HMS Majestic (1895)

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Flagge
Die HMS  Majestic
Die HMS Majestic
Übersicht
Typ Linienschiff
Bauwerft

Portsmouth Dockyard, Portsmouth

Kiellegung 5. Februar 1894
Stapellauf 31. Januar 1895
Indienststellung 12. Dezember 1895
Verbleib am 27. Mai 1915 nach Torpedotreffer gesunken
Technische Daten
Verdrängung

14.900 ts , max. 16.000 ts

Länge

126 m p.p. (413 ft)
128,4 m über alles, (421 ft)

Breite

 22,9 m (75 ft)

Tiefgang

  8,4 m (27.5 ft)

Besatzung

757 Mann

Antrieb

24 Belleville-Kessel,
2 Dreifach-Expansionsmaschinen
13,2 MW (18.000 PS)
2 Schrauben

Geschwindigkeit

16,5 kn

Reichweite

4700 sm bei 10 kn

Bewaffnung

• 4 × 305 mm-L/35-Mk.VIII-Kanonen
• 12 × 152 mm-QF 6 inch /40 naval gun Mk. III
• 16 × 76 mm-QF 12 pounder 18 cwt naval gun
• 12 × 47 mm- 3pounder–Hotchkiss-Kanonen
• 5 × 45 cm-Torpedorohre (1 Über-/4 Unterwasser)

Panzerung

System Harvey

Gürtelpanzer

bis 229 mm (9 in)

oberer Gürtel

152 mm (6 in)

Panzerdeck

63 bis 102 mm (2.5-4 in)

Artillerietürme

254 mm (10 in)

Barbetten

356 mm (14 in)

Kasematten

152 mm (6 in)

Kommandoturm

356 mm (14 in)

Panzerschotts

305 bis 356 mm (14-12 in)

Die HMS Majestic war das Typschiff der nach ihr benannten Linienschiffsklasse der Royal Navy. Sie war damit auch das Typschiff für fast alle Linienschiffe auch anderer Marinen mit zwei Doppeltürmen schwerer Artillerie, die auch als Einheitslinienschiffe bezeichnet werden, bis zum Erscheinen der HMS Dreadnought mit einer erheblich erhöhten Anzahl Geschützen der schweren Artillerie. Gleichzeitig wurde die Panzerung mit gehärtetem Stahl nach Harvey bei britischen Linienschiffen eingeführt, die bei geringerer Dicke und Gewicht einen erhöhten Panzerschutz ergab. Äußerlich waren die Majestic und ihre Schwesterschiffe die letzten britischen Linienschiffe mit Schornsteinen nebeneinander. Die Majestic diente von 1895 bis 1906 in der Kanalflotte und der Atlantikflotte, ehe sie erstmals der Reserve zugeordnet wurde. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurde sie noch mehrfach kurzzeitig aktiviert und modernisiert. Im August 1914 wieder aktiviert, übernahm sie verschiedene Aufgaben bei der Channel Fleet, ehe sie im Februar 1915 den britischen Einheiten vor den Dardanellen zugeordnet wurden und ab Ende des Monats dort an den Versuchen teilnahm, die Meerenge zu durchbrechen. Danach unterstützte sie die auf Gallipoli gelandeten Landstreitkräfte mit ihrer Artillerie. Am 27. Mai 1915 wurde die Majestic als drittes Linienschiff innerhalb von 14 Tagen vor Gallipoli torpediert. Sie sank nach einem Torpedotreffer des deutschen Unterseebootes U 21 unter Otto Hersing innerhalb weniger Minuten vor dem Landungsabschnitt „W“ bei Kap Helles. 49 Mann ihrer Besatzung starben.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Kiellegung der Majestic erfolgte am 5. Februar 1894 auf der Marinewerft in Portsmouth (Portsmouth Dockyard), wo sie am 31. Januar 1895 von Stapel lief und im Dezember 1895 fertiggestellt wurde.[1]

Als die Majestic vom Stapel lief, war das 128,4 m lange Linienschiff mit einer geplanten Maximalverdrängung von 16.000 tons, das weltweit größte Linienschiff. Sie und ihre acht Schwesterschiffe galten bei Fertigstellung als gute Seeschiffe, allerdings mit einem hohen Kohlenverbrauch.[2] Als letzte britische Linienschiffe hatten sie nebeneinander statt hintereinander stehende Schornsteine. Die Majestic wurde 1907/1908 auf eine Ölfeuerung umgebaut.[3]

