Höhlenmalerei

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Höhlenmalerei aus Altamira, Datierung: Alt-Magdalénien

Die Höhlenmalerei ist ein Genre der Felsbilder, die an Wänden von Höhlen oder Abris aufgebracht wurden. Höhlenmalereien in Europa stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind mit dem eiszeitlichen Cro-Magnon-Menschen assoziiert.

Aus dem jüngeren Aurignacien (Beginn um 32.000 BP) stammen die weltweit ältesten Höhlenmalereien der Chauvet-Höhle (Département Ardèche) sowie die Petroglyphen aus der Höhle Pair-non-Pair (Département Gironde), die um 30.000 BP datiert wurden. Den Höhepunkt in quantitativer Hinsicht erlebte die Höhlenmalerei im Gravettien, Solutréen und Magdalénien Europas. Die Ausmalung von Höhlen ist in einigen Teilen der Erde (zum Beispiel Südafrika, Australien) bis in die Gegenwart belegt (→ siehe Fundortliste).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Altersbestimmung

Relativ präzise kann das Alter von Höhlenmalereien heute durch eine Variante der Radiokohlenstoffdatierung (AMS-Datierung) ermittelt werden, wobei nur wenige Milligramm Holzkohlen oder organischen Farbauftrags gebraucht werden. Methoden wie die Elektronenrastermikroskopie und Mikrosondentechnik dienen zur Analyse der chemischen Bestandteile von Farbaufträgen.

Einen ethnologischen bzw. kunsthistorischen Ansatz verfolgte André Leroi-Gourhan (1911-1986) mit der Unterteilung in prähistorische Kunststile I-IV (vom Aurignacien bis zum Magdalénien).[1][2] Dabei ist auffällig, dass Wechsel im Malstil nicht mit dem Wechsel der archäologischen Kulturen zusammenfallen.

[Bearbeiten] Deutung

Prähistorische Höhlenmalereien lassen Rückschlüsse auf den Glauben, das Jagdverhalten (Jagdmagie), die Mythologie und zu Wertvorstellungen des steinzeitlichen Menschen zu. Die Deutung von Höhlenmalereien als Kunst in einem dem heutigen Kunstbegriff nahen Sinne ist umstritten. Eine andere Deutung sieht die Malereien eher als Symbolsprachen, in denen zu jagende Tiere, Jagdtechniken oder Wanderrouten von Tieren aus praktischen Gründen festgehalten wurden. Einige Malereien wurden in schwer zugänglichen, tiefen Höhlen angebracht, was dazu gedient haben könnte, das darin dokumentierte Wissen vor anderen Menschengruppen zu verbergen. Diese Deutung wird u. a. von Steven Mithen dadurch untermauert, dass auch heutige Naturvölker Felsmalerei betreiben, ohne ein Wort für "Kunst" in ihrem Wortschatz zu haben [3].

[Bearbeiten] Maltechniken

Als Anstrichmittel wurden Ocker, Holzkohle, Mangan, diverse Gesteine und Erze und Feldspat sowie Wasser, Blut, Kalkstein, Pflanzenharz, Milch und Pflanzensäfte verwendet. Striche und Punkte wurden mit der gefärbten Fingerspitze oder mit Pinseln aus Tierhaar gezeichnet. Bei der Versprühtechnik zerrieb man das Pigment zu einem feinen Pulver, das mit dem Mund oder mit Hilfe eines Röhrchens auf die Wand gesprüht wurde. In der Chauvet-Höhle wurde auch die Verwischtechnik angewandt. Flachreliefs entstanden durch das Abmeißeln der umliegenden Fläche. Die wahre Meisterschaft der Höhlenkünstler bestand darin, dass sie die dreidimensionale Wirkung von Rissen und Vorsprüngen des Felsuntergrunds in das Bild mit einbezogen (z. B. in Font-de-Gaume, Altamira). Die Menschen der ausgehenden Altsteinzeit konnten „schon perspektivisch zeichnen, kannten verschiedene Maltechniken und vermochten das Verhalten von Tieren naturgetreu wiederzugeben“.[4]

[Bearbeiten] Handnegative

Handnegative sind ein spezielles Phänomen jungpaläolithischer Kunst. Meist wird die Hand als Schablone auf die Wand gelegt und mit der (oben beschriebenen) Versprühtechnik wird Farbe aus Holzkohle, Rötel oder Ocker (mit Wasser angerührt) auf die Wand gesprüht.

Überall, wo Handnegative mittels der Radiokohlenstoffdatierung eindeutig datierbar sind, stammen sie aus dem Gravettien. Mit der Chauvet-Höhle liegt der erste Fall vor, der möglicherweise noch in die vorangehende Kultur des Aurignacien zu datieren ist. Die bekanntesten Fundstellen sind die Chauvet-Höhle sowie die Höhlen von Pech Merle, die Grotte Cosquer, der Abri von Gargas (alle Aquitanien) sowie die Oblazowa-Höhle in Polen.

