Guppy (Flugzeug)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Außenansicht des Super Guppy Turbine (SGT), 2005
Super Guppy (SG) wird beladen, 1976
Risszeichnung des SG und SGT
Innenmaße des SG und SGT

Als Guppy werden Umbauten von Flugzeugen bezeichnet, die durch eine Vergrößerung des Rumpfes auffallen. Ausgeführt wurden sie von der US-amerikanischen Firma Conroy Aircraft (Santa Barbara). Bekanntestes Beispiel sind die Umbauten des Boeing B-377 Stratocruiser. Ihren Namen haben die Flugzeuge von einem Fisch: Guppys sind lebendgebärende Fische, die während der Trächtigkeit einen erheblich aufgeblähten Bauch aufweisen – somit ergaben sich Assoziationen zwischen dem Flugzeug und dieser Fischart, die zu dem Namen des Flugzeugs führten.

Geschichte[Bearbeiten]

Als die NASA begann, immer größere Raketenteile zu planen, wurde schnell klar, dass diese nur über den Luftweg transportiert werden konnten. So gab Aero Spacelines im Auftrag der NASA bei Conroy Aircraft den Umbau einiger ausgemusterter B-377 Stratocruiser in Auftrag. Die B-377 war die zivile Version des C-97 Stratofreighter, eine Entwicklung auf Basis der Boeing B-29. Im Grunde genommen wurde nur der Rumpf der B-377 / C-97 und der Antrieb neu entworfen, das Tragwerk und die Leitwerke wurden von der B-29 übernommen. Es wurden nur 56 Maschinen des Typs B-377 / C-97 gebaut, denn das anbrechende Jet-Zeitalter ließ den Absatz einbrechen. Die verbliebenen Maschinen wurden eingelagert, hatten aber noch einen sehr guten Zustand und wenige Flugstunden. Die Umbauten der B-377 wurden so beliebt, dass auch etwas kleinere Varianten für andere Kunden gebaut wurden. Inzwischen sind alle Exemplare außer Dienst gestellt oder abgestürzt, nur die NASA benutzt noch ein Exemplar.

Airbus setzte lange Zeit Guppy-Flugzeuge ein, um Flugzeugteile zwischen den europäischen Fertigungsstätten transportieren zu können. Die Firma verwendet inzwischen jedoch einen selbst entworfenen, ähnlichen Flugzeugtyp, den Airbus Beluga (A300-600ST). Ein Exemplar der Super Guppy befindet sich im Airbuswerk Hamburg-Finkenwerder.

Boeing erarbeitete für den Transport der Teile für die Boeing 787 eine eigene Transportmaschine auf Basis umgebauter 747-400-Passagiermaschinen. Entwickelt wurde die Boeing 747 Large Cargo Freighter (747 LCF) (auch Dreamlifter genannt, in Anlehnung an den Marketingnamen Dreamliner der 787) von Boeing gemeinsam mit der Taiwanischen Evergreen Aviation Technologies Corporation (EGAT). Für den Umbau ist allein EGAT verantwortlich, während die fertiggestellten Maschinen von Evergreen International Airlines (eine US-Firma ohne Bindung an die Evergreen Group) betrieben werden.

Pregnant Guppy[Bearbeiten]

Pregnant Guppy (PG), 1962
Beladung des Pregnant Guppy mit einer Stufe der Saturn V

B-377PG (Pregnant Guppy): 1 gebautes Exemplar.

Die erste Version wurde als Pregnant Guppy (Schwangerer Guppy), später auch Mini-Guppy, bezeichnet, die am 19. September 1962 zu ihrem Erstflug startete. Bei diesem Flugzeug wurde der Stratocruiser-Rumpf im hinteren Abschnitt verlängert und die obere Rumpfschale durch eine Neukonstruktion mit größerem Durchmesser ersetzt. Das gesamte Rumpfheck mit dem Seitenleitwerk war seitwärts klappbar, um so die großen Trägerraketenstufen für die amerikanische Weltraumbehörde NASA problemlos laden zu können. Bis zu seiner Ausmusterung diente er der NASA als Transporter. Ironie des Schicksals: der Erstgebaute dient inzwischen dem Letztgebauten als Ersatzteillager. Die Besonderheit dieses Modelles war neben dem im Vergleich zum Super Guppy kleineren Ladevolumen das abnehmbare Heck, über das die Fracht geladen wurde.

Super Guppy[Bearbeiten]

B-377SG-201 (Very Pregnant Guppy später Super Guppy): 1 gebautes Exemplar.

Die Super Guppy absolvierte am 31. August 1965 ihren erfolgreichen Erstflug. Sie war noch größer und verfügte über einen Turbopropantrieb, bestehend aus vier T34-Propellerturbinen (Pratt & Whitney T-34P7), während die Mini-Guppy noch mit Kolbentriebwerken angetrieben wurde. Die zweite Maschine dieser Basis-Serie flog am 24. Mai 1967. Der Bau und die damit zusammenhängende Notwendigkeit zum Transport der neuen Saturn-V-Raketenstufen (Apollo-Programm) machte den Bau dieses riesigen Transporters erforderlich. Nach dem Umbau wurde es möglich, maximal 20 Tonnen zuzuladen. Bei der NASA trug dieses Flugzeug die Kennung NASA 940.

