Hatschek

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Dieser Artikel behandelt das diakritische Zeichen. Zu anderen Bedeutungen siehe Hatschek (Begriffsklärung).
Diakritische Zeichen
Akut ( ´ )
Breve ( ˘ )
Breve darunter (   ̮ )
Cédille ( ¸ )
übergesetzte Cédille
Doppelakut ( ˝ )
Doppelgravis
Gravis ( ` )
Haken
Hatschek ( ˇ )
Horn
untergesetztes Komma (   ̦ )
Kroužek ( ˚ )
Makron ( ¯ )
Unterstrich
Mittelpunkt ( · )
Ogonek ( ˛ )
Punkt darunter
Schrägstrich ( / )
Tilde ( ~ )
Trema ( ¨ )
Zirkumflex ( ˆ )
Ǎǎ Čč Ďď
Ěě Ǧǧ Ȟȟ
Ǐǐ ǰ Ǩǩ Ľľ
Ňň Ǒǒ Řř
Šš Ťť Ǔǔ
Ǚǚ Žž Ǯǯ

Der[1][2] (auch das[3]) Hatschek (tschechisch háček, Häkchen, Diminutiv zu hák Haken; slowakisch mäkčeň; obersorbisch hóčka[4]; niedersorbisch kokulka[5]; slowenisch strešica, ugs. klinček; kroatisch kvačica; finnisch hattu; polnisch daszek; serbisch квака), auch Caron genannt, ist ein diakritisches Zeichen zur Kennzeichnung einer besonderen Aussprache oder Betonung eines Buchstabens. Es ist ein nach oben offener Winkel (umgekehrtes Dach) über dem Buchstaben, das optische Gegenstück zum Zirkumflex. Im Gegensatz zum ähnlich aussehenden Breve ist es spitz, nicht rund.

Der Hatschek geht auf das Werk Böhmische Orthographie aus dem Jahr 1406 zurück, das Jan Hus zugeschrieben wird[1].

Verwendung[Bearbeiten]

  • Das Zeichen Hatschek kommt u. a. in lateinisch geschriebenen west- bzw. südslawischen Sprachen (z. B. Tschechisch, Slowakisch, Sorbisch bzw. Slowenisch, Kroatisch, Bosnisch) vor, um eine Lautverschiebung hin zu einem Gaumenlaut (Palatalisierung) in der Orthographie anzuzeigen. Das Polnische kennt dafür ein ähnlich aussehendes Zeichen, nämlich das ż, verwendet aber ansonsten zur Kennzeichnung der Palatalisierung nur Buchstabenverbindungen (CZ, SZ, RZ).
  • Auch in nicht-slawischen Sprachen wie Lettisch, Litauisch (baltische Sprachen) und Samisch findet dieses Zeichen Verwendung – es wurde aus den westslawischen Sprachen übernommen. Doch auch im Finnischen und Estnischen tritt das Zeichen in einigen Fremd- und Lehnwörtern auf.
  • Daneben wird ein Hatschek auch bei der wissenschaftlichen Transliteration nicht auf dem lateinischen Alphabet basierender Schriften verwendet, z. B. Kyrillisch, Hebräisch.
  • Für die offizielle Lautumschrift des Hochchinesischen (Pinyin) wird das Zeichen verwendet, um den dritten Ton (fallend-steigend) zu verdeutlichen (siehe Töne des Hochchinesischen).
  • In modernen Druckschriften wird das Zeichen auf dem Großbuchstaben L sowie auf den Kleinbuchstaben d, l und t häufig in einer Form ähnlich einem Komma rechts oben neben dem Grundzeichen dargestellt.

Darstellung auf dem Computer[Bearbeiten]

Zeichensätze[Bearbeiten]

Im Zeichensatz ASCII kommt Hatschek nicht vor. In den Zeichensätzen der ISO 8859-Familie kommen ausgewählte Zeichen mit Hatschek vor.

