HGÜ Italien-Griechenland

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Die HGÜ Italien-Griechenland, abgekürzt GRITA, ist eine 313 km lange Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) zwischen Italien und Griechenland und stellt zwischen den beiden Ländern die einzige Möglichkeit dar, direkt elektrische Energie auszutauschen. Die Leitung wurde im Jahr 2001 in Betrieb genommen, ist auf die Übertragung einer Maximalleistung von 500 MW ausgelegt und kann wahlweise und je nach Bedarf Energie entweder von Italien nach Griechenland oder umgekehrt transportieren.[1]

Verlauf[Bearbeiten]

HGÜ Italien-Griechenland (Mittelmeer)
Stromrichterstation Galatina
Stromrichterstation Galatina
Griechische Seekabelstation
Griechische Seekabelstation
Stromrichterstation Arachthos
Stromrichterstation Arachthos
Lage der Stationen der HGÜ Italien-Griechenland
BW

Die Leitungsführung beginnt an der Stromrichterstation nahe dem italienischen Ort Galatina, verläuft 43 km als Erdkabel zur Küste, durchquert als 160 km langes Seekabel das Ionische Meer nach Griechenland und verläuft auf griechischer Seite als 110 km lange Freileitung zu dem griechischen Ort Arachthos, an welchem sich die zweite Stromrichterstation befindet. Das Seekabel liegt an der tiefsten Stelle 1000 m unter Wasser, womit GRITA bei der Inbetriebnahme weltweit die tiefste HGÜ-Seekabelverbindung darstellte.

Sowohl auf italienischer Seite als auch auf griechischer Seite sind die Stromrichterstationen an das jeweilige 400-kV-Hochspannungsnetz angebunden und Teil des europäischen europäischen Verbundsystems. Die Planungs- als auch die Baukosten wurden von der Europäischen Union mit 40 % der Gesamtkosten gefördert.[1]

Technik[Bearbeiten]

Stromrichterstation in Galatina

Die als monopolare HGÜ ausgeführte Verbindung wird mit einer Gleichspannung von 400 kV betrieben, bei Vollast beträgt der Leiterstrom 1250 A. Als monopolare Leitung im Abschnitt des Seekabels ist nur ein Leiterseil vorhanden, als Rückleiter wird die Erdung verwendet. Die dafür nötige Anode als Erdungselektrode auf griechischer Seite besteht aus 39 korrosionsbeständigen Einzelelektroden aus Titanstahl mit einer Niob(II)-oxid-Beschichtung. Die Beschichtung ist nötig, um eine chemische Zersetzung der Anode zufolge des Stromflusses zu minimieren. Die Erdungselektroden befinden sich im Meerwasser in einer zu diesem Zweck abgesperrten Lagune. Die Kathode auf italienischer Seite nahe dem Ort Otranto unterliegt hingegen keiner Korrosion durch den Stromfluss und besteht aus blanken Kupferringen in 30 m tiefen Küstengewässer.

Der Stromfluss erfolgt unabhängig von der Richtung des Leistungsflusses immer in der gleichen Richtung, während die Polarität des Leiterseils gegenüber Erde je nach Lastflussrichtung die beiden Werte +400 kV und -400 kV annehmen kann. Das Umschalten der Leitungspolarität ist auf 1000 Umschaltungen pro Jahr limitiert und darf innerhalb von zwei Stunden nur einmal erfolgen. Der Grund liegt in der Deionisation des Isolationsmaterials des Hochspannungskabels. Der Deionisationsprozess beträgt über 10 Minuten, während die Leitung nicht verwendet werden kann.

Die Stromrichtertransformatoren sind bei beiden Stationen als jeweils drei einphasige Transformatoren mit einer Einzelleistung von 200 MVA ausgeführt und die Thyristortürme in den Umrichterhallen sind als Zwölfpulsschaltung ausgeführt. Die Verluste bei 40 °C Umgebungstemperatur und der maximalen Übertragungsleistung von 500 MW betragen 7 MW an den Konvertern, primär in den Thyristortürmen und Stromrichtertransformatoren, und 14 MW an Leitungsverluste. Die Leitungsverluste entsprechen in diesem Fall einem relativen Verlust von ca. 0,9 % auf 100 km Leitungslänge.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c The Italy-Greece HVDC Link, Cigre, 2002, engl.