Hödeken

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Der Hödeken (auch Hödekin, Hüdekin, Hütchen, nach dem Filzhut, den er stets tragen soll) ist eine Sagengestalt aus dem Leinebergland. Der Hödeken ist eine zwergenartige Gestalt (Kobold), die auch als Bote zwischen Hildesheim und Winzenburg Nachrichten übermittelte. Der Weg zwischen Winzenburg und Hildesheimer Domhof, den Hödeken nach dem Tod des letzten Grafen von Winzenburg entlanggeeilt sein soll, um die Todesnachricht zu überbringen, wird „Rennstieg“ genannt. Er ist als Wanderweg durchgehend markiert, im Sackwald teilweise mit der stilisierten Figur des Hödeken. Der Hödeken ist auch im Wappen der Gemeinde Woltershausen abgebildet, die nahe am „Rennstieg“ liegt.

Die Brüder Grimm beschreiben die Sage in ihrer Sagensammlung von 1816 so: Der Hödekin war ein hilfreicher Hausgeist des Bischofs von Hildesheim. Er hinderte die Nachtwachen am Einschlafen, gab dem Bischof militärische Ratschläge und warnte ihn vor kommenden Gefahren. Gelegentlich half er auch anderen Hildesheimern. Einmal bat jemand den Hödekin, seine Frau während seiner Abwesenheit zu beschützen. Die Frau wurde von mehreren Liebhabern besucht. Der Hödekin sprang zwischen ihnen herum, beschwor schreckliche Gestalten oder warf sie zu Boden, bevor die Frau untreu werden konnte. Als der Mann zurückkehrte, beschwerte sich der Hödekin: er werde lieber alle Schweine von Sachsen hüten als nochmals eine solche Frau. Der Hödekin ließ nicht mit sich spaßen: einen Küchenjungen, der ihn gereizt hatte, erwürgte er, schnitt ihn in Stücke, und kochte das Fleisch über dem Feuer.

Goethes Schwager Christian August Vulpius lässt in seinem Roman Der Zwerg (1803) ein „Hüttchen“ auftreten, einen nur zum Schein hilfsbereiten Zwerg, der sich am Ende als Teufel zu erkennen gibt.[1]

Der Harvarder Literaturwissenschaftler George Lyman Kittredge vermutete im 19. Jahrhundert eine Verbindung zwischen der Gestalt des Hödekin und jener des Bruder Rausch, einem bösartigen Dämon in Mönchsgestalt aus der dänischen und germanischen Sagenwelt [2]; eine Ähnlichkeit, die Kittredge zufolge schon 1584 in Reginald Scotts Discoverie of Witchcraft erwähnt wurde.

Der Literaturhistoriker Sir Sidney Lee (1859-1926) vermutete in seinem Eintrag zu Robin Hood im Dictionary of National Biography (1885), dass der Name Robin Hood ursprünglich zu einem Waldelf gehörte und wies auf die etymologische Ähnlichkeit von Hood (Kappe) mit Hodekin/Hütchen hin.[3] Solche mützentragende Sagenwesen gebe es auch in Norwegen (Nis) und Spanien (Duende). Die Geschichten von Robin Hood tragen allerdings keinerlei magische Züge.

Quellen[Bearbeiten]

  • Keightley, Thomas (1850). The Fairy Mythology, Illustrative of the Romance and Superstition of Various Countries. London: H. G. Bohn.
  • Hütchen in: Brüder Grimm: Deutsche Sagen, 1816/1818 Volltext beim Projekt Gutenberg

Siehe auch[Bearbeiten]

Goblin

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Yannik Behme: Der Zwerg. In: Andere Klassik – Das Werk von Christian August Vulpius (1762–1827). Hrsg. von Alexander Košenina. Hannover 2012, S. 177f.
  2. Kittredge: The Friar’s Lantern and Friar Rush, Publications of the Modern Language Association 15.4 pp 415ff, nach Frank Wadleigh Chandler, The Literature of Roguery (1907, vol. I:56ff)
  3. James C. Holt: Hood, Robin (supp. fl. late 12th–13th cent.). In: H. C. G. Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB), Band 27 (Hickeringill - Hooper), Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861377-6, S. 927, online, Stand: Januar 2007 (Lizenz erforderlich) (englisch)
    Sidney LeeHood, Robin. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography (DNB), Band 27 (Hindmarsh – Hovenden), MacMillan & Co, Smith, Elder & Co., New York City, London 1891, S. 266269 (englisch) (Seitenzuordnung fehlerhaft, S. 258–261 auf Papier)