Höllental (Schwarzwald)

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Höllental
Blick von Ruine Falkenstein ins Höllental

Blick von Ruine Falkenstein ins Höllental

Lage Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Südschwarzwald
Geographische Lage 47° 56′ 6″ N, 8° 1′ 45,8″ O47.9358.0294Koordinaten: 47° 56′ 6″ N, 8° 1′ 45,8″ O
Höllental (Schwarzwald) (Baden-Württemberg)
Höllental (Schwarzwald)
Länge ca. 9 km
Gewässer Rotbach

Das Höllental ist ein tief eingeschnittenes, teilweise schluchtartiges Tal im Südschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland).

Das ungefähr neun Kilometer lange Tal befindet sich im Naturpark Südschwarzwald etwa 18 km südöstlich von Freiburg im Breisgau zwischen Hinterzarten und Buchenbach-Himmelreich. Es wird vom Rotbach (anfangs Höllenbach genannt) durchflossen. Der schmalere Westteil des Tales gehört zu Buchenbach, der Ostteil zu Breitnau.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Hauptkamm des Hochschwarzwalds von Südosten mit dem Einschnitt des Höllentals (rechts)

Das Höllental ist eines der Täler im Schwarzwald, welche die asymmetrische Kammlinie des Gebirges von der plateauartigen Ostabdachung aus hin zum steilen Westabfall durchschneiden. Das Tal liegt im Verlauf des Bonndorfer Grabens, der die Linie KaiserstuhlWutachschluchtHegauBodensee beschreibt. Als weitere Entstehungsursache neben dieser tektonisch bewirkten Einsenkung kommt auch die wiederholte Plateauvergletscherung des Hochschwarzwaldes in Frage, deren Eisstauseen über die erniedrigte Kammlinie hinweg nach Westen übergelaufen sein können. Die Quellbäche östlich der Kammlinie fließen daher zunächst südostwärts, um dann um fast 180° nach Nordosten ins eigentliche Höllental umzubiegen, eine Situation ähnlich der am Malojapass im Engadin.

Talverlauf[Bearbeiten]

Oberer Talabschnitt mit Höllentalbahn und – heute dreispurig ausgebauter – Höllentalsteige (vor 1900)

Unterhalb der Hochtalmulden von Hinterzarten windet sich die Bundesstraße 31 in teils spektakulären Kehren in den Talschluss des einstigen Gletschertals hinab. In diesen Talkessel mit dem Weiler Höllsteig mündet südlich der Straße das Kerbtal des Löffeltals (frühere Holzlöffelherstellung) mit dem Zartenbach ein. Nördlich davon öffnet sich unter dem Ravennaviadukt der Höllentalbahn die Ravennaschlucht mit mehreren Wasserfällen. Außerdem stürzen von Süden her der Bistenbach und der Alpersbach in Wasserfällen herab (siehe auch Wasserfälle in Deutschland). Dem folgenden U-förmig profilierten Talabschnitt mit bis zu 600 Meter hohen Steilhängen (und vierspuriger Straße) folgt nach dem Bahnhof Hirschsprung ein Schluchtabschnitt mit bis zu 130 Meter aufragenden Felswänden, auch Höllenpass genannt. Die engste, klammartige Stelle ist als Hirschsprung bekannt und war ursprünglich nur neun Meter breit. Nach dem Felsen mit der Ruine Falkenstein weitet sich das Tal etwas und gibt den Häusern und Höfen von Falkensteig Raum. Am Bahnhof Himmelreich öffnet sich das Höllental unvermittelt in das Zartener Becken.

Höllentäler Wind[Bearbeiten]

Ein Regionalwind, der als Bergwind besonders das Freiburger Stadtzentrum bemerkenswert stetig mit Frischluft versorgt, wird nach dem Höllental benannt. Nur ein Teil der aus dem Schwarzwald nach Freiburg abfließenden Kaltluft stammt allerdings aus dem Höllental. Dessen Bergwind vereint sich mit den Kaltluftströmungen aus den anderen Seitentälern des Zartener Beckens und strömt, durch den Engpass von Ebnet am Beckenausgang beschleunigt, über das Freiburger Stadtgebiet in die Freiburger Bucht der Oberrheinebene.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Im Höllental befindet sich mit fast 150 Exemplaren das einzige größere Vorkommen der Europäischen Eibe Baden-Württembergs.[1][2] Es könnte dort als Namensgeber des Dorfes Ibental und weiterer Orte in der Umgebung gedient haben.[2]

Verkehrsbedeutung[Bearbeiten]

