Höchstes Gut

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Höchstes Gut oder Ziel (lateinisch summum bonum, griechisch τὸ ἀγαθόν) ist dasjenige Gut, dem unbedingter Wert beigelegt wird. Daher wird es in der philosophischen Ethik auch als letzter Zweck des moralischen Handelns angesehen, als höchster handlungsleitender Wert und höchstes Ziel.

„Das höchste Gut ist dagegen ein scheinbares, wenn der vermeintlich unbedingte Wert nur bedingt, dagegen das wahre, wenn er wirklich unbedingt ist. Jenes ist bei dem Nützlichen der Utilitaristen und bei dem Sinnlich-Angenehmen der Eudämonisten, dieses bei dem Schönen der Idealisten (Ästhetiker) und dem Guten der Moralisten (Ethiker) der Fall. Das Schöne überhaupt und das Gute als Willensschönes sind einander verwandt; jenes bildet den weitern, dieses den engern Begriff, da zwar das Gute stets schön, aber nicht alles Schöne gut sein muss. Realisierung des Schönen ist Kunst, die des Guten Sittlichkeit; jene findet im Kunstwerk, diese im Charakter Verwirklichung. Wirkung der Kunst ist Genuss, der Sittlichkeit Seligkeit; Folge des künstlerischen Schaffens für den Künstler Beseligung, des sittlichen Handelns für den Tugendhaften Selbstzufriedenheit.“ (Meyers Konversationslexikon)

Griechische Philosophie[Bearbeiten]

  • Aristoteles spricht vom höchsten Gut als einem Prinzip, nach dem die Normen des menschlichen Handelns zu rechtfertigen sind. Er sieht es im glückseligen Leben verwirklicht (Nikomachische Ethik). Mit dieser Auffassung gilt er als der Begründer des Eudämonismus.
  • Platon: „Nicht das Leben ist das höchste Gut, sondern das gute Leben. ‚Gut‘ leben ist soviel wie ‚edel und gerecht‘.“ (Idee des Guten)
  • Demokrit bezeichnet die Wohlgemutheit (Euthymia) als das höchste Gut.
  • Epikur sieht das höchste Ziel menschlichen Daseins in der gelassenen Lust (hedoné oder voluptas).

Römische Philosophie[Bearbeiten]

Ethik[Bearbeiten]

Ethik als philosophisches Fach reflektiert drei Handlungsstrukturelemente:

  • den Tatbestand einer Handlung (z. B. Bürgerkrieg gegen Tyrannen),
  • die Handlungsfolgen (Güterabwägungsstheorie): ob oder unter welchen Bedingungen die schlechten Folgen einer Handlung in Kauf zu nehmen sind, damit ein guter Handlungszweck überhaupt erfüllt werden kann („Die Theorie der Güterabwätung bildet das Kernstück einer jeden Etik.“[1]) und
  • das höchste Gut (höchste Ziel/Zweck) von Handlungen, das allererst mögliche gute Handlungszwecke normiert (als gut erscheinen lässt), da „jede umfassende Güterabwägung erfordert, dass es [...] ein Gut“ geben muss, das anderen „Gütern als Maßstab der Abwägung gelten kann“[2] – weil anders (ohne ein höchstes Gut) Güterabwägungen nicht allgemein einsichtig dargestellt werden können, sondern (vom ersten unbestimmten Glied her) beliebig oder different sind. Somit ist außer der Güterabwägungstheorie die Begründung des höchsten Gutes eine wesentliche Aufgabe der Ethik. „Für die menschliche Person bedeutet das ethisch höchste Gut zugleich auch das Lebensziel, das allem Sinn gibt. Es beantwortet die identitätsstiftende Frage nach dem Lebenssinn.“[3] In der Ethik werden z. B. folgende Bestimmungen des höchsten Gutes diskutiert:
    • dass jede Person nie in einer Handlung als Mittel zu einem Zweck gebraucht, der nicht im Interesse der Person liegt (Selbstzwecklichkeit des Menschen, Personwürde) oder
    • das Glück der größtmöglichen Zahl oder
    • die Lebensentfaltung aller auf die Dauer und im Ganzen.

Christlicher Kontext[Bearbeiten]

Im christlichen Kontext ist der Terminus höchstes Gut in der Regel ein Synonym für Gott bzw. Jesus Christus und die sakramentale und ewige Gemeinschaft mit ihm. In diesem Sinne können Johannes Olearius’ (1611–1684) Kirchenlied „Gott ist mein allerhöchstes“ und Johann Sebastian Bachs Kantate Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, BWV 113.

Für Thomas von Aquin ist das höchste Gut allein die ewige Glückseligkeit, die – im jenseitigen Leben – durch die unmittelbare Anschauung Gottes erreicht werden kann. Es zeigt sich daran der Primat der Erkenntnis vor dem Wollen. Andererseits wandte sich die christliche Theologie immer gegen die im Averroismus weiterverbreitete Vorstellung, in der intellektuellen Betätigung das höchste Gut zu sehen.

Kant[Bearbeiten]

„Höchstes Gut im ethischen Sinn ist daher nach Kants richtiger Bemerkung weder Sittlichkeit noch Glückseligkeit für sich, sondern beider Vereinigung, Einssein von Tun und Sichfreuen des Guten, im weitern, ästhetischen Sinn aber weder kunstmäßiges Schaffen noch künstlerisches Genießen getrennt, sondern die Einigung beider, Einssein von Schaffen und Sichfreuen des Schönen.“ (Meyers Konversationslexikon)

Kant und die von Kant abhängige Deontologische Ethik identifiziert also das „höchste Gut“ mit Tugend und Pflicht. Glückseligkeit als höchstes Gut erkennt Kant dann an, wenn wir sie für die anderen anstreben. Für sich selbst ist nur die Sittlichkeit allein Maßstab.

Nachkantischer Subjektivismus[Bearbeiten]

Die subjektivistische Ethik, insbesondere der Eudämonismus und der Utilitarismus, verweltlicht das Summum bonum zunehmend. Wird es zunächst noch mit dem höchsten Glück identifiziert, wurden alsbald einerseits ethische Grundbegriffe wie zum Beispiel (Entscheidungs-)Freiheit, Menschlichkeit oder Menschenrechte, aber auch abstrakt-individuelle Werte wie zum Beispiel Gesundheit, Trinkwasser, Lebensqualität, Umwelt, Sicherheit, öffentliche Wertschätzung als „höchstes Gut“ gesehen bzw. bezeichnet. Sowohl viele Vertreter der Lebensphilosophie wie auch des Nihilismus versuchten, das Leben als solches als höchstes Gut zu fassen.

Außereuropäische Philosophie[Bearbeiten]

In der außereuropäischen antiken Philosophie ist das Buch Laozis über das höchste Wesen und das höchste Gut erwähnenswert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Er Li: Lao-tszes Buch vom höchsten Wesen und vom höchsten Gut (Tao-tĕ-king). Tübingen 1910
  • Kenneth E. Kirk: The vision of God. The Christian doctrine of the Summum Bonum. The Bampton lectures for 1929. London 1931, Nachdruck Harper & Row, New York 1966
  • Phil-Bae Park: Das höchste Gut in Kants kritischer Philosophie. Eine Untersuchung über den Zusammenhang von kritischer Ethik und Metaphysik. Dissertation, Köln 1999

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Rupert Lay: Ethik für Manager. ECON Verlag 1989, S. 85.
  2. Peter Koslowski: Prinzipien der ethischen Ökonomie. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1988, S. 170.
  3. Rupert Lay: Über die Kultur des Unternehmens. ECON Verlag 1992, S. 71.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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