Gyelpoi tenzhu

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Gyelpoi tenzhu ist in Dzongkha die Bezeichnung für Nationalhymne und die Standardbezeichnung für die Nationalhymne Bhutans. Die Hymne wurde zunächst entweder gyelpoi tenzhu oder gyel lu („Nationallied“) genannt. Mit der Komposition einer um 1996 entstandenen, offiziell als Nationallied anerkannten Weise kam diese Bezeichnung für die Nationalhymne nicht mehr in Betracht.

Entstehung[Bearbeiten]

1953 erließ König Jigme Dorje Wangchuk die Order, eine Nationalhymne für sein Reich zu komponieren. Text und Melodie sollten sich dabei am Vorbild der Hymnen Indiens und des Vereinigten Königreichs orientieren.

Melodie[Bearbeiten]

Aku Tongmi, der erste – in Indien ausgebildete – Kapellmeister des Landes komponierte die Melodie anlässlich eines Staatsbesuchs des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru im Jahr 1958. Das Arrangement dient den Königlichen Streitkräften noch heute als Grundlage für das Spielen der Hymne, obwohl Tongmis Version nicht beibehalten, sondern zwischenzeitlich mehrfach abgeändert wurde von zwei indischen Kapellmeistern: zum ersten Mal 1962 von Bajan Singh, danach noch weitere Male von H. Joseph.

Die kurze, sehr schlicht gehaltene und zweimal wiederholte Melodie geht zurück auf das Volkslied Thri nyampa med pa pemai thri („Der unveränderliche Lotusthron“), von dem sie sich in kleinen, aber deutlichen Details unterscheidet.

Text[Bearbeiten]

Ursprünglich hatte der Text der Nationalhymne zwölf Zeilen, die Dasho Gyaldon Thinley schrieb. Sie lauten frei übersetzt wie folgt:

Im südlichen Königreich, wo die Zypressen wachsen –
Der Hüter des Dharma der zwei Wahrheiten,
Der König des Druk, der edle Monarch –
Möge sein Wesen beständig sein, sein Lotusfuß standfest!
Die Weisheit seines Herzens wächst,
Die Werke der geistlichen und staatlichen Traditionen erblühen,
Während die glorreiche Macht dem Himmel gleicht.
Möge das Volk blühen und gedeihen!
Im Drukpa-Königreich des unübertrefflichen Dharma
Erblühen die Lehren der Erleuchtung.
Leid, Hunger und Zwietracht schwinden.
Möge die Sonne des Friedens und des Glückes erscheinen!

Der Text war aufgrund seiner Länge allerdings schwer zu vertonen. Mit Billigung des Königs kürzten daher Dasho Shingkhar Lam, Sekretär des Königs, und sein Berater Dasho Sangay Dorji den Text um 1964 auf sechs Zeilen. Vor allem wurde dabei das Wort lho durch druk ersetzt.

Wortlaut[Bearbeiten]

Dzongkha

འབྲུག་ཙན་དན་བཀོད་པའི་རྒྱལ་ཁབ་ནང་
དཔལ་ལུགས་གཉིས་བསྟན་སྲིད་སྐྱོང་བའི་མགོན་
འབྲུག་རྒྱལ་པོ་མངའ་བདག་རིན་པོ་ཆེ་
སྐུ་འགྱུར་མེད་བརྟན་ཅིང་ཆབ་སྲིད་འཕེལ་
ཆོས་སངས་རྒྱས་བསྟན་པ་དར་ཞིང་རྒྱས་
འབངས་བདེ་སྐྱིད་ཉི་མ་ཤར་བར་ཤོག་


Transkription (nach englischem Lautprinzip)

Druk tsendsen keipi gyelkhap na
Pyel loog nig tensi chongwei gyen
Druk gyelpo ngadak rinpoche
Koo jurmey tyentsing chap tsid pyel
Che sangye tyenpa darshing gyel
Bang dyekyed nyima shar warra sho.


Deutsch (freie Übersetzung)

Reich des Druk, wo die Zypressen wachsen,
Hort der glorreichen geistlichen und staatlichen Traditionen!
Der König des Druk, der edle Monarch,
Sein Wesen ist ewig, seine Herrschaft segensreich!
Die Lehre von der Erleuchtung blüht und gedeiht!
Möge das Volk leuchten wie die Sonne des Friedens und des Glückes!


Kuriosa[Bearbeiten]

  • Interessanterweise gibt es für die Nationalhymne auch eine vom Komponisten entworfene Tanzchoreographie, die allerdings selbst den wenigsten Bhutanern bekannt ist.
  • Außergewöhnlich für eine Nationalhymne ist ferner, dass sich ihre Instrumentalfassung und die Gesangsmelodie erheblich voneinander unterscheiden.
  • Beim Singen soll die rechte Hand zum Gruß erhoben werden.

Literatur[Bearbeiten]

Veröffentlichungen, in denen die Nationalhymne mit Text und Melodie erscheint:

  • W. L. Reed, M. J. Bristow: National Anthems of the World. 10. Aufl., London: Cassell, 2002. ISBN 0-304-36382-0.
  • M. J. Bristow: National Anthems of the World. 11. Aufl., London: Weidenfeld & Nicolson, 2006. ISBN 0-304-36826-1.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Bei der Aufnahme handelt es sich um eine qualitativ schlechte Version einer beim Label Marco Polo erschienenen Einspielung des Slovak Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Peter Breiner. Vom Dirigenten stammt auch das Arrangement, das sich vermutlich auf W. L. Reeds Bearbeitung für Klavier in National Anthems of the World (10. Auflage) stützt und wahrscheinlich nicht korrekt ist. Die 11. Auflage gibt zumindest ein anderes Arrangement wieder, dessen Autor nicht genannt wird.