Walting

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der oberbayerischen Gemeinde Walting. Weitere Orte gleichen Namens siehe unter Walting (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Walting
Walting
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Walting hervorgehoben
48.91666666666711.3395Koordinaten: 48° 55′ N, 11° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Eichstätt
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Eichstätt
Höhe: 395 m ü. NHN
Fläche: 39,77 km²
Einwohner: 2326 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahl: 85137
Vorwahl: 08426
Kfz-Kennzeichen: EI
Gemeindeschlüssel: 09 1 76 165
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: VG Eichstätt
Pfahlstr. 17
85072 Eichstätt
Webpräsenz: www.walting.com
Bürgermeister: Hans Mayer (CSU / FW)
Lage der Gemeinde Walting im Landkreis Eichstätt
Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Regensburg Landkreis Kelheim Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Ingolstadt Haunstetter Forst Adelschlag Altmannstein Beilngries Böhmfeld Buxheim (Oberbayern) Denkendorf (Oberbayern) Dollnstein Egweil Eichstätt Eitensheim Gaimersheim Großmehring Hepberg Hitzhofen Kinding Kipfenberg Kösching Lenting Mindelstetten Mörnsheim Nassenfels Oberdolling Pollenfeld Pförring Schernfeld Stammham (bei Ingolstadt) Titting Walting Wellheim WettstettenKarte
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Walting ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Eichstätt und bildet mit den Gemeinden Pollenfeld und Schernfeld die Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt.

Geografie[Bearbeiten]

Walting liegt im Landkreis Eichstätt und somit im Naturpark Altmühltal. Der Ort ist Pfarrsitz (Filialen: Rieshofen, Inching und Rapperszell).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Es existieren folgende Ortsteile: Pfünz (mit Almosmühle), Inching (mit Brunnmühle), Rapperszell, Walting (mit Affenthal), Rieshofen (mit Isenbrunn), Pfalzpaint und Gungolding (mit Forstermühle und Ziegelhof).

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1803 war Walting ein Amt des Hochstiftes Eichstätt und lag ab 1500 im Fränkischen Reichskreis. Es gehörte dann zum Fürstentum Eichstätt des Erzherzogs Ferdinand von Toskana. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zu Bayern. Die Gemeinde entstand 1818.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Anlässlich der Gemeindegebietsreform schlossen sich am 1. Januar 1972 Gungolding, Pfalzpaint, Pfünz, Rapperszell, Rieshofen und Walting zur neuen Gemeinde Walting zusammen.[2] Am 1. Mai 1978 kam Inching hinzu.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden 1970 1.595, 1987 dann 1.888 und im Jahr 2000 2.363 Einwohner gezählt.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Walting hat 14 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 1990 Hans Mayer von der CSU.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. Dezember 1984 durch die Regierung von Oberbayern genehmigt.

Blasonierung: „In Silber eine linke rote Wellenflanke, darin ein wachsender silberner Bischofsstab, vorne über drei, zwei zu eins gestellten sechsstrahligen roten Sternen ein schwarzer Kübelhelm mit Stierhörnern und Stierohren als Helmzier.“

Auf die Zugehörigkeit des Gemeindegebiets zum ehemaligen Fürstbistum Eichstätt verweist der Bischofsstab aus dem Eichstätter Hochstiftswappen. Der Helm im vorderen Teil des Wappens stammt aus dem Siegel der Herren von Walting, die bis zum 14. Jahrhundert im Gemeindegebiet nachweisbar sind. Die drei Sterne sind dem Wappen der seit 1194 erwähnten Herren von Pfalzpaint entnommen, die als Lehensuntertanen der Hirschberger Grafen und später der Herzöge von Bayern bis 1452 Dorf und Schloss Pfalzpaint besaßen. Heinrich von Pfalzpaint, der 1460 ein Buch über die Wundarzneikunde schrieb, gilt als einer der bedeutendsten Chirurgen des deutschen Mittelalters. Die Lage der Gemeinde im Altmühltal wird durch die Wellenflanke symbolisiert.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Theodor Goerge aus Freising gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Walting
Walting, Pfarrkirche St. Johannes
Walting, St. Leonhard
Kastell Pfünz, Nordtor-Rekonstruktion
Pfünz mit der Kirche St. Nikolaus
Pfünz, Blick in das Innere von St. Nikolaus
Der Kirchturm von Pfalzpaint mit Resten des ehemaligen Herrensitzes

Im Ortsteil Walting birgt die erhöht gelegene, ursprünglich befestigte Pfarrkirche St. Johannes, Apostel und Evangelist, einen Hochaltar aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und mehrere gotische Plastiken. Die mittelalterliche Kapelle St. Leonhard in der Ortsmitte hat ein Deckengemälde von 1732 und einen barocken Altar mit drei Statuen; die Steinfigur des hl. Leonhard über dem Eingang ist von 1598. Auf dem Vorplatz steht ein mittelalterlicher Taufstein. Südwestlich von Walting, in Höhe des Affenthals, wurde im September 2007 eine römische Villa rustica unter der Leitung des Archäologen Michael Jandejsek angeschnitten, die kurz vor der völligen Zerstörung durch den Pflug stand.[4] Der Grundstückseigentümer verhinderte jedoch durch seine finanziellen Forderungen über dem Marktpreis einen Ankauf des Geländes. Daher mussten die Grabungen bereits am 19. Dezember 2007 zugeschüttet werden.[5] Damit wurden die Hoffnungen der Gemeinde zerstört, ein weiteres wertvolles touristisches Standbein aufzubauen.

