Gutium

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Gutium (akkadisch Kuti-im, Gutebu-um, babylonisch Gutu-um, Guti-u) ist die Bezeichnung des Landes Guti (Landbezeichnung im Singular, neuassyrisch Guti, neubabylonisch Quteu), einer Region im iranischen Hochland bzw. in den Tälern des Zagros-Gebirges. Nach anderer Auffassung ist der Name des Landes Kut, das angehängte /-ī/ die akkadische Nisbe und /-um/ der akkadische Nominativ. In der Form 'Kut-ī-um' wurde der Name dann ins Sumerische übernommen.[1] Über die Geschichte der Gutäer gibt es nur wenige Quellen.[2]

Ursprung[Bearbeiten]

Der namensgebende Gründer der Gutäer-Dynastie war Harhar.[3]

Um 2191 v. Chr. wanderten „Gutäer“, deren vorheriges Siedlungsgebiet sich nicht mit Sicherheit bestimmen lässt (angenommen wurde u. a. das nördliche Luristan),[2] in das Osttigrisland ein und übernahmen die Herrschaft in Akkad, die bis 2116 v. Chr. andauern sollte. Durch eine gemeinsame militärische Aktion von Sumer und Akkade wurden die ehemaligen Nomaden wieder in die Berge zurückgetrieben. Teilweise wurden sie in die Gesellschaft des Tieflandes eingegliedert, wie etwa in Aššur. Reliefs aus der Zeit um 1100 v. Chr. zeigen regelmäßige militärische Operationen gegen die Guti.

Die Lulubi (auch Lullubu oder Lullubäer), ein kriegerischer Stamm, sollen ebenfalls aus den Tälern des Zagros-Gebirges stammen und sind vermutlich zu den Gutäern zu rechnen.

Die Lage von Gutium wechselte im Laufe der Geschichte und bezeichnet jeweils die Bezirke, die nicht unter der Kontrolle der jeweiligen Herrscher standen. Insofern wird für Gutium keine feste Lage angenommen, sondern es wird als Synonym für Wanderndes Bergvolk verstanden. Quti oder Guti wird im ersten Jahrtausend generell für die Bewohner des iranischen Hochlandes verwendet.[4]

Bezeichnung Ethnikon Herrscher Quelle
Quti Šurgadäer Sargon I. Levine 1972, 38, II, 34
Quti Mannai Sargon I. 8. Feldzug
Quti Mannäer Assurhaddon Zadok 2002, 90
Quti Bīt-Sangibuti Tiglat-Pilesar II. Zadok 2002, 90
Quti Sunbu
Quti Allabria
Quti Namri
Quti Hubuškia
Quti Aššur-reš-iši I.
Guti Adad-Nirari III.

Ende[Bearbeiten]

Später werden die Gutäer von den Kassiten, dann von iranischen Stämmen verdrängt, schließlich verschwanden sie spurlos. Die geschichtliche Würdigung der Gutäer ist meist negativ. Nach Bottéro haben die Gutäer

„viel Zerstörung angerichtet, und soweit wir sehen, nichts Positives hinterlassen, nichts gebaut und nichts Eigenes nach Mesopotamien eingebracht.“

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Bottéro. In: Fischer Weltgeschichte Band 2. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt 2000.
  • Elena Cassin. In: Fischer Weltgeschichte Band 3. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt 2000.
  • Barthel Hrouda: Der Alte Orient. München 1991.
  • F. R. Kraus: Sumerer und Akkader, ein Problem der altorientalischen Geschichte. North-Holland Publishing Company, Amsterdam/London 1970.
  • Hans J. Nissen: Geschichte Alt-Vorderasiens. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56373-4
  • Hans Henning von der Osten: Die Perser. Emil Vollmer, 1966.
  • Wolfram von Soden: Einführung in die Altorientalistik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-07627-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. F. R. Kraus: Sumerer und Akkader, ein Problem der altorientalischen Geschichte. S. 92–93.
  2. a b Holle Welt- und Kulturgeschichte. Band I, Die ersten Hochkulturen / Urzeit bis 1200 v. Chr. Holle Verlag, Baden-Baden 1970, S. 378
  3. Hallo 1957, 711
  4. Ran Zadok: The Ethno-Linguistic Character of Northwestern Iran and Kurdistan in the Neo-Assyrian Period. In: Iran, 40, 2002, S. 90

3745.316666666667Koordinaten: 37° 0′ 0″ N, 45° 19′ 0″ O