Hütten- und Bergwerke Rheinhausen

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Hütten- und Bergwerke Rheinhausen
Rechtsform AG
Gründung 1897 als Hüttenwerk Rheinhausen[1]
Auflösung 1993
Auflösungsgrund verschmolzen mit der Friedrich Krupp AG
Sitz Duisburg (Rheinhausen)
Produkte StahlVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Krupp Hüttenwerke Rheinhausen Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Krupp-Ringe
160-Pf-Briefmarke der Dauermarkenserie Industrie und Technik der Deutschen Bundespost (15. Oktober 1975)[2]
Blick vom Stahlwerk über den Rhein, 1976
Hüttenwerk Rheinhausen im März 1976
Hüttenwerk Rheinhausen im März 1976
Hüttenwerk Rheinhausen im März 1976
Hochofenabstich
Hochofenabstich
Hochofenleitstand
Krupp-Gelände im Abriss
Das denkmalgeschützte Werktor 1, erbaut von Peter Neufert 1957–1958, ist heute das einzig erhaltene Zeugnis des Hüttenwerks. Das stark verwahrloste Pförtnerhaus wurde mittlerweile abgerissen.

Die Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG war eine Gesellschaft innerhalb des kruppschen Firmenimperiums. Sie betrieb ein Hüttenwerk in Rheinhausen am Niederrhein, das seit 1975 ein Stadtbezirk von Duisburg ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom Anfang bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Auf Initiative von Friedrich Alfred Krupp wurden im Jahre 1893 die Planungen für ein neues Hüttenwerk aufgenommen. Den Ausschlag für die Wahl Rheinhausens hatten zweifellos seine Lage am Niederrhein, die vorhandenen Bahnverbindungen und die Kohlebergwerke in Moers und Homberg gegeben. Der damalige Leiter des technischen Büros, Gisbert Gillhausen, projektierte 1894 eine Hochofenanlage mit 5 Öfen, ein Thomaswerk mit 3 Konvertern, ein Blockwalzwerk, eine Schienen-, Schwellen- und Knüppelstraße und allerlei Nebenanlagen.

Im April 1896 starteten die Bauarbeiten. Bereits am 18. Dezember 1897 wurden die ersten beiden Hochöfen angeblasen, der dritte folgte am 28. November 1898. Hiermit war die erste Ausbaustufe vollendet. Die Hochöfen waren jeweils 23 Meter hoch und standen 60 Meter voneinander entfernt. Sie hatten je 400 Kubikmeter Inhalt und konnten jeweils 200 Tonnen Bessemer und Hämatit-Roheisen produzieren. Die Rohstahlerzeugung im Jahre 1900 betrug 6.856 Tonnen. Der Hochofen 4 wurde am 7. Juni 1904 angeblasen, die Hochöfen 5 und 6 wurden 1905 in Betrieb genommen. Die restlichen Hochöfen 7,8 und 9 in den Jahren 1907,1911 und 1913.

Ein Siemens-Martin-Ofen begann 1900 mit einem Probebetrieb. Die Umstellung auf Thomasstahl erfolgte um 1905. Im gleichen Jahr begann die Produktion von Eisenbahnschienen. Weitere Betriebsteile wurden eröffnet: Benzol- und Brikettfabrik, Drahtstraße seit 1904 und Zementwerk 1912, Schlackensteinfabrik 1921. Die werkseigene Kokerei bestand aus zwei Gruppen à 60 Öfen mit einer Gesamtverkokung von täglich 800 Tonnen.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg galt das Werk als das größte Europas. Die Produkte umfassten Schienen, Stab- und Profilstahl, Halbzeug, Schwellen und Walzdraht. 1.138 Millionen Jahrestonnen Roheisen konnten produziert werden. 1913 wurde mit dem Bau eines 2. Martinwerkes begonnen, das mit kippbaren Öfen eingerichtet wurde. In seinem schließlichen Ausbau während des Ersten Weltkrieges hatte das Werk 10 Hochöfen, 2 Schachtöfen, 2 große Kupolöfen, das Thomasstahlwerk mit 6 Konvertern, 2 Martinstahlwerke mit zusanmmen 8 Öfen und das Walzwerk; außerdem seit 1908 eine Eisenbauwerkstätte für Brücken- und Eisenhochbauten, aus der eine eigenständige Firma, der "Fried. Krupp Maschinen- und Stahlbau", später Krupp Industrietechnik, hervorging.

