HASAG

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Brenner- und Lampenfabrik Hugo Schneider in der Reudnitzer Kohlgartenstraße um 1887

Die Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG) war ein deutsches Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung, das auch als Rüstungskonzern von Bedeutung war.

Geschichte[Bearbeiten]

Hugo Schneider um 1888
Fabrikmarken der HASAG

1863 wurde die Lampenfabrik Haeckel & Schneider in Paunsdorf bei Leipzig gegründet. Zunächst als Manufaktur konzipiert, wuchs das Unternehmen bis 1880 zu einem mittleren Industriebetrieb heran. Das Hauptgeschäft war die Herstellung von Lampen. Hugo Schneider, der zunächst nur als Teilhaber des Unternehmens auftrat, übernahm es 1871 ganz. 1899 wurde es dann zur Metallwarenfabrik Hugo Schneider Aktiengesellschaft umgewandelt. Als Hersteller von Beleuchtungs-, Heiz- und Kochartikeln begann die HASAG schon im Ersten Weltkrieg mit der Produktion von Munitionshülsen und anderen Rüstungsgütern, die in den Kriegsjahren den Umsatz bestimmten. Nach dem Krieg versuchte man zunächst das Unternehmen mit Artikeln, welche schon vor dem Ersten Weltkrieg produziert wurden zu erhalten. Mit der beginnenden Aufrüstung nach der Machtergreifung 1933 konnte die HASAG wieder Aufträge für Rüstungsgüter bekommen. Diese waren für das Unternehmen lukrativ, weil kein Vertrieb an Einzelhändler organisiert werden musste, sondern das Deutsche Reich als Großabnehmer auftrat. Die HASAG spezialisierte sich daher auf die Produktion von Rüstungsgütern und wurde in dieser Sparte zu einem der größten Konzerne Deutschlands.

1930 hatte die HASAG 1.000 Beschäftigte bei einem Jahresumsatz von 5 Millionen Reichsmark (RM). Das Unternehmen lieferte ab 1933 Munition an die Reichswehr (ab 1935: Wehrmacht) und wurde 1934 offiziell als Rüstungsbetrieb eingestuft. 1939 betrug der Jahresumsatz 22 Millionen RM.[1] Das Stammwerk in Leipzig wurde von 1935 bis 1939 weiter ausgebaut. Wilhelm Renner, Vater von Hannelore Kohl, arbeitete als Betriebsdirektor und Prokurist in der HASAG von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Der ebenfalls mit Prokura ausgestattete Oberingenieur Edmund Heckler baute die Zweigwerke in Leipzig, Berlin, Taucha und Altenburg auf und leitete die drei letztgenannten.[2]

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde es schwer, Arbeitskräfte zu beschaffen. Trotz Dienstverpflichtung der Frauen wurden auch ausländische Arbeitskräfte angeworben und bald durch Zwangsarbeiter ersetzt. Der Konzern bevorzugte den Einsatz und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus mehreren Konzentrationslagern für die Produktion in etlichen Betrieben und unterhielt von der SS verwaltete eigene Zwangsarbeiterlager mit Häftlingen.

1944 erhielt die HASAG durch den Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer die Sondervollmacht Hochlauf Panzerfaust. Damit war der Konzern alleiniger Hersteller dieser Waffe in Deutschland und konnte seine Werke ausbauen. 1945 wurden Tausende Häftlinge aus den HASAG-Werken in Todesmärschen abtransportiert.

Nach Ende des Krieges begann man im Stammwerk Leipzig, Kochtöpfe, Milchkannen, Lampen usw. zu produzieren. Bis 1947 wurden alle Maschinen und Anlagen demontiert und durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Reparationsleistungen beschlagnahmt. Die meisten Gebäude wurden danach gesprengt.[3]

Zivile Patente der HASAG wurden nach 1949 von Volkseigenen Betrieben in der DDR zur Produktion genutzt. So stellte zum Beispiel der VEB Metallwaren Leipzig (MEWA) eine Starklichtlampe nach einem Muster der HASAG her. Der VEB Leuchtenbau Leipzig hatte die Rechte der Wortmarke HASAG und verlängerte diese 1963. Erst 1974 wurde die Marke gelöscht.[4][5][6]

Produzierte Güter und Waffen[Bearbeiten]

Betriebe der HASAG 1944/1945[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH (Hrsg.): Leipzig Permoserstraße. Zur Geschichte eines Industrie- und Wissenschaftsstandorts. 2001, ISBN 3-932900-61-8.
  • Felicja Karay: Wir lebten zwischen Granaten und Gedichten. Das Frauenlager der Rüstungsfabrik HASAG im Dritten Reich. (aus dem Hebräischen von Susanne Plietzsch) Böhlau, Köln et al. 2001, ISBN 3-41214501-7. (über Leipzig-Schönefeld)
  • Walter Strand: Das KZ-Außenlager Schlieben. Bücherkammer, Herzberg 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: HASAG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.conne-island.de/nf/107/21.html NS-Geschichte in Leipzig
  2. Manfred Kersten/Walter Schmid: Heckler & Koch : HK ; die offizielle Geschichte der Oberndorfer Firma Heckler & Koch ; Einblicke in die Historie, Beschreibung der Waffenmodelle, Darstellung der Technik. Weispfennig, Wuppertal 1999, ISBN 3-00-005091-4, S. 17.
  3. Leipzig Permoserstraße. Zur Geschichte eines Industrie- und Wissenschaftsstandorts. UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH, 2001.
  4. http://www.hytta-stuga.de/steckbrief/showad.php?adid=209
  5. http://publikationen.dpma.de/DPMApublikationen/shw_tm_bib.do?id=691167
  6. http://publikationen.dpma.de/DPMApublikationen/shw_tm_dpi.do?bibdatid=691167&id=DD463881
  7. Entwicklung und Produkte der HASAG, Seite 5, (pdf; 1,0 MB)
  8. Walter Strnad: Das KZ-Außenlager Schlieben. Bücherkammer, Herzberg 2005.

51.35263512.433047Koordinaten: 51° 21′ 9″ N, 12° 25′ 59″ O