Guxhagen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Guxhagen
Guxhagen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Guxhagen hervorgehoben
51.2013888888899.4827777777778225Koordinaten: 51° 12′ N, 9° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Höhe: 225 m ü. NHN
Fläche: 26,25 km²
Einwohner: 5238 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 200 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34302
Vorwahl: 05665
Kfz-Kennzeichen: HR
Gemeindeschlüssel: 06 6 34 008
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Zum Ehrenhain 2
34302 Guxhagen
Webpräsenz: www.guxhagen.de
Bürgermeister: Edgar Slawik (parteilos)
Lage der Gemeinde Guxhagen im Schwalm-Eder-Kreis
Kassel Landkreis Fulda Landkreis Hersfeld-Rotenburg Landkreis Kassel Landkreis Marburg-Biedenkopf Landkreis Waldeck-Frankenberg Vogelsbergkreis Vogelsbergkreis Werra-Meißner-Kreis Knüllwald Homberg (Efze) Frielendorf Schwarzenborn (Knüll) Neukirchen (Knüll) Oberaula Ottrau Schrecksbach Willingshausen Schwalmstadt Gilserberg Jesberg Neuental Bad Zwesten Borken (Hessen) Morschen Malsfeld Wabern (Hessen) Felsberg (Hessen) Spangenberg Melsungen Körle Guxhagen Edermünde Gudensberg Niedenstein FritzlarKarte
Über dieses Bild
Teile des Klostergeländes in der Breitenau, im Hintergrund Kirchturm und Teile der evangelischen Klosterkirche; von 1933 bis 1945 Konzentrationslager

Guxhagen ist eine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Guxhagen liegt etwa 13 km (Luftlinie) südlich der Kasseler Innenstadt zwischen den jeweils etwas entfernten Naturparks Habichtswald (etwa im Nordwesten) und Meißner-Kaufunger Wald (etwa im Nordosten) an der Mündung des kleinen Schwarzenbachs in die Fulda.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Guxhagen grenzt im Nordwesten an die Stadt Baunatal, im Norden an die Gemeinde Fuldabrück, im Nordosten und Osten an die Gemeinde Söhrewald (alle drei im Landkreis Kassel), im Süden an die Gemeinde Körle, im Südwesten an die Stadt Felsberg, sowie im Westen, mit der Fulda und der Eder als Grenze, an die Gemeinde Edermünde (alle drei im Schwalm-Eder-Kreis).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Guxhagen besteht aus diesen Ortsbezirken:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Besiedelung des Gebietes geht bis in die Jungsteinzeit zurück. In Ellenberg wurden zwei vorchristlich verzierte Menhire aus der Zeit 1800 v. Chr. entdeckt.

Guxhagen stand Jahrhunderte lang im Schatten des Klosters Breitenau. Das Kloster wurde im Jahr 1113 von dem hessischen Gaugrafen Werner IV. von Maden und dessen Frau Gisela in der Breitenau gegründet. 1119 bezogen der spätere Abt Drutwin und zwölf weitere Benediktinermönche aus dem Kloster Hirsau im Schwarzwald die ersten Klostergebäude in der „Breiten Aue“. Die Blütezeit des Klosters begann wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts und endete zum Anfang des 14. Jahrhunderts. Es besaß damals die Dörfer Guxhagen, Ellenberg und Büchenwerra sowie Grundbesitz und Einkünfte in fast 100 anderen Orten. Danach kam es zu Missständen und das Kloster verlor wieder an Besitz. Der im Jahre 1497 erfolgte Anschluss an die Bursfelder Kongregation brachte für das Kloster noch einmal einen kurzen Aufschwung, der dann mit der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen sein Ende fand. Ein Jahr nach der Homberger Synode wurde das Kloster 1527 aufgelöst. Es wurde Kammergut des Landgrafen Philipp I. Der bisherige Prior, Theobald Zabel (Cabel), wurde erster protestantischer Pfarrer zu Breitenau, zuständig für das nun evangelische Guxhagen.

