Gustav Lilienthal

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Gustav Lilienthal
Gustav Lilienthal mit Tochter, 1926
Gustav Lilienthal bei einer Vorführung des Gleitflugzeugs seines Bruders in den Gatower Bergen bei Berlin (1930)
Berliner Gedenktafel am Haus Marthastraße 5, in Berlin-Lichterfelde
Gedenktafel am Fuße des Fliegeberges in Berlin-Lichterfelde. Aufschrift: Gustav Lilienthal 1849-1933 engster Mitarbeiter Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal
Ehrengrab, Thuner Platz 2-4, in Berlin-Lichterfelde

Gustav Lilienthal (* 9. Oktober 1849 in Anklam; † 1. Februar 1933 in Berlin) war ein Baumeister und Sozialreformer. Als jüngerer Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal beteiligte er sich lange Zeit an dessen Flugexperimenten.

Vita[Bearbeiten]

Gustav Lilienthal ist heute hauptsächlich durch die Zusammenarbeit mit seinem Bruder und seine (erfolglosen) Versuche mit einem Schwingenflugzeug bekannt, die er bis zu seinem Tod auf den Berliner Flugplätzen Tempelhof und Johannisthal vorantrieb. Zu Unrecht weniger bekannt ist er dagegen als Pionier auf den Gebieten Spielzeug, Wohnungsbau und zugehöriger Vorfertigung und als Initiator und Unterstützer von Sozial- und Siedlungsprojekten. Bekannt sind seine Bauten in der zu seiner (und seines Bruders) Wahlheimat gewordenen Villenkolonie Lichterfelde-West (heute Stadtteil von Berlin).

Lilienthal wurde auf dem Parkfriedhof Lichterfelde in Berlin-Lichterfelde beigesetzt. Die Grabstätte gehört zu den Ehrengräbern des Landes Berlin. 2011 erschien unter dem Titel Der Albatros posthum die Autobiografie von seiner jüngsten Tochter, Otti Binswanger-Lilienthal.[1]

Anfänge[Bearbeiten]

Gustav Lilienthal wuchs zusammen mit seinem Bruder Otto auf und besuchte zunächst ebenfalls das Gymnasium, später die neu gegründete Mittelschule in Anklam. Nach einer Maurerlehre in Anklam studierte er an der Berliner Bauakademie (die spätere TH Charlottenburg), beendete das Studium allerdings schon nach zwei Jahren ohne Abschluss. Grund war die Schließung der Schule mit Beginn des Deutsch-Französischen Krieges. Nach verschiedenen Anstellungen und Auslandsaufenthalten versuchte er sich als Kunstpädagoge mit einer Schule für weibliche Handarbeit selbstständig zu machen. In diese Zeit fällt die Entwicklung des Steinbaukastens. Nach dem Verkauf der Idee an Friedrich Adolf Richter (Ankerwerk (Rudolstadt)) wanderte er 1880 nach Australien aus, kehrte 1885 aber nach Deutschland zurück, wo er sich zunächst erneut der Baukastenentwicklung widmete.

Flugpionier[Bearbeiten]

Gustav Lilienthal hat seinen Bruder Otto entscheidend in der Flugforschung unterstützt. Neben den gemeinsamen Auftriebsmessungen an gewölbten Flächen jeweils im Sommer 1873 und 1874, trat Gustav während eines Londonaufenthalts im Winter 1873/74 als Mitglied in die Royal Aeronautical Society ein, die seit 1866 Jahresberichte (Annual Reports) veröffentlichte. Alle wichtigen Arbeiten zum Thema „Fluggeräte schwerer als Luft“ hat Gustav für seinen Bruder Otto übersetzt. Eine Schiffspassage nach Australien 1880 nutzte Gustav zu ausgiebigen Beobachtungen und Notizen über den Flug der Seevögel. Dabei beschreibt er beim Flug des Albatros den Bodeneffekt, ohne ihn erklären zu können. Das Buch Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst von Otto Lilienthal aus dem Jahre 1889 trägt den Untertitel Auf Grund zahlreicher von O. und G. Lilienthal ausgeführter Versuche.

Bauwesen/Architektur[Bearbeiten]

Lilienthal war der Erfinder verschiedener Elemente der Vorfertigung wie Groß-Hohlblocksteine aus Zement, die Fertigdecke „Terrast“ und „zerlegbare Häuser“. Mit den Techniken wurden teilweise noch existierende Bauten in den Siedlungen Lobetal/Hoffnungstal bei Bernau (heute: Hoffnungstaler Anstalten Lobetal im Verbund der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel), Eden (Ortsteil von Oranienburg) und „Freie Scholle“ errichtet. Am bekanntesten sind seine im Englischen Landhausstil (Tudor) errichteten und phantasievoll gestalteten Villen in Berlin-Lichterfelde-West, die heute überwiegend noch gut erhalten sind, darunter sein eigenes Wohnhaus in der Marthastraße 5.

Pädagogik/Spielzeug[Bearbeiten]

Er besaß zahlreiche Spielzeugpatente, die teilweise auf den Namen Otto Lilienthals angemeldet wurden, darunter der spätere Anker-Steinbaukasten und der sogenannte Modell-Baukasten als Vorläufer des Metallbaukastens (Stabilbaukasten). Es existieren deutliche Parallelen zwischen einigen bautechnischen und Spielzeug-Patenten.

Sozialreform[Bearbeiten]

Wie sein Bruder war Gustav Lilienthal stark beeinflusst durch den deutschen Sozialethiker Moritz von Egidy und den sozialutopischen Roman „Freiland“ des Österreichers Theodor Hertzka. Deren Ideen spiegeln sich in der Tätigkeit Otto Lilienthals als Maschinenbau-Unternehmer ebenso wider, wie in den Reformprojekten, an denen Gustav Lilienthal beteiligt war. Die noch heute existierende Baugenossenschaft „Freie Scholle“ (heute: Berlin-Reinickendorf) gründete er 1895 selbst; für die ebenfalls noch existierende vegetarische Obstbau-Genossenschaft Eden (in Oranienburg bei Berlin), die 1893 gegründet wurde, entwarf er zahlreiche Gebäude.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gustav Lilienthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lesung Otti Binswanger (PDF-Datei; 360 kB) im Lilienthalhaus Berlin, 2. September 2011.