Gute Arbeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gute Arbeit lautet das Fahnenwort für eine Initiative der deutschen Gewerkschaften. Es dient als Leitbild einer modernen, humanen Arbeitswelt und soll wieder der Blick auf die Qualität der Arbeitsbedingungen richten.[1]

Gute Arbeit ist auch ein vom DGB definierter Index, mit dem die Entwicklung der Qualität der Arbeit in Deutschland beobachtet wird sowie der Titel einer seit 1988 erscheinenden Zeitschrift „Gute Arbeit: Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung“[2] im Bund-Verlag.

Geschichte des Leitbilds Gute Arbeit[Bearbeiten]

Das Konzept Gute Arbeit knüpft an das in den 1970er und 1980er Jahren verfolgte Projekt „Humanisierung des Arbeitslebens“ an. Gute Arbeit orientiert sich zudem am - an das Anspruchsniveau industrialisierter Länder angepasste und weiterentwickelte - Leitbild der Internationalen Arbeitsorganisation von „Decent Work“[3] („anständiger Arbeit“).

Als arbeitspolitisches Leitbild wurde der Begriff Gute Arbeit erstmals von der IG Metall Anfang der 1990er Jahre in die tarifpolitische Diskussion um eine „Tarifreform 2000“ eingebracht[4].

Angesichts umfassender betrieblicher Reorganisationsmaßnahmen in der deutschen Wirtschaft hatten sich die Gewerkschaften in den 1990ern auf eine Politik der Beschäftigungs- und Einkommenssicherung konzentriert. Das Thema Gute Arbeit kam damit erst im Jahr 2002 mit der IG-Metall-Tagung „Gute Arbeit – Menschengerechte Arbeitsgestaltung als gewerkschaftliche Zukunftsaufgabe“ wieder auf. Im Oktober 2003 wurde das bis dahin IG-Metall-Projekt Gute Arbeit als Querschnittsaufgabe für die gewerkschaftliche Interessenvertretung beschlossen.[5] Zu einem umfassenden Thema gewerkschaftlicher Arbeitspolitik wurde Gute Arbeit jedoch erst 2006, als beim DGB-Bundeskongress gemeinsame Anstrengungen für eine „humane und gute Arbeit“ beschlossen wurden. Dort wurde auch die Entwicklung des Index „Gute Arbeit“ eingeleitet.

Das gewerkschaftliche Leitbild Gute Arbeit[Bearbeiten]

Mit dem Leitbild werden verschiedene gewerkschaftliche Aufgaben verbunden:

  • Es gilt als Gegenkonzept zur Verhinderung von schlechter Arbeit, also gegen eine Verschlechterung bereits erreichter qualitativer Arbeitsstandards wie zum Beispiel Arbeitszeitverkürzung oder Gruppenarbeit, wie sie mit der Verbreitung prekärer Beschäftigungsbedingungen verbunden ist.
  • Gute Arbeit stellt auch ein Konzept dar, dass einseitigen Rationalisierungs- und Arbeitsplatzabbauvorhaben entgegengesetzt werden und bei der Gestaltung von Arbeitsbedingungen die Handlungsfähigkeit für Arbeitnehmervertretungen steigern kann.
  • „Last but not least“ wird Gute Arbeit als Zukunftskonzept gesehen, dass die gewerkschaftliche Politik aus der Defensive befreien und die soziale Phantasie der von geplanten Einschränkungen Betroffenen beflügeln soll.

Das Leitbild von Guter Arbeit stellt das Zukunftskonzept gewerkschaftlicher Arbeitspolitik in Deutschland dar.

Politik und Gesellschaft[Bearbeiten]

Der Begriff Gute Arbeit gewinnt auch im politischen und gesellschaftlichen Raum langsam an Bedeutung.

Auf Initiative der damaligen Bundesregierung haben sich im Mai 2002 Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Sozialversicherungsträger, Länder, Bund und Unternehmen in einer „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) zusammengefunden. Mit INQA sollen die sozialen Interessen der Beschäftigten an gesunden und gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen mit den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen verbunden werden.

In einer Entschließung des Europäischen Rates vom Mai 2007 hat die Europäische Union das Konzept von Guter Arbeit in ihre „Gemeinschaftsstrategie zu Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit für den Zeitraum 2007 bis 2012“ mit aufgenommen.

Im SPD-Grundsatzprogramm vom Oktober 2007 wurde Gute Arbeit in das neue SPD-Grundsatzprogramm aufgenommen.

Bei Kirchen und Sozialverbänden wird „Gute Arbeit“ als Konzept einer menschengerechten Arbeitswelt zunehmend diskutiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schröder, Lothar (Hrsg.); Urban, Hans-Jürgen. (Hrsg.): Gute Arbeit : Handlungsfelder für Betriebe, Politik und Gewerkschaften. Frankfurt a. M.: Bund, 2009. - ISBN 978-3-7663-3883-9.
  2. Zeitschrift »Gute Arbeit«
  3. Decent Work in der englischen Wikipedia
  4. Wiki Gute Arbeit des DGB
  5. Pickshaus, Klaus (Hrsg.): Kongress Gute Arbeit : eine bessere Arbeitswelt ist machbar ; Tagungsdokumentation Kongress 6.-7. Dezember 2006, Berlin. Frankfurth a. M.: Industriegewerkschaft Metall, 2007. S. 17 f