HMS Britannia (1904)

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Flagge
Die HMS Britannia
Die HMS Britannia
Übersicht
Typ Linienschiff
Bauwerft

Portsmouth Dockyard, Portsmouth

Kiellegung 4. Februar 1902
Stapellauf 10. Dezember 1904
Namensgeber römischer Name der Insel und der Provinz
Indienststellung 8. September 1906
Verbleib am 9. November 1918 nach Torpedotreffern gesunken
Technische Daten
letzter britischer Kriegsschiffverlust im Ersten Weltkrieg
Verdrängung

16.350 ts , max. 17.500 ts

Länge

p.p.: 133,3 m (437 ft) ,
ü.a.: 138,3 m (453.5 ft)

Breite

 23,8 m (78 ft)

Tiefgang

  8,15 m (26.75 ft)

Besatzung

777 Mann

Antrieb

15 Babcock & Wilcox-und 3 Zylinderkessel
2 4 Zyl-Dreifach-Expansionsmaschinen
(18.000 PS), 2 Schrauben

Geschwindigkeit

18,5 kn

Reichweite

5270 sm bei 10 kn

Bewaffnung

• 4 × 305 mm-L/45-Mk.X-Kanonen
• 4 × 234 mm-L/45-Mk.X-Kanonen
• 10 × 152 mm-L/50-Mk.XI-Kanonen
• 14 × 76 mm-L/50-12pounder/18 cwt-Kanonen
• 14 × 47 mm-3 pounder–Hotchkiss-Kanonen
• 5 × 45 cm-Torpedorohre
(1 Über-/4 Unterwasser)[1]

Treibstoffvorrat

2.164-2.238 ts Kohlen; 380 ts Öl

Gürtelpanzer

203 bis 229 mm (8-9 in)

Panzerdeck

25 bis 63 mm (1 - 2.5 in)

Artillerietürme

305 mm (12 in) bzw.
234 mm (9.2 in)

Barbetten

305 mm (12 in)

Kasematten

178 mm (7 in)

Kommandoturm

305 mm (12 in)

Panzerschotts

203 bis 305 mm (8-12 in)

Die sechste HMS Britannia der britischen Royal Navy war ein Linienschiff der King Edward VII-Klasse, das 1906 in Dienst gestellt wurde. Zuletzt im Atlantik zur Konvoysicherung im Einsatz war sie das letzte Kriegsschiff, das die Royal Navy im Ersten Weltkrieg verlor, als sie zwei Tage vor dem Waffenstillstand vor Kap Spartel durch ein deutsches U-Boot versenkt wurde.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Obwohl die Britannia und ihre sieben Schwesterschiffe der King Edward VII-Klasse eine Weiterentwicklung der Majestic-Klasse waren, waren sie gleichzeitig auch die erste Klasse mit einem erheblichen Unterschied vom Majestic-Entwurf.

234 mm-(9.2 Zoll)-Seitenturm

Sie waren nicht nur etwa 1.000 ts größer sondern führten auch erstmals auf einem britischen Linienschiff eine Zwischenbatterie von vier 234-mm-Kanonen neben der üblichen 152-mm-Batterie. Die 234-mm-Kanonen waren auch Schnellfeuergeschütze wie die 152 mm-Batterie und ihre schwereren Geschosse machten sie zu einer bedeutenden Waffe zur Zeit des Entwurfs der Klasse. Ihr Einbau erfolgte, weil man die britischen Schiffe für ihre Größe für unterbewaffnet hielt und andere Marinen bereits den Einbau einer Zwischenbatterie von 203 mm-Geschützen begonnen hatten. Die vier 234-mm-Kanonen[2] waren in vier Einzeltürmen seitlich der Masten aufgestellt, sodass jede Breitseite zwei dieser Geschütze enthielt. Der Einbau von 234-mm-Kanonen als einheitliche Mittelartillerie wurden kurzzeitig erwogen, aber verworfen, da eine totale Änderung eine erheblich längere Zeit für die Überarbeitung des Grundentwurfs erfordert hätte. Tatsächlich erwies sich auch der Einbau von 305 mm- und 234 mm-Geschützen als wenig glücklich, da eine Unterscheidung der Einschläge im Wasser der unterschiedlichen Waffen als sehr schwierig erwies. Und dies obwohl man die Gefechtsmasten der Vorläufer-Baureihen aufgegeben und dafür Plattformen für die Feuerleitung eingebaut hatte.[3]