Weimarer Republik und Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine Besatzung durch belgische Besatzungstruppen. Die Produktion wurde wegen Rohstoffmangels jangelang erheblich eingeschränkt. Von Oktober 1923 bis Mitte Januar 1924 kam die Produktion infolge von Plünderungen als Folge der Ruhrbesetzung zum Stillstand. Ab 1929 kam es infolge der Weltwirtschaftskrise immer wieder zu massiven Produktionseinschränkungen. Bis Ende 1930 waren nur noch 2 Hochöfen in Betrieb. Nach 1932 ist die Produktion auf 12 Tage im Monat beschränkt.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine bisher nicht vorhandene Form der staatlichen Wirtschaftslenkung, von der auch das Rheinhauser Hüttenwerk betroffen war. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges stiegen die Produktionszahlen auf ein bisher nicht bekanntes Ausmaß an. Das Jahr 1936 ist ein Jahr der Produktionsrekorde. Im gleichen Jahr beginnt man mit der Errichtung von 28 Luftschutzräumen, die rund 6.300 Personen aufnehmen konnten. 1941 wurde der Stahlbau verselbständigt ( später Krupp Industrietechnik). Ab Sommer 1941 mehrten sich die Luftangriffe der Alliierten, wobei die Produktion aber nie völlig zum Erliegen kam. Erst gegen Ende des Zweiten Weltkriege sinkt wegen zunehmender Fliegerschäden zusammen mit dem Mangel an Arbeitskräften die Produktion weiter ab. Ende 1944 ist sie auf knapp 2 % der Vorkriegsproduktion gesunken. Viele Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren auch im kruppschen Hüttenwerk eingesetzt. Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 5. März 1945 endete auch für das Kruppsche Hüttenwerk die Zeit des Nationalsozialismus. Bis zum 17. April 1945 lag die Produktion de facto still, da wegen der Befürchtung von Attentaten den Belegschaftsmitgliedern das Betreten des Werkes untersagt wurde.

Neubeginn ab 1945[Bearbeiten]

Am 16. November 1945 gestattet die britische Militärregierung nach Beschlagnahme des gesamten Werkes die Wiederinbetriebnahme der Produktion; Oberstleutnant Bennie wird als Controller eingesetzt. Unter alliierter Aufsicht begann die Produktion am 26. November 1945 mit dem Anblasen eines Hochofens. Am 29. September 1947 wurde das Rheinhauser Hüttenwerk aus dem Krupp-Konzern entflochten und danach von der Liste der Reparationen gestrichen. Am 1. Oktober 1947 erfolgte die Übernahme durch die „Hüttenwerk Rheinhausen AG." Das Werk gelangte bereits am Ende des Jahres 1950 wieder in die Gewinnzone. In großen Schritten kamen nun die systematische Modernisierung sowie der Neu- und Ausbau aller Anlagen voran. 1952 zog die Versuchsanstalt in einen großzügigen Neubau um. Am 18. Dezember 1953 feierte die Belegschaft die Einweihung der nach modernsten Kriterien eingerichteten Lehrwerkstatt. Die Schienenwege und das Straßennetz wurden erweitert, die Hafensohle tiefergelegt und das Hafenbecken wegen der stark steigenden Umschlagsmengen verbreitert und mit zusätzlichen Kränen ausgestattet.

Die am 31. August 1953 gegründete Dachgesellschaft „Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG“ fasste die Eisen- und Stahlerzeugung in Rheinhausen (11.836 Beschäftigte) und die damals noch nicht erschlossenen Gruben der Bergwerke Essen-Rossenray als Tochtergesellschaften zusammen. Die neue Gesellschaft, deren Aktien sich zu 100 % im Eigentum von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach befanden, sollte verkauft und die Firma Fried. Krupp in ein reines Unternehmen der Weiterverarbeitung umgewandelt werden. So wollten es die Alliierten.

Allerdings kam dieser Verkauf auf Grund der bis 1967 andauernden unternehmenspolitischen Taktik sowie nachhaltiger Interventionen der Bundesregierung und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nie zustande. Am 10. Juni 1954 wurde das Hüttenwerk aus der Kontrolle der Siegermächte entlassen. Im Frühjahr 1959 übernahm die Dachgesellschaft „Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG“ 63,1 % der Aktien des Bochumer Vereins für Gußstahlfabrikation AG. 1965 wurde es mit dem Bochumer Verein verschmolzen. Mit dem Tod des Eigentümers am 30. Juli 1967 und der Umwandlung des Konzerns in die Friedr. KRUPP GmbH zum 2. Januar 1968 endete dieses Kapitel der Werkgeschichte. 1969 wurden die Zechen aus dem Konzern ausgegliedert, sie kamen zur Ruhrkohle AG.

