Guppy

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Fisch 'Guppy', andere Bedeutungen siehe Guppy (Begriffsklärung)
Guppy
Guppys, oben ein ♂, unten zwei ♀ einer Wildform unbestimmter Herkunft.

Guppys, oben ein , unten zwei einer Wildform unbestimmter Herkunft.

Systematik
Unterordnung: Cyprinodontoidei
Familie: Poeciliidae
Unterfamilie: Lebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliinae)
Gattung: Poecilia
Untergattung: Guppys (Acanthophacelus)
Art: Guppy
Wissenschaftlicher Name
Poecilia reticulata
Peters, 1859
Männchen

Der Guppy (Poecilia reticulata) ist einer der beliebtesten Süßwasser-Aquarienfische. Der lebendgebärende Guppy vermehrt sich im Aquarium sehr schnell. Er stammt ursprünglich aus der Karibik sowie von den Küsten des nördlichen Südamerika.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name „Guppy“ geht auf Robert John Lechmere Guppy (1836–1916) zurück, der im Jahre 1866 dem Britischen Museum mehrere Exemplare der Spezies sandte, die er auf Trinidad gesammelt hatte. Da man annahm, die Fische seien mit den bereits bekannten Poecilia reticulata nicht identisch, wurde die Art zunächst als eigene Spezies unter der Bezeichnung Girardinus guppyi beschrieben. Auch wenn die Identität der Guppys mit Poecilia reticulata heute weitgehend unbestritten ist, ist ihnen der damalige Name geblieben.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Darstellung auf einer ungarischen Sonderbriefmarke von 1962

Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst das nördliche Südamerika und einige vorgelagerte Inseln in der Karibik. So existieren Guppy-Populationen in West-Venezuela und Guyana sowie auf den Inseln der Niederländischen Antillen, auf Trinidad, Barbados, Grenada, Saint Thomas, Antigua und den Inseln über dem Winde. Als Neozoon ist er darüber hinaus in tropischen und subtropischen Gewässern weltweit verbreitet, da er vielfach zur Moskitobekämpfung eingeführt oder von Aquarianern ausgesetzt wurde.[2][3] Auch in Deutschland wird er als Neozoon gelistet.[4] Das Vorkommen beschränkt sich aber auf Thermalquellen und deren Bäche oder auf die Ausläufe von Kühl- oder Klärwässern von Kraftwerken und Industrieanlagen.

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Die Männchen der Zuchtformen werden ohne Schwanzflosse knapp 3 cm groß, die Weibchen bis über 6 cm. Die Wildformen bleiben deutlich kleiner, Männchen bis 2,5, Weibchen bis 4,5 cm. Der Guppy zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen sind kleiner, schlanker und farbenprächtiger als die Weibchen. Außerdem haben sie ein Gonopodium, also eine zum Begattungsorgan umformte Afterflosse, die bei Jungguppymännchen bereits im Alter von vier Wochen ansatzweise zu erkennen ist. Guppys sind lebendgebärend. Sie betreiben keine Brutpflege und betrachten ihre Jungen sogar als Beute. Allerdings gilt das nicht für alle Stämme, manchmal bleiben die Jungen unbehelligt.

Sie können bei Zimmertemperatur (möglich: 16-30 °C; optimal: 24-26 °C) gehalten werden. Prachtvolle Importe aus wärmeren Regionen Europas sind anfälliger für Krankheiten, da sie Seewasserzusatz und möglicherweise Antibiotika gewohnt sind. Im Heimaquarium haben sie oft nur eine sehr kurze Lebenserwartung, jedoch sind ihre Nachkommen nicht so anfällig. Aquarianer sind mit heimischen Nachzuchten, die das hiesige Wasser gewohnt sind, meist besser bedient.

Züchtung der Guppys[Bearbeiten]

Bereits mit drei Monaten werden die Weibchen geschlechtsreif (Männchen früher), wobei sie bereits einige Zeit vor der ersten Trächtigkeit begattet werden können, da sie den Samen speichern. Dieser Vorrat reicht für bis zu elf Würfe aus, wobei die einzelnen Würfe aus ca. 20 Jungen bestehen. Will man aus züchterischen Gründen sicher sein, von welchem Männchen die Jungen stammen, sollte man die Weibchen bereits vor der 4. Lebenswoche von den Männchen trennen. Im Normalfall werden die Männchen in ein anderes Becken gesetzt, sobald sie sich als solche zu erkennen geben. Das Weibchenbecken muss weiter scharf kontrolliert werden, um kein Spätmännchen zu übersehen, was die Zucht einige Monate zurückwerfen kann. Auf die Gesundheit der Weibchen hat eine frühe Trächtigkeit keinen negativen Einfluss. Weibchen, die lange ohne Männchen aufwuchsen, wird aber manchmal eine verminderte Fruchtbarkeit nachgesagt. Man kann ein Männchen von einem Weibchen unterscheiden, indem man die Afterflosse genau betrachtet: Bei Männchen ist diese schmaler und länglicher, bei Weibchen breiter und fächerförmig. Wenn es allerdings schnell schwimmt, wird auch die Afterflosse eines Weibchens ähnlich der eines Männchens. Darauf zu achten ist wichtig, wenn die Fische noch relativ jung sind und die Männchen noch keine bunte Farbe bekommen haben. Außerdem sind Weibchen fülliger und kräftiger als Männchen. Aus der Wildform sind vielfältige Zuchtformen geschaffen worden. Sowohl professionelle Züchter als auch Anfänger widmen sich seit vielen Jahrzehnten dem Guppy, und heute existiert eine überwältigende Fülle an Farben, Mustern und Formen. Es sind aber bei weitem noch nicht alle Grenzen ausgelotet. Regelmäßig kommen neue Farbformen zu den bereits existierenden hinzu. Dabei gibt es für die Zucht von so genannten Guppy-Stämmen internationale Regeln, welche die verschiedenen Zuchtformen beschreiben. Die Stämme werden nach der Beflossung in verschiedene Guppyarten unterteilt.