Wie alle britischen Linienschiffen seit der Majestic-Klasse führte auch die King Edward VII-Klasse als Hauptartillerie vier 305-mm-Kanonen in zwei Doppeltürmen (Bug- und Heckturm). Die Britannia hatte als eines der drei letzten Schiffe der Klasse dabei Geschütze der Ausführung L/45-Mark X[4], während die ersten fünf Schiffe der Klasse noch das 12-Zoll-L/40-Mark IX Geschütz[5] erhalten hatten. Der Einbau der 6-Zoll (152 mm)-Kanonen[6] in Kasematten wurde bei der King Edward-Klasse aufgegeben und sie wurden in einer Batterie mittschiffs aufgestellt, die eine 178-mm-Panzerung erhielt. Ansonsten ähnelte die Panzerung der Britannia und ihrer Schwestern trotz vieler Unterschiede im Detail der London-Klasse.[3]
Britannia und ihre Schwestern wurden vorrangig mit Kohle betrieben. Allerdings erhielten die Schiffe, außer der HMS New Zealand, während des Baues erstmals auf britischen Linienschiffen zusätzlich eine Vorrichtung zum Besprühen der Kohle mit Öl. Dies erlaubte eine schnelle Steigerung des Dampfdrucks, was die Beschleunigung der Schiffe erleichterte. Die acht Schiffe der Klasse erhielten zu Vergleichszwecken vier verschiedene Einbauvariationen der Kessel zu Vergleichszwecken. Britannia's Kesselinstallation soll aus drei Zylinderkesseln und zwölf[3] oder 18[7] Babcock and Wilcox-Kesseln bestanden haben, mit denen sie 18,24 Knoten während der Probefahrten erreichte. Britannia und ihre Schwestern waren die ersten britischen Linienschiffe seit den 70ern mit ausgeglichenen Rudern und sie waren mit einem taktischen Radius von 340 yards bei 15 Knoten sehr beweglich. Es war alles schwierig, sie auf einem geraden Kurs zu halten, was zu dem Spitznamen „the Wobbly Eight“ führte. Die Schiffe rollten früher als andere britische Linienschiffe, erwiesen sich jedoch als sehr stabile Feuerplattformen. Allerdings waren sie bei Seegang auch sehr nass.[3]

Die Britannia war ein sehr starkes Schiff zur Zeit ihrer Konstruktion und erreichte auch die geplanten Leistungen. Allerdings gelangen gleichzeitig wesentliche Weiterentwicklungen in allen Bereichen der Ausgestaltung der Schlachtschiffe. Schon drei Monate nach ihrer Indienststellung erfolgte die der HMS Dreadnought, die einen erheblich höhere Feuerkraft und Geschwindigkeit hatte. Die folgenden Schlachtschiffe nach ihrem Grundentwurf ließen die Britannia und ihre Schwesterschiffe der King Edward VII-Klasse, wie alle zuvor hergestellten Linienschiffe als überholt erscheinen, deren Einsatz bis 1916 nur noch an der Spitze der Divisionen der Schlachtschiffe der Grand Fleet zum Schutz vor Minen sinnvoll erschien.[8]

Die HMS Britannia wurde als sechstes Schiff der Klasse fertig und war das zweite Schiff der Klasse, das bei der Marinewerft in Portsmouth zu einem Preis von £ 1.408.053[9]gebaut wurde. Nach ihrer Kiellegung am 4. Februar 1902, lief sie am 10. Dezember 1904 vom Stapel und schloss ihre Abnahmetests im September 1906 ab. Ihr Schwesterschiff von derselben Werft war die ein Jahr früher fertiggestellte HMS New Zealand. Der Portsmouth Dockyard hatte beginnend mit der HMS Majestic im Jahre 1895 sechs Linienschiffe mit zwei 305 mm-Doppeltürmen als Hauptbewaffnung geliefert.

Einsatzgeschichte[Bearbeiten]

Die fertiggestellte HMS Britannia wurde am 6. September 1906 erstmals der Reserve in Portsmouth zugewiesen und stellte dann aber doch schon am 2. Oktober 1906 für den Dienst bei der Atlantikflotte in Dienst.

Einsätze vor dem Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Britannia ersetzt mit ihren Schwesterschiffen die bei dieser Flotte eingesetzten Linienschiffe der Duncan-Klasse. Am 4. März 1907 wurde die HMS Britannia der Kanalflotte zugeteilt, die bei der Reorganisation der Flotte am 24. März 1909 die „Second Division“ der Home Fleet wurde und wo die Britannia ab April 1909 auch als Flaggschiff der Second Division eingesetzt wurde. Sie wurde von 1909 bis 1910 in Portsmouth überholt. Am 14. Juli 1910 kollidierte sie dann mit der Bark Loch Trool, wobei sie leichte Schäden erlitt.[10]

Durch die Reorganisation der Flotte im Mai 1912 bildete die Britannia mit ihren sieben Schwesterschiffen der King Edward VII-Klasse ( HMS King Edward VII., HMS Commonwealth, HMS Dominion, HMS Hindustan, HMS New Zealand, HMS Africa, HMS Hibernia) das 3. Schlachtgeschwader der Home Fleet. Das Geschwader verlegte im November 1912 wegen des Ersten Balkankriegs (Oktober 1912 bis Mai 1913) ins Mittelmeer. Es traf am 27. November 1912 in Malta ein und nahm an der internationalen Seeblockade Montenegros und der Besetzung von Skutari teil. 1913 kehrte das Geschwader wieder in die Heimat zurück und trat am 27. Juni wieder zur Home Fleet.[10] Die Britannia verließ das aktive Geschwader und wurde der Second Division, Home Fleet, zugewiesen.[11]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Vorschiff der Britannia, Oktober 1914.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Britannia wieder zum 3. Schlachtgeschwader versetzt, das der Grand Fleet unterstellt und in Rosyth stationiert war. Das Geschwader ergänzte anfangs die Kreuzer der Grand Fleet bei der Northern Patrol. Vom 2. bis 13. November 1914 verlegte es nach Portland zur Verstärkung der Channel Fleet. Am 26. Januar 1915 lief die Britannia nahe Inchkeith im Firth of Forth auf. Nach 36 Stunden kam sie wieder frei, hatte aber einen erheblichen Schaden am Schiffsboden erlitten. Die Reparatur und eine Überholung erfolgten darauf bei der Marinewerft in Devonport.[10] Danach kehrte die Britannia zur Grand Fleet zurück und diente dort bis zum April 1916. Während der Vorstöße der Flotte wurden sie und ihre Schwesterschiffe oft als Sperrbrecher gegen Minen vor den Divisionen der Schlachtschiffe eingesetzt.[12]

Am 29. April 1916 verlegte das 3. Schlachtgeschwader nach Sheerness und war ab dem 3. Mai 1916 nicht mehr der Grand Fleet sondern dem Nore-Kommando unterstellt. Britannia blieb beim Geschwader bis August 1916, um dann im Portsmouth Dockyard[13] bis September überholt zu werden. Nach der Instandsetzung wechselte die Britannia ins Mittelmeer nach Tarent zum 2. Detachierten Geschwader, das 1915 zur Unterstützung der italienischen Regia Marina gegen die Österreichische Marine an der Adria gebildet worden war.
Im Februar und März 1917 wurde sie in Gibraltar überholt und wechselte dann als Flaggschiff zum in der Konvoysicherung eingesetzten 9. Kreuzergeschwader im Atlantik, wo sie den Panzerkreuzer HMS King Alfred ablöste und gleichzeitig mit dem Schwesterschiff Africa eingesetzt wurde. Meist war sie in Sierra Leone stationiert. Im Mai 1917 wurde sie in Bermuda erneut überholt,[14] wobei ihre 152-mm-Batterie ausgebaut wurde und durch vier 152-mm-Geschütze auf dem Oberdeck ersetzt wurde.[11] Zwischen Oktober 1917 und Juli 1918 begleitete sie mehrere Geleitzüge zwischen Sierra Leone und Südafrika (Simonstown). Am 29. Oktober verließ sie Dakar zu ihrer letzten Reise.