Unicode enthält weitere fertig zusammengesetzte Zeichen mit Hatschek und kann beliebige Zeichen mit Hatschek durch Nachstellen eines kombinierenden Hatscheks darstellen:

ˇ Hatschek Unicode U+02C7 (HTML: ˇ)
Ǎ ǎ A mit Hatschek Unicode U+01CD, U+01CE
Č č C mit Hatschek Unicode U+010C, U+010D
Ď ď großes D mit Hatschek Unicode U+010E
Ě ě E mit Hatschek Unicode U+011A, U+011B
Ǧ ǧ G mit Hatschek Unicode U+01E6, U+01E7
Ȟ ȟ H mit Hatschek Unicode U+021E, U+021F
Ǐ ǐ I mit Hatschek Unicode U+01CF, U+01D0
ǰ kleines j mit Hatschek Unicode U+01F0
Ǩ ǩ K mit Hatschek Unicode U+01E8, U+01E9
Ľ ľ L mit Hatschek Unicode U+013D, U+013E
Ň ň N mit Hatschek Unicode U+0147, U+0148
Ǒ ǒ O mit Hatschek Unicode U+01D1, U+01D2
Ř ř R mit Hatschek Unicode U+0158, U+0159
Š š S mit Hatschek Unicode U+0160, U+0161
Ť ť großes T mit Hatschek Unicode U+0164
Ǔ ǔ U mit Hatschek Unicode U+01D3, U+01D4
Ž ž Z mit Hatschek Unicode U+017D, U+017E
Ǚ ǚ U mit Trema und Hatschek Unicode U+01D9, U+01DA
Ǯ ǯ Ʒ mit Hatschek Unicode U+01EE, U+01EF
Dž dž DZ (Ligatur aus D und Z) mit Hatschek Unicode U+01C4, U+01C5

Es ist zu beachten, dass diese Codes auch dann verwendet werden, wenn das Hatschek auf d, l, L und t in Kommaform dargestellt wird. Keinesfalls ist der ähnlich aussehende Apostroph zu verwenden.

Eingabe[Bearbeiten]

Unter Linux und BSD können in neueren Versionen von X.org Zeichen mit dem Hatschek durch die Tastenfolge Kompositionstaste, C, Buchstabe eingegeben werden, ě also durch Kompositionstaste, C, E. Das c stammt von der englischen Bezeichnung Caron.

Alt Gr+Umschalttaste+ä ist mit ˇ belegt, das, wenn es als Tottaste eingestellt ist, die Erstellung von Buchstaben mit Hatschek erlaubt.

Die Neo-Tastaturbelegung ermöglicht die direkte Eingabe über eine Tottaste, die man mit + Tottaste 1 erreicht. ě wird also durch + Tottaste 1, E erzeugt.

Eine weitere Möglichkeit in Windows-Programmen ist, bei durchgängig gedrückter Alt-Taste den Dezimalcode des Zeichens auf dem Nummernblock einzugegeben. Nach Loslassen der Alt-Taste erscheint das gewünschte Zeichen. Beispiel: Č durch Alt+268.

TeX und LaTeX[Bearbeiten]

TeX und LaTeX können beliebige Zeichen mit Hatschek darstellen. Es gibt dazu zwei verschiedene Befehle

  • im Textmodus für den Textsatz erzeugt \v{a} ein ǎ (Mit \usepackage[T1]{fontenc} oder \usepackage[Czech]{babel} werden auch l, d und t richtig akzentuiert.)
  • im mathematischen Modus für den Formelsatz erzeugt \check a die Formel \check a

Übertragene Bedeutung[Bearbeiten]

Während der Zeit zwischen 1850 und 1910 kamen unter anderem viele Tschechen nach Wien – oft als einfache Arbeiter, viele davon als so genannte „Ziegelbehm“ – was die österreichische Sprache, insbesondere das Wienerische, beeinflusste. Ebenso wurden die in Wien vorkommenden Familiennamen beeinflusst, was vom Kabarettisten Georg Kreisler um 1960 in seiner Telefonbuchpolka thematisiert wurde.

So sagt man noch heute umgangssprachlich in Wien „Mach deinen Hatschek drunter“, wenn man jemanden auffordert, mit seinem Monogramm oder seiner Unterschrift einen Text zu unterzeichnen,[6] obwohl auch die meisten slawischen Namen ohne Hatschek geschrieben werden. Es wird synonym zur Aussage „Mach deine drei Kreuze drunter“ verwendet.

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b  Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. Digitale Bibliothek Band 34. Directmedia, Berlin 2000, S. 3710.
  2. Österreichisches Wörterbuch. Herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks. 40. Auflage. Wien 2006. ISBN 978-3-209-05511-8. Seite 299.
  3.  Duden – Die deutsche Rechtschreibung. Aktualisierte Online-Ausgabe. Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1999-2009.
  4. Deutsch-Obersorbisches Onlinewörterbuch
  5. Deutsch-Niedersorbischen Onlinewörterbuch
  6. at-de : Hatschek - Unterschrift, auch Monogramm-Kürzel, ostarichi.org, Aufruf: 15. Jänner 2008