Gustav Hassenpflug

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Gustav Hassenpflug (* 12. April 1907 in Düsseldorf; † 22. Juli 1977 in München) war ein deutscher Architekt, Designer und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Biologische Anstalt Helgoland

Hassenpflug lernte zunächst den Beruf des Tischlers und legte 1925 seine Gesellenprüfung ab. Anschließend arbeitete er in den Altenberger Werkstätten, bevor er von 1927 bis 1928 am Bauhaus in Dessau zunächst Möbelentwurf und industrielle Formgebung, später Architektur und Städtebau studierte. Ab 1928 arbeitete er für Marcel Breuer, Fred Forbát und Walter Gropius in Berlin. Er schloss sich der Gruppe von Ernst May an und lebte von 1931 bis 1933 in der Sowjetunion, wo er mit stadtplanerischen Projekten betraut war.

Während des Nationalsozialismus arbeitete Hassenpflug als selbständiger Architekt, entwarf aber auch zusammen mit Ernst Neufert und Egon Eiermann zum Beispiel einige Krankenhausbauten. Nach dem Krieg wird er von Ferdinand Sauerbruch mit der Wiederinstandsetzung der Charité in Berlin beauftragt. 1946 errichtete der Magistrat der Stadt Berlin das Sozialdezernat Krankenhausplanung unter Leitung des Mediziners Paul Volgler und von Hassenpflug. Von seinem Büro in der Charité aus koordiniert Hassenpflug die Kontaktaufnahme zu den in Berlin lebenden Bauhäuslern.

Pläne zur Neugründung des Bauhauses in Berlin und in Dessau scheitern. Wie auch andere Bauhäusler verbindet Hassenpflug große Hoffnungen mit der Wiedergründung Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar, deren Ruf auf die Professur für Städtebau er 1946 annimmt. 1948 wird seinem Seminar die "Staatliche Beratungsstelle für Städtebau in Thüringen" angeschlossen.

Hassenpflugs "Baukastenmöbel", die er in Weimar entwickelte und die in Thüringen gefertigt werden, fanden in allen Besatzungszonen große Beachtung. "Eine Ergänzung der Wohnungseinrichtung durch späteren Hinzukauf ist jederzeit möglich," hieß es in einem Prospekt, "die Möbel sind aus Edelholz gefertigt und trotz ihrer einfachen Formen hervorragende Qualitätsarbeit." 1951 schreibt der "Spiegel" über die "Baukastenmöbel": "Sie sind die Krone der Einfachheit und Zweigmäßigkeit: Möbel im DIN-Format, praktisch, zweckmäßig in jeder Hinsicht, in einer zeitlosen Form." Serien wie die "Baukastenmöbel" waren auf die Grundrisse der Kleinstwohnungen des sozialen Wohnungsbaus zugeschnitten. Möbelkäufer suchten damals allerdings eher nach großen repräsentativen Möbelstücken, berichtete der "Spiegel".

1950 wechselte Hassenpflug nach Hamburg, wo er Direktor der Landeskunstschule wird. Er formt sie zur Hochschule für Bildende Künste Hamburg um, aktualisiert dabei Prinzipien des Bauhauses. Hassenpflug veröffentlicht Bücher zur Geschichte der Landeskunstschule und zu den damals Werkkunstschulen genannten Ausbildungsstätten für Design in Deutschland. In Hamburg entstehen innenarchitektonische Entwürfe. Weil er sich mehr der Architektur zuwenden will, übernimmt er 1956 die Professur für Bauen und Entwerfen an der Technischen Hochschule München. Zu den wichtigsten Bauten gehört das 16-geschossige Wohnhochhaus im Berliner Hansaviertel, das 1957 während der Interbau entsteht. Zum Spätwerk gehören zahlreiche Wettbewerbsbeiträge für Krankenhäuser und Universitätsinstitute. 1966 zeiht Hassenpflug in dem Buch "Scheibe, Punkt und Hügel" eine kritische Bilanz der Nachkriegsarchitektur. 1977 wurde Hassenpflug emeritiert. Hassenpflugs Entwurfsarbeit und Lehrtätigkeit war stets offen für die Zusammenarbeit mit Künstlern, Mediziner und Soziologen. Das macht ihn auch heute noch zu einer beachtenswerten Figur der deutschen Architektur- und Designgeschichte.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1934-1938 Stahlrohrmöbel für die Firma Embru (Schweiz)
  • 1938: Wohnhäuser für den Textilverleger Willy B. Klar und Werber Walter Matthess in Berlin-Groß-Glienicke
  • 1954–1956: Aquarium und Biologische Anstalt auf Helgoland
  • 1957: Punkthochhaus der Internationalen Bauausstellung Berlin (Interbau)
  • 1958: Atelier für Fritz Winter in Dießen am Ammersee
  • 1959–1964: Institut für Elektronik und Institut für elektrische Maschinen und Geräte der Technischen Universität München
  • 1959-1964: Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Hamburg (Rechtshaus)

Wettbewerbsentwürfe und Projekte[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • (mit Paul Vogler): Das Gesundheitswesen in der Bauplanung Berlins. Berlin 1948.
  • Baukastenmöbel. Pössneck 1949.
  • Geschichte der Landeskunstschule Hamburg. Hamburg 1956.
  • Das Werkkunstschulbuch. Stuttgart 1956.
  • (mit Paulhans Peters): Scheibe, Punkt und Hügel. München 1966. / Neuauflage 1982, ISBN 3-7667-0135-5.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Grohn: Gustav Hassenpflug. Architektur, Design, Lehre. 1907–1977. Düsseldorf 1985, ISBN 3-921420-24-5.

Weblinks[Bearbeiten]