Die Majestic hatte den gepanzerten Gefechtsstand vor der neuentwickelten Brückenkonstruktion um die Basis des vorderen Mastes, die verhindern sollte, dass im Falle von Gefechtsschäden Brückentrümmer den Gefechtsstand behinderten. Die Majestic hatte wie sechs ihrer Schwesterschiffe birnenförmige Barbetten und ein feste Ladeposition für ihre Hauptgeschütze. Nur die Schwesterschiffe Caesar und Illustrious hatten runde Barbetten und konnte in jeder Seitenstellung ihre Hauptbewaffnung laden,[2] wie es bei den folgenden Klassen üblich war.[3]

Heckansicht der Majetic mit 3-Pfündern in den Masten

Die Majestic und ihre Schwesterschiffe hatten einen neun Zoll (229 mm) starken Gürtelpanzer aus Harvey-Stahl, der den Schiffen den gleichen Schutz gab, wie auf früheren Schiffen, aber erheblich weniger wog. Die Schiffe erhielten daher erheblich breitere Panzergürtel als die Vorgänger[3] und ihre Rümpfe waren in 150 wasserdicht zu schließende Abteilungen eingeteilt.

Die Majestic und ihre Schwesterschiffe erhielten ein neues Geschütz als Hauptbewaffnung, die 46 Tonnen schwere 12-Zoll (305-mm)-L/ 35-Mk. VIII-Kanone,[4] die erste 12-Zoll-Kanone auf einem Linienschiff seit etlichen Jahren. Die neue Kanone war erheblich besser und leichter als das zuvor verwandte 13.5-Zoll (343-mm)-Geschütz mit dem die Admiral- und Royal Sovereign-Klasse ausgerüstet war[2] Die Majestic hatte für ihre vier Geschütze je 400 Geschosse.

Die Gewichtsersparnis bei der Hauptartillerie erlaubte den Einbau einer Mittelartilleriebatterie von zwölf 6-Zoll (152-mm)-L/40-Geschützen[5][6]. auf den Schiffen der Majestic-Klasse, die größte derartige Batterie auf einem britischen Linienschiff bis dahin[3] Dazu hatten die Schiffe noch vier Unterwassertorpedorohre und ein Überwasserrohr am Heck. Zur Torpedobootsabwehr waren 16 Zwölfpfünder[7] auf den Aufbauten verteilt, dazu kamen noch zwölf in Lizenz gebaute Dreipfünder vom Typ Hotchkiss[8], die zum Teil in den Masten installiert waren.

Einsatzgeschichte[Bearbeiten]

Die HMS Majestic wurde am 12. Dezember 1895 als erstes Schiff der Klasse der Royal Navy für das Kanalgeschwader in Dienst gestellt.

Vorkriegseinsätze[Bearbeiten]

Majestic bei der Übernahme von Kohlen (1904)

Bis zum April 1898 folgten der Majestic ihre sieben Schwesterschiffe in den Dienst, von denen allerdings Victorious, Caesar und Illustrious zur Mittelmeerflotte gingen. Besondere Ereignisse ihrer Dienstzeit bei der Kanalflotte waren die Flottenschauen anlässlich des Diamantenen Thronjubiläums der Königin Victoria am 26. Juni 1897 bei Spithead und der Krönung König Eduard VII. am 16. August 1902. Von Februar bis Juli 1904 wurde die Majestic in Portsmouth gründlich überholt.

Bei der Reorganisation der Flotte im Januar 1905 wurde sie durch Umbenennung der Channel Fleet Teil der Atlantikflotte. Bei der erneuten Bildung einer Channel Fleet blieb sie Teil der Atlantikflotte, der sie im Sommer 1906 zusammen mit ihren Schwesterschiffen Magnificient und Victorious neben fünf neuen Linienschiffen der King Edward VII-Klasse angehörte. Am 1. Oktober 1906 wurde die Majestic dann außer Dienst gestellt und der Reserve in Portsmouth zugewiesen.[9]

Am 26. Februar 1907 wurde die Majestic in Portsmouth wieder in Dienst genommen als Flaggschiff des Befehlshabers der Nore Division der neuen Home Fleet und verlegte auch in die Nore. Dort wurde sie auch Ende des Jahres überholt und erhielt eine Funkanlage und ein neues Feuerleitsystem[10] Ihren Status als Flaggschiff verlor sie im Januar 1908, blieb aber weiter Teil der Nore Division.[9] Im Juni 1908 verlegte sie dann zur Devonport Division der Home Fleet, wo 1909 weitere Modernisierungen des Schiffes vorgenommen wurden. Die Devonport Division wurde im März 1909 in die 3. Division, im August 1910 in die 4. Division umbenannt. 1911 wurde die Majestic in Devonport nochmals überholt.[9] Im Mai 1912 erfolgte eine erneute Umgliederung der Flotte und die Majestic wurde Teil des 7. Schlachtgeschwaders der 3. (Reserve-)Flotte in Devonport, das sie mit ihren Schwesterschiffen Caesar, Illustrious, Jupiter und Prince George bildete. Am 14. Juli 1912 kollidierte sie bei einer Übung mit ihrem Schwesterschiff Victorious, ohne ernsthaft Schaden zu erleiden.[9]

Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde die Majestic mit dem 7. Schlachtgeschwader der Channel Fleet zugeteilt. Majestic wurde im August und September 1914 noch überholt um dann die Überführung des British Expeditionary Force nach Frankreich Ende September 1914 zu sichern. Vom 3. bis 14. Oktober 1914 begleitete sie dann den ersten Transport Kanadischer Truppen[9]. Ende Oktober 1914 wurde sie Wachschiff in der Nore und verlegte am 3. November in gleicher Funktion zum Humber. Im Dezember 1914 wurde die Majestic Teil der Dover Patrol, und bildete mit dem alten Linienschiff HMS Revenge eine Einheit zur Unterstützung des Heeres und beide Schiffe beschossen am 15. Dezember 1914 Deutsche Artilleriestellungen bei Nieuwpoort an der Küste Flanderns. Ab Januar 1915 war auch für die Majestic Portland die Basis[9], wie für die meisten anderen schweren Einheiten der Channel Fleet.

Einsatz an den Dardanellen[Bearbeiten]

Im Februar 1915 wurde die Majestic den Einheiten für den beginnenden Dardanellen-Feldzug zugewiesen, der einen Weg über die Türkei zur Unterstützung des russischen Verbündeten schaffen sollte. Unter Captain H. F. G. Talbot Ashe lief die Majestic Anfang Februar zum Mittelmeer. In Malta wurde sie noch mit einer Minenabwehranlage versehen, die als "mine-catching gear"[9] bezeichnet wurde, so dass sie als eine Art Sperrbrecher eingesetzt werden konnte.[10] Am 24. Februar 1915 traf sie vor den Dardanellen ein und lief am 26. erstmals aus Tenedos zur Beschiessung türkischer Forts in den Dardanellen aus.[9] Sie gehörte mit den Linienschiffen Albion und Triumph zu den ersten schweren alliierten Einheiten, die in die Meerengen eindrangen und sie beschossen die Forts in den Engen von 9.14 bis 17.40 Uhr. Majestic erlitt dabei einen Treffer unterhalb der Wasserlinie, konnte aber die Beschiessung fortsetzen. Auch am folgenden Tag wurde sie in gleicher Weise eingesetzt. Am 1. März 1915 unterstützte sie die ersten Landungen in den Bereichen der äußeren Forts, die sie von 11:25 bis 16:45 Uhr. Am 3. wurde sie für weitere Beschiessungen eingesetzt, ehe sie sich am 8. nach Mudros[9] zurückzog, um schon am 9. Türkische Stellungen am Dardanelleneingang von 10.07 bis 12.15 Uhr erneut zu beschiessen. Am 10. zog sie sich nach Tenedos zurück. Am 15. März 1915 erfolgte noch ein weiterer Einsatz am Dardanelleneingang mit Rückmarsch nach Tenedos am 16.[9]

Die Majestic nahm am Durchbruchsversuch durch die Dardanellen am 18. März 1915 teil. Ab 14:20 Uhr beschoss sie das Fort N°9 und Feldbatterien in den Wäldern an der Meerenge. Während sie Fort N°9 beschoss, gelangen diesem noch schwere Treffer auf der HMS Ocean, die schließlich verloren ging. Majestic brach die Beschiessung um 18:35 Uhr befehlsgemäß ab. Sie hatte vier Treffer erhalten, zwei an der Basis des Mastes und zwei im Vorschiff und erreichte Tenedos um 22:00 Uhr mit einem Toten und etlichen Verwundeten[11]

Schon am 22. März war die Majestic wieder direkt vor den Dardanellen und beschoss am 28. zweimal türkische Stellungen und dann wieder am 14. April. Am 18. April schoss sie auf das aufgegebene britische Unterseeboot E15 nahe Fort Dardanos. Als dessen Besetzung durch die Türken drohte, zerstörten die Verkehrsboote der Majestic und der Triumph, E15 mit Torpedos. Das Boot der Majestic wurde allerdings beim Rückzug von türkischen Küstenbatterien versenkt. Majestic kehrte am 21. April nach Tenedos zurück[12].