Verschiedene Guppyformen[Bearbeiten]

Großflosser (A-D): Fächerschwanz, Triangelschwanz, Schleierschwanz, Fahnenschwanz; Schwertflosser (E-H): Doppelschwert, Obenschwert, Untenschwert, Leierschwanz; Kurzflosser (I-L): Spatenschwanz, Speerschwanz, Rundschwanz, Nadelschwanz
Ein Doppelschwertguppy

Zusätzlich zu den verschiedenen Flossenformen werden noch die verschiedenen Grund- und Deckfarben unterschieden. Der festgelegte Standard der Guppyzüchter IHS, Internationaler Hochzucht-Standard, lässt zwölf verschiedene Formen zu. Hauptsächlich die Form der Rücken- und Schwanzflosse und eine ansprechende Färbung sind Zuchtziele, die Vitalität und Fruchtbarkeit der Tiere sollte aber auch nicht vernachlässigt werden. In Deutschland finden derzeit bis zu sieben Ausstellungen jährlich statt, auf denen zwischen 130 und 250 Trios von Guppys zu sehen sind.

Endlers Guppy[Bearbeiten]

Als eigene Art ist der so genannte Endlers Guppy zu sehen. Wild lebend ist er bis jetzt in einer Süßwasserlagune in Venezuela sowie umgebenden Gewässern nachgewiesen. Aufgrund von Biotopzerstörungen existiert er nicht mehr in der Laguna dos Patos, wohl aber noch in anderen Gewässern dieses Bereichs. Sein wissenschaftlicher Name lautet Poecilia wingei Poeser, Kempkes & Isbrücker, 2005. Der Bau und die zum „normalen“ Guppy andere Ausprägung des Gonopodiums ließen diese Neubeschreibung zu. Die selteneren, relativ rein erhaltenen Exemplare ähneln sehr den Wildformen. Die Endler sind etwas kleiner als die bekannten, in jeder Zoohandlung zu findenden Zuchtformen, dafür aber sicher ebenso farbig.

Guppys und die Verhaltensbiologie[Bearbeiten]

Das Fortpflanzungsverhalten der Guppys ist unter anderem durch einen Nachahmungseffekt geprägt. Wie verschiedene Untersuchungen belegen konnten, wählen Guppyweibchen als Geschlechtspartner bevorzugt Männchen, die schon zuvor von anderen Weibchen ausgewählt wurden, und lehnen Partner ab, die bereits von anderen Weibchen ebenfalls abgelehnt wurden. Männliche Guppys bedrängen außerdem Weibchen anderer Fischarten, die den eigenen Weibchen ähnlich sehen, und verhinderten so, dass sich diese paaren. Die aggressive Annäherung von Guppys an fremde Weibchen hat zur Folge, dass diese selbst den Männchen der eigenen Art ausweichen und sich nicht mehr fortpflanzen. So verdrängen Guppys ihre Konkurrenten und sichern sich den Zugang zu Nahrungsquellen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.guppy-info.de/nameuverbreitung.html 26. August 2011
  2. Introductions of Poecilia reticulata auf Fishbase.org
  3. Michael Kempkes: Poecilia reticulata als Neozoon auf dglz.de, abgerufen am 17. Oktober 2011.
  4. Christian Wiesner, Christian Wolter, Wolfgang Rabitsch, Stefan Nehring: Gebietsfremde Fische in Deutschland und Österreich und mögliche Auswirkungen des Klimawandels, BfN-Skripten 279, Bonn 2010, S. 12 (PDF-Datei; 12,7 MB).
  5. www.sueddeutsche.de: Sexmaschinen des Tierreichs. Süddeutsche Zeitung, 24. Januar 2008.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Luckmann: Guppys. Pflege und Zucht von Hochzucht-Guppys. Frankh'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1978, ISBN 3-440-04642-7
  • Manfred K. Meyer, Lothar Wischnath, Wolfgang Foerster: Lebendgebärende Zierfische: Arten der Welt. Mergus Verlag für Natur- und Heimtierkunde Baensch, Melle 1985, ISBN 3-88244-006-6
  • Bernhard Teichfischer: Guppy, Platy, Schwertträger und Molly: Zuchtformen der Lebendgebärenden. Dähne Verlag, Ettlingen 2004, ISBN 3-921684-64-1
  • Harro Hieronimus, Chris Lukhaup: Guppy-Fibel. Erfolgreiche Pflege und Zucht im Aquarium. Dähne Verlag, Ettlingen 2011, ISBN 978-3-9351-7571-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guppy – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien