Gustav Robert Kirchhoff

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Gustav Kirchhoff
Kirchhoff (links), zusammen mit Robert Bunsen (Mitte) und Henry Enfield Roscoe (1862)
Gedenktafel in Heidelberg, Hauptstraße 52
Gedenkmarke zum 150. Geburtstag
Grab auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg; Koordinaten des Grabes: 52° 29′ 27″ N, 13° 22′ 6″ O52.49072613.368391

Gustav Robert Kirchhoff (* 12. März 1824 in Königsberg (Preußen); † 17. Oktober 1887 in Berlin) war ein deutscher Physiker, der sich insbesondere um die Erforschung der Elektrizität verdient gemacht hat.

Leben[Bearbeiten]

Gustav Robert Kirchhoff studierte von 1842 bis 1847 Mathematik und Physik an der Universität Königsberg unter anderem bei Franz Neumann und Friedrich Julius Richelot. Von 1850 bis 1854 war er an der Universität Breslau tätig, wechselte dann an die Universität Heidelberg und kam 1875 als Professor für theoretische Physik an die Universität Berlin. Diese Stelle hatte er bis 1886 inne.

1857 heiratete er Clara Richelot († 1869), eine Tochter des Königsberger Mathematikers Friedrich Julius Richelot. Mit ihr hatte Kirchhoff zwei Söhne und zwei Töchter. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1872 Luise Brömmel, die an der Heidelberger Augenklinik beschäftigt war. Kirchhoffs Ehrengrab befindet sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg.

Wirken[Bearbeiten]

Kirchhoff ist bekannt für seine Regeln der elektrischen Stromkreise zur Beschreibung der Abhängigkeit von elektrischer Spannung, elektrischem Strom und elektrischem Widerstand, die er 1845 fand. Diese sogenannten Kirchhoffsche Regeln sind fundamental für Aufbau und Analyse elektrischer Schaltungen sowie die Elektrotechnik allgemein.

Kirchhoff hat 1861, zusammen mit Robert Wilhelm Bunsen, bei der Spektralanalyse des Mineralwassers der neu erschlossenen Maxquelle in Dürkheim, die Elemente Caesium und Rubidium entdeckt.[1] Durch ihre Studien wurde es zudem möglich, die Fraunhoferlinie zu erklären und somit eine der wesentlichen Grundlagen der modernen Astronomie zu schaffen.

Das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz besagt: Materie gleich welcher Art sendet bei Erhitzung eine kontinuierliche Strahlung aus, die je nach der Temperatur unsichtbar oder sichtbar ist. Diese Strahlung nennt man Temperatur- oder Wärmestrahlung. An eine ausgedehnte experimentelle Untersuchung dieses Gesetzes war zunächst nicht zu denken, da die Mittel für die Messung hoher Temperaturen und kleiner Strahlungsenergie fehlten. Die weitreichende Bedeutung wurde jedoch sofort erkannt. Das daraus entwickelte Konzept des Schwarzen Körpers führte schließlich zur Quantenphysik.

Kirchhoff beschäftigte sich auch mit der Plattentheorie; der Piola-Kirchhoff-Spannungstensor, die Kirchhoff-Love-Hypothese und die sogenannten Kirchhoff-Platten erinnern daran.

Ehrungen[Bearbeiten]

Der Mondkrater Kirchhoff ist nach ihm benannt, ebenso das „Kirchhoff-Institut für Physik“ (KIP) der Universität Heidelberg. Am 15. Februar 1974 gab die Deutsche Bundespost Berlin anlässlich seines 150. Geburtstages eine Sonderbriefmarke (MiNr. 465) heraus. In Berlin-Adlershof und Bad Dürkheim trägt eine Straße seinen Namen.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Chemische Analyse durch Spectralbeobachtungen. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 189, Nummer 7, 1861, S. 337–381 (mit Robert Bunsen, PDF).
  • Gesammelte Abhandlungen. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1882 (Herausgegeben von Ludwig Boltzmann).
  • Gesammelte Abhandlungen. Nachtrag. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1891 (Herausgegeben von Ludwig Boltzmann).
  • Vorlesungen über mathematische Physik. 4 Bände, B. G. Teubner, Leipzig 1876–1894.
    • Band 1: Mechanik. 1. Auflage, B. G. Teubner, Leipzig 1876 (online).
    • Band 2: Mathematische Optik. B. G. Teubner, Leipzig 1891 (Herausgegeben von Kurt Hensel, online).
    • Band 3: Electricität und Magnetismus. B. G. Teubner, Leipzig 1891 (Herausgegeben von Max Planck, online).
    • Band 4: Theorie der Wärme. B. G. Teubner, Leipzig 1894 (Herausgegeben von Max Planck, online).

Literatur[Bearbeiten]

Biografien
Zeitgenössische Erinnerungen
  • Gustav Robert Kirchhoff. In: Ludwig Boltzmann: Populäre Schriften. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1905, S. 51–75 (online).
  • Woldemar Voigt: Zum Gedächtniss von G. Kirchhoff. Rede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Gesellschaft der Wissenschaften am 5. December 1887 (= Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen. Band 35, Nummer 7). Dieterich, Göttingen 1888 (online).
  • Der Aufsatz von Friedrich Pockels (1865-1913) über Gustav Robert Kirchhoff erschienen in "Heidelberger Professoren aus dem 19. Jahrhundert" -: Festschrift der Universität zur Zentenarfeier ihrer Erneuerung durch Karl Friedrich. - Bd. 2, 1903, S. 243-263

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. Kirchhoff, R. Bunsen: Chemische Analyse durch Spectralbeobachtungen. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 189, Nummer 7, 1861, S. 337–381 (doi:10.1002/andp.18611890702).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gustav Robert Kirchhoff – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien