Hélène Dutrieu

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Hélène Dutrieu

Hélène Dutrieu (* 10. Juli 1877 in Tournai, Belgien; † 27. Juni 1961 in Paris), genannt Das Falkenmädchen, war eine belgische Pilotin und Pionierin der Luftfahrt.

Leben[Bearbeiten]

Hélène Dutrieu war die Tochter eines belgischen Armeeoffiziers. Ihre Karriere begann sie als Rennrad- und Kunstradfahrerin. 1896 wurde sie erste Weltmeisterin im Radrennsport. Berühmt wurde sie 1903 mit ihrer Zirkus- und Varieténummer „Der menschliche Pfeil“, einer Radsensationsnummer, die mehrere Meter freien Fluges beinhaltete. Ihre Konkurrentin war die französische Sensationsartistin Mauricia de Thiers, die zur selben Zeit mit ihrer „Autobolide“ große Erfolge feierte. Die erfolgreiche Artistin Dutrieu bleibt aber auch ihrer Leidenschaft fürs Theater treu und arbeitet als Schauspielerin. Dabei erkennt die Belgierin in ihrer artistischen Arbeit und der der Schauspielerin durchaus Parallelen. Dass die Inszenierung der Sensationsnummern in Zirkus oder Varieté dramatisch ist und eine große Emotionalisierung des Publikum erreicht, bestätigt die Schilderung eines Zeitzeugen:

Erinnern Sie sich noch an den ‚menschlichen Pfeil‘, diesen Schauder, die Angst, dieses Grauen, diese Raserei? Eine unterbrochene Spur, das sich unterbrechende Orchester, der unermeßliche Sprung ins Leere – und das entfesselte Publikum, die freigelegten Nerven, schreiend, brüllend, jubelnd, während auf der anderen Seite (…), die Wangen etwas blass, doch mit unbewegter Stirn, eine winzige Ephebe winkte und lächelte.[1]

Bald entdeckte Hélène Dutrieu ihre Liebe zur Fliegerei. 1908 flog sie zum ersten Mal (ohne Flugstunden) eine Santos-Dumont vom Typ Demoiselle – und machte eine Bruchlandung. Anschließend beschloss sie, das Fliegen richtig zu lernen und kurz nach Raymonde de Laroche in Frankreich erwarb sie 1910 den Pilotenschein des Aéro Club de Belgique. Im September desselben Jahres erregte sie durch einen Nonstop-Flug über 45 km von Ostende nach Brügge die Aufmerksamkeit des Publikums.

Bei einem Wettflug 1911 in Florenz gewann sie – als einzige weibliche Teilnehmerin des Rennens – den begehrten Pokal des italienischen Königs. Im Herbst dieses Jahres nahm sie am Nassau-Boulevard Flugtag in den USA teil, wo sie im Dauer-Wettflug einen Preis gewann. Am 31. Dezember stellte sie in 2 Stunden 58 Minuten einen neuen Streckenweltrekord für Frauen auf (254 km). In den Jahren 1910 und 1911 gewann sie außerdem den Coupe Femina.

Für ihre fliegerischen Leistungen wurde sie 1913 zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.

Als eine der wenigen Frauen war Hélène Dutrieu im Ersten Weltkrieg im Einsatz: Sie war Mitglied der Pariser Luftwache, die die Hauptstadt vor Angriffen deutscher Flugzeuge und Militärluftschiffe schützen sollte.

Nach dem Krieg wurde sie Ambulanzfahrerin. 1922 heiratete sie einen Franzosen und nahm die französische Staatsbürgerschaft an. Im Zweiten Weltkrieg leitete sie ein Militärhospital.

Fliegerische Leistungen[Bearbeiten]

Hélène Dutrieu (ca. 1911)
  • Erste belgische Pilotin
  • 19. April 1910: Erste Frau der Welt, die einen Passagier flog
  • 1910: Weltrekord im Langstreckenflug mit einem Passagier (45 km in 40 Minuten)
  • 1911: Erste Frau, die über eine Stunde in der Luft blieb (1 Std. 11 Min.) (sie überbot diesen Rekord kurz darauf selbst wieder mit 2 Std. 45 Min.)
  • 1910–11: Diverse Etappensiege im Coupe Femina (den Coupe gewann Marie Marvingt)
  • 1914–18: Erste Frau in der Pariser Luftwache

Literatur[Bearbeiten]

  • Gertrud Pfister: Fliegen – ihr Leben. Die ersten Pilotinnen. Orlanda, Berlin 1989. ISBN 3-922166-49-0
  • Ernst Probst: Königinnen der Lüfte. Biographien berühmter Fliegerinnen. Probst, Mainz 2002, ISBN 3-935718-76-4. 104 S., zahlr. Ill.
  • Stephanie Haerdle: Keine Angst haben, das ist unser Beruf! Kunstreiterinnen, Dompteusen und andere Zirkusartistinnen. AvivA, Berlin 2007, ISBN 978-3-932338-29-8, S. 186–191.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hélène Dutrieu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adrian: Attractions Sensationnelles. Les ‹Casse-Cou› du Cirque et du Music-Hall. Bourg-La-Reine 1962