In den Jahrzehnten nach der Wiederinbetriebnahme wurden diverse technische Neuerungen vorgenommen. Im Jahre 1960 wurden 2.228.062 Tonnen Rohstahl erzeugt. Krupp Rheinhausen, wie alle anderen deutschen Montanunternehmen, fügte sich den wirtschaftlichen Vorteilen der Größendegression und baute aus: 1971 Neubau der Stranggießanlage I, 1972 Neubau des Hochofens I, der Sinteranlage und des LD-Stahlwerkes I, 1973 Neubau des Großhochofens II, 1975 Neubau des LD-Stahlwerkes II – mit zwei 300-Tonnen-Konvertern, die einer monatlichen Tonnage von 350.000 entsprachen sowie der Stranggießanlage II.

Auswirkungen auf die Kommunen und Bevölkerung[Bearbeiten]

Mit der Ansiedlung der Firma Krupp Ende des 19. Jahrhunderts begann eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte im Raum der Dörfer, die sich 1923 zur Landgemeinde Rheinhausen zusammenschlossen und heute ein Stadtbezirk Duisburgs sind. Allerdings begann auch die Zeit starker Umweltverschmutzung. Ein ganzes Dorf (Bliersheim) verschwand unter dem Werksgelände, das sich verkehrsgünstig gelegen direkt am linken Rheinufer gegenüber Duisburg befand und über einen eigenen Hafen verfügte.

Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Dörfer etwa 5500 Einwohner, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zählte das 1934 zur Stadt erhobene Rheinhausen rund 46.000 Einwohner. Sie waren in mehreren großen Schüben, vor allem aus dem oberschlesischen Bergbaugebiet hierhin gezogen, um in den Zechen Diergardt und Mevissen, vor allem aber im kruppschen Hüttenwerk, Arbeit zu finden. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrug die Einwohnerzahl noch ca. 40.000. 1949 wurde der 50.000. Einwohner registriert. 1947 wird das kruppsche Hüttenwerk aus dem Krupp-Konzern entflochten und aus der Demontageliste gestrichen; später wurde es wieder in den Krupp-Konzern integriert. Neben dem Stahlwerk entstand ein weiteres Tochterunternehmen: die Fa. Krupp Maschinen- und Stahlbau, später Krupp Industrietechnik genannt.

Das Werk[Bearbeiten]

Bis zu 16.000 Menschen fanden in den 1960er Jahren bei Krupp Arbeit, viele von ihnen kamen aus der Stadt Duisburg und dem niederrheinischen Hinterland. Daher wird die Bahnlinie 33 auf der Niederrheinstrecke, die von Kleve über Xanten, Rheinberg und Moers nach Rheinhausen führt, traditionell noch immer Hippeland-Express genannt (offizielle Bezeichnung: Der Niederrheiner), denn damals transportierte diese Linie Industriearbeiter aus dem landwirtschaftlich geprägten Kreis Kleve mit seiner traditionellen Ziegenzucht zum Hüttenwerk.

Die Firma Krupp nahm dabei lange Zeit eine wichtige Rolle für die urbane Entwicklung Rheinhausens ein: Krupp ließ eine Mustersiedlung für Stahlarbeiter bauen (Margarethensiedlung), einen kleinen Bahnhof am Werkstor I (Bahnhof Rheinhausen-Ost) sowie ein Krankenhaus, das den Namen seiner Tochter Bertha trug. Auch war die Firma Krupp, vor allem in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Firma, die für ihre Beschäftigten zahlreiche soziale Einrichtungen schuf. Von Krupp-eigenen Konsumgeschäften, in denen zunächst nur Werksangehörige und ihre Familien einkaufen konnten, über einen Krupp-eigenen Kindergarten, eine Krupp-eigene Bücherei, das erwähnte Berthakrankenhaus, eine eigene Badeanstalt (am Kruppsee), Großwäschereien für die Familien der Beschäftigten bis hin zu Kuranlagen an Luftkurorten. Rheinhausen war Krupp und Krupp war Rheinhausen. Beschäftigte bei der Firma Krupp blieben dort ein Leben lang und vor allem die Söhne fingen auch dort an zu arbeiten, die Töchter heirateten die Söhne anderer Kruppianer. Die gewerkschaftliche Organisationsquote der Krupp-Beschäftigten in der IG Metall lag bei fast 100 %.