Am 25. April 1915 war die Majestic wieder im Einsatz, unterstützte die auf Gallipoli mit ihrer Artillerie bis in die Abendstunden und meldete die Landung über Funk nach London. Sie nahm 99 Verwundete nach 21 Uhr an Bord und ihre Boote wieder auf bevor, sie über Nacht vor Gallipoli ankerte. Am nächsten Morgen eröffnete sie um 6:17 Uhr erneut das Feuer auf erkannte Artilleriestellungen. Am 27. April setzte sie den Einsatz bis mittags fort, wobei die türkische Seite zumindest Nahtreffer erzielte. Am 29. April war die Majestic nochmals im Einsatz und ankerte auch in der Nacht vor Gallipoli[12]

Verlust der Majestic[Bearbeiten]

Majestic sinkt bei den Dardanellen, 27. Mai 1915

Ende Mai löste die Majestic die Triumph als Flaggschiff von Konteradmiral Stuart Nicholson[10], dem Befehlshaber des Unterstützungsgeschwaders bei Kap Helles, ab[13]

Am 27. Mai 1915 vor dem Landungsabschnitt „W“ bei Kap Helles erhielt die Majestic gegen 6:45 Uhr trotz einer Sicherung durch Zerstörer und Torpedoschutznetzen einen Torpedotreffer. Es kam zu einer großen Explosion und die HMS Majestic bekam sofort Schlagseite nach Backbord und kenterte in wenigen Minuten. In dem nur 16 m tiefen Wasser schlug ihr Mast in den Grund. 49 Mann starben beim Untergang[14].

Der Angreifer war das deutsche Unterseeboot U 21 unter Otto Hersing, das einen Torpedo durch den Sicherungsring der Zerstörer gefeuert hatte. U 21 war als erstes deutsches Unterseeboot aus der Nordsee ins Mittelmeer marschiert und war nach Anlaufen von Cattaro weiter zu den Dardanellen marschiert. Nach der Versenkung der Majestic marschierte das Boot nach Konstantinopel, wo der Kommandant mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet wurde.

Die gekenterte Majestic 1915

Die Majestic war das dritte Linienschiff, das innerhalb von zwei Wochen vor Gallipoli torpediert wurde. U 21 hatte zwei Tage zuvor schon die Triumph versenkt. Die erste Versenkung eines Linienschiffs vor den Dardanellen mit Torpedos war dem türkischen Torpedoboot Muavenet-i Milliye mit einem Nachtangriff auf die Goliath gelungen. Der Verlust der Majestic führte zum weitgehenden Verzicht auf Unterstützung durch schwere Schiffe. In Zukunft kamen vor allem alte Kreuzer und zu diesem Zweck gebaute Monitore zum Einsatz.

Die Masten der kenternden Majestic blieben im Meeresuntergrund stecken und ihr Schiffsboden blieb für Monate sichtbar, bis ihr vorderer Mast bei einem Sturm in der Nacht des 17. November 1915 zusammenbrach.[12] Das Wrack liegt auf der Position 40° 3′ N, 26° 11′ O40.04166666666726.183888888889Koordinaten: 40° 2′ 30″ N, 26° 11′ 2″ O.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • R. A. Burt: British Battleships 1889–1904, Naval Institute Press, Annapolis, Maryland (1988), ISBN 0-87021-061-0.
  • Roger Chesneau, Eugene M. Kolesnik (Hrsg.): Conway's All The World's Fighting Ships, 1860–1905, Conway Maritime Press, London (1979), ISBN 0-85177-133-5
  • F. J. Dittmar, J. J. Colledge: British Warships 1914–1919, Ian Allen, London (1972), ISBN 0-7110-0380-7.
  • Tony Gibbons: The Complete Encyclopedia of Battleships and Battlecruisers: A Technical Directory of All the World's Capital Ships From 1860 to the Present Day, Salamander Books Ltd., London (1983)
  • Randal Gray (Hrsg.): Conway's All The World's Fighting Ships 1906–1921, Naval Institute Press, Annapolis, Maryland (1985), ISBN 0-87021-907-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Majestic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Burt, S. 114.
  2. a b c Conway's All the World's Fighting Ships 1860–1905, S. 34
  3. a b c d Gibbons, S. 137.
  4. 12"/35 (30.5 cm) Mark VIII
  5. 6"/40 (15.2 cm) QF Marks I, II and III
  6. Conway's, S.34
  7. 12-pdr -3"/50 (7.62 cm)- 18cwt QF Mark I
  8. Hotchkiss 3-pdr (1.4 kg) -1.85"/40 (47 mm)- QF Marks I and II
  9. a b c d e f g h i j Burt, S. 130.
  10. a b c Conway's, S. 7
  11. Burt, S.130f.
  12. a b c Burt, S. 131
  13. Burt, S.131, Conway, S.7
  14. Burt, S.131
  15. Majestic