Hülchrath

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51.0391666666676.6611111111111Koordinaten: 51° 2′ 21″ N, 6° 39′ 40″ O

Hülchrath
Einwohner: 716 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41516
Vorwahl: 02182
Hülchrath (Nordrhein-Westfalen)
Hülchrath

Lage von Hülchrath in Nordrhein-Westfalen

Die Zerstörung von Hülchrath in 1583 (Frans Hogenberg)

Hülchrath ist ein ca. 720 Einwohner zählender Ortsteil der Stadt Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss.

Lage[Bearbeiten]

Der Ortsteil Hülchrath grenzt im Osten an den Strategischen Bahndamm und an die Ortschaft Neukirchen (Grevenbroich). In südwestlicher Richtung von Hülchrath liegt nicht weit entfernt Langwaden mit dem gleichnamigen Kloster. Nordwestlich von Hülchrath befinden sich die Ortschaft Mühlrath, die Neubrücker Mühle und der Ort Neubrück. Nördlich von Hülchrath befindet sich der Ort Münchrath und ein wenig weiter die Erft.

Direkt östlich an Hülchrath schließt sich der kleine Weiler Jägerhof an. Er befindet sich an der Kreuzung der Landesstraße 142 und der Kreisstraße 33.

Geschichte[Bearbeiten]

Hülchrath auf einem Stich von Matthäus Merian mit der Schlossansicht und der ehemaligen Stadt Hülchrath vor der Zerstörung im Truchsessischen Krieg (1583)

Mittelalter[Bearbeiten]

Hülchrath war einst das Zentrum des Gebietes an Erft und Gillbach. Bereits im Jahre 900 bestand es als eine befestigte Flachsiedlung zum Schutz gegen einfallende Wikinger. Im 10. Jahrhundert verlegten die Gaugrafen des fränkischen Kölngaus ihren Sitz von Köln nach Hülchrath. Seit dem Jahre 1206 war der Ort Hülchrath als Hilkerode urkundlich belegt. Der Name leitet sich vom germanischen Vornamen Hildeger ab. Große Bedeutung besitzt das Schloss Hülchrath als Verwaltungssitz eines großen Amtsbezirks, im Gillgau. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts trat der Bezirk als „Grafschaft Hülchrath“ im Besitz einer Klever Nebenlinie (Dietrich Luf II. und Dietrich Luf III.) auf, um nach dem käuflichen Erwerb durch den Erzbischof von Köln im Jahre 1314 als „Amt Hülchrath“ in Kurköln weiterzuleben. Nachdem die Zivilsiedlung zur Stadt erhoben worden war, erfolgte im Jahre 1323 der Ausbau von Burg und Ansiedlung Hülchrath. Die Kragsteine, die den Erker des Turmes tragen, tragen hebräische Schriftzeichen. Es handelt sich dabei um jüdische Grabsteine aus Köln. Nach der Vertreibung der Juden nach der Pest wurden sie Mitte des 14. Jahrhunderts hierhin gebracht und dienten als Baumaterial. Im Jahre 1348 wurde die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft gegründet. Das Herzogtum Jülich versuchte im Jahre 1499 vergeblich, die Stadt Hülchrath zu belagern.

Neuzeit[Bearbeiten]

Im Jahre 1583 wurde der Ort während des Truchsessischen Krieges zerstört. 1608 wurde der jetzige Ort östlich der Burg als Flecken und mit besonderen Privilegien ausgestattet neugegründet. Zwischen 1590 und 1630 kam es zu zahlreichen Hexenprozessen auf Schloss Hülchrath. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden im Jahre 1642 Ort und Burg Hülchrath belagert und wieder einmal zerstört. 1794 besetzten französische Truppen Hülchrath und lösten das kurkölnische Amt auf. Es entstand die Mairie Hülchrath im Département de la Roer. 1798 wurde die Burg Hülchrath an den letzten kurkölnischen Amtmann verkauft. 1815 kam Hülchrath an das Königreich Preußen. Ein Jahr später wurde die Bürgermeisterei Hülchrath gebildet. Sie bestand aus den Ortschaften Hülchrath, Gubisrath, Münchrath, Mühlrath, Neukirchen, Hoisten, Speck, Wehl, Weckhoven und Helpenstein. 1909 wurde der Sitz des Bürgermeisters der Gemeinde Hülchrath nach Neukirchen verlegt. Als die Gemeinde Hülchrath 1929 an den Landkreis Grevenbroich-Neuß kam, wurde sie in Gemeinde Neukirchen umbenannt.

Von 1937 bis 1945 nutzten die Nationalsozialisten die Burg Hülchrath. Von hier aus wurde das Werwolf-Attentat auf den Aachener Oberbürgermeister Franz Oppenhoff gestartet. Am 31. Dezember 1974 wurde die Gemeinde Neukirchen aufgelöst, und am 1. Januar 1975 erfolgte die Eingemeindung Hülchraths in die Stadt Grevenbroich.

Synagoge

Religion[Bearbeiten]

Katholische Kirche[Bearbeiten]

Erst 1904 wurde eine eigene katholische Pfarrgemeinde Hülchrath gegründet, deren Gebiet zuvor nach Neukirchen eingepfarrt war. Im Jahre 1911 wurde die katholische St. Sebastianuskirche fertiggestellt.

Judentum[Bearbeiten]

  • Wohnhäuser (Hauptstraße) ehemaliger jüdischer Bewohner mit Zeichnungen der Eigentümer an der Außenwand
  • Alter Friedhof (außerhalb des Walls, Belegungszeit: ca. 1850–1938, Grabsteine: keine)
  • Neuer Friedhof (Ortsrand - Hülchrather Feld, Belegungszeit: 1900–1938, Grabsteine: 15)
  • Synagoge 1876 bis 1933, Verkauf 1938, ab 1985 restauriert, heute eine Mahn- und Gedenkstätte

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 2005 2006 2010 2012 2013
Bevölkerung[1] 716 717 718 711 716

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

(Jahresangaben beziehen auf vorliegende urkundliche Nennungen)

  • Godfrid Dubelman Maire von Hulchrath, „dreyundzwanzigsten Tag des Monats ventose neunten Jahr der frankischen Republik“ (= 14. März 1801)
  • Henry Josef Wilms Maire de Hulchrath, 1808/09
  • Wilhelm Engels: Bürgermeister von Hülchrath 1831.
  • August Ferdinand Wilms: Bürgermeister von Hülchrath, 1834/36/40/42/44/45/46/1854
  • Ferdinand von Pröpper, ca. 1867, 1872/78

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Jahre 2000 besaß Hülchrath drei landwirtschaftliche Betriebe bzw. Reiterhöfe. Sie hatten drei Mitarbeiter. Im Handel und Dienstleistungsbereich waren 28 Personen tätig. Im Handwerk und Gewerbe 24 Menschen.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Hülchrath besitzt einen Sportplatz und mit dem SG Neukirchen-Hülchrath auch einen Sportverein.

Kultur und Freizeit[Bearbeiten]

Schloss Hülchrath

Bauten[Bearbeiten]

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Seit 1988 ist der bislang einzige Denkmalbereich der Stadt für das historische Gebiet von Schloss und Stadt Hülchrath rechtskräftig. Das Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglicht neben der Eintragung von Einzeldenkmälern auch die Unterschutzstellung von Denkmalbereichen.

Wettbewerb - Unser Dorf hat Zukunft[Bearbeiten]

Im Rahmen des landesweit ausgetragenen Wettbewerbs Unser Dorf hat Zukunft hat Hülchrath bereits einige Preise erhalten:

  • Kreiswettbewerb 1992 3. Platz
  • Kreiswettbewerb 1994 3. Platz
  • Kreiswettbewerb 1996 2. Platz
  • Kreiswettbewerb 1999 1. Platz
  • Kreiswettbewerb 2002 Kreissieger
  • Landeswettbewerb 2003 Bronze und Sonderpreis NRW
  • Kreiswettbewerb 2005 Kreissieger
  • Landeswettbewerb 2006 Silber
  • Kreiswettbewerb 2008 Kreissieger
  • Landeswettbewerb 2009 Bronze
  • Kreiswettbewerb 2011 Kreissieger
  • Landeswettbewerb 2012 Silber

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Volksmund bezeichnete eine kleine Häusergruppe zwischen der umwehrten Stadt Hülchrath und dem „Sprötzehüsje“ an der heutigen Herzogstraße mit „Vorstadt“. Die Wassergräben, die zu Befestigungszwecken um Städte, Burgen und Höfe gezogen wurden, heißen Weiher. So umschließt in Hülchrath der Schlossweiher die mittelalterliche Burg und der Fleckenweiher umfing die Stadt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Wiltsch: Neukirchen-Hülchrath. (Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich 18). Hrsg. vom Geschichtsverein für Grevenbroich und Umgebung e. V. Grevenbroich 2006.
  • Hülchrath. Herausgeber: Landschaftsverband Rheinland, Amt für Rheinische Landeskunde; Bearbeitet von Ulrich Ritzerfeld, Margret Wensky; Kartographie von Esther Weiss, ISBN 3-412-07603-1.
  • Karl Emsbach, Max Tauch: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss. Köln 1986.
  • Walter und Brigitte Janssen: Burgen, Schlösser und Hofesfesten im Kreis Neuss. 1985.
  • Ulrike Hochgürtel, Heinrich v. Kalein: Über die thronende Muttergottes-Figur der kath. Pfarrkirche St. Sebastian in Hülchrath. In: Almanach für den Kreis Neuss. 1980, S. 131–136.
  • Hans Kisky: Hülchrath. (Rheinische Kunststätten, Heft 9). Neuss 1964, DNB 452125790.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hülchrath – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Zahlen und Daten - Hülchrath (mit Gut Norbisrath)