Hämmerli (Waffenhersteller)

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Hämmerli war ein Schweizer Waffenhersteller mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall. Seit 2006 ist Hämmerli eine Marke der Firma Umarex in Arnsberg.[1] Produktion und Kundendienst für Hämmerli-Waffen liegen bei Walther in Ulm.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1863 von dem Schlossermeister Johann Ulrich Hämmerli (1824–1891) in Lenzburg gegründet[3]. Ab 1863 wurde die Eidgenössische Militärverwaltung beliefert.[4] Sein Sohn Jeanot übernahm als Büchsenmacher 1876 zusammen mit Johann Hausch die Firma. So firmierte das Unternehmen unter Hämmerli & Hausch und ab 1921 als Rudolf Hämmerli & Co.[5] Nach dem Tod des Inhabers Rudolf Hämmerli (1886–1946) wurde das Unternehmen 1946 zur Hämmerli & Co. AG, 1971 wurde es von der Schweizerischen Industrie Gesellschaft (SIG) übernommen.[5] Im Jahr 2000 wurde die Waffensparte der SIG an die Lüke- und Ortmeier-Holding verkauft[6] und im gleichen Jahr Hämmerli als eigenständige Gesellschaft wiedergegründet.[7] Die neue Hämmerli AG zog dann im Jahr 2001 von Zug an den Produktionsstandort in Lenzburg[8] und wurde 2003 nach Neuhausen am Rheinfall verlegt.[9]. Der Standort Lenzburg wurde aufgegeben und die Gebäude auf dem traditionsreichen, 25000 m² grossen Gelände in eine andere Nutzung überführt[10][11][12]. Die Firma Hämmerli fusionierte 2006 mit der SAN Swiss Arms AG und Umarex übernahm im gleichen Jahr von der Lüke- und Ortmeier-Gruppe die Marke Hämmerli.[13]

Bekannt wurde Hämmerli durch den Bau von präzisen Sportwaffen für die Disziplinen Freie Pistole und Sportpistole mit denen eine Vielzahl an nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen wurden[14]. Vor diesem Hintergrund wurden die produzierten Sportwaffen auch in eine Verbots-Ausnahmeliste für olympische Sportwaffen des kalifornischen Department of Justice aufgenommen[15]. Die bekannteste Modellserie des Unternehmens ist die gemeinsam mit Walther entwickelte Automatikpistole Hämmerli-Walther. Deren Entwicklung geht auf ein Lizenzabkommen vom März 1950 zurück, nach dem von Walther das Know-How für die Entwicklung automatischer Waffen an Hämmerli weitergegeben wurde.[16] Bis in die 1960er Jahre zahlte Hämmerli aufgrund des Abkommens Tantiemen an Walther.[16] Neben Feuerwaffen entwickelte und baute Hämmerli in Tiengen auch Druckluftwaffen, mit denen bei Meisterschaften in den 1960er Jahren wiederholt große Erfolge erzielt wurden[17][18]

Produkte[Bearbeiten]

Sportwaffen[Bearbeiten]

  • Hämmerli Master
  • Hämmerli 120
  • Hämmerli 150/152 Electronic
  • Hämmerli 160/162
  • Hämmerli 208
  • Hämmerli 212
  • Hämmerli 215
  • Hämmerli 280
  • Hämmerli SP20
  • Hämmerli x-esse
  • SIG Hämmerli P240
  • Hämmerli CR20 s
  • Hämmerli AR20

Militärwaffen[Bearbeiten]

Hämmerli stellte auch Komponenten wie z.B. Läufe oder Ersatzteile für das Sturmgewehr 90 der Schweizerischen Armee her.

Polizeiwaffen[Bearbeiten]

Im Jahr 1956 wurde in Tiengen die »Hämmerli GmbH Tiengen« als Zweigniederlassung gegründet, um in der damaligen EWG sowie im EFTA-Raum tätig werden zu können. Ab 1979 wurde die Produktion von Verschlüssen und Ersatzteilen für die SIG-Sauer-Pistolen P220 und P225 aufgenommen. Diese von der SIG-Neuhausen entwickelten Waffen mit dem Kaliber 9 mm Parabellum, wurden von der damaligen Tochtergesellschaft J. P. Sauer & Sohn unter Mitwirkung der Hämmerli GmbH Tiengen hergestellt und sind weiterhin als Dienstwaffen bei deutschen Landespolizeien im Einsatz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Diethard Klein (Übersetzer), Feuerwaffen, Textbearbeitung von Dr. Burkhard Busse und Alex Buchner, Moewig Verlag, 1991, ISBN 3-8118-8563-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hämmerli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte der Firma Hämmerli bei www.muzzle.de
  2. Hinweis auf den Kundendienst für Hämmerli-Waffen auf der Hilfeseite von Walther
  3. Hämmerli-Katalog 2003
  4. http://www.swords-and-more.de/index.php?id=353&L=3%7CGeschäftliche Homepage
  5. a b  Ian V. Hogg, John Weeks, John Walther: Hämmerli. In: Pistols of the World. David & Charles, 2004, ISBN 9780873494601, S. 149-153.
  6. Internet-Auszug zur S.J.S.W. Schweizer Jagd- und Sportwaffen AG im Handelsregister des Kantons Zug, abgerufen am 6. April 2013
  7. Internet-Auszug zur Hämmerli AG im Handelsregister des Kantons Zug, abgerufen am 6. April 2013
  8. Internet-Auszug zur Hämmerli AG im Handelsregister des Kantons Aargau, abgerufen am 6. April 2013
  9. Internet-Auszug zur Hämmerli AG im Handelsregister des Kantons Schaffhausen, abgerufen am 6. April 2013
  10. Ehemaliges 40kW Wasserkraftwerk der Firma Hämmerli in Lenzburg von 1918
  11. Artikel in der Aargauer Zeitung über das Montessori-Kinderhaus auf dem Hämmerli-Areal in Lenzburg
  12. Fotos vom Hämmerli-Areal in Lenzburg auf der Website der Firma MITAC, abgerufen am 6. April 2013
  13. Pressemeldung der Carl Walther GmbH
  14. Bericht zur Freien Pistole Modell 152 Electronic und zu Erfolgen mit Hämmerli-Sportwaffen
  15. Roster of exempted olympic competition pistols. (PDF; 27 kB)
  16. a b Hoggs et al.: Pistols of the World. S. 151.
  17. Hämmerli Werbung von 1965 für Sportwaffen.
  18. Hämmerli Werbung von 1965 für CO2-Sportpistolen.