Gutenachtgeschichte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Gutenachtgeschichten allgemein. Zur Gutenachtgeschichte von Ulrich Plenzdorf, siehe dort.
Ein Vater liest seiner Tochter eine Gutenachtgeschichte vor

Gutenachtgeschichten (regional umgangssprachlich auch Betthupferl) sind kurze Erzählungen, die Kindern bis zu einem Alter von etwa 12 Jahren vor dem Einschlafen erzählt werden. In der Regel lesen die Eltern ihren Kindern diese Geschichten vor, mittlerweile findet man auch ein breites Angebot in anderen Medien, insbesondere Hörfunk und Fernsehen.

Mündliche Tradition[Bearbeiten]

Die Gutenachtgeschichte, Genrebild von Eduard Geselschap, Mitte des 19. Jahrhunderts
Die Gutenachtgeschichte, Genrebild von Felix Schlesinger, 19. Jahrhundert

Das Lesen einer Geschichte vor dem Einschlafen ist ein festes Abendritual in vielen jungen Familien. 90 % der Eltern lesen ihren Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren am Abend etwas vor. Bereits vor dem vierten Lebensjahr kommen 71 % der Kinder in den Genuss einer Gutenachtgeschichte. Auch bei älteren Kindern bis 12 Jahre, die selbst bereits lesen können, liegt der Anteil noch bei 60 %.[1] Auch Kinder können nicht „auf Knopfdruck“ abschalten und einschlafen. Feste, vertraute Rituale am Abend helfen ihnen, sich zu entspannen und besser einzuschlafen.

Der Begriff „Gutenachtgeschichte“ wurde durch Jella Lepman geprägt, die solche Geschichten sammelte, und ist etwa seit 1950 gebräuchlich.[2] Im Rahmen einer Studie wurde festgestellt, das abendliches Vorlesen den Grundstein zur optimalen Förderung eines Kindes legt und der entscheidende Beitrag zur Lesesozialisation ist.[3]

Elektronische Medien[Bearbeiten]

Hörfunk[Bearbeiten]

Der Sender Rot-Weiß-Rot hatte im Kinderfunk eine Gute-Nacht-Sendung vom Sandmännchen. Dieser Sender wurde geschlossen. („Tante Marga“) Marga Frank (* 1. September 1922 in Wien), ab 1945 bei der RAVAG, schrieb bis in die 1950er Jahre Kinder-, Mädchen- und Märchenbücher (1981 Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst - für ihr Lebenswerk), gefiel das Sand in die Augen streuen nicht so gut und, dass dann dem schlafenden Kind etwas erzählt werden soll. So entwarf sie die Figur des Traummännleins: Unter ihrer Verantwortung, doch ohne Nennung von Sprecher oder Autoren, darunter die bekannten Kinderbuchautorinnen Christine Nöstlinger, Mira Lobe und Käthe Recheis wurden 365 verschiedene Geschichten im Jahr gesendet.[4][5][6]

Seit dem 5. September 1955 gibt es, zuerst in der RAVAG (ab 1. Januar 1958 im ORF-Hörfunksender Ö Regional um 19:00 Uhr) die Sendung Das Traummännlein kommt. Die Titelmelodie Wiegenlied („Guten Abend, gut’ Nacht“) stammt von Johannes Brahms, arrangiert von Norbert Pawlicki. Die Geschichten stammen unter anderem von Werner Löw, Eleonore Zuzak, Sigrid Helting[7], Franz Stanzl, Evelyne Stein-Fischer, Leo Parthé und Jack Unterweger, gesprochen werden die Texte von Schauspielern wie Peter Gruber.[8][9][10][11][12]

Ab dem 19. Mai 1956 wurde auf Radio DDR I der Abendgruß „Der Sandmann ist da“ gesendet.[13]

Den Ohrenbär gibts auch noch.

Fernsehen[Bearbeiten]

Als Klassiker der Gutenachtgeschichte im Fernsehen gelten die beiden Sandmännchen-Sendungen im geteilten Deutschland zwischen 1959 und 1990. Seit 1991 gibt es Unser Sandmännchen in neuer Aufmachung in MDR, RBB und KiKA.

Im Schweizer Fernsehen wurde von 1986 bis 2006 das zehnminütige Guetnachtgschichtli ausgestrahlt. Seit Ende Februar 2012 wird es wieder ausgestrahlt.[14] Das rätoromanische Pendant Istorgia da buna notg wurde 2009 nach fast 40 Jahren eingestellt.[15]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle: eine repräsentative Umfrage bei 668 Männern und Frauen mit eigenen Kindern im Haushalt, darunter 298 Eltern mit Kindern im Alter bis 12 Jahre, durchgeführt im Auftrag des Apothekenmagazins Baby und Familie von der GfK Nürnberg.
  2. Christiane Schurian-Bremecker: Kindliche Einschlafrituale im Kontext sozialer und kultureller Heterogenität. 2008, S. 71.
  3. Christiane Schurian-Bremecker: Kindliche Einschlafrituale im Kontext sozialer und kultureller Heterogenität. 2008, S. 236.
  4. http://wien.orf.at/radio/stories/2547849/ Marga Frank in "Menschen im Gespräch" mit Bernd Matschedolnig, Radio Wien, 1. September 2012
  5. http://shop.orf.at/oe1/shop.tmpl?art=463 Das Traummänlein kommt, Die (17) besten Geschichten, CD
  6. http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20020829_OTS0052/mutter-des-traummaennleins-feiert-80-geburtstag--bild "Mutter des Traummännleins" feiert 80. Geburtstag
  7. http://members.chello.at/sigrid.helting/ Sigrid Helting, erste Veröffentlichungen
  8. http://www.nestroy.at/gruber/ Peter Gruber, Sprecher Traummännlein
  9. http://nyx.at/bikeboard/Board/showthread.php?30171-Das-Traumm%E4nnlein-kommt-Musik-gesucht Mozart A-Dur-Sonate KV331 und Autoren
  10. http://www.musiktreff.info/noten/9566-an-alle-osterreicher-suche-komponist-von-das-traummaennlein-kommt.html von Radio Wien (2010) vermuteter Komponist Komponist: Heinz Sandauer
  11. http://www.amazon.de/Das-Traummännlein-kommt-schönsten-Geschichten/dp/3705850261 Christina Marcik, Das Traummännlein kommt, Die schönsten Geschichten, Buch
  12. http://siela1.wordpress.com/2010/02/08/radiohorerin/ Siela, Radiohörerin, Hinweis auf Brahms
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGeburtsstunde. unser Sandmännchen. In: sandmaennchen.de. rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg, 11/09/2013 22:52:48, abgerufen am 9. November 2013 (deutsch).
  14. nzz.ch: Das «Guetnachtgschichtli» wird wieder eingeführt, 27. Februar 2012, Zugriff am 10. März 2012
  15. drs.ch: Romanische Gutenachtgeschichte wird abgeschafft, 2. November 2009, Zugriff am 10. März 2012