Gustaf Dalman

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Gustaf Dalman, ca. 1902
Gedenktafel für Gustaf Dalman in der Bahnhofstraße 46/47 in Greifswald

Gustaf Hermann Dalman (* 9. Juni 1855 in Niesky; † 19. August 1941 in Herrnhut) war ein deutscher protestantischer Theologe (Alttestamentler) und Orientalist.

Leben[Bearbeiten]

Als Gustaf Hermann Marx geboren, nahm Dalman 1886 den Geburtsnamen seiner schwedischen Mutter an, um dem vom Aussterben bedrohten Familienzweig seiner Mutter die Fortexistenz zu ermöglichen. Er erhielt seine Schulbildung am Pädagogium in Niesky und studierte von 1874 an am Theologischen Seminar der Herrnhuter Brüdergemeine in Gnadenfeld (Oberschlesien), wo er bis 1887 auch als Dozent für Altes Testament und Praktische Theologie tätig war. Von Franz Delitzsch wurde er an das Institutum Judaicum in Leipzig berufen, in dem Theologen zum Dienst in der Judenmission ausgebildet wurden. Zu diesem Thema hatte Dalman sich schon als Dozent in Gnadenfeld geäußert. Ab 1891 war er Privatdozent und ab 1895 außerordentlicher Professor für Altes Testament und Judaistik in Leipzig. Am 25. September 1901 heiratete er in Freienwalde Karoline Sophie von Treskow (1872–1940), eine Tochter des preußischen Generalmajors Franz von Treskow.

Von 1902 bis 1917 war Dalman der erste Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des heiligen Landes in Jerusalem. Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte Dalman auf einem Heimaturlaub in Deutschland. Die Ereignisse verhinderten eine Rückkehr nach Jerusalem. Ab 1917 war er Professor für Altes Testament und Palästinawissenschaft in Greifswald, wo er 1920 das Institut für biblische Landes- und Altertumskunde (heute: Gustaf-Dalman-Institut) gründete. Von 1905 bis 1926 war er Herausgeber der Zeitschrift Palästina-Jahrbuch.

Dalman führte bis 1914 regelmäßig Lehrkurse für junge Theologen aus Deutschland durch und beobachtete, fotografierte und dokumentierte in seinen Veröffentlichungen die gegenwärtigen Lebensverhältnisse der Bauern und Beduinen in Palästina. Dalmans Arbeiten sind einzigartige Dokumente des Lebens einfacher Menschen zur osmanisch-türkischen Zeit. Aus seinen Forschungen suchte er Rückschlüsse auf die Geschichte Israels und des Alten Orients zu gewinnen. Er schrieb Beiträge zu Archäologie und Landeskunde. In seinem zweiten Forschungsgebiet, der Judaistik, verfasste er grundlegende Grammatiken und Wörterbücher zu aramäischen Dialekten und zur nachbiblischen hebräischen Sprache.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

1. Zur Landeskunde

  • Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. I - VII, Berlin 1928-1942 (Nachdr. 1987 ISBN 3-487-00480-1 und ISBN 978-3487004808) Bd. VIII (Fragment aus dem Nachlass) Berlin 2001. (Hauptwerk zu Dalmans landeskundlichen Forschungen zu allen Bereichen des Lebens)
  • Palästinischer Diwan. Als Beitrag zur Volkskunde Palästinas gesammelt und mit Übersetzungen und Melodien herausgegeben, Leipzig 1901. (Sammlung volkstümlicher Lieder aus Palästina und Syrien)
  • Orte und Wege Jesu, Gütersloh 1919.
  • Jerusalem und sein Gelände, Gütersloh 1930.

2. Exegetica

  • Die Worte Jesu. Mit Berücksichtigung des nachkanonischen jüdischen Schrifttums und der aramäischen Sprache, Bd. 1: Einleitung und wichtige Begriffe, mit Anhang: A) Das Vaterunser, B) Nachträge und Berichtigungen, Leipzig 2. Auflage 1930; Bd. 2: Jesus-Jeschua. Die drei Sprachen Jesu, Jesus in der Synagoge, auf dem Berg, beim Passahmahl, am Kreuz, Leipzig 1922.

3. Zum Aramäischen und zum nachbiblischen Hebräisch

  • Grammatik des jüdisch-palästinischen Aramäisch nach den Idiomen des palästinischen Talmud, des Onkelostargum und Prophetentargum und der jerusalemischen Targume, Hinrichs, Leipzig 1894 (Digitalisate: UB Frankfurt, archive.org); 2. verm. und vielfach umgearb. Aufl. 1905 (ND Darmstadt 1989; Digitalisate: UB Frankfurt, archive.org).
  • Aramäisch-neuhebräisches Handwörterbuch zu Targum, Talmud und Midrasch, Göttingen 1901 (Digitalisat); 2. Aufl. 1922 (Digitalisat); 3. Aufl. 1938 (5. ND Hildesheim 2007).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans-Joachim Kraus: Geschichte der historisch-kritischen Erforschung des Alten Testaments. 3. erweiterte Auflage. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1982, ISBN 3-7887-0701-1, S. 411.
  • Julia Männchen: Gustaf Dalmans Leben und Wirken in der Brüdergemeinde, für die Judenmission und an der Universität Leipzig 1855–1902. Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02750-9 (Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins).
  • Julia Männchen: Gustaf Dalman als Palästinawissenschaftler in Jerusalem und Greifswald 1902–1941. Harrassowitz, Wiesbaden 1994, ISBN 3-447-03425-4 (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins 9, 2).
  • Julia Männchen: Das Herz zieht nach Jerusalem. Gustaf Dalman zum 150. Geburtstag. Im Auftrag der Theologischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald zusammengestellt und kommentiert. Universität Greifswald – Presse- und Informationsstelle, Greifswald 2005, ISBN 3-86006-243-3.
  • Gerhard Meyer: Dalmann (eigentlich Marx), Hermann Gustaf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 493 f. (Digitalisat).
  • Lutz Mohr: Auf den Spuren biblischer Geschichte. Zum Gedenken an den universellen Palästinaforscher Gustaf Hermann Dalman (1855-1941). In: Der Demokrat. Jg. 37., Nr. 273 vom 20. November 1982 und Nr. 279 vom 27./28. November 1982.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: DALMAN, Gustaf. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1197–1198.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gustaf Dalman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien