HMS London (1899)

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Flagge
HMS London beim Einlaufen in Valetta, Malta, 1915
HMS London beim Einlaufen in Valetta, Malta, 1915
Übersicht
Typ Linienschiff
Bauwerft

Portsmouth Dockyard, Portsmouth

Kiellegung 8. Dezember 1898
Stapellauf 21. September 1899
Indienststellung 7. Juni 1902
Verbleib 4. Juni 1920 zum Abbruch verkauft
Technische Daten
Verdrängung

15.366 tn.l., max. 15.955 tn.l.

Länge

pp. 125,3 m (411 ft);
üa. 131,4 m (431 ft)

Breite

 22,9 m (75 ft)

Tiefgang

    7,9 m (26 ft)

Besatzung

780 Mann (Frieden)

Antrieb
Geschwindigkeit

18 kn,

Reichweite

5550 sm bei 10 kn

Bewaffnung
  • 4 × 305 mm-12"-Mk.IX-Geschütze in Doppeltürmen
  • 12 × 152 mm- 6"-Mk.VII-Geschütze
  • 16 × 76 mm-12 Pfünder-12 cwt-Geschütze
  • 2 × 12-Pfünder Boots- und Feldgeschütze
  • 2 × Maschinengewehre
  • 4 × 457 mm-Torpedorohre unter Wasser
Treibstoffvorrat

?? t Kohle

Gürtelpanzer

bis 231 mm (9 in)

Deck

25–65 mm (1–2.5 in)

Panzerschotts

231–305 mm (9–12 in)

Türme

203–254 mm (8–10 in)

Barbetten

305 mm (12 in)

Kasematten

152 mm (6 in)

Kommandoturm

360 mm (14 in)

Die HMS London war ein Linienschiff der Formidable-Klasse der britischen Royal Navy, deren erster Einsatz bei der Mittelmeerflotte erfolgte. Ab 1908 wurde sie in den Heimatgewässern eingesetzt und führte 1912 und 1913 Experimente mit Flugzeugstarts von einem Schiff durch. Im Ersten Weltkrieg nahm die London unter anderem an den Kämpfen um die Dardanellen teil. 1918 wurde sie noch zu einem Minenleger umgebaut und 1920 zum Abbruch verkauft.

Geschichte des Schiffs[Bearbeiten]

Die HMS London lief am 21. September 1899 als viertes Schiff der Formidable-Klasse in Portsmouth vom Stapel und wurde im Juni 1902 in Dienst gestellt. Die Kosten für den Bau betrugen 1,1 Millionen £. Die Hauptbewaffnung des Schlachtschiffs bestand aus vier 12-Zoll-Geschützen (305 mm) des Typs Mk IX in zwei Doppeltürmen sowie zwölf 6-Zoll-Geschützen (152 mm) des Typs Mk VII in seitlichen Kasematten. Im Vergleich zu den ersten drei Schiffen ihrer Klasse hatte die London – wie auch die nachfolgenden Schiffe HMS Bulwark, HMS Venerable, HMS Queen und HMS Prince of Wales – einen leicht veränderten Entwurf, vor allem eine um einen halben Zoll verringerte Deckspanzerung, was einen etwas geringeren Tiefgang bewirkte. Teilweise werden diese Schiffe deshalb als „London-Klasse“ bezeichnet, es handelt sich aber um eine nur geringfügige Variante der Formidable-Klasse. Durch den Bau der Dreadnoughts waren die London und ihre Schwesterschiffe bereits 1906 technisch veraltet.

Einsätze im Frieden[Bearbeiten]

Die HMS London stellte in Portsmouth am 7. Juni 1902 in Dienst für die Mittelmeerflotte. Vor ihrer Ausreise diente sie noch am 16. August 1902 als Flaggschiff für die Flottenbesichtigung aus Anlass der Krönung König Eduard VII. in Spithead. Während der Einsatzzeit im Mittelmeer wurde sie regelmäßig in Malta 1902 auf 1903 und 1906 überholt.[1] Zur Mittelmeerflotte kamen bis 1904 alle acht Schiffe der Formidable-Klasse. Ihr hatten 1901 noch 15 Linienschiffe angehört, die aber nicht mehr als erforderlich angesehen wurden, da man mit Frankreich verbündet war und ab 1905 die russische Flotte kaum noch Schiffe besaß. Im Juni 1906 waren nur sieben Linienschiffe im Mittelmeer, da die Prince of Wales zur Überholung in der Heimat war.

Im März 1907 wechselte die London zur Nore Division der Home Fleet und am 2. Juni 1908 zur Kanalflotte[1] als Flaggschiff des 2. Admirals.[2] Nach einer Überholung im Chatham Dockyard im Jahr 1908 stellte sie am 19. April 1909 außer Dienst, um umfangreicher modernisiert zu werden.[1] Am 8. Februar 1910 wurde sie in Chatham als Flaggschiff des 2. Admirals der Atlantikflotte wieder in Dienst genommen. In deren in Gibraltar stationierten Linienschiffsgeschwader dienten nach Eintreffen der London sechs Schiffe der Klasse mit der Prince of Wales als Flaggschiff sowie der Queen, der Venerable, der Formidable und der Implacable.

Am frühen Morgen des 13. Dezember 1911[3] wurde die London alarmiert, dass der P&O-Liner SS Delhi[4] bei Nebel und starkem Sturm südlich Kap Spartel aufgelaufen war.

Kreuzer der Friant-Klasse

Neben der London unter Konteradmiral Christopher Cradock erreichten noch der Panzerkreuzer HMS Duke of Edinburgh und der französische Kreuzer Friant die Unfallstelle. Die Delhi hatte inzwischen alle Boote verloren. Die Boote der Kriegsschiffe bargen die über 100 Passagiere, unter denen der Schwager des englischen Königs, der Herzog von Fife mit seiner Familie der prominenteste war und die Besatzung ab und brachten sie an Land oder auf die Kriegsschiffe. Bei den Rettungsmanövern kenterten ein britisches und ein französisches Boot. Drei französische Matrosen ertranken und waren die einzigen Todesopfer der Strandung. Die HMS Implacable lief zur Unterstützung nach Tanger und organisierte 50 Esel als Transportmittel für die Schiffbrüchigen. Am 14. überzeugte sich der Oberbefehlshaber der Atlantikflotte, Vizeadmiral Jellicoe, mit seinem Flaggschiff vom Fortgang der Rettungsarbeiten, die inzwischen durch den Einsatz einer Hosenboje beschleunigt worden waren. Die Delhi konnte nicht abgeborgen werden.

1. Flugzeugstart von der Hibernia

Bei der Umgliederung der britischen Flotte am 1. Mai 1912 wurde die London durch Umbenennung der Einheiten bei Auflösung der Atlantikflotte Teil des 3., dann des neuen 5. Schlachtgeschwaders der 2. Flotte (sogenannte aktive Reserve aktive Schiffe mit nur kleinen Stammbesatzungen) der Home Fleet in der Nore, und reduzierte die Besatzung auf einen kleinen Stamm zur Ausbildung von Reservisten.[2] Am 11. Mai 1912 kollidierte sie mit dem Dampfschiff Don Benite. Noch im Mai übernahm sie eine Rampe für das Vorschiff vom Linienschiff Hibernia,[1][2] um Startexperimente mit Flugzeugen fortzuführen. Commander Charles Rumney Samson, dem der erste Start von einem fahrenden Schiff im Mai 1912 von der Hibernia mit einem Short Improved S.27-Doppeldecker gelungen war, wiederholte dies von der auf die London umgesetzten Rampe erstmals am 4. Juli 1912.[5]

Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Obwohl technisch überholt, spielte das Schiff im Ersten Weltkrieg eine aktive Rolle. Zunächst war es -wie alle Linienschiffe der Formidable-Klasse der in Portland stationierten „5th Battle Squadron“ (5. Schlachtgeschwader) der Kanalflotte zugeordnet und wurde im März 1915 an die Dardanellen verlegt, wo sie an der Schlacht von Gallipoli teilnahm und am 25. April 1915 bei der Landung der alliierten Truppen Feuerunterstützung leistete. Nachdem die London von Mai bis Oktober 1915 mit den Linienschiffen HMS Implacable, HMS Queen und HMS Prince of Wales der neugeschaffenen „2nd Detached Squadron Adriatic“ in der Adria zur Unterstützung des neuen Alliierten Italien zugeordnet war, wurde sie zu einer Überholung nach Gibraltar verlegt. Im Oktober 1916 erfolgte die Außerdienststellung, um Personal für U-Boot-Abwehreinheiten zu gewinnen.

Die London als Minenleger

Von Februar bis April 1918 wurde die London zu einem Minenleger umgebaut. Dabei entfernte man den hinteren Geschützturm gänzlich, baute die Kanonen im vorderen Turm aus und reduzierte die Mittelartillerie auf drei 6-Zoll-Geschütze. Ab dem 18. Mai 1918 gehörte die London zum 1. Minenlegergeschwader der Grand Fleet und nahm am Verlegen der sogenannten „Northern Barrage“ teil, einer umfangreichen Minensperre am nördlichen Ausgang der Nordsee. Das ehemalige Linienschiff verlegte hierbei mehr als 2.600 Minen.

Nach seiner endgültigen Außerdienststellung wurde das Schiff am 4. Juni 1920 zum Abbruch verkauft.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. A. Burt: British Battleships 1889-1904. Naval Institute Press, Annapolis 1988.
  • Roger Chesneau, Eugene M. Kolesnik (Hrsg.): Conway’s All The World’s Fighting Ships, 1860–1905. Conway Maritime Press, London 1979, ISBN 0-85177-133-5
  • Randolph Pears: British battleships 1892–1957. Putnam 1957, ISBN 0-906223-14-8
  • Owen Thetford: British Naval Aircraft Since 1912. 6. Auflage, Naval Institute Press, Annapolis MD 1991, ISBN 1-55750-076-2.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Linienschiffe der Formidable-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Burt, S. 192
  2. a b c Conway’s All the World’s Fighting Ships, 1906-1921, S. 8
  3. Pears, S. 38f.
  4. SS Delhi in der englischsprachigen Wikipedia, Strandung derDelhi mit weiteren Nachweisen
  5. Thetford, S. 454