Hühnerdieb

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Hühnerdieb am Aachener Hühnermarkt
Brunnenfigur
Köpenicker Kopie des Hühnerdiebes

Hühnerdieb ist ein Brunnendenkmal des Berliner Bildhauers Hermann Joachim Pagels, das Weihnachten 1913 auf dem Aachener Hühnermarkt enthüllt worden ist. Es besteht aus der Bronzefigur eines Hühnerdiebes, die auf eine Brunnenschale aus Muschelkalk montiert war. Die Figur zeigt den Augenblick, in der der Dieb erstaunt feststellt, statt des Huhnes einen Hahn gestohlen zu haben, der kräht und ihn so verrät. Die in der Figur verkörperte Szene ist jedoch ohne historisches Vorbild.

Geschichte des Brunnens[Bearbeiten]

Pagels fertigte ursprünglich 1911 ein 70 Zentimeter hohes Holzmodell der Brunnenfigur. Weil er von der Figur mehrere Exemplare fertigen und verkaufen wollte, blieb sein erstes Angebot der Figur auf der Großen Berliner Kunstausstellung ohne Resonanz, da sich lediglich ein Interessent aus England fand zum Erwerb eines exklusiven Exemplars für seine Privatsammlung. Dem Künstler hingegen schwebte zudem wegen der dreidimensionalen Wirkung der Figur ein Einsatz im öffentlichen Raum vor. Deshalb fertigte er den Entwurf in Bronze mit dem achteckigen Becken aus bayerischen Muschelkalk als Brunnendenkmal inklusive Wasserzuleitung und bot den Hühnerdieb 1913 auf der Großen Berliner Kunstausstellung wiederum an. Dort erwarb sie der damalige Aachener Oberbürgermeister Philipp Veltman mit Mitteln aus der Adele-Cockerill-Stiftung und ließ das Denkmal am Morgen des Weihnachtstages 1913 zur Überraschung der Bevölkerung enthüllen.

Im Zweiten Weltkrieg 1943 musste die Figur als Metallspende abgegeben werden. Sie wurde eingeschmolzen, um das in der kriegsgeschwächten Wirtschaft rare Material zu gewinnen. Erhalten blieb nur der Kranz der wasserspendenen Kükenfiguren, der vorsorglich eingelagert wurde. So überstand der Kükenkranz auch den Bombenangriff, bei dem Ostern 1944 die Brunnenschale vollständig zerstört wurde.

Weil der damals 72-jährige Pagels jedoch noch das Gipsmodell der Originalfigur besaß, konnte er 1950 einen weiteren Guss der Brunnenfigur fertigen, der unterstützt durch Spenden des Ausschusses Aachener Karneval, der Aachener Nachrichten und der Aachener Volkszeitung, anderer Aachener Unternehmen und Aachener Bürger von der Stadt erworben wurde. Der Brunnen konnte wieder erstellt und am 8. November 1953 an alter Stelle feierlich eingeweiht werden.

Der Brunnen gehört zu den Baudenkmälern der Stadt Aachen.[1]

Eine Kopie der Brunnenfigur steht im Park des Schlosses Köpenick in Berlin-Köpenick. Die Porzellanmanufaktur Allach vertrieb als Modell Nr. 126 eine 27 Zentimeter hohe Porzellan-Version.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Hermann Loosen: Aus dem alten Aachen. Historische Skizzen oder Aachener Geschichte in Geschichten. 3. erweiterte Auflage. Aquensia-Klette-Verlag, Aachen 1978, S. 50–53.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verzeichnis der Baudenkmäler im Gebiet der Stadt Aachen (in der Fassung des 13. Nachtrages) (PDF; 129 kB), 15. März 2008
  2. Hühnerdieb, Allach-Porzellan

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hühnerdieb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.7757666666676.0845527777778Koordinaten: 50° 46′ 33″ N, 6° 5′ 4″ O