1990 wurde er von der NASA außer Dienst gestellt und steht in der Pima Air Force Base, Arizona. Zuvor flog er unter anderen für die Gemini-, Apollo-, Space-Shuttle- und Skylab-Programme der NASA.

Super Guppy Turbine[Bearbeiten]

SGT bei Airbus in Finkenwerder, 2006
Aufgeklappter SGT im Jahr 2000

B-377SGT-201 (Super Guppy Turbine): 4 gebaute Exemplare

Eine direkte Weiterentwicklung war die Super Guppy 201, von der zunächst zwei Einheiten gebaut wurden, die am 24. August 1970 (N211AS) und am 24. August 1971 (N212AS) ihre Erstflüge absolvierten. Die Super Guppy 201 entsprachen in den Abmessungen der Super Guppy, wurden aber von vier Allison 501-D22C-Propellerturbinen angetrieben. Dadurch war eine maximale Zuladung von 25 t möglich. Nach der Einstellung des Apollo-Programms wurden die beiden Super Guppy im November 1971 (F-BTGV) bzw. August 1973 (F-BPPA) an die französische Firma Aéromaritime verkauft, die sie im Auftrag des Flugzeugherstellers Airbus für den Transport von Großbauteilen zwischen den verschiedenen Fertigungszentren und Toulouse einsetzte.[1] Airbus Industries erwarb die Herstellerrechte und technischen Unterlagen der Super Guppy 201 und ließ von dem in Le Bourget ansässigen Unternehmen UTA Industries zwei weitere Flugzeuge fertigen.[2] Die Maschinen wurden im Juli 1982 (F-GDSG) sowie im Juli 1983 (F-GEAI) an die Aéromaritime übergeben.[3] Zeitgleich mit der Auslieferung des dritten Flugzeugs erhielten die Maschinen ihre charakteristische Lackierung mit dem Schriftzug Airbus Skylink auf dem Rumpf. Im Jahr 1989 übernahm die neugegründete Airbus-Tochterfirma Airbus Inter Transport die vier Flugzeuge von der Aéromaritime und setzte sie bis ins Jahr 1998 hinein ein.[4] Inzwischen wurden sie vom Airbus A300-600ST Beluga abgelöst. Drei der vier Super Guppys sind nach ihrer Außerdienststellung an die Hauptstandorte des Airbus-Projektes gegangen. Je einer nach England, Frankreich und Deutschland. Die vierte Maschine, der 1983 in Frankreich gebaute ehemalige Airbus Transporter 04, wurde von der NASA gekauft. Die NASA setzt das Flugzeug unter der Bezeichnung NASA 941 (Silberner Buckel) unter anderem zum Transport von Modulen für die Internationale Raumstation (ISS) ein. Dafür wurde eine spezielle Halterung, die SGSF entwickelt, die der Nutzlastbucht des Space Shuttles nachempfunden ist.

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Spannweite: 47,61 m
  • Länge: 46,84 m
  • Höhe: 14,85 m
  • Triebwerke: 4 × Allison 501 D22C mit 3610 kW
  • Leergewicht: 45,8 t
  • Maximales Gewicht: 77,1 t
  • Zuladung: 24,5 t
  • Crew: 3
  • Geschwindigkeit: 460 km/h; ökonomische Reisegeschwindigkeit: 407 km/h
  • Gipfelhöhe: 7620 m
  • ökonomische Reichweite: 813 km

Mini Guppy[Bearbeiten]

Mini Guppy (B-377MG) im Museum, 2007

B-377MG (Mini Guppy): 1 gebautes Exemplar.

Bei den Umbauten wurden die originalen Triebwerke vom Typ Pratt & Whitney R-4360 Wasp Major beibehalten. Dafür wurde ein schwenkbares Heck eingebaut. Nach den Umbauarbeiten war eine maximale Zuladung von 14,5 Tonnen möglich.

  • Erstflug am 24. Mai 1967
  • Eigentümer Aero Spacelines (bis 1974), American Jet Industries (bis 1980), Aero Union (bis 1988), Erickson Air Crane (bis 1995). Nun steht er im Tillamook Air Museum in Tillamook, Oregon.

Mini Guppy Turbine[Bearbeiten]

B-377MGT-101 (Mini Guppy): 1 gebautes Exemplar.

Im Zuge der Umbauarbeiten wurden neue, vierblättrige Triebwerke Allison 501-D22C Turboprop eingebaut, der Rumpf wurde verlängert und verbreitert und eine schwenkbare Nase eingebaut. Nach den Umbauten hatte er eine maximale Zuladung 28,6 Tonnen.

  • Erstflug 13. März 1970
  • Absturz bei Flugtests auf der Edwards Air Force Base, Kalifornien (USA) am 12. Mai 1970.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. jp airline-markings, Ausgaben 72 und 73
  2. Aero, Ausgabe 46/1988
  3. jp airline-fleets international Edition 92/93
  4. jp airline-fleets international, Edition 97/98