Der Ort Guxhagen wurde erstmals in einer Urkunde vom 20. April 1352 als Kukushayn (Kuckuckshain) erwähnt. Ein Bewohner des Dorfes Kukushayn, Werner genannt Ruchfuz (Krähenfuß), übergab eine Hufe in der Gemarkung von Buchenwerde (Büchenwerra) mit allem Zubehör dem Kloster Breydenowe (Breitenau). Die Schreibweise des Dorfnamens wandelte sich im Laufe der Zeit: Kukushayn (1352), Guckishain (1357), Guckeshain (1399), Guczhan (1415), Kuckshain (1445), Guxhaene (1500), Guxgeshagen (1525), Guxhain (1579 sowie 1697) und Guxhagen (1579). Am 22. Juli 1357 wurde ein Streit über die Gerichtsbarkeit in Guxhagen und Ellenberg, die sich im Besitz des Klosters Breitenau befanden, beigelegt. Der Landgraf und sein Sohn einigten sich mit dem Abt des Klosters darauf, dass die Blutgerichtsbarkeit für beide Orte und das Kloster in der Hand des Landgrafen lag und in Guxhagen tagte, die Niedere Gerichtsbarkeit behielt der Abt des Klosters. Diese Regelung wurde später auch für Büchenwerra angewandt, als der Ort mehr oder weniger ganz in den Besitz des Klosters Breitenau übergegangen war.

Eine Kapelle wurde 1513 beim Oberhof gebaut. Guxhagen wurde mit der Auflösung des Klosters Breitenau im Oktober 1527 eine selbständige Gemeinde. Erste Angaben über die Einwohnerzahlen stammen aus dem Jahr 1579. Damals existierten 74 Haushaltungen. Eine Schule wird 1596 erstmals erwähnt.[2]

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1626 das ehemalige Kloster Breitenau durch Truppen des Feldherrn Johann t’Serclaes von Tilly geplündert. Drei Kirchglocken und die Bücherei wurden geraubt. Auch in Guxhagen fanden Plünderungen und Zerstörungen statt. Von 1637 bis 1640 fielen Kroatische Reiter unter Isolani ein. Als 1640 die Truppen von Octavio Piccolomini einfielen, blieben auf dem Klostergelände nur die Kirche, die Kapelle und die Steingebäude stehen. Alle anderen Gebäude wurden niedergebrannt. Die Klostergebäude dienten danach als Pferdestall und Getreidespeicher.

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 kam es erneut zu Zerstörungen. Der Gemeindewald Hundsforth wurde zur Hälfte abgeholzt und abgebrannt. Teile der Klosteranlage und Brücken wurden zerstört.

Ab 1840 wurden Wege zu den Nachbarorten mit Pflaster angelegt. Am 1. Juli 1845 wurde mit dem Bau der Eisenbahnstrecke (Main-Weser-Bahn) begonnen. Es wurde der belgische Ingenieur Frans Splingard verpflichtet. Man begann zuerst mit dem Bau des Tunnels (433 m) durch den Stiegberg. 1846 wurden beim Eisenbahnbau 7000 Arbeiter beschäftigt. Am 18. September 1848 wurde die Strecke zwischen Guxhagen und Bebra in Betrieb genommen. Die Strecke nach Kassel-Wilhelmshöhe wurde auf Grund des Brückenbaus in Guntershausen erst am 19. Dezember 1849 eröffnet. Der Bahnverkehr fand zuerst nur auf einem Gleis statt. Das zweite Gleis wurde 1873/74 gebaut.

1871 werden während des Deutsch-Französischen Krieges 750 französische Kriegsgefangene im Kloster Breitenau inhaftiert.

1883/84 wurde die Fuldabrücke zwischen den Ortsteilen von Guxhagen gebaut. Bis zum Bau der Fuldabrücke gab es als Verbindung zwischen beiden Ortsteilen einen Fährbetrieb und eine Furt. 1890 erhielt die Gemeinde die erste Apotheke. Der Wasserleitungsbau begann um 1900. 1914 wurde beim Kloster Breitenau eine neue Mühle gebaut, die mit zwei Turbinen ab 1916/17 Strom erzeugte und bis in die 1920er Jahre neben der Breitenau auch den anderen Teil Guxhagens mit Strom versorgte.

Von 1935 bis 1937 fand der Bau der Reichsautobahn, der heutigen Bundesautobahn 7, statt; eine offizielle Autobahnanschlussstelle erhielt Guxhagen aber erst am 20. Dezember 1973. Als am frühen Morgen des 31. März 1945 die ersten amerikanischen Panzer heranrückten, sprengten deutsche Pioniere die Autobahnbrücke über die Fulda und auch die Fuldabrücke in Guxhagen. Es wurden in Guxhagen zunächst ein Behelfssteg, später eine hölzerne Behelfsbrücke über die Fulda gebaut, die erst Ende des Jahres 1953 durch eine neue Brücke ersetzt wurde.

