Hühnerkrieg

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„Hühnerkrieg“, Gemälde von Henryk Rodakowski, 19. Jahrhundert

Der Hühnerkrieg (polnisch Wojna kokosza) ist der Name für eine anti-royalistische und anti-absolutistische Rebellion (polnisch rokosz) der polnischen Szlachta, des mittleren und niederen Adels mit Zentrum im heutigen Galizien. Die abwertende Bezeichnung für den Krieg wurde den Magnaten zugeschrieben, dem höheren Adel, der größtenteils den König unterstützte und behauptete, die einzige Wirkung des „Krieges“ sei die Beinahe-Ausrottung der örtlich durch die Adligen requirierten Hühner während des „rokosz“ in Lemberg gewesen. Die Bezeichnung der Rebellion durch die Magnaten mit „kokosz“ – es bedeutet Legehenne – mag von einem Wortspiel inspiriert sein zwischen „rokosz“ und dem ähnlich klingenden „kokosz“.

Zu Beginn seiner Herrschaft erbte König Sigismund I., der Ältere ein Königreich Polen mit einer jahrhundertelangen Tradition von Freiheiten des Adels, in zahllosen Privilegien bestätigt. Sigismund sah sich der Herausforderung gegenüber, die innere Macht zu konsolidieren gegenüber äußeren Bedrohungen des Landes. Während der Herrschaft seines Vorgängers, Alexander I., war das Statut des „Nihil Novi“ (Nichts Neues) eingerichtet worden, das den Königen Polens verbot, Gesetze ohne Zustimmung des Sejms zu erlassen. Dies erwies sich als lähmend in Sigismunds Verhandlungen mit der Szlachta und den Magnaten wie auch als ernste Bedrohung der Stabilität des Landes. In der Absicht seine Macht zu stärken, erließ Sigismund eine Reihe von Reformen, richtete 1527 eine Wehrpflichtarmee ein und dehnte den bürokratischen Apparat aus, der nötig war, um den Staat zu regieren und die Armee zu finanzieren. Unterstützt von seiner italienischen Gemahlin, der Königin Bona Sforza, begann er Land zur Ausweitung des königlichen Besitzes zu kaufen. Er begann auch einen Prozess der Restitution königlicher Güter, die zuvor verpfändet oder Angehörigen des Adels als Lehen gegeben worden waren.

Im Jahre 1537 führte die Politik des Königs zu einem größeren Konflikt. Die Szlachta versammelte sich nahe Lemberg zu einer levée en masse und verlangte ein militärisches Einschreiten gegen Moldawien. Der kleine und mittlere Adel jedenfalls rief einen rokosz aus, eine halblegale Rebellion, in der Absicht, den König zur Aufgabe seiner Reformen zu veranlassen. Die Adligen präsentierten ihm 36 Forderungen, darunter die bedeutendsten:

  1. Ein Ende weiteren Landerwerbs durch Bona Sforza
  2. Befreiung der Szlachta vom Zehnten
  3. Eher Bereinigung als Ausweitung des Staatsschatzes
  4. Bestätigung und Ausweitung der Privilegien des Adels
  5. Aufhebung des Zolls oder Befreiung des Adels davon
  6. Annahme eines Gesetzes zur incompabilitas – der Unvereinbarkeit bestimmter Ämter in einer Hand (z. B. dem des Starost mit dem des Woiwoden)
  7. Die Verabschiedung eines Gesetzes, das nur die Angehörigen der örtlichen Szlachta für die Übernahme lokaler Ämter vorsah
  8. Die Schaffung eines permanenten Beratergremiums für den König.

Die Protestierer kritisierten schließlich die Rolle der Königin Bona Sforza, die sie einer „schlechten Erziehung“ des jungen Prinzen Sigismund August beschuldigten (des zukünftigen Königs Sigismund II. August) wie auch des Versuchs, ihre Macht und ihren Einfluss im Staat auszuweiten.

Es sickerte jedoch bald durch, dass die Führer der Szlachta unter sich zerstritten waren und dass es beinahe unmöglich war, eine Übereinkunft zu erreichen. Zu schwach einen Bürgerkrieg gegen den König zu beginnen, willigte man schließlich in etwas Ähnliches wie einen Kompromiss ein. Der König wies die meisten Forderungen zurück, akzeptierte allerdings das Prinzip der incompabilitas im folgenden Jahr und stimmte zu, die Wahl des zukünftigen Königs nicht Vivente Rege, also zu Lebzeiten des regierenden Königs, zuzulassen.

Daraufhin kehrte die Szlachta heim und hatte wenig erreicht.