Haas’sche Schriftgiesserei

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Gebäude in Münchenstein

Die Haas’sche Schriftgiesserei war eine Schriftgiesserei in Basel und Münchenstein.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen ging zurück auf Johann Jakob Genath (1582–1654), der in Basel eine Druckerei mit Schriftgiesserei besass. In dritter Generation unter Johann Rudolf Genath ging es 1740 über auf Johann Wilhelm Haas aus Nürnberg, der 1718 in die Schriftgiesserei eingetreten war. 1758 wurde Johann Wilhelm Haas Basler Bürger.

Sein Sohn Wilhelm Haas-Münch (1741–1800) erfand eine verbesserte Handpresse aus Metall und erweiterte den Betrieb um eine Druckerei. Dank der von ihm und seinem Sohn Wilhelm Haas-Decker (1766–1832) eingeführten typografischen Erneuerungen und dem gezielten Aufbau internationaler Geschäftsbeziehungen entwickelte sich das Unternehmen zur führenden Schriftgiesserei der damaligen Schweiz und zu den bedeutendsten in Europa. Ab 1786 wurde der Betrieb unter dem eigenen Namen geführt. Im Jahr 1852 wurde die Schriftgiesserei von den Söhnen des jüngeren Wilhelm, Georg Wilhelm Haas (1792–1853) und Karl Eduard Haas (1801–1853), verkauft.

In den 1920er Jahren zog das Unternehmen in ein neues Gebäude nach Münchenstein an die Gutenbergstrasse, wo unter anderem die Schriften Berthold Bodoni und Helvetica entstanden. Im Jahr 1989 übernahm Linotype die Haas’sche Schriftgiesserei. Das nicht übernommene Bleisatz-Geschäft wurde als Walter Fruttiger AG weitergeführt.[1] Der Betrieb in Münchenstein wurde stillgelegt. In das ehemalige Giessereigebäude zog die Rudolf Steiner Schule Münchenstein ein.

Architektur[Bearbeiten]

Das eigenwillige Fabrikgebäude in Münchenstein stammt vom Architekten Karl Gottlieb Koller, der sich zuvor einen Ruf mit grossen Hotelanlagen im Engadin geschaffen hatte. Charakteristisch sind die Dächer einzelner, zu einer Halle aneinandergereihter Häuschen, deren parabelförmige Kreuzgratgewölbe auf Pfeilern ruhen. In den Zwickeln der Dächer liegen Dachfenster, um genügend Tageslicht für die Arbeit der Schriftgiesser zu haben. Seit 1993 befindet sich im Gebäude eine Rudolf-Steiner-Schule.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Bruckner: Schweizer Stempelschneider und Schriftgiesser. Geschichte des Stempelschnittes und Schriftgusses in Basel und der übrigen Schweiz von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Haas’sche Schriftgiesserei, Münchenstein 1943.
  • Friedrich Bauer: Chronik der Schriftgießereien in Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern. 2. Auflage. Verein deutscher Schriftgießereien, Offenbach am Main 1928.
  • Arnold Schneider, Gustaf Adolf Wanner, Paul Göttin: 400 Jahre Haas 1580–1980. Kassette mit Material zur Firmengeschichte. Haas’sche Schriftgiesserei, Münchenstein 1980.
  • Wilhelm Haas-Decker: Wilhelm Haas 1766–1838 – Sein Tagebuch. Basler Papiermühle, Basel 1997.
  • Gustav Mori: Das Schriftgießergewerbe in Süddeutschland und den angrenzenden Ländern. Ein Abschnitt aus der Geschichte des deutschen Schriftgießer-Gewerbes. Bauer, Stuttgart 1924.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag der «Walter Fruttiger AG» im Handelsregister des Kantons Basel-Landschaft

Weblinks[Bearbeiten]

47.5164367.610944Koordinaten: 47° 30′ 59″ N, 7° 36′ 39″ O; CH1903: 612980 / 262869