Die Gedenkstätte Breitenau erinnert an das ehemalige Konzentrationslager (1933–1934) und Arbeitserziehungslager Breitenau (1940–1945). Sie befindet sich in der ehemaligen Zehntscheune des Klosters auf dem Gelände des heutigen psychiatrischen Krankenhauses. Etwa jeder fünfte der insgesamt über 8000 Gefangenen im KZ Breitenau wurde in SS-Konzentrationslager deportiert. Schließlich wurden am Fuldaberg, nicht weit entfernt vom Lager in der Breitenau, noch in der Nacht des 29. und am frühen Morgen des 30. März 1945 (Gründonnerstag/Karfreitag) – einen Tag vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen – 28 Gefangene durch ein Erschießungskommando der Gestapo Kassel ermordet.

1964/65 wurde die Mittelpunktschule gebaut, die 1971 in eine Integrierte Gesamtschule umgewandelt wurde. 1971/72 wurde auch der erste Kindergarten gebaut. Eine Großsporthalle erhielt Guxhagen 1985. Mit dem Bau der Umgehungsstraße 1980/82 wurde eine neue Brücke über die Fulda, südlich der Klosteranlage, und eine Straße bis zum Guxhagener Friedhof gebaut, die die Orte Grifte, Guxhagen und Körle miteinander verbindet. 1990 wurde der Abschnitt vom Friedhof bis zum Stiegberg fertiggestellt. Die ICE-Schnellbahntrasse (Hannover–Fulda) wurde zwischen 1986 und 1991 westlich zwischen Guxhagen und Wollrode gebaut.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Albshausen, Büchenwerra, Ellenberg und Wollrode eingegliedert. Am 1. März 1971 kam Grebenau hinzu.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Gemeindevertreterwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
45,2 %
22,1 %
18,5 %
14,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,8 %p
-1,5 %p
-2,4 %p
+6,7 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 45,2 14 48,0 15
GL Gemeinschaftsliste Guxhagen 22,1 7 23,6 7
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 18,5 6 20,9 7
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 14,2 4 7,5 2
Gesamt 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 61,7 57,2

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der erste direkt gewählte Bürgermeister von Guxhagen war von 1994 bis 2003 Winfried Becker (SPD). Becker wurde nach seiner Amtszeit erster Kreisbeigeordneter des Schwalm-Eder-Kreises[4].

Auf Becker folgte der parteilose Edgar Slawik, der erstmals am 30. März 2003 gewählt wurde und am 2. November 2008 im Amt bestätigt wurde.

Kulinarisches[Bearbeiten]

In Guxhagen ist, wie auch in der umliegenden Region, die nordhessische Küche beheimatet. Speckkuchen und besonders die Fleisch- und Wurstwaren wie

Diese werden auch heute noch zum Teil bei privaten Hausschlachtungen hergestellt. Ebenfalls typisch und sehr beliebt sind die Schlachteessen, die in der Gemeinde angeboten werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Guxhagen liegt an der Bundesstraße 83 und der Bundesautobahn 7 (Kassel – Bad Hersfeld).

Die Gemeinde gehört dem Nordhessischen Verkehrsverbund an, der unter anderem ein Anrufsammeltaxisystem innerhalb der Großgemeinde anbietet. Der Bahnhof an der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn wird von der RegioTram Kassel sowie Nahverkehrszügen der cantus Verkehrsgesellschaft angefahren.

Durch das Gemeindegebiet führen folgende Radwanderwege:

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat eine Grund- und eine Gesamtschule. In Guxhagen und Ellenberg befinden sich Standorte der Gemeindebücherei.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeinde Guxhagen (Hrsg.): Guxhagen und die Söhre. Text: Jörg Adrian Huber, Fotos: Rolf Wagner. Wartberg, Gudensberg 1992.
  • Gemeinde Guxhagen (Hrsg.): 650 Jahre Guxhagen, 125 Jahre Gesangverein. Festschrift. 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guxhagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Wahrscheinlich wurde schon bald nach der Auflösung des Klosters eine Schule eingerichtet, um die Schulausbildung fortzuführen.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404 und 405.
  4. Bürgermeisterwahlen in Guxhagen