Durch die Gewerbesteuereinnahmen von Krupp konnten in den 1960er und beginnenden 1970er Jahren durch die Stadtverwaltung viele soziale Einrichtungen, wie sechs Jugendzentren, fünf Altentagesstätten, 19 Kindergärten, Frei- und Hallenbädern eingerichtet werden, sowie eine international beachtete Sporthalle (Krefelder Straße) und eine große Veranstaltungshalle (Rheinhausenhalle). Es wurden bereits in den 50er Jahren der Rheinuferpark und der Volkspark Rheinhausen gegründet (Rheinhausens grüne Lungen) und an sehr vielen Straßen wurden Alleebäume gepflanzt, die dem Stadtteil insbesondere ab den 1980er Jahren ein parkartiges Aussehen verschafften. Allerdings sorgte der Einfluss der Firma Krupp auch dafür, dass sich keine Konkurrenzfirmen ansiedeln konnten, die im örtlichen Arbeitskräftereservoir hätten wildern können. Dadurch war in dieser Stadt eine extreme Monostruktur gegeben.

Das Ende[Bearbeiten]

Mit dem Niedergang von Kohle und Stahl begann auch für Rheinhausen der wirtschaftliche Abstieg. Die beiden Zechen wurden bereits in den 1960er Jahren geschlossen. Hier wurden aber freigesetzte Arbeitskräfte meist von der Firma Krupp, die weiter expandierte, aufgenommen. In den 1980er Jahren machte das kruppsche Hüttenwerk dann bundesweit Schlagzeilen. Die „Krupp-Stahl AG“ entstand am 18. Juni 1980. Die Neugründung leitete definitiv die etappenweise Stilllegung einzelner Fertigungsbereiche und Betriebsteile in Rheinhausen ein.

Die Krupp Stahl AG gibt am 3. Dezember 1982 die Schließung ihres Walzwerkes in Duisburg-Rheinhausen bekannt. Mehrere Tausend Arbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Krupp begründet die Entscheidung so: Mit den Walzstählen aus Rheinhausen sei die Aktiengesellschaft am subventionierten Markt nicht konkurrenzfähig. Mitte der 1970er Jahre hatte eine weltweite Stahlkrise eingesetzt. Es kam zu Absatzschwierigkeiten, mehrere Werke in Deutschland mussten schließen. Insgesamt waren in der Stahlbranche 200.000 Stellen bedroht. Noch mehr waren es im Bergbau.

Die Firmen Krupp und Mannesmann beschlossen Ende 1987 die Zusammenführung ihrer beiden Duisburger Stahlstandorte in Hüttenheim und Rheinhausen auf dem Gelände der Hüttenwerke in Duisburg-Hüttenheim. 1987 erhielt Rheinhausen durch den Widerstand gegen die Schließung des damals vorhandenen Stahlwerks große Medienpräsenz. Am 26. November 1987 wurde bekannt, dass der Konzern die Werksschließung bis Ende 1988 plante, über 6000 Arbeitsplätze waren gefährdet. Nach einer viel beachteten Rede von Helmut Laakmann begann der Arbeitskampf. In Duisburg-Rheinhausen besetzten am 10. Dezember 1987 Krupp-Arbeiter die Rheinbrücke, protestieren gegen die Schließung ihres Werkes. Rheinhausen wurde damit zum Synonym für „Stahlkrise“. Die Rheinbrücke Rheinhausen – Hochfeld wurde von den Arbeitnehmern in „Brücke der Solidarität“ umbenannt, ein Name, der später von der Stadt Duisburg offiziell übernommen wurde. Im Winter 1987/88 folgten große Demonstrationen gegen die Schließung des verbliebenen Hüttenwerks. In diesem Rahmen wurden auch die Rheinbrücke sowie die Bundesautobahn 40 blockiert und die Villa Hügel in Essen besetzt. Monatelange Mahnwachen begleiteten die Auseinandersetzungen.