Die heutige herausragende Bedeutung des Höllentals für den Fernverkehr zum relativ niedrigen Hinterzartener Sattel (etwa 910 m) erhielt das Tal erst nach aufwändigen Verkehrsbauten. Zunächst war der Karrenweg durch die nördlichere Wagensteige bedeutender. Mindestens ab dem 12. Jahrhundert führte die Falkensteige, ein von Zähringern erbauter Weg zwischen Freiburg im Breisgau und Donaueschingen, durch das damals noch Falkensteiner Tal genannte heutige Höllental. Der Weg wurde am Ausgang des Engpasses durch die Burg Falkenstein geschützt, später allerdings auch bedroht. Erst für die Kutsche und den umfangreichen Brautzug von Marie Antoinette, die sich zu ihrem Bräutigam, dem späteren Ludwig XVI., bringen ließ, wurde der Weg straßenartig ausgebaut. Der Zug aus 235 Personen, 57 Wagen und 250 Zug- und Reitpferden passierte das Höllental am 4. Mai 1770 auf dem Weg von Donaueschingen zum anderthalbtägigen Aufenthalt in Freiburg.[3]

Berühmt wurde das Falkensteiner Tal danach noch einmal durch den Rückzug französischer Truppen unter General Moreau im Jahre 1796, und zwar als Val d'enfer, dem also bis heute gebliebenen Namen. Bereits 1691 hatte Leopold I. die Enge am heutigen Hirschsprung als die Höll bezeichnet, als er über die Verteidigung an den Schwarzwaldübergängen nachdachte. Auch der Name der Ravennaschlucht gilt als romanischen Ursprungs; er entspricht dem französischen la ravine (die Schlucht). Die Bezeichnung ist jedoch vor der Ära französischer Dominanz entstanden, da sie bereits für das Jahr 1560 belegt werden kann. [4]

Seit 1887 befährt die Höllentalbahn die Schlucht, anfangs mit Zahnradbetrieb. Die Steigung beträgt 1:18. Der Höhenunterschied beträgt 441 m.

Bei weiteren Ausbauten wurde die Klamm am Hirschsprung immer breiter gesprengt. Die Verkehrsbelastung auf der heutigen Bundesstraße 31 führt zu Planungen, zunächst die Ortsdurchfahrt von Falkensteig, dann den Klammabschnitt und schließlich die Kehren bei Höllsteig durch Tunnelbauten zu ersetzen. Als die Landesregierung im November 2013 die Prioritätenliste zur Übernahme in den Bundesverkehrswegeplan 2015 vorstellte, rangierte der hierzu geplante Falkensteigtunnel lediglich auf Platz 6 der Tunnelprojekte, was eine Realisierung in den nächsten Jahren unwahrscheinlich werden ließ.[5][6]

Der Wanderweg durch den Schluchtgrund, der Jägerpfad, gehörte einst zum Schwarzwald-Querweg Freiburg–Bodensee, dieser wird aber derzeit wegen der Verkehrsbelastung der Straße über die nördlichen Talhänge geführt. Der Jägerpfad ist seit 2009 gesperrt.[7] Aufgrund der Anordnung durch das zuständige Landratsamt wird der Weg wegen Steinschlag- und Einsturzgefahr im Bereich des Hirschsprungs nicht mehr geöffnet.

Großer Wasserfall in der Ravennaschlucht

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Annika Lindenberg: Das kleine Buch vom Höllental. 3. Auflage. Maienstein, Kirchzarten 2001, ISBN 3-932179-63-3.
  •  Werner Skrentny (Hrsg.): Regional- und Freizeitführer Schwarzwald. VSA, Hamburg 1990, ISBN 3-87975-517-5.
  •  Ekkehard Liehl, Wolf Dieter Sick (Hrsg.): Der Schwarzwald. Beiträge zur Landeskunde. In: Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br.. 4. Auflage. 47, Konkordia, Bühl 1989, ISBN 3-7826-0047-9.
  • Wolfgang Kleiber: Romania submersa. Neue Funde zum galloromanischen Substrat im Mittleren Schwarzwald. In: Albrecht Greule/Hans-Walter Herrmann/Klaus Ridder/Andreas Schorr (Hrsg.): Studien zu Literatur, Sprache und Geschichte in Europa. 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Höllental – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. badische-zeitung.de: Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Der Mann mit dem Hirsch, 28. Januar 2011, Zugriff am 13. Februar 2011
  2. a b Badische Bauern Zeitung: "s'Ibetännle" hat sich im Wald rar gemacht , 11. Juli 2009, Zugriff am 13. Februar 2011
  3. Peter Kalchthaler: Freiburg Mitte: Triumphbogen in der Kaiserstraße, Badische Zeitung vom 3. Mai 2010, Zugriff am 30. Dezember 2010
  4. Johann Adam Kraus: Woher kommt der Name Ravenna im Höllental? - Ein Diskussionsbeitrag, in: Schau-ins-Land 99 (1980), S. 137f.
  5. Franz Schmider: Südwest: Infrastruktur: Stuttgart stellt A5-Ausbau hinter Freiburger Tunnel zurück, Badische Zeitung, 21. November 2013, abgerufen am 23. Februar 2014
  6. Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg:Die Zukunft des Straßenbaus in Baden-Württemberg, 20. November 2013, abgerufen am 23. Februar 2014
  7. Auskunft durch Tourist Information Hinterzarten am 23. September 2009