Im Ortsteil Pfünz findet man die unter anderem von Friedrich Winkelmann zwischen 1884 und 1900 ergrabenen Reste des Römerkastells Vetoniana. Das Kastell wurde unter Kaiser Domitian erbaut und bildete einen Teil der rückwärtigen Befestigungen des Limes. Zunächst in Holz, unter Kaiser Antoninus Pius in Stein erbaut, 166 zerstört und wiederaufgebaut, wurde es 233 höchstwahrscheinlich endgültig von den Alamannen zerstört. Sichtbar sind konservierte Teile der Grundmauern sowie des in den anstehenden Felsen geschlagenen Doppelspitzgrabens. In Anlehnung an römische Militärbauten entstand ohne fachbezogene wissenschaftliche Mithilfe[6] zwischen 1992 und 1994 ein freier Rekonstruktionsversuch von Nordtor und Nordwestturm mit dem dazwischenliegendem Wehrgang.[7] Ein Modell des Lagers sowie Funde findet man in der frühgeschichtlichen Sammlung auf der Willibaldsburg in Eichstätt. Pfünz selbst ist 889 erstmals als „Phuncina“ urkundlich erwähnt. Unweit des Ortes steht malerisch eine wohl 1486 erbaute Steinbogenbrücke, die Altmühlbrücke Pfünz. Das ehemalige, 1710 erbaute Fürstbischöfliche Sommerschloss von Pfünz wird – durch Anbauten erweitert – seit 1956 vom Bistum Eichstätt als Jugendhaus genutzt. Die Ortskirche St. Nikolaus, erbaut 1496 bis 1535, 1601 Ruine, wurde 1728 repariert und barockisiert (Stuck von Franz Xaver Horneis); die Ausstattung ist gotisch, barock und klassizistisch. Die heutige Ausmalung stammt von P. Baumgartner aus Pfaffenhofen aus dem Jahr 1954. Die Kanzel stammt aus dem säkularisierten Kloster Notre Dame in Eichstätt. Der Turm hat ein Satteldach mit zwei Treppengiebeln. Pfünz gehörte bis 1975 zur Pfarrei Pietenfeld und seitdem zur Pfarrei Hl. Familie in Eichstätt.

Der Gemeindeteil Inching – noch heute ein kleines Dorf mit etwa 100 Einwohnern – wurde bereits 1055 urkundlich erwähnt. Damals verlieh Kaiser Heinrich der III. der Eichstätter Kirche das Weinbaurecht zwischen Rebdorf und Inching. Ein Edler Adalbert von Inchingen wird 1166 genannt. Inching besitzt mit der Martinskirche und dem Schloss Inching ein historisches Ensemble direkt an der Altmühl.

Der an der Römerstraße Pfünz-Böhming gelegene Gemeindeteil Gungolding war bereits vorwillibaldinisch christianisiert. Die einst befestigte (Wehrkirche Gungolding), außerhalb des Ortes auf eine Anhöhe stehende Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist barock. Sie birgt spätgotische und barocke Ausstattungsgegenstände. Zu ihr führen 14 gemauerte Kreuzwegstationen von 1751 mit Bildtafeln des Eichstätter Künstlers Franz Maurer von 1992. Die benachbarte „Alte Schule“ wurde 2004 zum Pfarrheim umgestaltet. Das in der Ortsmitte liegende historische Turmhaus wurde 2004 abgetragen und neu errichtet. Die Gungoldinger Wacholderheide ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns.

Im Gemeindeteil Pfalzpaint stand ein Adelssitz, die Burg Pfalzpaint, die mit der 1707 von Jakob Engel neu erbauten Kirche St. Andreas verbunden war. Die Kirchenausstattung stammt aus dem 16.–18.Jahrhundert, schwerpunktmäßig im Stil des Barocks.

Im Wald beim Affenthal wuchs einst die größte Fichte Bayerns; 40 m lang und 280 Jahre alt, wurde sie 1910 gefällt.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Walting

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 232 und im Bereich Handel und Verkehr 17 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 59 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 766. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 3 Betriebe, im Bauhauptgewerbe 2 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 61 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1051 ha, davon waren 771 ha Ackerfläche und 279 ha Dauergrünfläche.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 824 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 78 T€.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2008):

  • Kindergärten: 73 Kindergartenplätze mit 90 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 6 Lehrern und 124 Schülern

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Beölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 456.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 599.
  4. Villa Rustica Walting bei Archäologie online. Abgerufen am 8. August 2009.
  5. Die Römervilla wird zugeschüttet im Archiv der Gemeinde Walting. Abgerufen am 12. September 2010.
  6. Hartwig Schmidt: Archäologische Denkmäler in Deutschland – Rekonstruiert und wieder aufgebaut, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1395-X, S. 109
  7. Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008. ISBN 978-3-7917-2120-0. S. 140