Verlust[Bearbeiten]

Die vor Kap Trafalgar sinkende Britannia

Am Morgen des 9. November 1918 lief die Britannia unter Kapitän Francis F. Caulfield aus Sierra Leone kommend mit zwei Zerstörern von Westen in die Straße von Gibraltar, als sie vor Kap Spartel vom deutschen Unterseeboot SM UB 50 um 8:08 Uhr torpediert wurde. Sie erhielt kurz nacheinander zwei Torpedotreffer. Das Schiff bekam sofort Schlagseite und es kam zu einer Explosion im 234-mm-Magazin, das nach Stromausfall nicht rechtzeitig geflutet werden konnte. Dennoch konnte die Britannia über drei Stunden über Wasser gehalten werden, so dass die Mannschaft abgeborgen werden konnte. Nach Scheitern von Abschleppversuchen der Sloops HMS Rocksand und HMS Coreopsis sank sie um 11:31 Uhr auf der Position 35° 53′ N, 5° 53′ W35.883333333333-5.8833333333333Koordinaten: 35° 53′ 0″ N, 5° 53′ 0″ W. Dennoch starben 51 Besatzungsmitglieder und die geborgenen 80 Verletzten hatten meist Vergiftungen durch das brennende Cordit[14] erlitten. 39 Offiziere und 673 Mann konnten gerettet werden.[15] Das deutsche U-Boot vom Typ UB III unter Oberleutnant zur See Heinrich Kukat (1891–1920) hatte die sichernden Zerstörer passiert. Seine beiden ersten Torpedoschüsse gingen fehl. Es konnte sich der Verfolgung der Sicherungsschiffe entziehen.

Die Versenkung der Britannia erfolgte zwei Tage vor dem Abschluss des Waffenstillstandes am 11. November 1918 in Compiègne, der den Weltkrieg beendete. Sie war das letzte britische Kriegsschiff, das im Weltkrieg verloren ging.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Conway's All the World's Fighting Ships, 1806-1905, S. 38, nennt nur 4 Torpedorohre
  2. 9.2"/47 (23.4 cm) Mark X
  3. a b c d Conway's All the World's Fighting Ships, 1860-1905. S. 38
  4. 12"/45 (30.5 cm) Mark X
  5. 12"/40 (30.5 cm) Mark IX
  6. 6"/50 (15.2 cm) BL Marks XI and XI
  7. Burt, S. 232
  8. Burt, S. 235
  9. Burt, S. 233
  10. a b c Burt, S. 251.
  11. a b Conway's All the World's Fighting Ships, 1906–1921. S. 9
  12. Burt, S. 235, 251.
  13. Burt, S. 251, 253.
  14. a b Burt, S. 253.
  15. HMS Britannia Sunk. In: The Daily Telegraph. 11. November 1918.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. A. Burt: British Battleships 1889–1904. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1988, ISBN 0-87021-061-0.
  • Roger Chesneau, Eugene M. Kolesnik (Hrsg.): Conway's All The World's Fighting Ships, 1860–1905. Mayflower Books, New York 1979, ISBN 0-8317-0302-4.
  • F. J. Dittmar, J. J. Colledge: British Warships 1914-1919. Ian Allen, London 1972, ISBN 0-7110-0380-7.
  • Tony Gibbons: The Complete Encyclopedia of Battleships and Battlecruisers: A Technical Directory of All the World's Capital Ships From 1860 to the Present Day. Salamander Books, London 1983.
  • Randal Gray (Hrsg.): Conway's All The World's Fighting Ships 1906–1921. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1985, ISBN 0-87021-907-3.
  • Randolph Pears: British Battleships 1892–1957: The Great Days of the Fleets. G. Cave Associates, 1979, ISBN 0-906223-14-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: HMS Britannia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien