel). In Österreich und Bayern kennt man es unter der Bezeichnung Gummihüpfen, in der DDR war dieses Spiel unter dem Namen Gummihopse oder Gummihuppe bekannt.

Gummitwist, Spiel von Kindern 1998 in Krefeld (1)
Gummitwist, Spiel von Kindern 1998 in Krefeld (2)

Inhaltsverzeichnis

Zubehör [Bearbeiten]

Um Gummitwist zu spielen, benötigt man ein ca. 3 m langes Gummiband, etwa Durchzugsgummi für Kleidungsstücke (Hosengummi). Der Handel verkauft auch farbige und speziell für Gummitwist angefertigte Bänder. Das Spiel ist für mindestens drei Teilnehmer gedacht. Spielt man alleine oder zu zweit, benötigt man zum Befestigen des Gummibands im Freien eine bzw. zwei Befestigungsmöglichkeiten (Pfahl, Straßenschild, Stuhl, Mülltonne etc.) Ermöglicht werden kann es auch durch Hakenschrauben an vier geeigneten Stellen, an denen man den Gummi einspannen kann.

Mitspieler und Regeln [Bearbeiten]

Die Anzahl der Mitspieler ist beliebig hoch. Bei allzu vielen Mitspielern (etwa ab sechs Personen) kommt man nicht allzu oft zum Zuge. Die Regeln variieren von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, ja sogar von Schule zu Schule. Sie sind meist mündlich überliefert und werden verändert und neu erfunden. Das Grundprinzip jedoch bleibt gleich:

Grundregel [Bearbeiten]

Der Gummi wird um die Füße zweier Teilnehmer gespannt und gedehnt. Diese stehen sich, die Gesichter zugewandt, einander gegenüber. Ein dritter Mitspieler hüpft nun in, auf oder zwischen diesem Gummiband in vorher verabredeten Rhythmen. Begeht er einen Fehler, so ist der Nächste an der Reihe. Gelingt ihm der fehlerfreie Ablauf, so wird der Schwierigkeitsgrad erhöht.

Fehler [Bearbeiten]

Als Fehler gelten:

  • ein Gummi berühren, falls das nicht gestattet ist
  • mit den Füßen auf einem falschen Gummi landen
  • an einem Gummi hängen bleiben oder sich verheddern
  • einen Sprung auslassen
  • die vordefinierte Reihenfolge von Sprüngen nicht einhalten
  • im falschen Feld landen

Schwierigkeitsgrade [Bearbeiten]

Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, wird das Gummiband immer höher gespannt, so dass große Sprünge erforderlich sind. Auch eine Verengung der Beinstellung und somit eine Verkleinerung des mit den Füßen zu berührenden Trefferfeldes trägt zur Erschwernis bei. Als besonderer Schwierigkeitsgrad gelten die während des Springens ausgeführten Beinbewegungen der Bandhalter. Dadurch gerät das Gummiband in Bewegung und ist nur schwer auszurechnen. Vielfach wird diese Variation als Wackelpudding bezeichnet. Bei der Höhenvariante unterscheiden die Teilnehmer hauptsächlich fünf Stellungen:

  • Knöchel - Wade - Knie - Unterpo und Hüfte. Dabei wird das Band jeweils um die bezeichnete Stelle geschlungen. Seltener wird das Band auch in Achselhöhe gespannt.

In der Breite werden meist vier Schwierigkeitsstufen gewählt:

  • breit (die Fußstellung beträgt etwa 60-70 cm) - normal (die Füße stehen ca. 30 cm auseinander) - Baumstamm (die Füße stehen eng beisammen) - Einbein (das Band wird lediglich jeweils nur um einen Fuß gespannt) und andere Arten.

Sprungvarianten [Bearbeiten]

Es existiert eine Vielzahl von Sprüngen, von denen die gebräuchlichsten hier aufgezählt werden:

  • Mitte - die Füße landen in der Mitte zwischen den beiden Bändern
  • Grätsche - beide Füße landen außerhalb des Gummis
  • Auf - (meistens) ein oder beide Füße landen auf dem Gummi
  • Raus - man landet bei diesem Schlusssprung auf einer Seite außerhalb des Bandes

Rhythmus [Bearbeiten]

Um einen bestimmten Rhythmus zu erzielen, wird während der Sprünge oft ein Vers aufgesagt, der auch als Erinnerungshilfe für die jeweilige Variante dient. Solche Verse lauten beispielsweise:

  • Trick - Track - Donald Duck - Micky Maus- Rein und Raus
  • In - der - He-xen-kü-che - geht - es - lustig zu
  • Die Wis-sen-schaft hat fest-ge-stellt, dass Co-ca Co-la Gift ent-hält.
  • Teddybär, Teddybär, dreh dich um, mach dich krumm, Teddybär, Teddybär mach dich klein, Teddybär hüpf auf einem Bein.
  • Auch die rhythmisch gesprochenen Zeilen Auf ei-ner spa-nischen Bank - da saß ein spa-nischer Mann - der sagte … usw. oder Co-ca-Co-la - in der Do-se … etc. bilden ein Hilfsmittel, welches sich von Generation zu Generation auch immer wieder verändert.
  • Ein althergebrachter Vers, der die Sprünge ansagt lautet: Seite, Seite, Mitte, Breite, - Seite, Seite, Mitte, Raus, wobei man bei Seite, Seite so springen muss, dass man jeweils links und rechts das Gummiseil zwischen den Beinen hat. Bei Mitte springt man mit beiden Füßen in das gespannte "Rechteck", bei "Breite" muss man die Beine so grätschen, dass das Gummi sich zwischen den Beinen befindet und bei Raus wird es wiederum springend verlassen.

Spielvarianten [Bearbeiten]

  • In der chinesischen Variante ist das Gummiband in der Mitte gekreuzt und der aktive Mitspieler muss wie in einer Art Hickelkasten in die verschiedenen Bereiche springen.
  • In einer Mehrspielervariante bilden drei Teilnehmer mit dem Gummiband ein Dreieck. Die nun bis zu drei aktiven Mitspieler springen gleichzeitig in einer verabredeten Art über das Band, wobei sie sich auch auf Kommando gegen den Uhrzeigersinn weiterbewegen. Wer hier einen Fehler macht, scheidet aus, und es gewinnt, wer zuletzt übrig bleibt. Diese Variation dient auch oft zur Ermittlung der Reihenfolge beim normalen Gummitwist.

Geschlechtsspezifisches Spiel [Bearbeiten]

Gummitwist wird hauptsächlich von Mädchen im Alter von sechs bis etwa 14 Jahren gespielt. Nur vereinzelt werden Jungen bei diesem Spiel beobachtet.[1]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Ruth Malaka: Mediale Vorlieben von Jungen und Mädchen, LIT Verlag Münster, 2009, ISBN 3-8258-1988-4, Seite 33