György Kurtág

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György Kurtág (2002)

György Kurtág [ˈɟørɟ ˈkurtaːɡ] (* 19. Februar 1926 in Lugos, Rumänien) ist ein ungarischer Komponist und Pianist.

Biographie[Bearbeiten]

György Kurtág siedelte 1946 nach Budapest über und studierte an der Franz-Liszt-Akademie Komposition bei Sándor Veress und Ferenc Farkas, Klavier bei Pál Kadosa und Kammermusik bei Leó Weiner. Von 1957 bis 1958 hielt er sich ein Jahr in Paris auf, wo er Kompositionskurse bei Darius Milhaud und Olivier Messiaen besuchte. Für seine kompositorische Entwicklung wurde aber während dieses Studienjahres die Begegnung mit der Psychologin Marianne Stein von entscheidender Bedeutung. Als Gast des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) lebte er 1971 ein Jahr in Berlin. 1973 erhielt er den Kossuth-Preis des Staates Ungarn. 1993 lud ihn das Wissenschaftskolleg zu Berlin für zwei Jahre als „Composer in residence“ der Berliner Philharmoniker ein. Es folgten ein- und zweijährige Aufenthalte in Wien (1995), Den Haag (1996) und Paris (1999). Im Jahr 1998 erhielt er den renommierten Preis der Ernst von Siemens Musikstiftung, 2001 den Friedrich-Hölderlin-Preis der Universitätsstadt Tübingen und 2009 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig [1] für sein Lebenswerk im Rahmen des 53. Internationalen Festivals für zeitgenössische Musik.

György Kurtág gilt heute neben György Ligeti als der bedeutendste ungarische Komponist nach 1945. Während Ligeti aber Ungarn nach dem Aufstand 1956 verließ und im Westen schnell zu einem gefeierten Komponisten wurde, blieb Kurtág zunächst in Budapest und unterrichtete 1967 bis 1986 an der dortigen Franz-Liszt-Musikakademie Klavier und Kammermusik. So blieb er lange als Komponist nur ein „Geheimtipp“ unter Eingeweihten. Erst Mitte der 70er Jahre begann seine Musik umfassender in Westeuropa bekannt zu werden. Heute werden seine Werke weltweit aufgeführt und liegen in diversen CD-Aufnahmen vor.

Die Musik Kurtágs ist geprägt von einer ähnlichen Verdichtung musikalischer Texturen, wie es für die Musik von Anton Webern kennzeichnend ist. Aber anders als bei Webern ist Kurtágs Sprache dabei spielerischer und assoziativer. Dennoch ist sie in ihrer oftmals radikalen Beschränkung und Konzentration durchdrungen von Erkenntnis und Vergeistigung, die bei Kurtág mit einem hohen Grad an Selbstzweifeln und einer überaus selbstkritischen Haltung einhergehen. Bemerkenswert sind diverse, mehr oder weniger versteckte und verschlüsselte Verweise in seinen Werken, so etwa in den Opuszahlen oder Titeln, beispielsweise mit op. 27 „…quasi una fantasia …“ an Beethoven oder mit op. 28 „Officium breve“ an Weberns Streichquartett mit gleicher Opuszahl. Zudem gibt es kompositorische Anspielungen in den zahllosen Widmungsstücken des Work in progress Játékok.

Auf Einladung von Walter Fink war er 2004 der 14. Komponist im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival. Er spielte unter anderem mit seiner Frau aus Játékok.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Orchester (mit Solisten)[Bearbeiten]

  • Violakonzert (1953–1954)
  • Vier Capriccios op. 9 nach Gedichten von István Bálint für Sopran und Kammerorchester
  • Grabstein für Stephan op. 15c für Gitarre und im Raum verteilten Instrumentengruppen
  • Messages de feu demoiselle R. V. Troussova (Botschaften der verblichenen R.V. Trussova) op. 17 für Sopran und Ensemble
  • … quasi una fantasia … op. 27, 1 für Klavier und Orchestergruppen
  • Doppelkonzert op. 27, 2 für Klavier, Violoncello und zwei Kammerensembles
  • Samuel Beckett: What is the word op. 30b für Alt und Kammerensemble
  • Stele op. 33 für großes Orchester
  • Messages op. 34 für Orchester
  • … Concertante … op. 42 für Violine, Viola und großes Orchester

Chor[Bearbeiten]

  • Omaggio a luigi nono op. 16 für gemischten Chor a cappella
  • Acht Chöre über Gedichte von Dezső Tandori op. 23 für gemischten Chor a cappella
  • Lieder der Schwermut und der Trauer op. 18 für gemischten Chor mit Instrumenten

Kammermusik mit Gesang[Bearbeiten]

  • Die Sprüche des Péter Bornemisza op. 7 für Sopran und Klavier
  • Four songs to poems by János Pilinszky op. 11 für Bass und Ensemble
  • Szenen aus einem Roman op 19 für Sopran, Violine, Kontrabass und Cymbal
  • Fragmente (nach Gedichten von Attila József) op. 20 für Sopran und Ensemble
  • Kafka-Fragmente op. 24 für Sopran und Violine
  • Drei alte Inschriften op. 25 für Sopran und Klavier
  • Requiem po drugu op. 26 für Sopran und Klavier
  • Friedrich Hölderlin: AN… op. 29 für Tenor und Klavier
  • Hölderlin-Gesänge op. 35 für Stimme und Instrumente
  • Einige Sätze aus den Sudelbüchern Lichtenbergs op. 37 für Sopran (mit oder ohne Instrumente)
  • Farewell für Sopran und Klavier

Kammermusik[Bearbeiten]

  • Streichquartett op. 1
  • Bläserquintett op. 2
  • Acht Duos op. 4 für Violine und Cymbal
  • Hommage a Mihály András op. 13 zwölf Mikroludien für Streichquartett
  • Hommage A R. Sch. Op. 15d für Klarinette, Viola und Klavier
  • Officium Breve op. 28 für Streichquartett
  • Ligatura – Message to Frances-Marie op. 31b für zwei Celli, zwei Violinen und Celesta
  • Signs, Games and Messages für Streicher (Work in progress)
  • 6 moments musicaux op. 44 für Streichquartett
  • Bagatellek (Bagatellen) op. 14/d für Flöte, Kontrabass und Klavier

Solowerke[Bearbeiten]

  • Acht Klavierstücke op. 3
  • Jelek op. 5 für Viola
  • Splitter op. 6c für Cymbal
  • Játékok für Klavier (Work in progress)
  • Hipartita op. 43 für Solovioline (Uraufführung: 2005)

Literatur[Bearbeiten]

  • György Kurtág, Musik der Zeit – Dokumentation und Studien Band 5, Boosey & Hawkes 1989, ISBN 3-87090-205-1.
  • Ulrich Dibelius: Ligeti und Kurtag in Salzburg Palladion Buch im Residenz Verlag, Zürich 1993, 102 S., Verlegerische Leitung: Michael P. Maegraith, Karl-Ulrich Majer, ISBN 3-7017-0845-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. György Kurtag erhält Goldenen Löwen
  2. https://www.zuercher-festspiele.ch/2010/festspielpreis/