Der Konflikt endete am 3. Mai 1988 mit einem Pyrrhussieg der Belegschaft. Das Werk wurde zwar nicht geschlossen. Doch der unter Vermittlung des damaligen nordrhein- westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau gefundene Kompromiss („Düsseldorfer Vereinbarung“) verwies deutlich auf das nicht mehr abzuwendende Ende: Das Walzwerk und der Hochofen II (aus dem Jahre 1972) stellten den Betrieb ein. Thyssen übernahm die Schienenproduktion, das Hauptprodukt der Rheinhauser Hütte. Ein Teil der Stahlproduktion wurde auf die zwischenzeitlich gegründete Gemeinschaftshütte „Hüttenwerke Krupp Mannesmann“ (gegr. 5. Dezember 1988) in Duisburg-Huckingen verlagert. Heftig angeschlagen ging Rheinhausen in die 1990er Jahre. Gleichzeitig hatten die Düsseldorfer Vertragspartner vereinbart, ein Zentrum für Aus- und Weiterbildung in Rheinhausen einzurichten. Darüber hinaus verpflichteten sich die Konzernleitungen von Krupp und Mannesmann, rd. 1.500 Arbeitsplätze am Standort zu schaffen.

Trotz aller Proteste endete am 15. August 1993 um 9:44 Uhr, nach dem letzten Abstich im LD II Stahlwerk mit der endgültigen Schließung der Kruppschen Hüttenwerke eine fast 100-jährige Industriegeschichte. Bis 1987 hatte die Hütte gut 10.000 Arbeitsplätze abgebaut. Zum Zeitpunkt der endgültigen Werksschließung 1993 arbeiteten schließlich nur noch 2.252 Personen auf dem Gelände. Dass sie mit 2 Millionen Jahrestonnen Rohstahl fast genauso viel produzierten wie die 16.000 Stahlarbeiter des Jahres 1960, dokumentiert den ungeheuren Modernisierungsschub der vergangenen drei Jahrzehnte.

Das LD-Stahlwerk wurde als eines der letzten großen Gebäudekomplexe auf dem Krupp-Areal am 12. Februar 1999 gesprengt, die beiden letzten Hochöfen am 2. April und am 23. September 2000. Erhalten sind noch die Villen der ehemaligen leitenden Angestellten in Bliersheim und das Casino mit dem Charme der 1950er Jahre sowie das denkmalgeschützte Werktor 1. Das nicht denkmalgeschützte, am Werktor 1 gelegene stark verwahrloste und zeitweise in Privatbesitz befindliche Pförtnerhaus wurde am 19. November 2012 abgerissen [3].

Auf dem Gelände des ehemaligen Kruppstahlwerkes entstand mit 2300 Arbeitsplätzen ein Zentrum für Logistikunternehmen unter dem Namen Logport II, das zur Duisburger Hafen AG gehört. Containerterminals und große Parkplätze für per Schiff angelieferte Neufahrzeuge bestimmen nun das Bild des Geländes.

Am ehemaligen Werktor 1 stiftete die Duisburger Hafen AG im Herbst 2013 eine Gedenkstätte mit völlig neuer Gestaltung unter Einbeziehung des markanten Spannbeton-Tores. Auf einer Gedenktafel wird der Industriegeschichte Rheinhausens, des Arbeitskampfes und der Umwidmung in ein Logistikzentrum gedacht.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Groeck: "Die Friedrich-Alfred-Hütte", Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Band 52, Nr. 3, 18. Januar 1908 S. 91ff. nach einer Veröffentlichung in "Stahl und Eisen" vom 9. Oktober 1907. (Ausführlicher technischer Bericht mit Fotos und Lageplänen).
  • Friedrich Albert Meyer: Die Landnahme der Industrie im Rheinhauser Raum. (= Schriftenreihe der Stadt Rheinhausen, Band 3.) 1965.
  • Friedrich Albert Meyer: Von der Ruhr über den Rhein. Rheinhausens Schwerindustrie. (= Schriftenreihe der Stadt Rheinhausen, Band 4.) 1966.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Historisches Archiv Krupp - Archivbestände. ThyssenKrupp AG, abgerufen am 21. November 2011.
  2. Ersttagsblatt 21/1975.
  3. Tor 1 Pförtnerhaus wird abgerissen. RP-Online, abgerufen am 2. Juli 2014. online

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Fotos des Stahlwerks[Bearbeiten]

 Commons: Hütten- und Bergwerke Rheinhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.3975486.727939Koordinaten: 51° 23′ 51″ N, 6° 43′ 41″ O