[Bearbeiten] Liste der Fundorte mit Höhlenmalerei

[Bearbeiten] Fundorte in Europa

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Frankreich

Italien

  • Grotta del Genovese auf Levanzo
  • Grotta d'Addaura im Monte Pellegrino bei Palermo

Iberische Halbinsel

Russland

[Bearbeiten] Fundorte in Afrika

Teil der Höhlenmalereien in Laas Geel

Ägypten

Algerien

Namibia

Andere Staaten

[Bearbeiten] Fundorte in Amerika

Mexiko

[Bearbeiten] Fundorte in Asien, Australien und Ozeanien

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Museen

  • Thoth, Departement Dordogne, Frankreich
  • Ariège, Frankreich
  • Oviedo, Spanien
  • Deutsches Museum, München - Nachbildung der Höhle von Altamira

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Leroi-Gourhan, André. Treasures of Prehistoric Art [Trans. Norbert Guterman]. New York: Harry N. Abrams, 1967.
  2. Leroi-Gourhan, André. “Le Symbolisme des Grandes Signes dans l’art Parietal Paléolithiques” in Bulletin de la Société Préhistorique Française, 55 (3), 1958, 307-321.
  3. The prehistory of the mind: A search for the origins of art, religion, and science. London 1996, ISBN 0-500-05081-3
  4. Jean Clottes: Kunst im Morgenlicht der Menschheit. In: Reinhard Breuer u.a.: Moderne Archäologie (Spektrum der Wissenschaft Spezial; Jg. 12, H. 2). Spektrum der Wissenschaft VG, Heidelberg 2003, S. 6-9

[Bearbeiten] Literatur

  • Adams, Ansel. The Camera. Boston: Little, Brown and Company, 1980.
  • Aujoulat, Norbert. Lascaux: Movement, Space, and Time [Trans. Martin Street]. New York: Harry N. Abrams, 2005
  • Emmanuel Anati: “Art of Beginnings” in Diogenes, No. 185, Vol. 47/1, 1999.
  • Emmanuel Anati: Höhlenmalerei. Albatross-Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96060-6
  • Bahn, Paul. Prehistoric Art. Cambridge: Cambridge University Press, 1998.
  • Bahn, Paul G. and Vertut, Jean. Journey Through the Ice Age. Berkeley: University of California Press, 1997.
  • Bahn, Paul G.. Pyrenean Prehistory: A Palaeoeconomic Survey of the French Sites. Warminster: Aris & Phillips, 1985.
  • Ditte Bandini-König: Die Felsbildstation Hodar (Materialien zur Archäologie der Nordgebiete Pakistans, hrsg. von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Band 3). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1999, mit Beiträgen von G. Fussman, H. Hauptmann, O. von Hinüber, Th. O. Höllmann, R. Schmelzer und H. Völk, XVI, 430 S. mit 2 farb. und 101 sw-Abb., 156 Taf., 4 Karten als Beilage, ISBN 3-8053-2560-6
  • Batchen, Geoffrey. Burning with Desire: The Conception of Photography. Cambridge: MIT Press, 1997.
  • Bégouën, Count Henri. “The Magic Origin of Prehistoric Art” in Antiquity, 1929.
  • Berger, John. “Secrets of the Stone.” Guardian, November 16, 1996.
  • Bosinski, Gerhard. “Die Gravierungen des Magdalénien-Fundplatzes Andernach-Martinsberg” in Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 41, 1994, 19-58.
  • Bosinski, Gerhard. Die Ausgrabungen in Gönnersdorf 1968-1976 und die Siedlungsbefunde der Grabung 1968. Der Magdalénien-Fundplatz Gönnersdorf Volume 3. Weisbaden: Steiner, 1978.
  • Bosinski, Gerhard and Fischer, Gisela. Mammut- und Pferdedarstellungen von Gönnersdorf. Der Magdalénien-Fundplatz Gönnersdorf Volume 5. Weisbaden: Steiner, 1980.
  • Jean Clottes: Kunst im Morgenlicht der Menschheit. In: Reinhard Breuer u.a.: Moderne Archäologie (Spektrum der Wissenschaft Spezial; Jg. 12, H. 2). Spektrum der Wissenschaft VG, Heidelberg 2003, S. 6-9
  • Michel Lorblanchet, Gerhard Bosinski: Höhlenmalerei. Ein Handbuch. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-7995-9025-0
  • Martin Meister: Höhlenkunst. In: Geo 22. Jg. (1997), Juni
  • Wolfgang Schürle und Nicholas J. Conard (Hrsgg.): Zwei Weltalter. Eiszeitkunst und die Bildwelt Willi Baumeisters. Ostfildern-Ruit 2005.
  • Rolf Schulte: Farbe und Maltechnik. In: Gerhard Rietschel u.a.: Lascaux. Höhle der Eiszeit. Verlag von Zabern, Mainz 1982, ISBN 3-8053-0593-1 (Ausstellungskatalog des Roemer- und Pelizaeus-Museums), S. 60-63.

[Bearbeiten] Weblinks

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